Mein Kind lügt mich dauernd an

Einen schönen Samstag in die Runde,

es geht um meine Tochter (8 1/2), mit der ich im Moment nicht mehr weiter weiß.

Sie ist ein liebes und einfühlsames Mädchen, hat auch eine guten Freundeskreis.

Was mich nur seit einiger Zeit sehr belastet ist ihr schulisches Verhalten und eine fürchterliche Lügerei.
Ich möchte gerne mal ein paar Beispiel darlegen.

Der Klassiker. Sie haben keine Hausaufgaben, am nächsten Tag steht im HA-Heft eine Notiz vom Lehrer, dass die Hausaufgabe fehlt.
Ihre Antworten varriieren. Mal hat der Lehrer eine falsche Seitenzahl aufgeschrieben.
Und mal "mussten" sie wohl sofort das Klassenzimmer alle verlassen, weil der Unterricht zu Ende war und sie konnte es nicht mehr aufschreiben.

Ein anderes Mal. Sie hat ihre Mathe-Hausaufgabe erledigt. Dann steht darunter noch eine Aufgabe für das Mathe-Heft. Sie sagt, das sei eigentlich nur die Strafaufgabe für diejenigen, die heute eine Strafe bekommen haben. Sie hätte das aus versehen abgeschrieben. Als ich da misstrauis wurde und dann Anstalten machte, das eben in der WA-Gruppe nachzufragen, wurde sie wütend und beinahe hysterisch, schrie herum und dann kam raus, dass es sehr wohl die Tageshausaufgabe war.


Englisch-Test. Sie kommt heim, sie haben einen Englisch-Test geschrieben.
Angeblich durften sie das Englisch-Heft nicht mit nach Hause nehmen.
Englisch-Test rausbekommen, eine vier.
Ihre Freundin meinte später, dass sie das Heft sehr wohl jede Woche mitnehmen können, um zu lernen.

Selbiges beim Sachunterricht. Hier wusste ich, dass ein Test ansteht, habe sie auch einige Tage zuvor gebeten, das Heft mitzubringen, dass wir den Stoff nochmal üben können.
Ne, das hat der Lehrer. Ne, das kann ich heute nicht mitbringen. Oh, habe ich vergessen.
Gestern war eine Freundin hier, die mir ebenfalls sagte, dass sie das Heft immer mit nach Haus nehmen kann, um zu lernen.


Wir sind nicht streng mit der Schule, nur jetzt in der 3. Klasse geht es eben mit den Noten ernster zu als noch in Klasse 1 oder 2.
Wir wollen sie keinesfalls auf ein Gymnasium "prügeln" aber sie will von Herzen Tierärztin werden. Und wir machen ihr immer wieder klar, dass sie dafür einen gewissen Notenschnitt braucht.


Wir verstehen auch, dass Schule mal nervt, aber diese Lügerei!
Genauso ist es zeitweise bei Freundinnen.
Hier war kürzlich eine Freundin zu Besuch. Meine Tochter nölt nach einer halben Stunde rum, ihnen sei langweilig. Ich meinte, geht doch etwas raus, die Sonne scheint.
Sie sagt: "Neee, waren wir schon!"
Ihre Freundin ganz erstaunt "Ne, wir waren gar nicht draussen!"

Sie muss doch merken, dass sie mit diesem zickigen und fragwürdigen Verhalten bei Lehrern, Freunden, Mitschülern und auch uns gewaltig aneckt!

Genauso sind es immer diese Schuldzuweisungen.

Neulich hatte sie ein Mathe-Arbeitsblatt, komplett zerknittert.
Ich habe es ihr glatt gebügelt und nur gesagt "Was ist denn damit passiert, war das nicht in der Mappe?"
Prompt kam, dass ein Junge es ihr zerknüllt hätte.
Welcher Junge?
Den kennt sie nicht. Keiner aus ihrer Klasse.
Ich meinte, das kann doch nicht sein. Warum soll ein fremder Junge Dir grundlos das Blatt zerknüllen?
Wusste sie nicht.
Sie soll doch bitte sagen, wenn sie es mal achtlos in den Ranzen gesteckt hat, man kann das glätten, das ist doch kein Problem.

