Große Familienfeier(70. Geburtstag) obwohl enges Falilienmitglied im Sterben liegt

Hallo,

ich bin momentan sehr zwiegespalten und würde gerne mal Meinungen von außen hören.

Meine Schwiegermutter hat drei Schwestern und alle 4 Damen sind wie Pech u Schwefel, unzertrennlich, alle topfit und uptodate. Also keine klassischen Rentner.

Vor 2 Jahren wurde bei einer der Damen ein Krebsleiden diagnostiziert, welches sich in den letzten Monaten rapide verschlimmerte u sie wird nun zu Hause palliativ versorgt (sie ist bei vollem Bewusstsein).
Natürlich ist das Drama in der Familie groß, vor allem unter den vier Schwestern pure Verzweiflung...

Nun feiert ein Ehemann einer dieser Schwestern (Onkel meines Mannes) übernächstes Wochenende seinen 70. Geburtstag mit knapp 100 Gästen in einer Gaststätte....

Ich bin erstaunt und sogar etwas schockiert. Ich würde im Traum nicht daran denken, so eine Party zu schmeißen, wenn ein so enger Verwandter (seine Schwägerin) im Sterben liegt. Ich frage mich, wie die Ehefrau des Jubiliaren das so zulassen kann.

Obwohl wir wenig Kontakt zu den Tanten und Onkeln meines Mannes haben, habe ich aus Pietätsgründen Hemmungen auf diese Feier zu gehen. Es fühlt sich für mich falsch an. Die arme Frau liegt auf dem Sterbebett und die gesammte Familie inkl. Schwestern u Tochter amüsieren sich zusammen.

Mein Mann sieht es anders. Er meint, der Onkel hätte sich bestimmt das Einverständnis der Betroffenen geholt... außerdem habe er aus Rücksichtnahme sogar die Musikband gecancelt. Meine Schwiemu ist auch der Meinung, das die Party ok ist.

Ich bin nun im Zwiespalt, ob ich meinem Mann u seinem Onkel zuliebe hingehen soll. Mein Gefühl sagt nein.
Mein Mann sagt, anstandshalber müssen wir uns blicken lassen.....ich sage, anstandshalber dürfte zu diesem Zeitpunkt nicht gefeiert werden.

Ich weiß nicht, wie die anderen Familienmitglieder über diese Angelegenheit denken. Anscheinend gehen alle hin.

Wie seht ihr das?

lg

Der Onkel würd 70 und ist auch der Endlichkeit seines Lebens wohl auch sehr bewusst. Eventuell ist es der letzte runde Geburtstag, seine letzte Chance auf eine große Party. Ja, ein anderes Familienmitglied wird bald sterben. Nächstes Jahr könnte er es selbst sein.
Darüber hinaus kann sich eine Krebserkrankung lange hinziehen. Ich würde hingegen.

Ich gehe mal davon aus, wenn die Schwestern alle so dicke sind, dass es vorher besprochen wurde, ob und wie gefeiert werden kann/darf... Weiter denke ich, dass es die Betroffene vermutlich gar nicht anders gewollt hat, denn sowas ist meistens der Fall...

Vielleicht solltet ihr selber mehr mit Tanten und Onkels kommunizieren und nicht nur über sie reden, dann wüsstet ihr ja evtl schon, was Sache ist... Fragt doch einfach mal nach, das ist der beste und einfachste Weg... Da könnt ihr Bedenken äußern und euch die Geschichte aus erster Hand anhören, wie es jetzt zu einer Geburtstagsfeier gekommen ist...

LG

Ihr habt wenig Kontakt.
Die Tanten hingegen haben einen guten Draht zueinander.

Woher willst du wissen ob diese Feier nicht auch im Sinne der kranken Tante ist?

Wenn ich krank wäre würde ich von anderen auch nicht erwarten, dass sie quasi ihr Leben nicht mehr genießen sollen.

Ich kann deine Gefühle nachvollziehen. Mir ginge es wahrscheinlich beim ersten nachdenken auch so.

