Minderjährige Eltern - Pflegschaft?!

Hallo,

mein Neffe (20) und seine Freunden (17) werden im Juni 20 Eltern. Mein Neffe hat einen Vormund, da er geistige Defizite hat. Die Freundin lebt derzeit in einem Mutter-Kind-Heim. Ihre Mutter ist wohl in einer Psychiatrie, in der ganzen Familie herrschen asoziale Verhältnisse. Meine Schwester, also die Mutter meines Neffen, ist sauer über die Schwangerschaft und sehr abgeneigt, redet schlecht darüber und schiebt allen den schwarzen Peter zu. Ich kann da immer nur mit dem Kopf schütteln und verstehe nicht, wie man seinen Sohn und das ungeborene Enkel so hängen lassen kann.

Mir (und da bin ich neben meinem Mann die einzige) tut das ungeborene Kind extrem leid. Ich habe das Gefühl, dass die beiden werdenden Eltern der Verantwortung nicht gewachsen sind ein Kind groß zu ziehen. Beide haben ihr Päckchen aus ihrer eigenen Kindheit zu tragen. Ich bin sehr froh, dass die werdende Mutter in einem Mutter-Kind-Heim ist und dort entsprechende Hilfe und natürlich auch Überwachung bekommt. Die beiden sind der Meinung, dass sie 2 Monate nach der Geburt (da wird sie 18) in eine eigene Wohnung ziehen können. Ich sehe das noch nicht kommen. Ich würde die 2 gern unterstützen. Ich habe Kleidung angeboten und auch angeboten vorbeizuschauen, wenn etwas ist. Ich könnte heulen, wenn ich an das Schicksal des kleinen Wurmes denke. Ich erwische mich ab und zu auch bei dem Gedanken im Allergrößten Notfall, wenn es so kommen sollte, würde ich wahrscheinlich auch das Kind bzw die Pflegschaft für das Kind übernehmen - wenn es die Eltern und das Jugendamt natürlich wöllten. Aber wie geht man dann sowas an? Geht sowas überhaupt? Oder macht man sich durch eine Pflegschaft innerhalb der Familie vielleicht Stress? Versteht mich nicht falsch, irgendwie ist es ja auch vielleicht übertrieben, dass ich mir jetzt schon Gedanken mache, aber alle anderen sehen das ganze Thema so extrem entspannt und lassen die 2 werdenden Eltern im Regen stehen. Ich habe einfach nur so extremes Mitleid mit dem Baby :(

Hey Hey,

Erstmal schön,das du die beiden unterstützen möchtest! In erster Linie geht es ja nicht darum, die Verantwortung den werdenden Eltern abzunehmen,sondern sie in ihreren psycho- sozialen Strukturen zu unterstützen! Ein gut organisiertes Netzwerk ist da unabdingbar! Da sich die werdende Mutter bereits unter staatlicher Aufsicht befindet, werden sicherlich weiterführende Maßnahmen eingeleitet werden wie z.b.eine ambulante Familienhilfe etc....(würde ich aus Erfahrung mutmaßen). Wenn dies seitens der werdenden Mutter/Vater erwünscht ist, kannst du sie natürlich schon Kontakt zu den Betreuern der Mutter-Kind -Einrichtung aufnehmen,wo gemeinsam ein Hilfeplangespräch geführt wird, wo du deine Hilfsbereitschaft äußern kannst! Eine Pflegschaft würde ich zum jetzigen Zeitpunkt aus keiner Perspektive für gut heißen!

LG 🙋

Hallo!

Danke für deine Antwort. Neeeein, jetzt würde ich noch gar nichts machen. Ich hoffe sehr, dass die 3 es alleine hinbekommen und bin auch froh, dass sie zumindest vom Amt Hilfe bekommen. Ich mache mir einfach nur Sorgen und leider bin ich jemand, der halt auch mal ein Stück weiter denkt. Nicht, dass ich das unbedingt will, aber ich sagte ja im Fall der Fälle. Bedenken sind trotzdem da, immerhin ist sowas eine große emotionale Herausforderung für alle Beteiligten.