Neulich wundere ich mich, warum auf der Anrichte ein aufgerissener Pudding steht.
Prompt kommt "Das war der Bruder!!!"
Genauso wenn irgendwo ein Schuh oder eine Jacke (auch von ihr!) rumliegt, wenn mein Fotokleber mit offenem Deckel in ihrem Zimmer liegt, wenn es im Bad aussieht wie Hulle und mal wieder jemand an meinen Schminksachen war.
Immer war es wer anders.

Sie hat nur eine Drei geschrieben, weil die Nachbarin sie genervt hat.
Sie hat eine Vier geschrieben, weil ein Junge (den sie nicht kennt) sie am Pausenhof getreten hat. weder ein Blauer Fleck irgendwo und den Namen/Klasse des Jungen weiß sie komischerweise auch nie. Alles wäre so schnell gegangen, sie hat nicht gesehen, wer sie getreten hat.


Ich war auch schon bei einer Kinderpsychologin, sie meinte dass unsere Tochter ein tolles und aufgewecktes Mädchen ist. Und sie sieht keinerlei Probleme -. maximal darin, dass sie sich eben wichtig machen will.

Das ist schön und gut aber diese Lügerei und diese Faulheit in puncto Schule belasten mich sehr.
Ich mache niemanden zur Schnecke, weil er eine 3 hat, auch eine Vier ist kein Problem.
Aber es ärgert mich wenn ich herausfinde, dass sie problemlos hätte besser sein können, wenn sie etwas mehr gelernt hätte. Wir machen keinen Druck aber wir machen ihr schon klar, dass die Noten nun wichtig sind, damit sie später auf ihre Wunsch-Schule gehen kann.

Wenn ich zuhause nicht hinterher bin, würde sie am liebsten den lieben langen Tag auf dem Sofa liegen und Harry Potter oder Bibi & Tina gucken, stundenlang.
Ich habe bereits den Fernseher als Tabuzone erklärt, genauso das iPad, da könnte sie sich auch von Pontius zu Pilatus daddeln.

Was ich sehr positiv finde, sie liest gerne und viel.
Sie ist ihren Mädels gegenüber auch eine liebe Freundin, nur übertreibt sie es zu gerne mit ihrem Verhalten, mit diesen Übertreibungen und Schwindeleien.

Was könnte ich machen, um ihr mehr Spaß und Motivation an der Schule zu geben und was, um diese Lügerei abzuschaffen?

Danke für Euer Verständnis und viele Grüße

Na ja, meine Große wollte in Kindergarten und Grundschule auch immer Tierärztin werden - bis ihr bewusst wurde, dass sie dann auch Tiere einschläfern muss und operieren muss. Und schon war der Riesen Wunsch eines so kleinen Kindes ad Acta gelegt. 😂 Also sie deswegen zu guten Noten und aufs Gymnasium zu bewegen ist komisch - sie weiß doch die Bedeutung des Ganzen gar nicht. Und viele viele Kinder kommen erst später auf den Trichter das lernen wichtig ist!
Meine Jüngste möchte übrigens Putzfrau werden, jetzt mit 6. Als wenn sie wüsste was das bedeutet!

Vorweg: ich kenne das nicht. Meine beiden Großen (10,8) sind Selbstläufer. Lernen in der Grundschule brauchte bisher hier niemand.
Aber bei den Lügereien die deine Tochter da von sich gibt, würde ich anders reagieren. Was sind denn die Konsequenzen des Ganzen? Gibt es überhaupt welche?
Wenn ihr das Schreiben in einer what’s app Gruppe so peinlich ist, würde ich zB genau da ansetzen. Jeden Tag (muss ja nicht in die Gruppe sein, kann ja auch an eine Mutter einer Freundin gehen) nachfragen, was die Kinder auf haben. Wenn ihr das peinlich ist, wird sie irgendwann schon keine Lügen mehr erzählen.
Und ich würde ein Gespräch mit der Lehrerin führen. Ihr sagen, was bei dir ankommt und was nicht. So kannst du vielleicht auch mit ihr an einem Strang ziehen. Sie bitten eine Weile drauf zu achten, dass deine Tochter alles mit nach Hause nimmt, und das sie selber ins Hausaufgabenheft schreibt, oder ihre Paraphe an das schreibt, was tatsächlich auf ist.