Aber sind wir mal ehrlich, das Leben geht weiter! Muss es auch, auch mit schönen Momenten. Man kann doch nicht keine schönen Dinge mehr tun, bis es passiert ist.

In der Familie meines Mannes gab es letztes Jahr drei Todesfälle. Die Schwester meiner Schwiegermutter, und wenig später deren Mann. Letzterer starb am 60, Geburtstag meiner Schwiegermutter, bzw die Beerdigung war an dem Tag. Meine Schwiegermutter haderte sehr mit sich. Letztlich hat sie gefeiert, einfach zwei Wochen später, und das war auch gut so!

Hallo,
Ich bin schwer krank und mein Ende ist Näher dran als bei meiner Zwillingsschwester. Wenn es in ein paar Jahren so weit ist und ich gepflegt werden muss, hoffe ich meine Familie feiert jedes Fest was ansteht.
Feste soll man Feiern wie sie fallen.
Außerdem kann man auch auf einer großen Party das Glas für diejenigen erheben welche nicht da sind.

Gruß Sol

Danke für Deine Sichtweise!

Ich wünsche dir viel Kraft und Zeit u viele wertvolle Menschen um dich rum!

Läge ich im Sterben, würde ich auf keinen Fall wollen, dass deswegen eine Feier ausfällt! Das Leben geht weiter!

Wenn es wirklich ist, wie du schreibst und so ein gutes Verhältnis unter den Schwestern herrscht, dann haben sie sicher untereinander über die Feier gesprochen. (Wenn z.B. sogar die Musik gecancelt wurde...). Da die Schwester auch noch nicht verstorben ist, sehe ich auch keinen Grund, nicht zu feiern. Gerade in dem Alter geht es doch bei so einer Geburtstagsfeier auch meist nicht ums "feiern", sondern alle erfreuen sich daran, nochmal zusammen zu kommen und gemeinsam Zeit zu verbringen. Leider ist es ja tatsächlich sonst oft so, dass nur die Beerdigung alle Verwandten zusammenführt...
Ich muss sagen, ich finde das Fest wirklich absolut unkritisch und würde hingehen. Genauso wie ich wöllte, dass alle zusammen kommen, wenn es mir schlecht geht. Es ist doch ein toller Anlass, um sich zu treffen und sicher auch im Sinne der Kranken. Ich kann es mir einfach nicht anders vorstellen...

Du sagst die Schwestern stehen sich sehr nahe, du sagst, die Sterbende sei sich im Klaren über ihren Zustand und sei urteilsfähig.

Nun kommst du als Aussenstehende (angeheiratetes Familienmitglied ohne engen Bezug) und urteilst darüber, was erlaubt ist. Du bringst Pietät ins Spiel. Das ist echt unfair und überheblich.

Dieses Jahr feierten wir den 17. Geburtstag unseres jüngsten Sohnes im Garten. Alle Fenster unseres Hauses waren offen, es war wunderschönes Wetter. Oben im ersten Stock lag meine Schwiegermutter im Sterben, war nicht mehr ansprechbar, sie starb 2 Tage später. Wir pendelten zwischen Garten und ihrem Bett, zwischen Pflege, Trauer, Abschied und Fröhlichkeit. Das ist Leben.
Wer darauf nicht klar kommt, darf seine Probleme gerne mit sich selber regeln, wir hätten auf solche Leute verzichtet, auch für die Zukunft.

Leben und sterben gehören für mich zusammen. Es darf jeder selbst entscheiden, ob er in so einer Situation seinen Geburtstag feiern möchte oder als Gast dabei sein möchte. Man wird auch nur einmal 70.... Und man feiert eben dass es einem selbst gut geht.

Willst du an dem Tag zu der Tante gehen stattdessen ? Manche Menschen sind so gelassen.... Vielleicht hat die sterbende den Onkel gebeten, sein Leben zu feuern solange er es nich kann ?

