Meine Mutter...

Hallo zusammen,

ich weiß gar nicht, was ich mir hiervon erhoffe, aber vielleicht tut es gut, sich das mal von der Seele zu schreiben.

Meine Mutter ist eine Person, die für mich und meine Familie alles tut, das mal vorab. Sie liebt ihre Enkel abgöttisch und hat uns in diesem Jahr sehr viel geholfen (wir sind in unser Eigenheim gezogen, ich war hochschwanger und habe einen Tag vor dem geplanten Umzug entbunden, sie hat mit mir Kisten gepackt, mit mir gemeinsam die alte Wohnung und das neue Haus geputzt, meinen Mann beim Umzug unterstützt, das große Kind während der Geburt betreut und mich auch immer Wochenbett sehr unterstützt). Das klingt wunderbar, wenn ich das so schreibe, ist es auch.

Und trotzdem habe ich das Gefühl, meiner Mutter nicht gut genug zu sein, dass sie mich zwar sehr liebt, ich aber nicht so bin, wie sie sich das vorstellt und sie das sehr unglücklich macht. Dass sie mir so viel hilft, weil sie denkt, ich bekomme das sowieso nicht auf die Reihe und dann gehen die Kinder vor die Hunde.

Meine Mutter ist eine unheimlich fleißige und unermüdliche Person, sie ist Hausfrau mit Leib und Seele, hat ihren Haushalt samt Garten top in Schuss, bügelt sogar Unterhosen und Socken, hat tausende Hobbies und bekommt immer alles auf die Reihe. Ich bin ganz anders, zwar auch fleißig und unermüdlich, aber in anderer Richtung: Ich habe als erste in der Familie studiert, einen sehr guten Beruf mit gutem Verdienst und das ist so mein Metier, Haushalt und Garten ist mir eher zweitrangig, lieber spiele ich mit den Kindern, als Staub zu saugen oder zu bügeln (würde meine Mutter niemals tun, sie sagt auch zu mir: „Leg den Kleinen weg und bügle, dann soll er halt brüllen.“)

Drei Wochen nach der Geburt hat sie mir gesagt, dass ich ja noch ziemlich dick bin (muss ich erwähnen, dass sie eine top Figur hat?). Gestern fragte sie mich: „Warst du zu faul, dir deinen Schal und deine Mütze aus dem Schrank zu holen und hast dir stattdessen lieber gleich neue gekauft? So viele Schulden wie du hast! Ich würde mich schämen bei so viel Faulheit!“ (Wir haben wie gesagt ein Haus gekauft, natürlich mit Kredit, aber von ihr nichts geliehen, obwohl sie es angeboten hat. Tatsächlich habe ich mir als erwachsene Frau mit eigenem Einkommen einen Schal und eine Mütze gekauft). Solche Sprüche höre ich ständig und ich bin wieder klein wie ein Kind. Nie habe ich von ihr gehört, dass sie stolz auf mich ist, nicht nach dem Abitur, nicht nach dem Studium, nicht nach der Geburt der Kinder, nicht als wir uns mit viel Eigenkapital unseren Traum vom Haus erfüllt haben. Ich höre nur, dass ich zu dick und faul bin.

Warum ist sie so?

Weil sie es nicht anders kennt.
Und weil es funktioniert.
Weil du es mit machst.

Hör zuerst auf, ihre Hilfe anzunehmen.
Du bist abhängig von ihr. Du bist ihr Projekt. Du und deine Kinder, ihr seid unter ihrer Obhut.
Also bloß raus da.

Widersprich ihr, streite mit ihr. Und schau, wie es für dich ist, von ihr dafür sanktioniert zu werden. Vielleicht wirst du ja irgendwann wütend auf sie.
Du bist mit sicherheit oft nicht ihrer meinung. Dann pick dir doch mal ne situation raus, die oft passiert, über vor dem spiegel und sage ihr freundlich, dass du ne andere Meinung zu dem speziellen Thema hast ("nein, ich möchte den kleinen nicht weglegen und bügeln. Nur weil du sagst, dass ich das machen soll, ist es noch lange nicht die einzige Wahrheit.")

Mir hat mal ne Telefonseelsorgerin gesagt, dass es keine RICHTIGEN Lebenswege gibt. Nur funktionale oder unfunktionale.

Ich glaube ja daran, dass Personen, die mit sich selbst zufrieden sind, es nicht nötig haben, andere runterzuputzen.

Allerdings denke ich, dass es bei euch schon immer wohl so ein Problem gab.
Du kannst jetzt entweder weiter schweigen und deshalb traurig sein, oder du kannst sie in ihre Schranken weisen. Ich würde erstmal keine Hilfe mehr annehmen. Egal wieviel Bügelwäsche dann rumliegt. Sowas muss man sich nicht bieten lassen. Vor allem als Mutter hat man solche Sachen nicht zu sagen.
Erledige deine Sachen alleine, und sage ihr, dass ihre Sprüche dir zu weit gehen und du es dir lange genug angehört hast. Wenn sie zu Besuch kommen möchte um ihren Enkel zu sehen, kann sie dad tun, solange sie nicht putzt,bügelt,faltet,kocht,renoviert oder meinetwegen ne Garage ans Haus baut. Und vor allem sollte sie dann normal mit dir reden.

