An die Wand gefahren.....

Hallo,

ich weiß gar nicht so recht wo ich anfangen soll?! Na ich versuchs einfach mal.

Mein Mann und ich sind seit 14 Jahren verheiratet, seit 19 Jahren zusammen. Er war schon einmal verheiratet und hat aus dieser Ehe drei Kinder. Gemeinsam haben wir ein Kind.

Die drei Kinder aus seiner ersten Ehe waren überwiegend bei uns. Wir hatten, im Nachhinein gesehen, nicht richtig Gelegenheit eine Basis für unsere Beziehung zu schaffen. Wir haben uns halt geliebt, für den Anfang reicht das ja.

Es gab natürlich Probleme, so wie das bei Patchwork häufig ist. Ich war mit einigen Sachen nicht einverstanden, was ich meinem Mann gegenüber auch kommuniziert habe. Er hat das alles nicht so eingesehen und wir haben weitergewurschtelt wie er es wollte.

Es gab Streit. Häufig. Ich habe in ruhigem Ton versucht, ihm meine Situation/meinen Standpunkt näher zu bringen. Ich habe es mit Geschrei, mit Weinen und mit Schweigen versucht. Es hat nichts gebracht, außer dass er mich nicht mehr ernst genommen hat.

Ich war mit der Konstellation schlichtweg überfordert. Vier Kinder, Haushalt, Garten und Teilzeitarbeit. Mein Mann den ganzen Tag arbeiten. Ich wollte dass es mit uns funktioniert, wollte dass alle zufrieden sind, auch mit mir, und habe mich dabei vergessen.

Und bevor ich jetzt noch weiter aushole und es ewig lang wird komme ich lieber auf den Punkt:

Ich habe angefangen zu trinken.

Wenn es Streit gibt und ich getrunken habe beschimpfe und beleidige ich meinen Mann, wegen Themen die auch schon länger zurückliegen. Also völlig gaga!!

Er hat nicht alles richtig gemacht, ich auch nicht, aber das hat er einfach nicht verdient.

Irgendwie bin ich da reingeschlittert und ich weiß nicht mehr wann es anfing.
Ich denke ich war mal eine liebenswerte Frau und davon ist jetzt nichts mehr übrig.

Ich liebe meinen Mann nach wie vor, denke bei ihm ist das durch mein Verhalten ziemlich abgekühlt. Kein Wunder, so einen Menschen wie mich kann man nicht lieben.

Es tut mir eigentlich nur noch leid für ihn, dass er mit mir verheiratet ist. Also es ist nicht so, dass ich einfach dauernd kotzig bin, aber halt dann wenn ich getrunken habe und bestimmte Themen auf den Tisch kommen.

Aus dieser Spirale möchte ich raus. Ich will nicht mehr trinken und dann zum A..... mutieren. Ich zerstöre mein Leben und meine Ehe.

Gibt es hier jemand oder kennt ihr vielleicht jemanden, der es aus eigener Kraft geschafft hat vom Alkohol wegzukommen bzw. den Konsum in "normale" Bahnen zu lenken? Oder funktioniert das nur mit professioneller Hilfe?

Danke fürs Lesen
Grüße

Hol dir Hilfe. Alleine ist das sicher kaum machbar. Wende dich an deinen Hausarzt. Er wird dir weiter helfen. Alles alles Gute euch

Wie häufig trinkst du?
Von einem Entzug im Alleingang würde ich dir dringend abraten! 1. Wegen den Entzugserscheinungen, die sehr gefährlich werden können. 2. Ohne psychologische Begleitung kommst du da nicht auf Dauer davon weg. Du behandelst dann nur ein Symptom aber nicht die Erkrankung! D.h. Rückfälle sind vorprogrammiert, wenn du nicht daran arbeitest, das du dir andere Strategien aneignest um mit Stress, Angst, Frust,... umzugehen! Wenn du den Teufelskreis unterbrechen möchtest, dann mach es richtig mit prof. Hilfer!

Viel Glück

Nein ich kenne keinen der das ohne Hilfe geschafft hat. Und je nachdem wieviel, lange und oft du trinkst braucht auch dein Körper Hilfe beim Entgiften. Das solltest du dann gar nicht ohne unterstützende Medikamente probieren.