Am Tag meiner Hochzeit ist früh morgens eine Schwester meiner Oma plötzlich verstorben. Ich hätte das gar nicht erfahren, hätte meine Mama mir das nicht gesagt, Oma wollte auf keinen Fall, dass ich mir an dem Tag Gedanken um sie mache, es sei doch mein Hochzeitstag.
Ich denke, wie viele Vorschreiber auch, dass sich die Schwestern sicher abgesprochen haben und die Feier jetzt erst Recht wichtig für alle ist, gerade weil es so schlecht um die Eine steht.
Geht hin, feiert das Leben, den Tod werdet ihr noch oft genug beweinen müssen. Oftmals merkt man erst zu spät, dass man den Lebenden viel weniger Zeit geschenkt hat als man denkt, meistens, wenn man auf deren Beerdigung ist.

Wenn es für die Frau dieses Mannes, die so eng mit ihrer Schwester ist, okay ist (und davon würde ich mal ausgehen, dass er das nicht gegen ihren Willen macht), dann wird das sicher auch für die kranke Schwester und den Rest der Familie okay sein. Ich fände es eher unpassend, ihnen zu "zeigen, was Anstand ist", da hat diese Familie wahrscheinlich eine andere Vorstellung.

Ich finde es normal, dass das Leben für die anderen weitergeht, auch für die anderen wird langsam absehbar, dass es begrenzt ist. Schön fände ich, wenn er die kranke Schwägerin in einer kurzen Ansprache erwähnen würde.
Und natürlich würde ich hingehen.

Hallo,

wahrscheinlich haben die anderen Familienmitglieder besseren Kontakt untereinander und haben sich abgesprochen.
Hältst Du den Jubilar für extrem unsensibel?

Ihr habt eine große Familie - die werden alle älter und der ein oder andere wird krank werden.
Aus Deiner Sicht wird es in den nächsten Jahren nicht mehr viel zu feiern geben - alle sollten sich pietätvoll bedeckt halten und auf jegliche Partys verzichten.....:-(

Ernsthaft - die meisten todkranken Menschen wünschen sich, dass ihr Lieben weiterleben und weiterfeiern. Das bedeutet ja nicht, dass man den Lauf des Lebens vergisst.

LG

Vielen Dank für Eure Meinungen!

Ich sehe das ganz genauso wie Ihr!

Zur Aufklärung:
MEIN MANN hat die moralischen Bedenken u möchte aus Pietätsgründen nicht mit zu Feier.
Ich habe den Sachverhalt bewusst umgedreht u mich in seine Rolle versetzt, um mal seine Sichtweise zu argumentieren.
(...und nicht zuletzt den übliche Beißreflex gegen TEs von manchen Urbianerinnen ad absurdum zu führen....)

Interessant, dass wohl alle von euch es zumindest ähnlich sehen wie ich.

Ich bin absolut dafür, dass wir zur Feier gehen. Wer weiß, wie oft uns noch die Möglichkeit geschenkt wird mit Familie zu feiern.

Allerdings sehe ich die Ansichten meines Mannes nicht so rabiat ubd negativ, wie einige Schreiberinnen.
Ich finde es gut von meinem Mann, dass er so empathisch mit dem Thema umgeht und sich anscheinend wirklich mit der Ethik dieses Themas auseinandersetzt.

Vg

"Ich habe den Sachverhalt bewusst umgedreht u mich in seine Rolle versetzt, um mal seine Sichtweise zu argumentieren.
(...und nicht zuletzt den übliche Beißreflex gegen TEs von manchen Urbianerinnen ad absurdum zu führen....) "

Ich hab schon oft gedacht, wieviel anders ein Thread ausgegangen wäre, wenn das mehr TE machen würden. Find ich gut#pro.

Ist es dann auch sein Onkel oder ist es dein Onkel? So erkläre ich mir die negativen Reaktionen. Geht es um seine Tante, die stirbt und seinen Onkel, "hat er viel mehr das Recht" zu sagen, dass er das nicht okay findet als wenn er der Angeheiratete ist.