Solche Charakterzüge kann sie nicht direkt abschalten, und deshalb ist es wichtig, dass du ihr es jetzt sagst bevor es so weiter geht und du dann bald platzt und es eventuell zu einem riesen Streit kommt.

Auch von deiner Mutter musst du dir sowas definitiv nicht gefallen lassen.

Hallo,
ich weiß natürlich nicht, warum deine Mutter so ist, aber habe ein paar Gedankenanstöße:

1. Was hat sie für ein Verhältnis zu deinem Beruf und Studium? Wie gebildet ist sie selbst? Hast du noch Geschwister? Falls ja, was haben die für Berufe und wie verhält sie sich dazu? Was ist mit deinem Vater? Wie behandelt er dich?

2. Es ist toll, dass sie euch bei Umzug und Geburt so geholfen hat und es ging ja wahrscheinlich auch nicht ohne ihre Hilfe. Ich würde auf ihre Hilfe künftig verzichten (wie ihr es bei der Hausfinanzierung ja schon gemacht habt), dann kann sie dir auch nicht reinreden.

3. Du scheinst auf Anerkennung von ihr zu hoffen für deinen Lebensweg und das Erreichte - deine Mutter scheint einen perfekten Haushalt und perfekte Aussenwirkung mehr zu gewichten als ein erfolgreiches Studium, einen guten Beruf und ein selbst finanziertes Haus. Kann ich nicht verstehen und du wohl auch nicht 😉 aber sie wird diese Werte nicht ändern, darum wirst du nie die Anerkennung bekommen, die man sich von seinen Eltern wünscht.

Hast du mal versucht, mit ihr zu sprechen? Also vorwurfsfrei Ich-Botschaft-mäßig aber nicht larmoyant? Im Stil von: 'Warum bist du der Meinung, dass ich faul bin? Ich setze meine Prioritäten halt anders als du. Es verletzt mich, dass du mich bewertest und ich habe das Gefühl, ich könne es Dir nie recht machen.'
Ist ein schmaler Grat , ich weiß 😉

Wir wünschen uns alle Anerkennung von unseren Eltern und es ist traurig, sie nicht zu bekommen. Das heißt aber nicht, dass unsere Eltern uns nicht lieben, auch wenn sie nicht sehen, was wir leisten.

Alles gute, c

Vielleicht kann sie Dir nicht sagen, dass sie stolz auf Deinen beruflichen Erfolg ist, weil sie sich und das, worüber sie sich definiert, nämlich den perfekten Haushalt, dadurch herabgesetzt sieht. Das, was für sie gut war, war für Dich nicht gut genug. Dein Lebenslauf ein Angriff auf ihren Lebensinhalt.

Kann. Muss nicht.

Ein Mensch hat von Natur aus manche Eigenschaften (und manche nicht), und dann kommen noch Erziehung, Sozialisation und einfach das, was man im Leben so erlebt dazu.

Wie war denn ihr Verhältnis zu ihrer eigenen Mutter? Welcher Typ war die denn? Und der Rest ihrer Familie?

War Hausfrau wirklich ihr Traumberuf? Oder wurde sie eher in die Rolle gedrängt (oder hat es zumindest geglaubt)?

Wie viel fordert sie von anderen Menschen generell?

LG

Hallo!

Ich bin auch nicht die Tochter, die sich meine Mutter gewünscht hat. Das liegt vor allem daran, dass ich so komplett anders bin als sie.

Und auch Du scheinst wenig Gemeinsamkeiten mit Deiner Mutter zu haben: Deine Optik spielt für dich weniger eine Rolle, und wer bei Dir vom Fußboden isst, wird wahrscheinlich satt. Dafür sind deine Kinder zutiefst geliebt und haben eine Mama, die trotz Erfolg im Beruf sich Zeit fürs spielen nimmt.

Deine Mutter ist da viel oberflächlicher, hält sich strikt an gesellschaftliche Konventionen von vorgestern, wo Haushalt und Garten viel mehr zählen als glückliche Kinder und Sparsamkeit eine größere Tugend ist als eigener Verdienst.

Aber warum nimmst du dir das so sehr zu Herzen? Du hast jetzt schon viel mehr erreicht als deine Mutter, und statt einem Barbiepüppchen deren Wohnung nach Barbies Traumhaus ausschaut, hast Du ein richtiges Heim für deine Kinder, einen guten Beruf, und Geld.

Deine Mutter hat einfach ganz andere Entscheidungen für ihr Leben getroffen und denkt immer noch, Unterhosen müssen gebügelt sein statt Kinder geliebt. Gut. Du siehst das anders. Hoffentlich bleibt das auch so!

