"Ich schäme mich für meine Tochter"

Hallo Forum.

Ich schreibe mir hier meine Gedanken von der Seele. Ich bin w, 46 Jahre alt. Ich habe schon sehr viel erlebt im Leben; seit 3 Jahren ist es ruhig; da habe ich den Kontakt zu meiner Mutter abgebrochen, weil ich an die Grenzen meiner Belastbarkeit kam. Mein Vater lebt schon lange nicht mehr, bevor er 2004 starb, ist er über Nacht einfach verschwunden, hat mich und meine Mutter zurück gelassen und fing 1000 km von uns entfernt ein neues Leben mit einer neuen Frau an. Ich habe ihn seit meinem 16. Geburtstag nicht mehr gesehen; in der Nacht danach verschwand er für immer. Er ging Zigaretten holen und kam nie wieder zurück.

Ich bin Einzelkind und meine Mutter hat ihr ganzes Leben von klein auf auf mich ausgerichtet. Ich stand ununterbrochen in ihrem Fokus und heute weiß ich, dass sie mich gebraucht hat, um ihrem Leben einen Inhalt zu geben. Habe ich gemacht, was sie wollte, war ich die Tolle. Habe ich gesagt, was sie hören wollte, war ich die Beste.
Tat ich Dinge, die ich machen wollte, wurde ich als "egoistisch" bezeichnet. Mein Leben war davon geprägt, dass ich viele, viele Jahre hinweg ihr gegenüber ein schlechtes Gewissen hatte; ich hatte immer das Gefühl, dass ich sie nicht im Stich lassen dürfte und dass es ihr gut gehen muss. Deshalb habe ich mich auch nie wirklich von ihr weg entwickelt, sondern blieb mehr oder weniger in ihrem Dunstkreis. Zog ich ein Stück weiter weg, aus beruflichen Gründen, dauerte es kein halbes Jahr, und sie zog in die gleiche Ortschaft.
Ich habe es über Jahrzehnte versucht, ein ausgewogenes Verhältnis zu schaffen, eine Balance aus Nähe und Distanz, aber es ist mir nicht gelungen: Sobald sie etwas von mir wusste, nutzte sie es hintenrum gegen mich und/oder übertrat immer wieder meine Grenzen. Sprach ich es an, fing sie an zu weinen und jammerte, dass sie es doch "nur gut" meine und sie habe Angst vor mir.
Egal, was ich tat: Das, was sie von mir brauchen konnte, nutzte sie für sich. Das, was ihr nicht in den Kram passte, verwendete sie gegen mich. Ein Beispiel: Ich sprach sie Ende 2016 darauf an, dass ihre Rente nicht reichen könnte, um die Miete für ihre 4Zimmer-Mietswohnung zu zahlen; es war schon mit dem Gehalt knapp gewesen. Ich schlug ihr vor, dass wir gemeinsam ein Wohnkonzept erarbeiten, was sie gut wuppen könnte und mit dem sie sich wohl fühlt.
Sie war eingeschnappt, meinte nur knapp, dass man das irgendwann mal machen könnte. Hintenrum erzählte sie dann rum, ich würde sie zwingen, aus der Wohnung auszuziehen, weil ich die Wohnung haben wolle (ich wollte die Wohnung zu keinem Zeitpunkt...habe mir selbst ein sehr schönes Zuhause geschaffen...)
Sie legte mir immer wieder Bilder von anderen Frauen vor und zeigte mir, wie sehr sie sich mich anders wünschte: Mit dunkleren Haaren, Hut tragend, und vor 5 Jahren freundete sie sich mit einer jungen Frau an, die sie mir als "ihre Wunschtochter" vorstellte. Ich steckte das alles mehr oder weniger gut weg, hatte durch diverse Therapien in der Vergangenheit auch einige Werkzeuge gelernt, mit seltsamen Situationen meiner Mutter umzugehen. Aber ich traute mich nicht, den finalen Cut zu machen: "Es ist Deine Mutter", "Das macht man nicht"..."Sie kann nichts dafür"..."Sie macht das nicht mit Absicht"..."Sei nicht so engstirnig"...das waren alles Argumente, die mich davon abhielten, wirklich einen Strich zu ziehen.