Hi,

wir haben den 90. Geburtstag meines Großvaters groß gefeiert, obwohl da schon absehbar, dass er in naher Zukunft nur noch palliativ versorgt werden würde. 3 Wochen später ist er gestorben. Der Tod ist Teil des Lebens! Und ab einem gewissen Alter liegt letztlich immer jemand im Sterben oder ist gerade gestorben oder ist zumindest schwer krank. Ich erlebe das im Moment im Freundeskreis meiner Eltern. Und ich finde es umso wichtiger, dass die Lebenden auch die guten Seiten des Daseins erleben und feiern.

An Deiner Stelle würde ich versuchen, bei mir selbst empathisch zu hinterfragen, was Dich daran so beschäftigt. Welche eigenen Erfahrungen hast Du gemacht? Welche Werte wurden Dir beigebracht und welche Gefühle löst das bei Dir aus? Oder findest du das Miteinander in diesem Teil der Familie vielleicht generell belogen und überzogen und siehst das jetzt bestätigt? Vielleicht kannst Du nach einer solche Selbstklärung leichteren Herzens hingehen?

Liebe Grüße
die Landmaus

Vielen Dank für Deinen Beitrag!

Interessante Herangehensweise, regt zum Nachdenken an!

vg

Vor dem Hintergrund, dass es ja wohl um die Tante Deines Mannes geht, könnte wohl seine eigene Angst vor dem Verlust auch eine große Rolle spielen. Vielleicht denkt er, jetzt zu feiern, zieht ihr Fehlen schon vor und das löst dann bei ihm Angst und Trauer aus?

Das ist doch quatsch, wieso sollte man nicht feiern dürfen, wenn jemand im Sterben liegt? Traurig sein werden sie ja trotzdem, wenn sie an die Dame denken. Aber das Leben besteht doch nicht nur aus einem Aspekt und möglicherweise wünscht die sterbende Schwester gar nicht, dass wegen ihr die Party ausfällt. Das ginge mir nämlich genauso, das würde ich niemals wollen.

Du hast wenig Kontakt zu diesen Personen, schreibst Du selbst. Willst Dich aber imstande fühlen, über dieses Vorgehen negativ zu urteilen? Das ist ganz schön übergriffig, finde ich.

Danke für deine Antwort!

Siehe meinen zweiten Post über deinem Beitrag!

Vg

Ich finde es okay, so zu feiern. Mit Musik, ausgelassenem Tanz, fröhlicher Stimmung. Man kann trotzdem den Augenblick nutzen und an die, die nicht dabeisein können, denken. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Sterbende möchte, dass sich allwe grämen.
Ich hätte keinen Grund, nicht mitzufeiern. Aber wenn dir persönlich nicht danach ist, sag eben ab. Aber vermiese es den anderen nicht. VG

Hallo:-)

Ich kann deine Gedanken verstehen, aber ich würde selbst auch feiern. Mit Absprache.

Meine Tante hat Lungenkrebs. 2017 wurden ihr noch wenige Monate gegeben, aber das ist nun 2 Jahre her. Manchnal sieht es übel aus, aber irgendwie kommt sie immerwieder hoch.

Ich sehe es so, dass auch der Jubiliar ein Recht auf seine Feier hat. Es ist ein bedeutsamer Geburtstag - vielleicht der letzte runde. Die Feier wird sicher etwas gedämpft verlaufen …

Ich will dir sagen, wie es bei uns war: Letzten Juni wurde meine Mutter 80. Mein Vater war ebenfalls unheilbar an Krebs erkrankt. Er wäre wenige Woche später 80 geworden, und geplant waren mehrere große feiern, da meine Eltern einen großen Kreis einladen wollten. Mein Vater wollte am Geburtstag meiner Mutter eigentlich gar nichts machen, da es ihm schon zu schlecht ging, aber meine Mutter wollte, dass ihr Tag nicht unterging. Sie haben dann so entschieden, dass nach Hause die allerengsten Freunde kommen, die sie schon seit 50 Jahren kennen. Mein Vater ist für den Tag aus dem KRHS gekommen. Abends sind wir dann nur mit der Familie (meine Eltern, mein Bruder und ich samt Familie und meine Schwiegereltern) essen gegangen. Es war sehr schön, aber auch sehr traurig, vor allem als mein Vater dann abends zurück ins KRHS fuhr. Tja, das nächste Mal als wir in diesem Kreis zusammen kamen, war dann seine Beerdigung im August und sein 80., den wir in seiner Abwesenheit begangen haben.