Wer lügt und auffliegt (Pudding, Schminke und Co) darf einfach nicht mehr an Sachen ohne zu fragen.

In dem Alter hatten meine Kinder keinen freien Zugang zu Medien.
Ich würde ohne Streit dem Kind für einige Zeit Hilfestellung anerziehen.
Mein Sohn war genau so und wir Eltern sind über einige Zeit ganz konsequent jeden Tag in jedem Fach alles durchgegangen und auch geübt,korrigiert usw.
Haben ohne sein Wissen Kontakt zum Lehrer aufgenommen und diesen darüber informiert,die ersten Wochen hat dieser sogar geschaut das mein Sohn alles ins Hausiheft schreibt.
Er MUSSTE jeden Tag alles mitnehmen und wir haben jeden Abend den Ranzen zusammen kontrolliert.
Ging ca 4 Monate ,war anstrengend aber es hat sich gelohnt.
Nun ist er seit einem Jahr nach dem Abi auf Reisen und studiert ab nächstes Jahr.
Holt ihn aus diesem Druck raus und helft ihm liebevoll aber konsequent!

Ich würde mit ihr Mal ernsthaft, und zwar ernsthaft - nicht schreiend, drohend etc - ein paar Gespräche wegen der Unehrlichkeit führen. Sie einfach Mal fragen warum sie immer andere vorschiebt. Ihr sagen, dass man Fehler machen kann, aber dazu stehen sollte. Dass es sehr unangenehm für andere ist, wenn jemand ständig Ausreden etc liefert. Was würde sie sagen, wenn du vergisst ihren Lieblingspudding zu kaufen und dann Gott und der Welt die Schuld dafür gibst? Oder die beste Freundin zu Hause behauptet sie hätte den Zettel der Freundin zerknüllt?

Ich würde das auch unter dem Thema Verlässlichkeit laufen lassen. Du musst dich darauf verlassen können, dass sie dir die Wahrheit erzählt. Beispiel: meine Tochter hat auch Mal vergessen mir ein Schreiben der Lehrerin zu geben. Es war was einzuzahlen. Hätte sie behauptet da wäre nix gewesen, dann wäre das höchstens blöder für alle gelaufen. So hab ich einfach ein Mail an die Lehrerin mit "Sorry, haben wir (bewusst wir, nicht nur sie) versemmelt" und fertig geschrieben.
In dem Punkt würde ich auch klare Konsequenzen setzen. Ich kann mich auf dich nicht verlassen, also werde ich jetzt zb die nächsten zwei Wochen jeden Tag die Lehrerin fragen was Aufgabe etc ist, und zwar unabhängig davon, was du zu Hause erzählst oder nicht. Und dann schauen wir weiter.

LG

Vielleicht fühlt sie sich doch unter Druck gesetzt? Sie soll aufs Gymnasium wegen ihres Wunsches? Hat aber viele 3 und 4? Noten sind jetzt wichtiger als in der ersten und zweiten Klasse? Wir bekommen in der Grundschule gar keine Noten... Abi kann man später genauso noch machen...

Guten Morgen,

nein, sie "soll" nicht aufs Gymnasium.
Das habe ich ja auch eingangs geschrieben, dass wir sie nicht aufs Gymnasium dreschen wollen. Und das eine 3 oder 4 auch kein Weltuntergang ist.

Nur geht es jetzt in der 3. Klasse schon etwas anders zu und weniger verspielt als noch in Klasse 1 oder 2.

Und die Noten entscheiden in unserem Bundesland ab der 4. Klasse schon darüber, auf welche Schule es geht.