Als erste Anlaufstelle, wären Selbsthilfegruppen ganz gut. Die Teilnehmer wissen auch meistens, wo du gute und kompetente professionelle Hilfe bekommst.

Alles Gute für dich und das du bald gesund werden kannst.

Im Alleingang nicht, das geht glaube ich auch nicht wirklich. Aber ich kenne eine Frau, die mit professioneller Hilfe ihr Alkoholproblem wirklich in den Griff bekommen hat. Sie ist inzwischen seit vielen Jahren trocken. Es geht also wirklich. Sie führt die psychologische Betreuung übrigens immer noch fort, wenn auch heute in anderem Umfang. Auch deshalb glaube ich, du solltest das nicht allein versuchen.

Geh zum Hausarzt, der ist die erste Anlaufstelle. Auch die Drogenberatungsstelle deiner Stadt kann helfen.

Es ist super, dass du dein Problem erkannt hast und angehen möchtest. Damit bist Du schon so viel weiter als viele andere in deiner Situation. Bleib so stark und geh es an!

Unbedingt helfen lassen!!!
Du machst nicht nur dich und deine Ehe kaputt! Dein Kind leidet!!!
Ich wünsche dir alles Gute und Menschen, die dich in der kommenden Zeit begleiten.
Alkohol ist meistens ein Mittel gegen Schuldgefühle, Angst und Einsamkeit. Dort musst du ansetzen und den Ursprung des Problems finden. Hilfe annehmen, noch heute darum kümmern. Nicht erst morgen, übermorgen, überübermorgen....

Ich habe die letzten Jahre täglich abends getrunken, in der Regel 2/3 - 1 Flasche Wein. Damit war ich bestimmt kein extremer Fall, aber auch ich war ungerecht, habe rumgebrüllt, Streit angefangen etc. Reduzieren hat nicht geklappt, habe ich mehrmals versucht. Es wurde danach eher noch mehr. Und ich fing an, meinen Konsum vor meinem Mann zu verheimlichen. Wie viel trinkst du, und wann?

Anfang des Jahres habe ich aufgehört. Ich habe parallel ein paar Bücher zum Thema gelesen, so was hilft mir. Nüchtern von Daniel Schreiber hat mir gut gefallen. Und Chianti zum Frühstück von Clare Pooley, trotz des saudummen Titels.

Meine Ärztin habe ich darüber informiert, v.a. um eine "Mitwisserin" zu haben. Körperlich fühlte sich der Entzug nur wie ein Kater an, da brauchte ich keine Medikamente oder so. Sie bot mir noch an, mir einen Termin in einer Suchtambulanz zur Beratung zu organisieren, hab ich bisher noch nicht gemacht.

Es ist nun über ein halbes Jahr, bisher läuft es gut. Ich meide allerdings Situationen, in denen üblicherweise Alkohol getrunken wird. Ich hab sogar eher Serien geguckt, in denen nicht getrunken wird (gar nicht so einfach). Es geht mir so viel besser als vorher, daher fällt es mir aktuell leicht, nicht zu trinken. Falls nun neue Belastungen dazu kommen würden, wie Jobprobleme, Krankheit in der Familie o.ä. könnte es schwieriger werden, nicht zu trinken. Ich hab mir schon Selbsthilfegruppen raus gesucht, das würde ich dann wohl machen. Hört sich alles etwas naiv an, aber bisher läuft es gut.

Hallo,

Tatsächlich schaffen viele Menschen den Ausstieg aus dem Alkohol auch ohne Hilfesystem. Ich würde dir trotzdem Raten dir Unterstützung zu holen. Alkoholabhängigkeit ist eine Krankheit. Schau mal bei dir in der Gegend nach einer Suchtambulanz, die sind oft an Psychiatrische Kliniken angebunden. Vereinbare dort einen Termin. Das ist ein erster Schritt in ein abstinentes Leben.

Hast du entzugserscheinungen wenn du aufhörst zu trinken? Wenn ja, dann rate ich dir zu einer Entgiftung. Die Entgiftung findet auch in der Psychiatrie statt. Dort sind neben Ärzten auch Psychologen und Sozialarbeiter um dir bei deinen Problemlagen zu helfen.

Auch die Suchtberatung ist immer eine gute Adresse um Hilfe zu starten. Die wissen über das regionale Versorgungs und Hilfesystem bescheid.