Nachdem sie 2017 heimlich hetzerische Briefe gegen mich an meinen Exmann und die Patentante meiner Tochter geschrieben hat, bei mir aber fröhlich ein- und ausging; ohne zu fragen das Zimmer meiner Tochter komplett umräumte und mein Wohnzimmer unter Wasser setzte, indem sie wohl eine 10-Liter-Kanne in eine kleine Topfpflanze gegossen hatte, ging ich auf Abstand und teilte das mit: Ich kann nicht mehr; ich möchte diesen hausgemachten Trouble nicht mehr und auch nicht mehr diese Spielchen "böse Tochter...gute Tochter..." Ich teilte mit, dass ich jetzt keinen Kontakt mehr möchte. Meine Tochter konnte weiterhin Kontakt zur Oma haben - aber ich wollte jetzt da zumindest vorerst mal raus sein. Ich wurde ab dem Moment von anonymen Anrufen terrorisiert, mein damaliger Arbeitgeber erhielt Hetz-Briefe von ihr - aber ich hielt das alles aus.
Und ab dem Moment ging es mir von Tag zu Tag besser. Plötzlich funktionierte meine Beziehung. Plötzlich war mein Asthma weg. Plötzlich war ich jeden Tag gut gelaunt...

Ich schäme mich nicht, als erwachsene Tochter die Entscheidung getroffen zu haben, keinen Kontakt mehr mit meiner Mutter zu wollen. Ich habe mehr als 40 Jahre damit zugebracht, einen Tanz auf rohen Eiern zu führen und ständig erpresst zu werden: "Mach, was ich will, und Du stehst in meiner Gunst" - das war der Tenor unserer Mutter-Tochter-Beziehung. Insgeheim hatte ich das wohl durchschaut und mich rausgezogen.

Nun - im August dieses Jahres ist meine Mutter sehr überraschend gestorben. Sie hatte im Juni die Diagnose für eine Krankheit bekommen. Davon habe ich nichts gewusst. Eine Nachbarin hat mich angerufen, dass meine Mutter im Krankenhaus verstorben sei.

Ich habe mich um alles gekümmert, habe ihren Wunsch nach einer Seebestattung erfüllt, und durch die Auflösung ihres Nachlasses habe ich Zugang zu vielen Unterlagen bekommen - ich hatte Recht mit der Rente und der hohen Miete; meine Mutter hat Konsumkredite aufgenommen, um die Miete zahlen zu können...sie war einfach nicht bereit, den Tatsachen ins Auge zu sehen.

Sie hat Briefe vorbereitet, die sie an mein ganzes Umfeld schicken wollte (Ex-Schwägerinnen, Ex-Schwiegereltern, mein Exfreund), in denen sie unter anderem schreibt, dass sie sich schämt, so eine Tochter wie mich zu haben und dass sie sich Sorgen um meine Tochter machen würde, die sehr unter mir leide. Ich bin ein sehr nüchterner Mensch, was das angeht: Wenn sie sich angeblich Sorgen um meine Tochter macht - wieso hat sie dann nie das Jugendamt informiert??? By the way: Ich führe ein ganz normales Leben mit Job, Kind, Beziehung, Haus, Urlaub, Hobbys, ohne Zigaretten, ohne Alkohol, ohne Drogen, ohne Krankheiten oder anderen schweren Problemen?!

Sie hat,das habe ich den Unterlagen entnommen, einer Psychiatrie geschrieben mit der Bitte, mich einzuweisen und einer selbst erstellten Diagnose über mich. Ich sei gefährlich, unberechenbar und ich sei ja schon mal in einer Psychiatrie gewesen - das stimmt: Nachdem ich 2010 auf sehr dramatische Weise meine ungeborenen Zwillinge verlor und danach meine Beziehung zerbrach, ging mir mal kurzfristig die Puste aus; ich habe mir proaktiv Hilfe gesucht und war nach zwei Wochen wieder stabiler und konnte entlassen werden.

