Nachbarn & Häusliche Gewalt

Wir wohnen in einen großen Mehrfamilienhaus mit über 40 Wohnungen. So gut wie alle Inhaber und Rentner, wenigen Familien. Alles sehr ordentlich. Daher sind mir alle durch small Talk mehr oder weniger bekannt. Richtig Kontakt habe ich aber nur mit dem Nachbarn im Stockwerk.

In den letzten Tagen hatten wir einen großen Polizeieinsatz im Haus mit SEK und alles was dazu gehört wegen häuslicher Gewalt. Die Polizei hat falsche Angaben uns Nachbarn gegenüber (ich glaube, unabsichtlich ehrlich gesagt) gemacht bezüglich das Geschlecht der Kinder (als wir nicht ins Haus dürfte , das Haus war komplett abgeriegelt und es kam keiner rein oder raus, quasi als kurze Befragung, falls jemand sie näher kannte und was beitragen konnte) und somit könnten wir Nachbarn, die draußen standen, erst an den Tagen danach zuordnen, um welche Familie es ging.

Der Mann wohnte nicht bei der Familie und wir wissen inzwischen, um welche Familie es geht. Er war anscheinend schon vorbestraft wegen häuslicher Gewalt, daher der große polizeiliche Aufgebot. Ich kenne die Familie nicht näher, nur kurzen hallo und selten kurzen small talk. Dennoch frage ich mich jetzt, ob sich die Nachbarin freuen würde auf ein freundliches Kuchen/Plätzchen und Solidaritätsbekundungen, einfach ein “du bist nicht allein” oder sollte man sie lieber in Ruhe lassen und so tun, als ob nichts gewesen wäre?

Eine der älteren Nachbarinnen, mit der ich besser bekannt bin, hat mir gesagt, sie geht morgen zu ihr rüber und bringt was zum Essen/Naschen vorbei. Ich bin mir aber nicht sicher, wie man am besten reagieren sollte. Was meint ihr? Was würdet ihr machen?

Das ist eine heftige Geschichte! Ich finde es gut und wichtig, sich in dem Falle als Nachbar solidarisch zu zeigen. Das ist ein ernstes Thema, ich wurde selbst gestalkt und habe es im Haus die Leute wissen lassen. Die haben mir dann immer Bescheid gegeben, wenn der Typ irgendwo in der Nähe oder im Haus auftauchte! Im Zweifelsfall kann das Leben retten. Ich würde klingeln und einfach nachfragen, wie es geht und ob Du etwas tun kannst oder sie Hilfe braucht.
Wenn es gut angenommen wird, schön. Wenn nicht, hast Du es versucht.
Für die Familie ist die Situation schlimm!

Ja, wir glauben auch, dass für die Mutter und Kindern (KiGa & Krippenalter) es schlimm sein muss.

Ich bzw die Nachbarin, mit denen ich gesprochen habe, waren uns aber unsicher, wie man am besten vorgeht. Die Mutter sieht immer fix und fertig aus und mir gegenüber war sie immer eher kurz angebunden (mit anderen führen wir deutlich länger small Talk und Spielplatz Gesprächen vor dem Haus, aber sie lässt sich nicht drauf ein). Daher war ich mir unsicher, ob es für sie persönlich gut ankommt, wenn man bei ihr als quasi fremder kurz anklopft. Bei anderen Nachbarn würde ich nicht Zweifeln. Jedenfalls, ältere Nachbarin geht morgen hin und ich dachte, vielleicht haben andere hier Erfahrung mit so einer Situation und können Rat geben, wie man am besten vorgeht.

Ja, hinsehen, reden, Mitgefühl zeigen und einfach da sein.
Es ist gut für sie zu wissen, an welche Tür sie in der Not klopfen kann!

Also um ehrlich zu sein macht die Geschichte so keinen Sinn. Wegen häuslicher Gewalt kommt beim besten Willen kein SEK, undInfos an neugierige Nachbarn geben die Polizisten auch sicher nicht raus.

Ich finde auch dass Du und die andere Nachbarin primär sehr neugierig klingen. Wenn ihr der Frau helfen wollt, dann hinterlasst einen Brief mit Euren Handynummern und dem Hinweis dass ihr gerne da seid wenn sie reden will oder was braucht. Dann kann sie sich melden und wird nicht überfallen.

Bei deiner ersten Unterstellung hat sie vielleicht einfach nur was durcheinander gebracht bzw. wird sie wohl nicht alles wissen.

Und sorry, auch wenn die Nachbarin oder evtl. andere neugierig sind ( was wohl auch völlig normal ist wenn in einem ruhigen Haus so etwas passiert ), kann trotzdem ne verdammt große Portion ehrliche Hilfbereitschaft dahinter stecken und dieses oberflächige Brief mit Handynummer und wenn sie was braucht, bitte melden...naja, da meldet sich doch eh niemand drauf wenn er sowieso schon schüchterner ist...unpersönlicher geht es ja schon kaum.Das wirkt doch, jetzt muss man was machen, aber bock hat man eigentlich keinen.

Oh doch, die kommen bei sowas, wahrscheinlich war es eine Geiselnahme. War bei uns 3 Häuser weiter auch so. Der Mann hat sich dann angezündet und ist aus dem Fenster gesprungen, das war sehr gruselig.