Eine Mittelschule oder Realschule wäre nicht das Problem, aber es geht uns darum dass sie sich die Punkte größtenteils durch Faulheit oder Schusseligkeit verspielt, obwohl der Denkansatz an sich richtig wäre.
Und wir wollen uns später dann auch nicht den Vorwurf von ihr anhören, wenn ihre Freundinnen sich ihre weiterführende Schule auswählen können und sie dann hingehen eben nur eine Wahl hat. Dann geht es los mit hätte, könnte, wäre.
Und wir wollen eben nicht angelogen werden.

GLG

"aber sie will von Herzen Tierärztin werden. Und wir machen ihr immer wieder klar, dass sie dafür einen gewissen Notenschnitt braucht."

Das Mädchen ist 8 Jahre alt, da wollen viele "Prinzessin" werden....ihr solltet ihr Kindergequatsche nicht ZU ernst nehmen, was den "Berufswunsch" anbelangt. Sie ist in der 3. Klasse und scheint mehr Selbstverantwortung zu wollen. Lass sie selbst entscheiden, ob sie lernt und Sachen mitbringt aus der Schule, zumindest versuchsweise. Ich vermute, sie fühlt sich gegängelt. Medien reduzieren ist etwas Gutes, arbeitet an eurer Beziehung, vielleicht muss sie dann auch gar nicht mehr Lügen :-).

VG

Bei der Schule würde ich direkt mit den Lehrern sprechen:

wie sehen sie das Hausaufgabenproblem?
Wie sehen sie die schulischen Leistungen?

Braucht sie Unterstützung im Unterricht, damit sie alles aufschreibt?
Will sie die Hausaufgaben nicht machen, weil sie merkt, dass sie Lücken hat?
Braucht sie Nachhilfe?


Welche Form der Unterstützung braucht sie?
- oraganisatorisch
- inhaltlich?

Das Kind einer Freundin war in der Lage Hausaufgaben zu machen, wollte aber nicht.
Trick der Eltern mit der Schule abgesprochen: Zusatzaufgaben zu Hause. Üben pro Tag x Zeit.

So merkte das Kind, dass es nicht um das Tun herum kommt. Aus "wir haben keine Hausaufgaben" wurden andere Aufgaben und das Kind switschte um zu den wirklichen Hausaufgaben machen. Vorteil der richtigen Hausaufgaben: kein Ärger in der Schule.

Meiner hat sehr geholfen, dass ich eng mit den Lehrern zusammenarbeitete.
Gelogen hat sie nicht, aber versuchte um verschiedenes drum herum zu kommen. Als sie merkte, dass Schule/zu Hause eben NICHT zwei verschiedene Welten sind, wo keiner von der anderen weiß, fand sie ihren Platz.
Ich konnte ihr dabei helfen, welche Prioritäten notwendig sind und die Schule wusste, dass ich es nicht schleifen lasse. Meinem Kind half die Sicherheit, dass sie nicht durchflutscht.


Hat sie andere Probleme? Konzentration? Prioritäten setzen?

Lügen ist oft auch ein Weg der Verzweiflung.
Schwierig wird es besonders dann, wenn Lügen zur Gewohnheit werden und sie irgendwann selbst nicht mehr unterscheiden kann.


Wie reagierst du auf offensichtliche Lügen?

Danke Dir für Deine wirklich guten Ansatzpunkte, ich habe mir erlaubt einiges davon in einer Mail an die Lehrerin zu übernehmen.

#herzlich

Hallo!

Du beschreibst hier haargenau meine Tochter! Bis ins allerkleinste Detail!! Einen Tipp habe ich nicht, bin genauso hilflos und wütend.
Ein Gespräch mit der Klassenlehrerin hat etwas geholfen. Die Hausaufgaben müssen strenger überwacht werden, die Lehrerin und ich kommunizieren über das Hausaufgabenheft.
Das Lügen ist mal mehr, mal weniger. Ich hasse es!
Du siehst, Du bist nicht allein.

Irgendwie ist sie überfordert. Ich hab irgendwie den Eindruck dass sie aus reiner Verzweiflung lügt. Sie kriegt es irgendwie nicht hin und dann will sie das nicht zugeben. Warum kriegt sie es nicht hin? Spontan würde ich auf ADHS tippen. Aber vielleicht bin ich da nicht neutral, weil ich selbst Kinder mit ADHS habe, aber es kommt mir bekannt vor. Meine Kinder haben zwar die meiste Zeit nicht gelogen, aber wenn sie keinen Ausweg sahen, dann schon. Und das Papier-Zusammenknüllen und andere kleinere Ausraster hören sich auch sehr typisch an.