All das hatte sie auch gewusst - aber gegen mich verwendet. Seitenweise schreibt sie, wie faul ich sei, dass sie damals das Kinderbett für meine Tochter hätte aufbauen müssen (Hä??) #kratz#kratz, ich würde nachts zu fremden Männern fahren #kratz#kratz#kratz und ich wäre krankhaft neidisch auf ihr Leben #kratz#kratz#kratz
Sie hat zig Brieffreundschaften geknüpft und allen Leuten schrieb sie diesen Kram über mich. Und sie schrieb auch ziemlich ätzendes Zeug über meinen Vater, den SIE groß gemacht habe und der IHR alles zu verdanken hätte.

Ich habe hier Ordner voller Aufschriebe über mich - sie hat mein Leben genau beobachtet, dokumentiert und auch interpretiert und sogar mein Beruf legte sie negativ aus.

Warum schreibe ich das alles hier auf?

Ich bereue nichts. Ich bereue es nicht, auf mich geachtet zu haben. Ich bereue es nicht, den Kontakt abgebrochen zu haben. Und auch wenn meine Mutter jetzt starb, ohne dass wir uns ausgesprochen haben - es ist, wie es ist. Man muss sich als erwachsene Kinder nicht alles gefallen lassen. Und wenn eine Beziehung nicht gut tut - sei es Mann/Frau-Beziehung oder Eltern-Kinder-Beziehung oder eine andere Beziehung, dann darf man sich rausnehmen und eigene Wege gehen. "Du sollst Vater und Mutter ehren", das steht in der Bibel und hält vielleicht viele erwachsene Töchter und Söhne, die unter ihren Eltern leiden, klein. Aber es müsste auch ein weiteres Gebot geben: "Du sollst Deine Kinder ehren", denn manche Eltern wissen einfach nicht, was sie ihren Kindern eigentlich mit ihrem gestörten Verhalten antun.

Danke fürs Lesen und alles Gute.

Oha, ich bin total geschockt, dass eine Mutter ihrem Kind sowas antut. Es tut mir sehr sehr leid für dich und freue mich, dass dies nun ein Ende hat. Beseitige all die Dokumentationen und leb dein Leben. Sie kann dir nichts mehr. Der Kontaktabbruch war die einzig richtige Entscheidung. Alles Gute wünsche ich.

Ich kann mich lassjutsein nur anschließen, wobei ich nicht ganzs so überrascht bin. Zwei meiner Freundinnen haben ähnlich strukturierte Mütter - wohl nicht ganz so schlimm wie deine, aber mehr als man als "Kind" brauchen kann. Mein Vater ist/war auch jemand, bei dem man sich wie auf rohen Eiern fühlte, allerdings nicht so proaktiv bösartig wie deine Mutter oder die meiner Freundinnen - nach sechs Jahren Kontaktabbruch gibts eine lockere Annäherung, gerechnet hatte ich damit nicht mehr, habe aber auch keine weiterführenden Erwartungen.

Ich weiß genau, was du meinst und ich kann mit diesem mahnenden Satz "aber das ist doch dein Vater/deine Mutter" auch nicht soviel anfangen. In manchen Fällen mag er gerechtfertigt sein, in manchen nicht. Bevor man nicht die Geschichte hinter Kontaktabbrüchen kennt, ist Zurückhaltung bei moralischen Zurechtweisungen das Mittel der Wahl.

Ich wünsche dir alles erdenklich Gute, du hast es hinter dir, auch wenn ein Teil immer übrigbleibt. Du scheinst aber auf einem guten Weg zu sein #herzlich

LG sommerflieder

Auch wenn du es schon weißt und auch gesagt hast: Du hast alles richtig gemacht!

Sie war psychisch wohl ebenfalls sehr krank. Leider bist du zum Opfer dessen geworden. Gut, dass du die Notbremse für dich gezogen hast.

Hut ab, das schaffen nicht viele!

Ich muss gestehen, ich verstehe den Sinn Deines Textes nicht so richtig. Sollte das alles so stimmen, ist es sicher schlimm. Gut, dass Du Dich daraus befreien konntest.