Lass deinem Onkel seine Feier, auch er ist wichtig, und auch sein Leben ist sehr endlich.

Liebe Grüße

Du übertreibst!

Es wäre sinnvoll, zuerst alle Antworten der TE zu lesen, bevor man einen komplett unnützen Kommentar verfasst.

Da die TE bewusst eine andere Sichtweise als die ihre hier vertreten hat, wäre das nicht unbedingt in ihrem Sinn. Im Prinzip wurde ihr ja zugestimmt.

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Mein Mann und ich haben die Feier unserer Silberhochzeit verschoben, weil der Vater meines Schwiegersohns schwerst krebskrank war und man mit seinem Tod rechnen musste. Er selber hätte das absolut nicht gewollt aber wenn man plötzlich hätte eine Beerdigung organisieren müssen, wäre das Ganze nicht mehr machbar und für meinen Schwiegersohn kaum zu ertragen gewesen. Wir feierten einfach nach(ohne Musik), als es ihm dann doch nochmal besser ging, aber dabeisein konnte er nicht.
Ich bin ganz sicher, die Schwestern haben miteinander gesprochen, es ist ein 70. Geburtstag und kein 30., das wird allen bewusst sein. Der Kapelle wurde abgesagt, also wird kaum lauter Jubel, Trubel, Tanz geplant sein. Eine normale Geburtstagsfeier finde ich absolut in Ordnung.
Die Rolle der moralisch Entrüsteten steht euch nicht zu, es geht nicht um Dich und Deinen Mann, ganz ehrlich gesagt. Wenn ihr nicht wirklich hingehen wollt, bleibt lieber weg; anstandshalber klingt schrecklich verkrampft, das hat der Jubilar auch nicht verdient.
LG Moni

Als mein Papa 70 wurde, war WM. Den Bauch haben sich alle voll geschlagen und konnten es gar nicht erwarten wieder weg zu kommen um pünktlich um 21 Uhr das Viertelfinale zu gucken.
Ich hätte kotzen können. Es war sein 70. Geburtstag und ich hatte das Gefühl, dass es ihm nicht gut geht und es sein letzter sein könnter.

Nun, er kam 5 Tage später ins Krankenhaus, ist vier Tage später verstorben.

An der Beerdigung konnten dann plötzlich alle, haben sich sogar frei genommen auf der Arbeit...

2 Lehren daraus:

1. Wir feiern Feste wie sie fallen, denn es kann jederzeit das Letzte sein.
2. Nichts ist so wichtig wie die Menschen die mit Dir zusammen sein wollen, ich bin der buckligen Verwandtschaft immer noch böse - meine Hochzeit 2 Jahre später habe ich im allerengsten Kreis gefeiert und keinen dabei gehabt, der damals so früh gegangen ist, um Fern zu sehen.

Feier mit Deinem Onkel, lasst ihn hochleben und dann trauert, wenn ihr trauern müsst.

1. Wir feiern Feste wie sie fallen, denn es kann jederzeit das Letzte sein.

Kann ich voll unterstreichen. Bei meinem Mann feierten wir den 70. ganz groß, dann den 75. und auch die Schnapszahl 77.
Ich bin froh und dankbar, dass er da noch alle bei sich hatte, die ihm wichtig waren. Als er nämlich krank wurde, wurden die meisten unsichtbar. Den 79. erlebte er schon nicht mehr - aber beim Leichenschmaus standen alle wieder da.....seither sah ich keinen mehr von seiner liiieben Familie.
Ärger Dich nicht - es bringt nichts. Ich hoffe auf's Karma.
LG Moni

Das ist wirklich schon sehr frech! Kann man sich gar nicht vorstellen, dass Leute so sind … Und dann noch beim VIERTELfinale, nicht mal beim Endspiel #contra

