Hinfahren oder nicht? (Vorsicht, lang)

Guten Morgen, das letzte Jahr hat es mich nicht beschäftigt und ich war mir meiner Meinung sicher.

Es geht um meine Oma, ich hatte eigentlich ein gutes Verhältnis zu ihr. Sie war mir eine gute Oma, bis ich ca. 20 war und weg gezogen bin, geheiratet habe und Kinder bekommen habe.
Dann kamen auch einige Sachen raus, die mir meine Mutter vorher nicht erzählt hat, weil sie mich nicht belasten wollte und weil ich meine Omi eben sehr liebte und sie mir das nicht nehmen wollte.
Meine Oma hat mich bzw. uns (Mann, Kinder und mich) nie zu was mit eingeladen, Sie feierte Geburtstag, Nachbarn, Freunde alle da wir existierten nicht. Wenn ich mich nicht meldete, kam nichts auch Monatlang.
Langsam merkte ich, daß sie nicht nur die Liebe Omi war, die ich dachte zu kennen.

Mein Erzeuger ist nach meiner Meinung ein Psychopath, ohne Herz, ohne Gewissen, geldgeil, abgezockt und nur bei sich, es besteht kein Kontakt mehr(näher möchte ich auf dieses Monster nicht eingehen). Meine Oma hat immer zu ihm gehalten und alle die es gut mit ihr meinten verstoßen, sie wollte nicht sehen, was er alles getan hat. Es ist ihr Sohn, sie liebt ihn und ich denke... Die Macht der Verdrängung.
Jedenfalls war meine Oma immer super sparsam und hatte einige tausende zusammen gespart.

Eines Tages stürzte sie und musste ins Krankenhaus, wie das bei älteren Menschen so ist, heilen Sachen nicht mehr so gut und schnell. Es ging ihr natürlich nicht so gut und sie kam so lange in die kurzzeitpflege. Da man sie, meiner Meinung nach los werden wollte um sich bloß nicht kümmern zu müssen besorgte man einen dauerhaften Platz.
Da ich ahnte was nun folgen würde, bin ich mit meinem Mann und meinem Onkel zu ihr um mir ihr zu reden und ihr klar zu machen, daß sie sich schützen muss. Sprich ihm die Kontovollmacht entziehen (meinem Erzeuger), weil ihr Konto sonst bald leer ist, ich schlug vor eine Person von der Stadt dies verwalten zu lassen, jedenfalls eine neutrale Person. Sie erzählte mir, daß bereits regelmäßig 1000€ von ihm in bar abgehoben werden, ihr gibt er 50€ Taschengeld und damit hat sie auszukommen.
Sie weigerte sich, just in dem Moment kommt er zur Tür hinein. Ich fragte ihn nach den Geldabgängen, das es nicht sein Geld sei und er belegen müsse was er mit dem Geld macht. Mein Onkel sagte, er solle mir zu hören daraufhin ist mein Vater auf ihn los gegangen (die hassen sich), mein Mann hat eingegriffen und meinen Erzeuger auf den Flur befördert.

Es war so peinlich, wie asoziale ich habe mich wirklich schrecklich geschämt🙈

Oma weigerte sich auch danach und hielt zu ihm, am Ende sagte sie ich sei schuld daran, ich hätte ja nochmal mit ihm reden können.
Das war nach 37 Jahren der Punkt an dem ich nicht mehr wollte, wieder einmal hat sie mich verraten uns alle um zu ihm zu halten.
Seit dem bin ich nicht mehr hin und es besteht kein Kontakt mehr, weil ich diese kranke Seite der Familie nicht mehr ertrage. Ich habe genug gelitten und mich genug treten lassen, (es sind natürlich noch viel mehr Sachen in den Jahren vorgefallen)

Ich weiß, daß alles genau so gekommen ist wie ich es ihr vorher gesagt habe. Man hat ohne ihr Wissen, ihr zu Hause aufgelöst, all ihre Sachen (natürlich auch die wertvollen) sind weg, Bargeld in tausender die sie zu Hause versteckt hat, weg. Sie durfte nicht mal mehr nach Hause, Dinge holen die ihr lieb sind, das Konto ist mittlerweile leer, besuchen kommt sie natürlich auch keiner mehr,ist ja auch nichts mehr zu holen.

Tja sie ist dieses Jahr nochmal Uroma geworden, das weiß sie von meinem Onkel.

Gestern überfiel mich das erste mal seit dem Vorfall der Gedanke mit dem kleinen hin zu fahren. Sie ist Mitte 90,wer weiß wie lange sie noch lebt und komme ich damit zurecht es so enden zu lassen. Gleichzeitig habe ich Angst, daß sie mich wieder tritt und ich mich hinterher wieder verraten und schlecht fühle.

Ich möchte darüber auch mit ihr nicht mehr reden, ich will auch von all dem Nichts mehr hören. Ich möchte ihr nur ihr Urenkelchen zeigen, ihr eine kleine Freude bereiten und Frieden schließen.
Würdet ihr hinfahren auch auf die Gefahr hin, daß es anders kommt als gewünscht und die Narben wieder auffreisen und ihr dann wieder wochenlang damit zu kämpfen habt?