Trotzdem bin ich bei solchen Beiträgen immer sehr skeptisch. Das ist mir alles zu schwarz - weiß. Kein Mensch ist von Grund auf Böse und macht alles falsch, kein Mensch ist von Grund auf gut und macht alles richtig. Sie hat Dich unterdrückt, gegen Dich gehetzt, ihr Leben und ihre Finanzen nicht im Griff; Du hast versucht, ihr alles Recht zu machen, hast ihre Finanzen überblickt, hast Dich um alles gekümmert, rutscht aber immer wieder in die Opferrolle. Das klingt mir alles etwas zu plakativ.

Es gibt sicher schwierige Charaktäre und problemgeladene Eltern-Kind-Beziehungen. Sollte das alles so stimmen klingt Deine Mutter ernsthaft psychisch krank. Kranke Menschen brauchen Hilfe/Therapeien. Viele lassen sich aber nicht helfen. Wahrscheinlich gehörte Deine Mutter dazu. Bleibt trotzdem der Fakt, dass sie offensichtlich krank war. Nicht böse, nicht schlecht, sondern krank.

Das alles ist jetzt Vergangenheit. Sie ist tot. Eine Therapie könnte Dir helfen, auch wenn Du scheinbar schon mehrere hattest. Wie ein Internetforum Dir helfen könnte, weiß ich nicht. Viele Fremde, anonyme User "tätscheln" Dir jetzt virtuell den Kopf, hilft Dir das? Ich verstehe es nicht wirklich, sorry.

Vielleicht tut es manchmal gut, einfach zu schreiben und das ganze Elend, was man da erlebt hat, mal zusammen zu fassen.

Muss nicht alles nen Sinn haben.

Und vielleicht setzt ihr Beitrag einen "aha"-punkt, die eine andere tochter gerade braucht, um einen impuls zu erhalten, sich aus ihrer problematischen mutter-tochter-beziehung kritisch zu hinterleuchten.
Ich habe eine Kollegin, die das dringend tun sollte. Sie ist noch nicht so weit, aber wenn sie mal irgendwo im netz im entscheidenden Moment auf so einen Beitrag stößt, initiiert das vielleicht auch bei ihr irgendwann mal ne Handlung.

Ich kauf mich mal ne tüte grammatik, aber ich denke, man versteht trotzdem was ich meine....

Hallo!

Deine Mutter hatte echt gewaltig einen an der Klatsche. Gut, dass Du rechtzeitig die Reißleine gezogen hast - und eigentlich auch ein Glücksfall, dass sie schnell gestorben ist. So eine Mutter als Pflegefall an der Backe haben wäre der absolute Horror. Ich weiß, das hört sich böse an, aber ganz realistisch hätte dich das wirklich kaputt gemacht.

Du hast absolut richtig gehandelt.

Die Briefe würde ich übrigens verbrennen. Heb sowas nicht auf.

Das deine Mutter krank war muss dir wohl keiner sagen, denn ihr Verhalten ist mehr als deutlich daran gibts nichts zu rühren.
Ich kann dir sagen ich hab solche Dinge zwar nicht durch aber ne Menge anderer Sachen. Meine Eltern jedoch leben noch haben sich aber auch genug geleistet. Ich bin sicher jetzt kannst du einiges hinter dir lassen und entspannter nach vorne blicken weil nichts mehr nachkommen kann!

Ela

Meine Mutter hat Borderline, mir gegenüber vom Typ Hexe, daher auch solche Briefe.

Mein Rat ist das Zeug erstmal im Keller einlagern und erst wenn du wirklich komplett damit abgeschlossen hast, das ganze in einer Zeremonie zu verbrennen.

Und vergiss die anderen Menschen. Du wirst immer Menschen finden, die dir mit blöden Worten kommen. Teilweise geben Sie sogar zu mit meiner Mutter nichts zu tun haben zu wollen und trotzdem kommt der dämliche Satz "Aber es ist doch deine Mutter". Im besten Fall geht es ihnen um das abwehren, eigener Gefühle. Im schlechtesten Fall, darum meine Mutter endlich los zu werden. Also gar nicht um dich, oder die reale Situation.
Also lasse das Problem bei Ihnen und höre einfach nicht zu.