Gib dich nicht auf, auch wenn du trinkst bist du liebenswert. Du bestehst nicht nur aus deiner Sucht!

Alles Gute!

Du hast doch den ersten Schritt schon getan: du hast dein Problem erkannt. Den zweiten hast du auch getan: du willst es ändern.

Hole Dir Hilfe. Am besten sprichst du mit deinem Mann. Ihr seid nach wie vor zusammen und du bist die Mutter seines Kindes. Sei dir sicher, er wünscht sich, dass du das Problem in den Griff bekommst und wird Dir helfen.

Wenn du nicht zu den anonymen Alkoholikern gehen möchtest, wende dich zunächst an deinen Hausarzt oder eine andere Suchtberatungsstelle.

Alles Gute für dich und deine Familie!

Hallo,

Von finde es mutig das du diesen Schritt gemacht hast und dich geöffnet hast.
Ich war in einer ähnlichen Situation, nur hat mein Mann getrunken und ich dann später auch weil ich damit nicht klar kam, bzw. war ich der Meinung besser damit umgehen zu können wenn ich selber angedusselt war.
Ich habe über einen langen Zeitraum viele Versuche gestartet damit aufzuhören was aber nie lange geklappt hat und jeder Versuch hat darin geendet das ich noch mehr getrunken habe als vorher.
Irgendwann hab ich meinen inzwischen gewalttätigen Mann raus geworfen und mich um mich gekümmert. Ich habe bei der Suchtberatung der Caritas angerufen, einen Termin gemacht und die haben mir einen Platz auf der Entgiftungsstation der psychiatrischen Klinik besorgt. Mein Kind war in dieser Zeit von meiner Mutter, meiner Oma einer Haushaltshilfe und einer Tagesmutter betreut. Ich war 4 Wochen stationär, danach noch 12 Wochen in der Tagesrehabilitation. Am Morgen hin, am Abend nach Hause.
Es war das beste was ich tun konnte, mir hat es geholfen. Ich habe sehr an mir gearbeitet und bin inzwischen 6 Jahre trocken ohne einen Rückfall.
Deine erste Anlaufstelle sollte der Hausarzt oder die Suchtberatung (z.b Caritas) sein. Wenn du diesen Schritt geschafft hast wird bist du nicht mehr alleine und dir wird geholfen alles in die richtigen Bahnen zu lenken. Auf jeden Fall solltest du eine Entgiftung machen. Theoretisch reichen dafür 5-7 Tage stationär.

Ich wünsche dir alles gute, trau dich diesen Schritt zu machen. Es kann nur besser werden.

Ihr Lieben,

ich danke von Herzen allen die mir geantwortet haben. Ihr habt mir geholfen, ich weiß jetzt in welche Richtung es gehen muss.

Um die Frage noch zu beantworten, ich trinke eigentlich täglich ab ca. 18 Uhr, immer wenn ich eben in die Küche gehe und Abendessen zubereite. Bis ich ins Bett gehe ist eine Flasche Wein leer, also 0,75 Liter, manchmal auch eine Liter-Flasche.

Ganz selten gibt es Abende an denen ich nichts trinke. Meistens sind das dann Folgeabende von Abenden an denen ich mehr als eine Flasche hatte.

Bekomme ich Kaffee-Besuch oder bin zum Kaffee eingeladen gibts um 15 Uhr schon Sekt. Das ist bei uns so üblich.

Ich habe keinen Vorrat zu Hause, nehme halt beim Einkauf zwei Flaschen mit. Manchmal hab ich das sein lassen und gedacht wenn nichts daheim ist kann ich schon nichts trinken. Bin dann tatsächlich nach Ladenschluss auch schon an die Tankstelle gefahren ... unfassbar! Ich schäme mich wirklich.

Wenn ich 0,75 Liter überschreite werde ich zum absoluten Honk.

Problem: alle wissen, dass ich gern "mal eins trinke". Also egal wo ich hinkomme, ob zu meiner Mutter/Schwestern/Schwägerin oder Freunde/Bekannte, werde ich gefragt ob ich ein Gläschen Sekt oder Wein möchte.

Sie tun das, weil sie nicht wissen wieviel ich trinke. Bei ihnen ist es eben mit diesem Gläschen getan und ich trinke daheim halt weiter.