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Hallo,

für mich hat das eher den Nachgeschmack der Neugier. Ihr interessiert euch plötzlich für jemanden, den ihr nur vom Sehen kennt und bringt Süßes vorbei. Mir würde da als erstes durch den Kopf schießen, dass ihr genau wissen wollt was los ist. Und wenn ihr mit Präsenten vor der Tür steht, wird sich die Dame genötigt fühlen euch rein zu bitten. Man nimmt ja nicht nur das Mitbringsel und macht die Tür zu. Mir wäre in ihrer Situation die neugierige Nachbarschaft zu viel. Wenn du wirklich Hilfe anbieten möchtest, schreibe ihr eine schöne Karte und teile ihr mit, dass du deine Hilfe anbietest und sie zu dir kommen kann, falls sie Hilfe braucht. Einfach vor der Tür stehen, erachte ich als übergriffig

LG
Lotta

Danke! ich hoffe dass Beiträge wie Deine die arme Frau vor dem nachbarschaftlichen Überfallkommando bewahren. Süßkram und Besuch von neugierigen Nachbarinnen ist vermutlich das letzte was die Frau braucht.

Neugierig ist im Grunde keiner bzw wegen Details braucht keiner zu ihr zu gehen, da es bereits im Haus bekannt.

Ich glaube wirklich, dass alle sehr schockiert sind, dass es „unter uns“ passiert ist und wollen Mitgefühl zeigen. Da ich mir nach dem Gespräch mit den älteren Nachbarn eben nicht sicher war/bin, dass vorbei schauen das richtige ist, stelle ich ja hier die Frage.

Ich war noch nicht „in der Nähe“ mit so ein Fall konfrontiert und kann daher nicht wirklich empfinden, was den Opfer am besten hilft. Ich will ja eben nicht Übergriff sein oder sie in Verlegenheit bringen. Im Gegenteil! (Und das will keiner in Haus!!)

Ich finde es schön, dass Du Deiner Nachbarin den Rücken stärken möchtest! 👍

Entweder eine Karte in den Briefkasten oder persönlich klingeln: beides ist möglich!
Ob Deine Nachbarin dann das eine unpersönlich oder das andere aufdringlich findet ist schwer einzuschätzen. (Ganz besonders von uns hier, aus der Ferne!!!!)

Diesen Schuh musst Du Dir aber nicht anziehen! Mach das, was Dir entspricht und somit authentisch ist. Damit öffnest Du eine Tür; ob die Nachbarin eintritt ist ihr überlassen...

Alles Gute

Ich würde eine Karte mit Deinem Namen und Deiner Telefonnunmmer schreiben und ihr diese Karte persönlich geben. Dann kannst Du ihr sagen, dass Du gerne für sie da sein möchtest, wenn sie Hilfe braucht, Deine Tür befindet sich „da und da“.

Alles andere könnte ihr zu unehrlich oder zu aufdringlich sein. Je nachdem.

Zwar nicht wegen häuslicher Gewalt aber ich musste vor 15 Monaten auch wegen meines jetzt Exmannes einen sek Einsatz erleben! Die Kinder und ich waren quasi ebenfalls Opfer! Meine Nachbarn waren alle sehr hilfsbereit und haben Hilfe angeboten, nicht geklingelt sondern immer wenn ich eben draußen jemanden getroffen hab! Da war der Nachbar, der im waschkeller erst mal nur vorsichtig gefragt hat: wie geht es dir? Hinterher erzählte er mir, das er total unsicher war wie und ob er mich ansprechen solle! Ein paar Nachbarn haben es - und zum Teil mich- total ignoriert und das fand ich eher komisch! Da fühlt man sich erst recht beobachtet! Nettes nachfragen wie es geht, ob man helfen kann und evt. Direkte Angebote machen! Bei mir hat das sek die Tür komplett aufgebrochen und meine Nachbarin rief an (sie kam nicht hoch!!) und fragte ob sie mir ihre alte Tür geben könnten, sie hätten die noch im Keller! Ihr Mann kam dann mit Tür und hat die mir eingebaut! Solche Sachen halt.... klingeln würde ich definitiv nicht, das überfordert nur!

Vielen lieben Dank für deine Antwort. Das hilft mir auf alle Fälle weiter. Ich werde es einfach darauf ankommen lassen, dass ich sie mal persönlich zufällig treffe und dann fragen, wie es ihr geht, je nach Gesprächentwicklung weiter schauen. Ich finde das auf alle Fälle besser als ein Brief. Es ist sowieso nicht so, dass ich sie öfters sehe, so dass es im Rahmen ist, einfach so lange zu warten. Manchmal kann ein „wie gehts dir“ wirklich helfen.

Wenn mir das passieren würde wäre glaube ich das aller aller schrecklichste, dass andere Menschen wissen, dass es mir passiert ist. Man sieht in der Situation ja definitiv immer eine mit Schuld in sich.
Und dann wissen es die Nachbarn. Was für einen Menschen in mein Leben gelassen habe. Von was für einem Menschen ich Kinder bekommen habe. Dass ich nicht früher gehandelt habe. Also würde ich hoffen, dass möglichst niemand etwas mitbekommen hat. Ich wollte das kein Mensch mich darauf anspricht. Ich würde vermutlich umziehen weil ich die Blicke die möglicherweise wissen sind die anderen nicht ertragen würde… Daher – auf gar keinen Fall ansprechen! Das tut der Frau doch unendlich weh!

Ich glaube nicht, dass die Frau Schuld trägt. Der Mann wohnte nicht in der Wohnung, sie hat selber die Polizei angerufen und ist sowieso das Opfer. Ich glaube, man darf das Opfer keine Schuld zuweisen.

Wir Nachbarn wussten die erste grobe Details von der Polizei gleich während des Tatgeschehens. Dafür kann die Frau nichts.