Tut mir leid das es so lang geworden ist, um alles zu erzählen bräuchte ich noch 3 Tage. Das ist wirklich die Kurzfassung, ich hoffe das dieser kleine Einblick reicht um sich ein Bild zu machen. Ich danke euch und schon mal ein schönes Weihnachtsfest für euch alle 💓

Hallo!
Das ist eine belastende Situation für euch!
Aber ja, ich würde wahrscheinlich fahren. Und (je nachdem wie fit sie geistig ist) gleich zu Beginn sagen, dass du nicht über die Geschichte reden möchtest und anderenfalls auch gleich gehen würdest.
Das verhalten ihrer Kinder ist unter aller Kanone, nur wird das die Oma nicht eingestehen, obwohl sie es wahrscheinlich weiß. Und da machen Diskussionen keinen Sinn.
Aber , vielleicht schaffst du es mit einem Besuch, eine schöne Erinnerung für dich zu schaffen. Dann ist der -vielleicht letzte -Besuch bei ihr mit was Positiven behaftet .
Ein Versuch ein wenig Frieden zu schließen.
Ihr hattet ja vorher ein gutes Verhältnis und vielleicht bereust du es später, wenn du es nicht tust. Geht es schief, dann weißt du für dich, dass du es versucht hast und kannst es abhaken.
Die Oma kann ja nichts für das Verhalten ihrer Kinder und leidet mit Sicherheit darunter.
Da dein Erzeuger seine Mutter sowieso nicht besucht, besteht keine Gefahr, dass er dir über den Weg läuft. Den diesen würde ich komplett aus meinem Leben streichen. Was du offenbar getan hast.

Ich würde es probieren und vielleicht bist du hinterher froh es getan zu haben.

Frohe Weihnachten!

Vielen lieben Dank ❤️

Hallo!

Ich verstehe nicht so recht, was DEIN Problem ist.

Deine Oma hält zu ihrem Sohn, deinem Vater. Du hast jetzt auch ein Kind, du wirst zumindest ein wenig ahnen, wieso das so ist. Es ist vollkommen egal, was er für ein Mensch ist, er ist ihr Sohn. Die beiden pflegen ihre Beziehung seit Jahrzehnten. Es wird immer so gewesen sein, dass er seine Mutter ausnutzt und hingeht und sie das nicht sehen kann oder will. Daran änderst du nichts. Es geht dich eigentlich noch nicht mal was an.

Dir bleibt die Wahl, ob du das so stehen lässt und dich nicht einmischst oder ob du den Kontakt abbrichst, Das wäre auch damals schon die Wahl gewesen. Du hast die Oma auf die Kontounregelmäßigkeiten hingewiesen, du hast Änderungsvorschläge gemacht, sie wollte davon nichts wissen. Damit ist das nicht mehr deine Baustelle.

"Da man sie, meiner Meinung nach los werden wollte um sich bloß nicht kümmern zu müssen besorgte man einen dauerhaften Platz."

Offenbar ist sie versorgt, hat, was sie braucht. Jemanden ins Heim zu bringen, bedeutet nicht automatisch ihn oder sie abzuschieben. ER hat sich gekümmert, indem er einen Platz gesucht und gefunden hat, an dem man sie pflegt und umsorgt. Und das kostet ja auch!
Wenn du so an der Oma hängst, hättest du dich ja auch Zuhause kümmern können! Das war jetzt eher ironisch gemeint, weil du das wahrscheinlich nicht gekonnt hättest. Nur konnte das dein Vater ebenso wenig.

Ich will weder deinen Vater noch deine Oma im Schutz nehmen. Ich finde aber, dass du dich sehr aufs moralische Ross setzt. Oma ist jetzt Mitte 90. Fahr mit deinem Kind hin und guck, was passiert. Wenn es doof ist, fährst du halt wieder weg. Weißt du denn, in welchem Zustand sie ist? Vielleicht erkennt sie dich gar nicht. Darauf solltest du dich innerlich einstellen.

LG

Na ja es geht und ging mich schon was an, denn ich wurde von ihr immer damit behelligt, zum ausheulen über ihn war ich gut genug. Ich hin ja nu auch nicht irgewer, sondern ihr Enkelkind also keine Außenstehende Person.
Das sie sich vom ihm ausnutzen lässt interessiert mich nicht mehr, aber das sie mich und alle anderen letztendlich für sein Fehlverhalten verantwortlich macht interessiert mich sehr wohl.

Denn das ist entspricht nicht der Realität und es ist ungerecht.
Das alles macht es vor dem hintergrund was er alles getan und angerichtet hat, für mich so schlimm.
Ich habe sehr sehr lange gebraucht um das alles zu verarbeiten und zu verstehen, daß auch er sich nie ändern wird (man hat ja nur einen Papa und wünscht es sich doch gerne anders)
Damit habe ich abgeschlossen und damals nur ihr zu liebe, weil ich wusste wie es enden wird mich aufgerappelt. Ich wollte sie schützen, hätte ich nicht machen müssen mein verschulden, aber das ist doch nicht verwerflich?