Ich finde deine Fürsorge sehr schön! Versuche zu zeigen und zu unterstützen und halte deine "Idee" im Hinterkopf.zum jetzigen Zeitpunkt wäre es meiner Meinung nach zu früh. Das Jugendamt ist involviert, halte dennoch ein Auge auf die drei.

Du scheinst ein toller Mensch zu sein, ich finde es großartig. Dennoch wünsche ich den dreien das sie es eigenständig schaffen. Rückhalt zu haben gibt Stärke!

Ich finde deine Gedanken ganz toll und du solltest weiter dran bleiben und deine Unterstützung zeigen!

Vor Jahren hatte ich eine ähnliche Situation. Im Notfall hätte ich die Pflegschaft mit meinem Mann übernommen. Es wurde aber von Seiten der Großeltern darauf gepocht dass die leiblichen Eltern das ganz bestimmt schaffen werden (trotz Drogen, Arbeitslosigkeit usw) und wir uns raushalten sollen.

Ende vom Lied: meine Nichte wurde mit nicht mal zwei Jahren Missbraucht von einem Freund der Eltern und kam für immer an eine fremde Pflegestelle. Niemand aus der Familie durfte Kontakt haben zu ihr. Mittlerweile ist sie ein 15 jähriger Teenager, der Kontakt ist nun einigermaßen vorhanden, aber es herrscht eine riesen emotionale Distanz, zumal die leiblichen Eltern immer noch in ihrem Trott hängen.

Ich bereue es dass ich damals nicht "härter" blieb. Manchmal sollte man doch mehr auf sein Gefühl vertrauen.

Hallo,

mit Vormund und Mutter-Kind-Einrichtung haben die Beiden- und somit auch das Baby- ja erstmal "Netz und doppelten Boden".

Der Wunsch, als kleine Familie in eine eigene Wohnung zu ziehen, ist durchaus legitim. Dadurch wird er sich jedoch nicht "automatisch" umsetzen lassen. Vor allem durch den Vormund und auch die Hilfeplanung durch das Jugendamt wird sehr genau geschaut, wie/ob die beiden jungen Leute mit ihrem Baby zurecht kommen werden.

Ich kann mir gut vorstellen, dass Mutter und Kind längere Zeit in der Einrichtung bleiben werden. Dort könnte ein nächster Schritt irgendwann ein Verselbständigungs-Bereich sein und falls die Familie eines Tages in eine eigene Wohnung ziehen SOLLTE (das wird nächstes Jahr m.E. überhaupt kein Thema sein), werden sie auch dort weiter fachliche Hilfe und Unterstützung in Anspruch nehmen können/müssen.

Dass Du Dir Gedanken machst, finde ich grundsätzlich gut. Ein Pflegeverhältnis übernimmt man allerdings nicht "mal eben" und davon abgesehen solltest Du da auch ehrlich mit Dir selbst sein (dazu brauchst Du hier nichts zu schreiben!), warum Du Dicht tatsächlich "bei dem Gedanken erwischt", das Baby "notfalls" bei Euch aufzunehmen. Ist das wirklich ausschließlich die Sorge, dass die jungen Eltern überfordert sind und das Kind dadurch nicht adäquat versorgt ist (dafür gibt es, wie gesagt, jede Menge fachliche Unterstützung). Oder ist es eher der Gedanke an ein Baby? Das wäre nämlich in jeder Hinsicht kontraproduktiv und man sollte dann besser Abstand von der Idee nehmen. Zum Glück gäbe es im Vorfeld entsprechende Schulungen, etc., "mal eben" würde das Jugendamt einem Pflegeverhältnis ohnehin nicht zustimmen.