Fühle Dich umarmt und ganz viel Kraft!

Anhand der Parallele zum Begriff "Erzeuger" sagen einige Menschen ja auch "Erzeugerin". Von daher, Vater und Mutter ehren, das stimmt schon. Aber ein Kind zu gebären macht einen nicht gleichzeitig zu einer Mutter, die auch geehrt werden kann.

Deine Erzeugerin war sehr krank, konnte Dir keine Mutter sein, da gibt es nichts zu beschönigen. Daher wäre auch eine Aussprache unmöglich gewesen, davon bin ich absolut überzeugt. Sie wäre niemals auch nur für einen Teil Deines Lebens stolz auf Dich gewesen, aber das ist vielleicht auch gar nicht nötig. Du hast eine Tochter, die sehr stolz auf Dich sein kann, wenn sie Deine Geschichte irgendwann erfährt. Du bist nämlich eine Mutter, die sie mit Recht auch ehren kann, wenn sie möchte.

Tut mir leid, dass du wertvolle Zeit in deinem Leben an eine Frau verschwendet hast, die die Bezeichnung "Mutter" niemals verdient hat.

Du hast alles richtig gemacht.

Finde Deinen Beitrag sehr bewegend und habe bis zur letzten Zeile mitgelesen.

Es tut natürlich weh, seine Mutter auf diese Weise (schon zu Lebzeiten) zu verlieren, aber man hat auch ein Recht auf ein glückliches Leben ohne ständigen Ärger.

Chapeau, Du hast eine Grenze gesetzt, die hier offensichtlich dringend notwendig war, um Dich selbst zu schützen. Das war schwierig genug, aber Du hast das gemeistert.

Dennoch wühlen Dich die aktuellen Funde scheinbar auf. Sie zeigen nochmals deutlich, wie sehr Deine Mutter versucht hat Dein Leben negativ zu beeinflussen. Das macht etwas in Dir. Das lässt Dich nicht kalt. Es beschäftigt Dich, wenn auch gegen Deinen eigenen Willen.

Ich habe eine ähnliche Situation mit meiner Mutter erlebt. Sie lebt allerdings noch. Ich habe irgendwann den Kontakt abgebrochen und weiß daher wie schwer das ist. Irgendwann kam aber die Erkenntnis, dass ihr ganzes Verhalten nichts - gar nichts - mit mir zu tun hatte. Es hatte ausschließlich mit ihr zu tun. Damit das sie ihr eigenes Leben nicht in den Griff bekommen hat. Das zu begreifen, war ein wichtiger Schritt. Nur so hatte ich irgendwann die Möglichkeit ihr zu verzeihen. Verzeihen hört sich in Deinen Ohren vermutlich gerade unvorstellbar an, aber erst wenn Du ihr verzeihen kannst, kannst Du das Thema tatsächlich für Dich abschließen und es nicht nur verdrängen, sondern Deinen Frieden damit machen. Genau das wünsche ich Dir.