Guten Morgen,

nein ADHS ist es definitiv nicht.Wir waren ja vor einiger Zeit mit ihr schon mal bei einer Psychologin, da ging es eher um ihr Selbstbewusstsein, weil sie auch früher recht zart besaitet war, sehr emphatisch aber eben auch viel auf sich bezogen hat. Das war eben in Kursen und in Gruppen immer etwas schwierig, wenn da geblödelt wurde oder mal ein Kind ein anderes geärgert hat, hat sie es schnell in den falschen Hals bekommen.

Das hat sich inzwischen wirklich sehr gebessert und sie zeigt ein besseres Selbstbewusstsein.
Mit ihrer Empathie ist es laut der Psychologin Segen und Fluch.
Für Kinder und Jugendliche ist es auch mal schwer, bei Erwachsenen sei es eine Gabe.

ADHS wurde aber damals ausgeschlossen, definitiv.


Das mit dem Papier zusammenknüllen kam vielleicht falsch rüber.
Das Blatt war ordentlich zerknittert, einfach so wie wenn man es achtlos in den Ranzen stopft.
Und als ich sie darauf ansprach, kam eben die Aussage, ein anderer Junge hätte es ihr "zerknüllt".

Und diesen anderen Ausraster hatte sie das eine Mal, sonst reagiert sie eher "zickig".

Aber danke für Deine Antwort. #herzlich

Meine Schwester war als Kind genauso und zeigt heute noch ähnliches Verhalten. Immer sind alle anderen Schuld und sie weist alle Fehlee von sich, erzählt auch gerne solche Halbwahrheiten bzw lügt direkt. Dahinter steckt bei ihr eine tief sitzende Panik, von anderen nicht mehr gemocht zu werden, wenn herauskommt, dass sie irgendwas nicht so gemacht hat, wie sie glaubt, dass andere es von ihr erwarten.

Da versucht sie sich lieber mit Lügen herauszuwinden und macht es aber oft so noch schlimmer.

Mangelndes Selbstbewusstsein, was man ihr meist allerdings nicht anmerkt. Da muss man sie schon sehr gut kennen, nach aussen ist sie immer sehr „stark“, innerlich gar nicht.

Guten Morgen an alle,

vielen lieben und herzlichen Dank für Eure wirklich guten Antworten und auch dafür, dass ich hier nicht angegriffen worden bin. Die Angst hatte ich ein wenig. ;-)

Es waren sehr gute Ansatzpunkte dabei, die ich angehen möchte.

Gestern Abend habe ich auch nochmal mit einer Freundin geredet, die selber Lehrerin an einer Mittelschule ist.
Sie gab mir den gleichen Ratschlag, der auch bereits hier genannt wurde:
Die Lehrerin mit ins Boot nehmen und ihr ohne das Wissen meines Kindes von der Problematik erzählen.

Denn das hilft auch der Lehrerin selber das Problem zu erkennen und zu handeln.
Es geht ja hier nicht um "Dummheit" oder bösen Willen sondern lediglich um "Faulheit" bzw. "Schusseligkeit"

Die Lehrerin soll sich am Ende des Unterrichts das Heft zeigen lassen, ob alle Hausaufgaben notiert sind und ich soll mir von ihr auch die Termine der anstehenden Tests der kommenden Wochen durchgeben lassen.
Dann sind wir im Bilde und unsere Tochter sieht und spürt, dass sie da jetzt nicht mehr so einfach rauskommt. Zudem wird es ihr irgendwann hoffentlich selber zu blöde werden, wenn sie ständig alles belegen muss.

Wenn es irgendwo vom Verständnis her klemmt, dann wäre Nachhilfe eine gute Lösung und es gäbe auch schöne Lerngruppen für Kinder in angenehmer Atmosphäre, wo der Stoff nochmal anschaulich wiederholt wird.

