Kind will Wechselmodell. Oder auch nicht

Hallo zusammen,

ich möchte heute in Schwarz schreiben, so dass ich in dieser Kategorie schreibe. Es ist hier vielleicht auch nicht so ganz falsch aufgehoben.

Und zwar geht es darum, dass mein Exmann vor Gericht das Wechselmodell als Umgangsmodell einfordert. Ich möchte das nicht, was verschiedene Gründe hat. Das ist nicht weiter wichtig, da es schon lange so aussieht als würde ich sowieso verlieren.

Meine Frage bezieht sich darauf, dass mein Kind (5 Jahre) mir gegenüber immer wieder äußert, es möchte nicht genauso lange beim Vater sein wie bei mir, es möchte lieber mehr Zeit hier verbringen.

Nun wurde es im Rahmen des Verfahrens auch befragt und sagte mir hinterher ganz enttäuscht: "Ich konnte denen gar nicht sagen, dass ich mehr bei dir sein will, die haben mich gar nicht gefragt."

Das kam mir schon komisch vor, ich habe es auch erstmal nicht weiter kommentiert.

Inzwischen kam das Protokoll der Befragung und selbstverständlich wurde gefragt: "Möchtest du gerne genauso viel Zeit mit Papa verbringen wie mit Mama?" Klare und eindeutige Antwort war Ja.

Also habe ich in einem ruhigen Moment gesagt, dass die Leute mir einen Brief geschrieben hätten, in dem genau das steht. Mein Kind ist daraufhin richtig wütend geworden, hat steif und fest behauptet, die würden lügen. Es sei nicht gefragt worden und es möchte auch nicht genau so lange bei Papa sein wie bei mir.

Es rannte weg auf die Couch, vergrub den Kopf in den Armen... Ich bin ganz ruhig hin, habe gesagt, es sei überhaupt nicht schlimm, wenn es so gelaufen wäre und ich auch nicht sauer oder traurig bin, wenn es bei Papa auch so viel Zeit verbringen möchte. Es blieb bei seiner Version und wir haben das Thema beendet.

Jetzt bin ich echt verwirrt!

Mir ist klar, dass mein Kind so geantwortet hat, wie im Protokoll steht. Ich weiß nur nicht, was das jetzt bedeutet. Habe ich unbewusst doch zu viel Druck gemacht und es traut sich nicht mir ehrlich zu sagen, was es möchte?

Ich versuche immer mich freundlich-neutral im Umgang mit dem Ex zu geben, rede nicht schlecht über ihn und sage und zeige meinem Kind immer, dass es uns beide lieb haben darf. Trotzdem wird es wissen, dass ich was anderes möchte als Papa, Kinder sind ja nicht doof.

Es geht mir nicht um das Verfahren, das ist spätestens jetzt sowieso gelaufen. Ich weiß nur nicht, wie ich damit umgehe, dass mein Kind an verschiedenen Stellen unterschiedliche Auskünfte gibt. Einer der diversen Gründe, wieso ich kein Fan des Wechselmodells war, war ja auch die Aussage des Kindes. Und jetzt lese ich dieses Protokoll und bekomme echt Zweifel an mir, ob ich unbewusst in eine bestimmte Richtung gedrängt habe...

Ich weiß, dass mir das niemand hier beantworten kann, ich hab nur hier auch keinen, mit dem ich darüber sprechen kann. Mein Mann sagt, ich hätte keinen Druck gemacht, aber komisch ist für mich das ganze schon.

Hey, Ich kann dir nicht wirklich weiter helfen, aber kann es sein dass er bei der Befragung einfach total überfordert war und die Fragen garnicht richtig verstanden hat? Er ist ja nun auch erst fünf, schwer für Ihn solche Fragen überhaupt einschätzen zu können, oder?

Lg

Habt ihr völlig unterschiedliche Erziehungsstile oder könnte man das vielleicht ausprobieren? Ein fünfjähriges Kind ist doch mit so einer Frage bis zur seelischen Qual hin überfordert...

Da müsst ihr Erwachsenen ran.

Würden mein Mann und ich uns trennen, wäre das das Modell unserer Wahl.

Also wieso es so gekommen ist, wie es jetzt ist, lässt sich von außen schwer beurteilen.
Ich habe mit sehr kleinen Kindern nur häufig die Erfahrung gemacht, dass die einfach viel mehr mitkriegen als wir Erwachsenen uns vorstellen können.
Oft entsteht bei Ihnen dann ein Loyalitätskonflikt. Das würde dann erklären warum er bei dir anders antwortet als vor Gericht. Das hat auch erstmal nichts mit bewusstem Lügen zu tun, sondern damit, dass er dich nicht enttäuschen möchte.
Sowas ist immer eine verdammt schwierige Situation und egal wie sehr man es versucht, wenn man drinnen steckt schafft man es eigentlich nicht vollkommen wertfrei mit solchen Themen umzugehen. Vielleicht hat er auch mal einen Satz von Dir aufgeschnappt. Auch wenn der in einem anderen Zusammenhang war, Kinder machen daraus durchaus auch mal ihr eigenes Ding.

Ich hoffe, dass ihr einen Weg für den kleinen findet damit umzugehen...