Erstmal wie, dass du das alles überhaupt so lange ausgehalten hast. Ich persönlich bin 36 und habe vor knapp 3 Jahren den Kontakt zu meiner Mutter abgebrochen, da ich ebenfalls gemerkt habe wie sehr sie mich hintergangen hat und wie sehr ich darunter leide mit ihr Kontakt haben zu müssen. Genauso wie du es schreibst, "es ist ja die eigene Mutter"...aber als sie den Todestag meines Vaters als den glückliches Lebens beschrieben hat, war es bei mir endgültig vorbei. Nebenbei fand ich heraus, dass ie ebenfalls eine 2. Familie hatte uvm.
Mein Sohn war zum Kontaktabbruch gerade mal 4 Monate alt und mir war in dem Moment klar, dass ich mir das nicht mehr antun will und vorallem eine solche Person nicht im Leben meines Kindes haben will. Seit dem Kontaktabbruch musste ich mir so viel anhören, von wegen 2. Chance usw. Aber ich habe ihr seit der Scheidung meiner Eltern nur noch Chancen gegeben und habe nach insgesamt 9 Jahren Hin und Her und Bauchweh bei jedem Anruf und Besuch die Reißleine gezogen. Und ich habe keinerlei schlechtes Gewissen. Ich stimme dir vollkommen zu, dass ein Verwandschaftsverhältnis keineswegs dazu berechtigt sich schrecklich aufzuführen bzw. einen verpflichtet alles stumm und dauerhaft ertragen zu müssen. Natürlich hab ich mit auch schon die Frage gestellt, wie es wohl sein wird wenn ich irgendwann erfahren sollte, dass sie verstorben ist. Ich muss ehrlich zugeben, dass es für mich kein großes Problem sein wird. Es wird mich genauso viel interessieren wie wenn es der 6. Nachbar 12 Häuser weiter wäre. Ich habe für diese Frau keinerlei Gefühle mehr, habe deswegen auch kein schlechtes Gewissen. Wenn man es über viele Jahre immer wieder versucht und immer wieder den Egoismus der eigenen Mutter zu spüren bekommt, auf teilweise sehr rabiate Art und Weisen, dann muss man auch keines haben. Immerhin muss man mit seinem eigenen Leben glücklich und zufrieden sein, gerade wenn man die Verantwortung für Kinder hat. Was nützt eine Mutter die unglücklich ist weil der Kontakt zur Oma zwanghaft beibehalten wird und man eigentlich keine Lust mehr darauf hat.
Was deine Mutter getan hat ist wirklich so heftig, dass es selbstredend das Beste war den Kontakt abzubrechen. Ihre breife und Dokumentationen zeugen für mich davon wie unglücklich und unzufrieden sie mit ihrem Leben war. Du fungierst als Buhfrau. Sicherlich ist es nicht schön die Lügen zu lesen, aber ich muss gestehen, ich würde das Zeug einfach wegwerfen wenn alles Nachlasstechnisch geregelt ist. So hast du daheim immer wieder ein Mahnmal stehen, was dich an diese haltlosen Vorwürfe erinnert. Du scheinst dein Leben so gut im Griff zu haben und suchst dir auch Hilfe wenn du merkst du kommst ohne nicht weiter (das können manche ihr Leben lang nicht), dann entledigen dich der Altlasten und genieße dein restliches mutterfreies Leben. Ich finde du bist eine sehr starke Frau. Respekt.

Hallo :-)
Lieben Dank für Deine Antwort und Dein Mit-Gefühl...
Ich habe keine einzige Träne vergossen seit dem Tod meiner Mutter. Ich habe keine Wut. Keinen Frust. Ich bin sehr ruhig und sachlich, und das Lesen dieser ganzen Briefe, Unterlagen, Aufschriebe und Dokumentationen über mein Leben löste am Anfang eine Art Schock bei mir aus. Sie hat mich ja oft aufs Glatteis geführt im Leben, mich erpresst und sabotiert, aber das es SO krass ist und dass sie so eine Meinung über mich hat - das hat mich dann doch aus dem Sattel gehoben.
Vor allem habe ich nicht verstanden, wieso man die Entscheidung von jemandem nicht einfach akzeptieren kann; ich habe über sie ja auch nirgendwo üble Sachen erzählt. Ich habe meinen damaligen Arbeitgeber informiert, weil sie ja dort auch rumstresste. Ich habe die Schule meiner Tochter informiert, dass meine Mutter die Tochter nicht abholen darf. Ich habe die Schlösser zu meiner Wohnung ausgetauscht - das ist mein Recht. Und dann war für mich Ruhe im Karton. Ich habe ihr meine Entscheidung sachlich mitgeteilt und meine Gründe dafür ebenso sachlich aufgezählt, und dann war für mich vorerst mal Schluss, weil ich selbst zur Ruhe kommen wollte.

Aber sie hat unglaublich viel Energie aufgewendet, um jetzt noch mehr in meinem Leben rumzurühren. Sie hat meinen Exmann mit Briefen über mich überschüttet - mein Exmann hatte seit Jahren keinen Kontakt mehr mit ihr. Und plötzlich versuchte sie, ihn als Verbündeten gegen mich zu gewinnen...und es gab/gibt nicht mal Gründe?!