Bei Schlamperei wie mit dem geknüllten Blatt oder einem verstreuten Mäppchen soll ich täglich nach den Hausaufgaben eine Ranzenkontrolle einführen. Alles mal ausräumen und wieder rein, sie das Mäppchen auch sauber einsortieren lassen. So hat sie es mit ihren Söhnen gemacht, so lange bis die genervt waren und es von selber machten.

Dien Lügerei würde lt. meiner Freundin wohl auch daher rühren, dass sie einfach versucht ihre Haut zu retten um einer Mahnung von der Lehrerin oder auch uns zu entgehen. Daneben lügt sie auch, wenn sie sieht, dass ihre Freundinnen da doch eine bessere Note haben und ihr das stinkt. Deswegen wird uns da schnell was vom Pferd erzählt oder die Schuld auf jemand anderen geschoben, auch um sich selber besser zu fühlen.

Ich habe das jetzt hier auch nochmal geschrieben, weil ja gestern eine Userin das gleiche Problem schilderte.

Die Zickereien seien ansonsten auch ein typisches Zeichen der Vorpubertät, da hatte sie schon einige Mädels in dem Alter erlebte die temporär am Rad drehten.

Ich will das nun mal angehen und bin gespannt, wie sich die Situation ändert.

Liebe Grüße und genießt Euren Sonntag.

Hallo,

ich würde mit dem Kind mal eingehend reden, wohin ihre Lügerei führt.

Unser Sohn (9) hatte im Vorschulalter mal so eine Phase.

Andere Kinder finden es nämlich auch nicht witzig, wenn jemand ständig lügt. Wenn Deine Tochter Pech hat, steht sie irgendwann ohne Freundinnen da.
Das würde ich ihr ganz klar sagen. Da um den heißen Brei herum zu reden, bringt gar nichts.

Wegen Dingen, die unser Sohn verbockt und uns belogen hatte, haben wir gesagt, dass es die Sache für ihn viel schlimmer macht, wenn wir raus finden, dass er uns angelogen hat, und dass wir ihm dann leider grundsätzlich nichts mehr glauben können.
Ob er das möchte?

Die Phase war dann auch erledigt.

In der Schule hat er uns bisher alle Verfehlungen, Noten und vergessene Hausaufgaben gesagt, soweit wir das nachvollziehen können.
Bei Noten kommt das ja sowieso auf jeden Fall über die Schule raus.
Zu Hause mit der Schwester (12) klappt das nicht immer so gut. Die beschuldigt ihn aber auch wegen Dingen, die er nicht war. Geschwister eben. #schwitz

Unser Sohn ist ziemlich schusselig. Er hat leichtes ADS (also die Träumer-Variante). Da das so ist, haben wir ihn immer angehalten, die Hausaufgaben im Hausaufgabenheft zu notieren und nirgendwo anders. Wenn er sich nicht sicher ist, soll er einen Klassenkameraden anrufen und vorsichtshalber nachfragen.
Letztens hatte er Hausaufgaben nicht, weil er sich notiert hatte, dass die erst zum übernächsten mal in dem Fach haben muss. Da hatte er schon selbst ein schlechtes Gewissen. Da mussten wir nichts mehr zu sagen.
Wegen herum fliegender Blätter und ähnlichem haben wir ihn seinen Ranzen abends ein paar mal aufräumen lassen. Seitdem sieht er zu, dass er Ordnung hält.
Bei den Hausaufgaben habe ich in der Grundschule immer mitgeguckt, ob und wie er sie gemacht hatte. Daher wusste ich, wo er Lücken hatte. Vor Deutsch-Arbeiten haben wir immer am Tag vorher nochmal geübt.
Ich habe immer betont, dass er Bescheid sagen soll, wenn er etwas nicht verstanden hat. Es ist nicht schlimm, wenn man etwas nicht sofort versteht, aber es ist schlimm, wenn man sich damit die Klassenarbeit verbockt, weil man dem nicht nachgegangen ist.
Jetzt ist er in der 5. Klasse, und das klappt eigentlich ganz gut, finde ich, ohne, dass ich ihm ständig über die Schulter gucke. (Wobei er erst eine Klassenarbeit zurück bekommen hat.)