Ich verachte mich, weil ich nicht früher die Bremse gezogen habe.

Also, danke nochmal für eure hilfreichen Beiträge.

Grüße

Versuch auf jeden Fall die Situationen zu meiden, wo Dir ein Glas angeboten wird. Bzw. stelle vorher klar, dass Du keinen Alkohl trinken möchtest.

Ich glaube, als erstes musst du dein engstes Umfeld dringend einweihen. Externe Situationen kann man anfangs meiden, aber Familie und ganz enge Freunde nicht. Sie müssen wissen, dass sie dir nichts anbieten sollen oder dich gar nicht überreden dürfen. Das gibt's ja auch....jemand lehnt dankend ab und er wird bequatscht...nur ein 1/2 Glas zum Anstoßen, zur Feier des Tages usw.

Du bist auf einem guten Weg. DU hast es erkannt und willst etwas ändern. Anders geht's nicht. Ich denke, du hast gute Chancen. Ich kenne 2, die es geschafft haben mit Entgiftung in der Klinik und Anschlussprogramm. Der eine steht im Job unter Kontrolle u. muss regelmäßig zu Untrsuchungen, ob er trocken ist, weil er mit der akuten Krankheit in dem Job nicht arbeiten dürfte u. eine Gefahr für andere wäre. Einer hat es - es sah fast locker u. leicht aus - nach Jahrzehnten Sucht mit großer Unterstützung seiner Frau gemeistert.

Eine hat es leider nie geschafft. Ihr fehlte leider die eigene Einsicht (ich bin nicht so weit unten wie die anderen in der Klinik. Ein Glas hin und wieder macht nix....) und die nötige Kraft. Sie hatte eine grauenhafte Kindheit u. kam dauerhaft in eine Pflegefamilie. Um die Ursache zu bearbeiten, hätte sie sich den ersten Jahren ihrer Kindheit stellen müssen. Das hat sie nie geschafft, weil es jahrelange Therapie bedeutet hätte. Nach wenigen Monaten gab sie auf und der Kreislauf aus trinken, Entgiftung u. Klinik begann von vorn.

Du wirst das schaffen! Es ist kein Grund, sich zu schämen, wenn man selbst erkennt, dass man der aktuelle Mensch nicht mehr sein möchte und man von sich selbst angewidert ist. Die Erkenntnis braucht Mut und Stärke - die man manch einem Nicht-Alkoholkranken hier und da wünschen würde!

Viel Glück und Kraft!

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Hallo Du!

Ich glaube, die Einsicht ist der erste Schritt. Und mit Hilfe (Hausarzt und dann Suchtambulanz) wird es bestimmt einen Weg geben.

Was mich echt bedrückt hat war zu lesen, wie Du dich selbst bewertest. Du bist nicht die Krankheit. Natürlich verändert sie dich punktuell, aber du bist deshalb noch lange nicht der wertlose Abschaum, als den du dich hier vorstellst.
Ich finde es traurig, dass Du einerseits wahrnimmst wie respektlos dein Mann war, in dem er dich nicht ernst genommen hat, andererseits du aber dich als die skizzierst, die die Ehe an die Wand gefahren hat. Wer war da die Ursache für was??
Ich glaube, in den Rahmen einer Suchtbehandlung gehört auch eine Ehetherapie- und zwar nicht allein wg deinem Fehlverhalten.

Ich wünsche dir alles Gute!!

Ohne professionelle Hilfe wird das nichts. Aber das wichtigste für den Anfang, nämlich Problembewusstsein und Wille zur Änderung hast Du, dann kann das mit Unterstützung klappen.

Wir haben einen Fall von funktionierendem Alkoholismus in der Familie - alleine schaffst du das nicht. Hol dir professionelle Hilfe. Mach einen Entzug, Reha, ...
Nicht morgen, heute!
Entsorg allen Alkohol, den ihr in der Wohnung habt, meide Orte, wo es Alkohol gibt (auch die Gänge im Supermarkt), vertrau dich Leuten in deinem Umfeld an, die dich unterstützen (Mann, Kinder, Geschwister, Freunde, ...).

Du brauchst sowohl die professionelle Unterstützung, als auch die persönliche.

Alles Gute dir/euch!

P. S.: Toll, dass du das Problem selber siehst! Damit ist schon der erste Schritt getan!
#liebdrueck