So lief es aber mein ganzes Leben - egal, was ich tat: Sie hat es nach ihrem Gusto interpretiert. Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen; habe nie Drogen genommen, keine Orgien gefeiert, ich habe meine Schule gemacht, mich selbst um eine Ausbildung gekümmert, mir meine erste Wohnung selbst finanziert, habe nebenher gekellnert, um mir ein Auto leisten zu können, habe davor in den Schulferien Putzjobs angenommen, um eigenes Geld zu haben. Ich war immer ein offenes Buch - aber es hat ihr nie gereicht. Hatte ich Geld, nahm sie mir es ab. Als ich mein erstes Auto hatte, versteckte sie die Schlüssel, weil sie nicht wollte, dass ich ohne sie zu meinem Kellnerjob fahre (sie wollte gerne dabei sein, "einfach mal rauskommen"). Ich bin damals heimlich 4 Wochen nach dem Abi ausgezogen. Wohlgemerkt: Heimlich. Sie wussste zwei Jahre nicht, wo ich wohne, weil ich wieder ihre Übergriffe befürchtete.

Ach...ich bin einfach nur froh, dass es rum ist.

Ich habe keine Trauerfeier "veranstaltet". Weil ich heute genauso wenig heucheln kann wie all die Jahre davor. Ich trauere nicht. Und ich biete auch all ihren esoterischen Freunden, die mich nach ihrem Tod angerufen haben und ins Telefon zischten, dass ich meine Mutter ins Grab gebracht hätte, keine Bühne mehr für diese ganzen Spielchen.

Ich habe ihren Wunsch nach Seebestattung erfüllt, ohne viel TamTam. Ich habe niemanden dazu eingeladen. Sie hat ihr ganzes Leben lang TamTam gemacht: Viel Lärm um nichts. Jetzt reicht's.

Und nein: Ich habe keine Träne vergossen. Ich bedauere, dass wir kein gutes Verhältnis hatten. Und aus all ihren Briefen lese ich heraus, dass sie wirklich Hilfe benötigt hätte. Aber: Sie hat dies nie eingesehen; angesprochen hatte ich es. Ich habe mich auch bei Beratungsstellen informiert, ob vielleicht jemand Externes eingreifen sollte. Zu mir hieß es: Wenn sich jemand nicht in Gefahr bringt, kann jeder leben, wie er will.
Daran habe ich mich gehalten und sie in Ruhe gelassen und mich in Sicherheit gebracht. Mehr nicht.

Ich denke, dass es viele erwachsene Töchter und Söhne gibt, die solche Spielchen erleben und mitmachen.

Vielleicht rüttele ich den einen oder anderen Leser mit meiner Geschichte auf, denn nach wie vor sage ich: Ich bereue nichts.

Und dass ich ein guter Mensch mit Herz bin, habe ich dieses Jahr erlebt: Ein sehr guter Freund von mir starb sehr überraschend. Mich hat das unglaublich mitgenommen und ich habe sehr getrauert.

Ich bin ein guter Mensch - das ist meine Lektion, die ich aus 2019 mitnehme.

Liebe Grüße.

Das ließt sich ja wie in einem Psycho-Thriller. Echt schrecklich, was du erleben musstest. Konntest du jetzt einigermaßen mit dem Kapitel abschließen, nachdem deine Mutter starb?

Ich glaube nicht, dass sie das aus Wohlwollen tat, es ließt sich eher wie eine narzisstische Persönlichkeitsstörung.

Diese Aussprache hätte es eh nie gegeben. Sie hätte wahrscheinlich ihren letzten Atemzug dafür verwendet, die irgendwas verletzendes an den Kopf zu werfen. Meine Mutter hat mich auch in der ganzen Familie schlecht gemacht, allerdings mündlich ;-) Deine Mutter hat die Briefe offenbar alle als Duplikate gehabt-warum? Wahrscheinlich weil sie wusste, dass du ihren ganzen Kram finden wirst nach ihrem Tod. Quasi als Arschtritt aus dem Grab heraus.
Aber es wird ja jetzt kühler, es geht auf den Winter zu--Zeit für ein kleines Feuer #drache