Möchtest du genauso viel Zeit mit mama verbringen wie mit Papa?
- was für eine scheiß Frage! Also bitte! Wie soll denn ein 5(!) jähriges Kind auf so eine geschlossenen Frage differenziert antworten??
Ich würde mein Kind in Ruhe lassen mit fragen und Entscheidungen. Es ist m.m.N zu klein für solche Fragen. Es kann die Auswirkungen nicht überblicken.

Ist jetzt anscheinen ja auch eh gelaufen. Rückmeldung würde ich den Mitarbeitern versuchen trotzdem zu geben. (Wenn du es sachlich hin bekommst).

Dann wird es das Wechselmodell. Und vllt merkst du mit der Zeit, dass es doch eine gute Entscheidung war.

Hi,

meiner Meinung nach ist die einzig ehrliche Antwort, die Kinder in Familien ohne Sonderprobleme wie Gewalt auf solche Fragen geben können: Ich will, dass ihr immer beide da seid! Das ist bei 5jährigen Kindern genauso wie bei 25jährigen.

Mir scheint als würdet ihr darüber sowieso zu viel sprechen. Dein Kind bemerkt Deinen Unwillen, vielleicht auch Deine Ängste und versucht, Dich zu trösten, indem es sich auf Deine Seite stellt. Das ist ein schmerzhafter Loyalitätskonflikt. Ich würde versuchen, das aufzulösen und Euer Kind davon so weit es geht zu entlasten. Setzt Euch hin und erklär Deinem Kind in Ruhe, dass Du weisst, dass es am liebsten bei Euch beiden wäre. Und dass das gut und richtig so ist. Erkläre ihm, dass ihr als Erwachsene die Verantwortung dafür übernehmt, dass das nicht mehr geht und dass es auch ok ist, wenn es deshalb wütend auf Euch ist und sehr traurig. Sag ihm, dass ihr auch beide am liebsten immer bei ihm wärd und dass ihr als Erwachsene eine Lösung finden werdet. Und dass ihr immer zuhören werdet, was Euer Kind sich wünscht. Braucht es gerade mehr Nähe mit Papa, mehr Zeit mit Mama, ist es sehr traurig, weil es den anderen vermisst und mag skypen oder telefonieren oder sich einfach nur ausweinen. Die Situation ist blöd, aber ihr werdet jetzt alle üben und lernen damit umzugehen.

Und für Dich oder Euch als Eltern. Viele Kinder sind in der Situation, nicht immer beide Elternteile um sich zu haben. Eltern die Soldaten sind oder auf Montage oder Laster fahren. Da entsteht meiner Meinung nach nur viel weniger Schmerz, weil die Eltern die Verantwortung klar übernehmen und sich deutlich positionieren: Das ist so. Das haben wir für Euch oder Dich so mitentschieden. Dadurch ist das Kind entlastet, vertraut in die Entscheidung und kann den Fokus auf die Normalität des ganzen lenken.

Alles Gute,
die Landmaus

Ich halte es für einen Riesenfehler, die Frage, wie der Umgang nach einer Trennung stattfindet, mit einem Kind zu diskutieren, das deutlich zu klein ist, um wirklich abschätzen zu können, worum es geht. Will heißen: einen Teenager würde ich einbeziehen, ein Kind von fünf Jahren definitiv nicht. Meine Erfahrung ist, dass Kinder klare und verlässliche Ansagen brauchen, wie das in Zukunft geklärt wird, ohne dass sie auch nur ansatzweise das Gefühl haben, sie seien mitverantwortlich.
Kinder kommen so rasant in Loyalitätskonflikte, wie man es sich als Erwachsener nicht vorstellen kann und es ist für sie eine ganz schwere Bürde, den (vermeintlichen) Wünschen beider Eltern gerecht zu werden. Ich verstehe, dass du dein Kind auf das Protokoll angesprochen ist, ein kluger Schachzug war es meiner Meinung nach aber trotzdem nicht.

Typisch für einen Loyalitätskonflikt.
Er will weder dich noch den Vater enttäuschen.
Ich verstehe nicht, warum du das deinem Kind zumutest vor Gericht auszusagen.
So was regelt man als Eltern selbst, wäre eure ureigenste Verantwortung.
Es ist das gute Recht des Vaters sein Kind zu sehen so oft wie die Mutter, Ausnahmen Missbrauch oder Gewalt.

Vielen Dank für eure Antworten, die mir sehr helfen.

Ich bin selbst nicht glücklich damit, wie alles gelaufen ist und mit dem Wissen von heute, würde ich vieles anders machen.

Nun ist es wie es ist und natürlich darf und soll mein Kind seinen Vater sehen. Das war nie die Frage. Und auch ein Wechselmodell werden wir vernünftig umsetzen. Die Hintergründe, wieso ich das eigentlich nicht wollte und wie es so gekommen ist, sind hier nicht weiter relevant, Fehler gab es auf beiden Seiten.

Ich war auch selbst überrascht, dass ein Kind in dem Alter so explizit gefragt wurde und bei der Art der Fragestellung war die Antwort im Grunde auch klar. Das ist auch völlig in Ordnung!

Mir ging es eher um mein Verhalten und offenbar seht ihr es wie ich, dass ich unbewusst doch zu sehr gezeigt habe, was ich wollen würde.

Daran werde ich arbeiten.

Danke!