Sie ist sehr wohl abgeschoben, allein gelassen dort. Niemand besucht sie, seit das Geld weg ist, sie kann noch nicht mal den Friseur bezahlen. Man hoffte wohl sie sei schon von der Erde gegangen ja ich weiß das es eine krasse Aussage ist, aber genau so ist er.
Ich finde nicht das ich mich auf ein hohes Ross setzte, erklär mir das bitte?
Danke für deine Antwort.

Hallo!

Mit dem hohen Ross meine ich, dass du viel von deinem Vater in Bezug auf deine Oma erwartest, selber aber auch nicht so viel für sie tust oder getan hast.

Das du das nicht getan hast, finde ich nicht verwerflich. Man kann sich nur gut kümmern, wenn eine Basis da ist. Die habt ihr offenbar nicht. Das ist in vielen Familien so. Deine Oma ist -wie die meisten, die in einer solchen Situation enden- mit verantwortlich dafür. Sie hat versäumt, eine solche Basis zu schaffen.

Ich bin die Letzte, die Angehörige in die Pflicht nimmt.

Da du dich aber auch nicht kümmerst, darfst du das von deinem Vater nicht erwarten.

Dazu muss man immer sehen, aus welcher Zeit alle stammen. Deine Oma ist Mitte 90. Man hat sie nicht dazu erzogen, aufzumucken, ihre Meinung zu haben oder sagen -schon gar nicht Männern gegenüber-, vielleicht hatte sie noch nicht mal die Chance auf ausreichenden Schulbesuch und Bildung. Wie war dein Großvater? Der hat deinen Vater auch erzogen, oder nicht?

Ich weiß nicht, ob sie verstanden hat oder verstehen konnte, was dein Vater da abzieht. Es war nicht okay, die Verantwortung auf andere abzuwälzen, das ist richtig, aber wahrscheinlich war das ihr Weg, damit umzugehen. Wie hat das ausgesehen, dass sie dich dafür verantwortlich gemacht hat? Hättest du damals nicht schon sagen können: "So, Oma HIER ist dein Schild!"

Entweder besuchst du sie also, weil es dir ein inneres Bedürfnis ist, oder du lässt es sein. Ich denke nicht, dass sie mit Mitte 90 noch die Kraft und die Energie hat, ihr Leben zu besprechen oder sich groß Gedanken zu machen.

LG

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Das ist ja schlimm!

Weißt du was?
Ich würde noch einmal hinfahren und die Lage checken. Egal wie das Treffen dann läuft, du machst dir später keine Vorwürfe und kannst vielleicht mit dem einen oder anderen Thema abschließen...

Alles Gute

Ich danke dir für deine Antwort❤️

Kannst du hinfahren und Zeit mit dem Urenkel ermöglichen ohne dass es ihrerseits zu Vorwürfen gegen Dich kommt?
Wenn ja, why not!? Wenn nein.... Was ist dir wichtiger?

Andere Konfliktlage hier, gleiches Spiel. Ich habe den Kontakt abgebrochen nachdem sie meinten meinen Vater, ich bin das einzige Kind, ohne mich beerdigen zu können. Sie haben danach viel Kontakt gesucht, primär um sich zu rechtfertigen dass sie ja alles richtig gemacht haben.
Bei mir ist der Ofen sowas von aus. Ich will das nicht mehr hören, dass ich das undankbare Rotzgör bin und warum ich nicht verstehen will dass sie das so machen mussten. Da es kein Zusammentreffen gäbe ohne dass sie mir erzählen würden dass ich falsch gewickelt bin gibt es keins. Und damit sehen sie den einzigen Urenkel auch nicht.
Bereut habe ich es bisher nicht. Ein Grosselternteil ist mittlerweile verstorben.
Ich habe zugelassen dass Verwandten gelegentlich Bilder vom Kind rausgeben. Das muss reichen. Ich setze mich in diesem Leben diesen Vetletzungen nicht mehr aus.
Mir geht es gut damit.

Das kann ich total verstehen, ich danke dir.

Das tut mir leid, was dir passiert ist. Eine entsetzliche Sache, sowas habe ich noch nie gehört. Und es gab eine Menge Streit und auch üble Sachen in meiner Verwandtschaft.

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Fahr hin.
Dann kannst du dir entweder die Bestätigung holen dessen was du dir eh denkst oder sie hat nun endlich Einsicht. So oder so wird die Geschichte irgendwann enden und du kannst damit abschließen. Vielleicht dann mit dem Gewissen alles getan zu haben.

Du scheinst das Bedürfnis zu haben, sie zu sehen. Viel Zeit bleibt dir vielleicht nicht mehr. Du hast deine Vergangenheit reflektiert und angenommen. Jetzt kannst du deinen Frieden damit machen.
Fahr hin. Für dich und deinen Frieden!

Alles Gute

Hallo.

Klar würde ich hinfahren und ihr ihren Urenkel vorstellen.
Du musst ja nicht über die Vorjahre mit ihr reden. Genießt einfach ne Stunde beim gemeinsamen Kaffee und redet von der Gegenwart.

LG#winke