Hallo Tusnelda, danke für Deine Antwort. Die Hetze fand von ihr auch mündlich statt, innerhalb der Familie. Sie hat auch viele Mailfreundschaften/Brieffreundschaften gehabt, denen sie alles das Gleiche über mich mitteilte: Sie habe Angst vor mir, ich sei krankhaft eifersüchtig und neidisch auf ihr Leben und sie würde sich nie im Leben von mir pflegen lassen, weil sie wüsste, dass ich sie misshandeln würde #augen
Ich habe schon sehr früh mitgeteilt, dass ich mir nicht vorstellen kann, sie irgendwann zu pflegen, weil unser Verhältnis dafür einfach zu erschüttert ist. Ich mache alles für einen Menschen, den ich liebe. Aber meine Mutter hat ich so oft verraten und hintergangen - ich habe es irgendwann akzeptiert, aber meine Gefühle für sie kühlten einfach ab.
Als ich im August die Mitteilung bekam, dass sie verstorben ist, war klar, dass ich mich um ihre Angelegenheiten kümmern muss und werde, also ihre Mietswohnung auflösen usw.

ABER: Sie hatte zig Leuten mitgeteilt, dass sie nicht will, dass ich ihre Wohnung jemals betrete.

Tja...schwierig...wenn man nur ein Kind, nämlich mich, hat...Ich kann mir denken, warum sie nicht wollte, dass ich die Wohnung betrete - weil ich dadurch nämlich Zugriff auf diese ganzen Kackbriefe bekommen habe. Viele hatte sie per PC geschrieben und doppelt ausgedruckt, einen verschickt, den anderen abgeheftet. Viele Entwürfe sind auf ihrem Rechner, die versendeten Mails über mich an wildfremde Menschen füllen ganze Bücher. Alles, was ich getan habe und was sie von mir wusste, hat sie gegen mich verwendet und negativ ausgelegt und wildfremden Leuten dadurch ein völlig verzerrtes Bild von mir vermittelt.

Ich bin froh, dass es vorbei ist, auch wenn die Wohnung immer noch nicht geräumt ist; meine Mutter hat diverse Testamente "kreiiert" und bis heute ist deshalb die Erbfolge ungeklärt; die Mietkosten laufen weiter, der Kredit ist demnächst für die Miete aufgebraucht...so what.

Ich konnte keine Trauerfeier aufrufen, weil ich einfach nicht heucheln kann. Ich kann nicht die Trauernde spielen, wenn ich nicht um einen Menschen trauere, der mich über Jahrzehnte emotional durch tiefe Täler geschickt hat; ich habe es mit mir machen lassen, weil ich nicht "die böse Tochter" sein wollte.

Aber jetzt ist einfach Schluss. Die vielen Briefe über mich waren ein Schock; ich wusste ja einiges, was sie so so macht, aber dass sie SO aggressiv gegen mich vorgeht, obwohl ich einfach nur klare Ansagen gemacht habe, und alles von mir durch den Dreck zieht, auch meinen Beruf, das hat mir schon kurz mal die Schuhe ausgezogen...

Doch jetzt geht es weiter, und ich weiß, dass ich ein guter Mensch bin mit viel Herz. Im April starb ganz überraschend ein sehr guter Freund von mir; wir haben noch abends telefoniert, weil wir gemeinsam eine Veranstaltung organisierten. Am nächsten Tag war er tot - Herzinfarkt. Ich habe WOCHEN gebraucht, um das zu verarbeiten und ich habe viel um ihn geweint; sein Andenken behalte ich in Ehren.

Ich kann also trauern - um Menschen, die mit mir gut umgehen...das war für mich dieses Jahr eine wichtige Lernerfahrung: Ich bin ein guter Mensch. Andere Menschen haben mir das gezeigt. Meine Mutter hat es mir nicht gezeigt.

Du klingst sehr reflektiert! Das machst du super #pro

Mach es mit deiner Tochter besser :)
Das wirst du, da bin ich sicher.
Krass, wie manche Mütter sind. Du hast alles richtig gemacht. Ich denke, jetzt nach ihrem Tod, das alles nochmal direkt vor Augen zu haben, macht es einfacher, damit im Reinen zu sein