Wir hatten einen ähnlichen Fall, wo ich immer noch sauer bin. Meine Großeltern wollten ihre Goldene Hochzeit feiern - wir wussten da schon, dass meine Oma sehr krank war und ihr nicht mehr viel Zeit blieb. Sie wollte alle nochmal gerne sehen. Was macht mein Onkel (ihr Sohn!)? Er sagt, das wäre ja die Woche vor Ostern und deswegen könnten sie nicht kommen, weil die Kinder da in der Kita so tolle Sachen verpassen würden. Sie wohnen weit weg, über 600 km, deswegen war ein "Tagesausflug" nicht drin. Gut. Oma war traurig. Wir alle stinksauer.

Er war schon beim 70. nicht dabei gewesen, mit einer ähnlich blöden Ausrede (ich muss dazu sagen, dass bei uns runde Geburtstage in der Familie halt gefeiert werden und es eigentlich immer selbstverständlich war, dass die eigenen Kinder und Enkel dabei sind - meine Oma war da also schon entsprechend enttäuscht). Auch da wussten wir schon, dass sie krank ist.

Oma hat die Goldene Hochzeit nicht mehr erlebt - sie starb zwei Wochen vorher und ihre Beerdigung fand nun (zufällig) genau am Tag der goldenen Hochzeit statt. Und wer war da und machte einen auf tieftrauernden Sohn? Mein Onkel samt seiner Familie :-[

Bei uns war es sogar noch extremer.
Mein Opa hatte seinen Schlaganfall 3 Tage vor seinen 90. Geburtstag - der natürlich groß in der Gaststätte gefeiert werden sollte. Die gesamte Familie plante zu kommen (die wirklich alle sehr weit verstreut wohnen - er hat sie teilweise mehrere Jahrzehnte nicht gesehen). Alles wurde viele Monate zuvor geplant, Hotels reserviert,... - es war unmöglich, das wieder abzusagen. Wir hätten gar nicht gewusst, wie wir die ganzen Leute verköstigen sollen. Die Feier absagen und stattdessen groß essen gehen mit allen? Wo ist da der Unterschied? 7 Tage nach seinem Geburtstag ist er verstorben. Aber dank seines Geburtstages hat er wenigstens Alle nochmal sehen können.

Einen großen Geburtstag plant man nicht mal eben über Nacht. Wenn es der Frau so schlecht geht, ist es für sie auch eine Möglichkeit Abschied zu nehmen. Wer weiß, ob sie die Familie nocheinmal sehen kann. Warum willst du ihr die Chance nehmen? Vielleicht war es sogar ihr Wunsch? Mein Großvater wollte damals, dass wir feiern.

Natürlich ist der gesundheitliche Zustand der Dame schlimm und Palliativ sagt ja schon alles,aber man kann ja jetzt nicht von dem Schwager erwarten sein Privatleben danach zu richten.
Was soll er machen? Seine Feier verschieben bis die Dame verstorben ist,um es jetzt mal hart auszudrücken.
Zumal es ein runder Geburtstag ist und den feiert man ja nicht jedes Jahr.
Ich würde zur Feier gehen,das eine hat mit dem anderen nix zu tun.

Ich kann deinen Mann gut verstehen und finde es sehr sympathisch, dass er sich diese Gedanken macht.

Tatsächlich könnte ich mir aber auch vorstellen, wie einige andere schrieben, dass es die Tante vielleicht sogar freuen würde, noch einmal die komplette Familie zu sehen. Ich kann daran nichts Pietätloses finden, auf das Leben anzustoßen - gerade ab einem gewissen Alter. Selbst auf Trauerfeiern geht es mitunter fröhlich zu, wenn sich die Gäste an den Verstorbenen erinnern und vielleicht sogar amüsante Anekdoten austauschen. Viele Sterbende wünschen sich das sogar explizit vor ihrem Tod, möchten keine Trauerkleidung und heitere Musik zur Beerdigung. Für viele hat das durchaus etwas sehr Tröstliches.

LG