Die Welt hat sich weitergedreht, nach heutigen Maßstäben passt du in die Gesellschaft von 2019 wesentlich besser rein als deine Mutter mit Ansichten von 1960.

Hallo
Ich kann dich verstehen meine Mutter ist genau so.
Lange dachte ich das ich wie sie sein muss das was sie macht ist richtig.
Zum Beispiel wenn ich die Küche geputzt hab und keine Lust mehr hatte die Mikrowelle zu putzen und mir sagte ah das machst du morgen, in den selben moment dachte ich * Meine Mutter würde es auch nicht stehen lassen * und hab es damn getan.

Meine hat mir auch immer geholfen wie du erzählt aber dann immer so dargestellt als hätte ich es alleine sowieso nicht geschafft.

Ich bin jetzt bisschen auf Abstand gegangen um mich selber zu finden. Um zu realisieren das ich nicht wie sie sein muss.

Ich verstehe dich sehr das ist alles gar nicht so einfach 🤗🤗🤗🤗

Du bist hochschwanger und mit Kleinkind in ein neues Haus gezogen.
Du hast alle Klamotten griffbereit, um dich und vermutlich auch die Kinder dem Wetter angemessen zu kleiden.
Alle Familienmitglieder werden satt.
Bügeln muss man nicht ständig und die Welt geht nicht unter, wenn Krümel auf dem Boden liegen.
UND Du hast einen Beruf und ein eigenes Einkommen.

Du kriegst mehr Dinge unter einen Hut, als deine Mutter seinerzeit.
Für sie hatte spätestens ab der Geburt des ersten Kindes kochen, putzen und bügeln oberste Priorität. Und da das damals nicht so ungewöhnlich war, hatte sie vermutlich auch "Kolleginnen", also andere Hausfrauen, mit denen sie sich vergleichen und Maßstäbe an denen sie sich messen konnte. Vermutlich hat sie gar nicht so schlecht abgeschnitten.
Und jetzt kommst du und zeigst ihr unbeabsichtigt, dass man im Leben noch viel mehr schaffen kann, und dass ihre Prioritäten in Wahrheit theoretisch überflüssig sind (ich bügele z.b. gar nicht. Überflüssig!).

Ja, es ist unmöglich, wenn sie versucht, deine Prioritäten klein zu machen, damit ihre Lebensleistung nicht wertlos ist.
Aber vielleicht weiß sie sich einfach nicht anders zu helfen?

Sag ihr, wenn sie verbal zu weit geht. Aber manchmal hilft es ja schon, wenn man ahnt, warum ein Mensch so ist...

LG!

Frag sie und sag ihr genau das was du hier geschrieben hast

Das was dir mit deiner Mutter fehlt ist ein offenes Gespräch, das hatte ich mit meiner Mutter mit 16. Ja, es sind Tränen geflossen, das ist jetzt 15 Jahre her und wir verstehen und seitdem besser denn je.

Dazu muss ich jedoch sagen, dass meine Mutter mich nie runter gemacht hat, sie hat mich immer unterstützt praktisch und menatal - bei uns waren es andere Punkte, die geklärt werden mussten.

Werde erwachsen und beziehe Stellung.
Sage sowas wie:
Mama ich liebe dich und bin dir für deine Hilfe sehr dankbar, aber xyz muss ich mir deswegen noch lange nicht bieten lassen. Es ist für mich sehr Verletzend , dass du meine Leistungen nicht würdigst - ich bin jedoch zufrieden mit meinen Lebensentscheidungen, also freue dich für mich oder sage dazu am besten nichts mehr dazu.

Danach muss man hart bleinen und keine emotionalen Erpressung zulassen. Da musst du durch: Du hast studiert, hast Kinder bekommen und ein Haus gekauft - warum lässt du dich da von deiner Mutter noch so klein machen? Sei Selbstbewusster!

Hallo,

Meiner Meinung nach hat deine Mama so einige narzisstische Züge. Solche Persönlichkeiten sind mega anstrengend.

Hinzu kommt, dass du eine Konkurrenz bist für sie. Du hast einen höheren Bildungsabschluss und für ihr subjektives Empfinden mehr erreicht im Leben.

Deine Mama hat nie gelernt sich selbst angemessen zu reflektieren und eigene Schwächen anzunehmen. Ihr Selbstwertgefühl ist miserabel. Sie MUSS dich einfach abwerten um sich selbst aufzuwerten.

So eine Mama hab ich auch.

Ist sehr anstrengend und manchmal belastend.

Was su tun kannst ist versuchen räumlichen und emotionalen Abstand zu schaffen. Den emotionalen Abstand kannst du dir möglicherweise nur mit professioneller Hilfe verschaffen, die dir im Gegensatz zu deiner Mama Anerkennung und Wertschätzung entgegenbringen kann. Es lohnt sich.

Alles Gute für dich!

VG Chris