Viele Grüße & alles Gute für das kommende Jahr #klee,

Kathrin

Hallo, es ist pupsegal ob die werdende Großmutter in der Psychiatrie ist oder nicht. Erstens gibt es dafür verschiedene Gründe und zweitens stößt mir dein wohl sauer auf.
Die Verhältnisse aus denen die Mutter stammt können aber müssen nicht Einfluss auf ihre Fähigkeiten als Mutter haben.
Und wenn dein Neffe einen Vormund hat, sieht jemand von staatswegen nach dem Kind auch wenn die Mutter aus dem Heim entlassen wird. Wobei geistige Defizite und geistige Defizite ein weites Feld sind.

Ich hoffe beide dürfen in eine eigene Wohnung ziehen und zwar zusammen mit dem Kind. Und ich hoffe, dass man alle drei soweit wie möglich in Ruhe ihr Leben leben lässt.
Wenn alle anderen entspannt an die Zukunft ran gehen hat es nichts aber auch gar nichts mit im Regen stehen zu tun. Dann ist es vermutlich nur nicht so schlimm wie du dich reinsteigerst.

Wenn du etwas betüddeln willst hole dir ein Haustier.

Gruß Sol

Hallo.

Du kennst mich nicht und auch nicht alle Hintergründe, von daher lächel ich mal über deine Antwort - auch wenn sie sehr angreifend ist.

Dass solche Verhältnisse nichts über die Fähigkeiten als Mutter auszusagen haben weiß ich selbst. Ich sage aber nicht grundlos, dass ich froh darüber bin, dass die Mutter in einem Mutter-Kind-Heim untergebracht ist und dort entsprechende Hilfe bekommt. Der Vormund meines Neffen ist seine Mutter, die ihm jeden Stein in den Weg legt und sich sein ganzes Leben lang nicht für ihn interessiert hat, selbst. Also auch keinerlei Hilfe, wie ich bereits schrieb. Das Umfeld der beiden macht sich Gedanken, jedoch nur alá „Das schaffen die doch nie“, „Was nützt der schöne Name des Kindes, wenn die Eltern zu dumm sind“ etc. Leider, und das klingt hart, ist da der Horizont sehr begrenzt. Ich schrieb, dass ich helfen will und ja ich hoffe auch, dass die 3 es alleine hinbekommen - ich sehe es aber leider nicht kommen, daher versuche ich schon weiter zu denken WAS passieren KÖNNTE. Ist es denn deiner Meinung nach schlimm sich im Vorfeld schonmal Gedanken zu machen? Eine Pflegschaft ist eine große Herausforderung. Ich denke nicht nur was die Verantwortung betrifft, sondern auch emotional - daher frage ich hier. Oder findest du es besser, wenn ein Kind an fremde Pflegestellen geht, anstatt in der Familie zu bleiben?

Und zu deiner Anschuldigung mit dem „betüpfeln“: ich habe selbst 2 Kleinkinder, die ich den ganzen Tag betüdeln kann. Mir geht es hier nicht darum ein Baby zu bekommen - dazu bin ich selbst in der Lage.

Danke und liebe Grüße!

Hallo,

Ich finde deinen Beitrag sehr blauäugig.

Kann aber sein, dass ich da beruflich vorbelastet bin, weil ich mit intellektuell beeinträchtigten Menschen, die oftmals aus einem sozial sehr defavorisierten Milieu stammen, arbeite. Wir bretreuen alles von Menschen mit Trisomie und anderen genetischen Defekten bis hin zu Menschen, bei denen man nie eine Ursache finden wird für ihre Behinderung ausserhalb ihrer familiären und sozialen Situation.
Aber allein von meiner (begrenzten, sicherlich) Erfahrung und meinem (noch begrenzteren, ohne Frage) Wissensstand kann ich dir sagen, dass es IMMER einen Einfluss hat, aus welchem Verhältnis wir stammen. Und damit beschreibe ich noch nicht einmal nur die Verhältnisse, die hier klassisch als "asozial" dargestellt werden. Wir haben hier einige gut betuchte Familien, die aber selbst aus emotional verkrüppelten Familien stammen und das an ihre Kinder weitergegeben haben.