Was das Thema weiterführende Schule angeht, können Eltern ihre Kinder meistens ganz gut einschätzen. Man merkt schon, ob die Fehler in den Klassenarbeiten da sind, weil das Kind nicht mehr schafft, oder ob das Kind zu faul oder zu schusselig ist.
Letzteres ist blöd, weil die Kinder sich damit etwas verbauen.
Wenn das Kind sehr intelligent ist, kann es auch noch passieren, dass es sich auf einer Schule mit niedrigerem Niveau so sehr langweilt, dass das Probleme bis hin zur Verweigerung verursacht.
(Das Problem hatten wir bei unserem Sohn in der 2. Klasse, aus der er dann in die 3. gesprungen ist.)

Was das angeht, würde ich Deine Tochter fragen, ob sie auf's Gymnasium will oder nicht. Wenn ja, muss sie mehr tun. Wenn nein, ok. Dann muss sie eben später gucken, wie sie weiter macht.
Oder man nimmt eine Gesamtschule. Hier sind die allerdings, bis auf eine, nicht wirklich empfehlenswert.

Berufswünsche mit 8 sind so eine Sache. Da wollte ich Bibliothekarin werden, weil man da immer letzte Seite der Bücher mit den Datumskarten kopieren durfte. Das fand ich total toll. #rofl

LG

Heike

Guten Abend liebe Heike und danke auch für Deine Antwort.
Leider war ich einige Tage offline und konnte Dir nicht prompt antworten.

Unsere Tochter merkt aktuell auch schon, dass wir misstrauisch werden, wenn sie in unseren Augen zu sehr ausholt.
Das nervt sie.
Wenn wir merken, dass sie übertreibt oder flunkert, antworten wir inzwischen nur noch mit "Bitte lüg uns nicht an."

Wir haben nun die Lehrerin mit ins Boot genommen und ihr unsere Gedanken und Bedenken geschildert.
Es wurden jetzt die ersten Tests geschrieben, in Mathe, Englisch, HSU hatte sie jeweils eine 3,8.
Deutsch war besser, da war sie bei 2-3.

Bei den Tests in Mathe, Englisch und HSU war das Ärgerliche halt, dass sie sich durch Unaufmerksamkeit, Schlamperei und Hast viele Punkte verspielt hat.
Bei HSU kam hinzu, dass sie erst am Tag vor dem Test den Stoff nochmal wiederholte - dementsprechend fiel das Ergebnis aus.
Es hätte besser sein können, wenn sie die Hefte auch mal eher mitgebracht hätte.

Sie ist nicht dumm, man merkt an ihrer Sprache und Ausdrucksweise, dass sie was auf dem Kasten hat.
Es ist eben Schlamperei und dazu kommt Bequemlichkeit.

Ihre Freundinnen sind ja oft hier und plaudern auch mal gerne von den Ergebnissen, da stehen die meisten auf 1-2 oder 2 oder 2-3.

Und vor dem, was Du im letzten Absatz schilderst. habe ich eben Angst:
dass sie sich mit der Schluderei was verbaut und es später bereut bzw. nur mit Umwegen wieder auf ihre Spur kommt.

Ihre Mädels haben teilweise schon "Wunschschulen" (Gymnasien oder Realschulen) ausgeguckt, auch bedingt durch teils ältere Geschwister etc, wo sie nach der vierten Klasse hinwollen.
Die Gesamtschule, die es hier gibt, ist ebenfalls nicht so richtig prickelnd und auch meine Tochter möchte da nicht wirklich gerne hingehen.
Ihr Wunsch wäre ebenfalls das "eine" Gymnasium, auf das ihre Freundinnen hinzielen.

Sie weiß, dass sie dafür mehr tun muss.

Ich hoffe, dass ich nun mit der Lehrerin im baldigen Gespräch ein paar Kniffe ausarbeiten kann, damit sie auch wieder mehr Motivation am Lernen hat.

Liebe Grüße