Ich muss trotz allem oft feststellen, dass Eltern, die selbst nichts Schönes erlebt haben und aus sozial schwierigen Kontexten stammen, selbst psychische Beschwerden haben, oder sogar selbst intellektuell beeinträchtigt sind, sehr oft überfordert sind mit ihren eigenen Kindern. Es zieht sich eben wie in roter Faden durch meine Arbeit, tut mir Leid. Ich habe schwer depressive Mütter in meiner Laufbahn betreut, bevor ich mit intellektuell beeinträchtigten Menschen arbeitete. Der Grad an emotionaler Verwahrlosung, unter der ihre Kinder litten... fürchterlich. Und für die Mütter eine Tortur, weil sie sich selbst zeitweise schwerste Vorwürfe machten. Durch und durch kaputte Familien, kaputte Menschen.

Was deine Hoffnung angeht, dass die Familie eine eigenständige Wohnung bekommt... Ich habe viele Menschen mit intellektueller Behinderung auf der Arbeit, die Kinder bekommen haben. Auch hier kann ich nur sehr begrenzte Erfahrungswerte angeben natürlich, aber: in 90% der Fälle läuft es nicht gut bei uns, endet damit, dass das Kind ebenfalls behindert ist, unterentwickelt ist weil es an Förderung mangelt oder, leider in den meisten Fällen, in Pflegschaft und juristischer Platzierung in Kinderheimen weil die Eltern masslos überfordert sind ab einem gewissen Alter. Die Kinder kommen in spezielle Förderschulen, spezielle Förderkitas, brauchen viel professionnelle Unterstützung, Aufenthalte in der Psychiatrie wegen Verhaltensstörungen sind nicht selten. Ihr Weg in unsere Einrichtung ist quasi schon vorprogrammiert. Und das obwohl wir interne Dienstleister haben, die die Familien begleiten. Denn man vergisst oft, dass intellektuelle Beeinträchtigung IMMER auch mit sozialen und emotionalen Beeinträchtigungen einhergehen. Dei Wenigsten kriegen das "alleine wohnen" gebacken, schon gar nicht ohne Unterstützung.

Man kann sich vieles so schön reden, wie man es möchte. Und das ist ja auch in unserem Zeitalter der Selbstbestimmung genau so üblich. Aber jedesmal wenn ich von solch einer Schwangerschaft höre stellen sich mir die Nackenhaare auf. Denn ich erlebe die Menschen hier und sehe wie sie zu kämpfen haben, wie wenig emotionale Kompetenzen sie haben, wie wenig sie oft um soziale Regeln wissen.

Es stimmt, geistige Defizite und geistige Defizite sind ein weites Feld, aber wenn ein Vormund ausgesprochen wurde, dann wird das seine Gründe haben. Selbst hier bei uns hat nicht jeder einen Vormund. Sich zu wünschen, dass man die junge Familie einfach "in Ruhe" lässt ist meines Erachtens blauäugig. Aber wie gesagt: Vielleicht bin ich zu vorbelastet.

Gruss an dich und ich wünsch dir einen guten Rutsch!

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Schöner Gedanke das da jemand wäre. Und auch dass du die beiden Unterstützen möchtest.

Ansprechpartner wäre das zuständige Jugendamt, falls es mal nötig wäre. Wobei du jetzt schon fragen könntest, ob du unterstützen kannst. Am besten ein gemeinsamer Termin mit dem Vater. Unseres damals froh war, dass ich und die Mutter schon selber Lösungen gesucht haben. Vielleicht wäre es auch möglich das ihr zusammen wohnt. Kann ja auch zwei Wohnungen im selben Haus sein.

Aus eigener Erfahrung, weiß ich aber auch, dass man als Pflegestelle vielleicht auch mal hart zu den Eltern sein muss.
Wichtig ist auch, dass du dich fragst ob du zur Not dann auch das Kind schützen kannst und die Eltern wirklich nur zu den begleiteten Umgängen ihr Kind sehen lässt. Das ist wirklich hart.