Familie, Weihnachten - der ganz normale Wahnsinn?

ich muss mir etwas von der Seele schreiben.
Weihnachten, Fest der Liebe.
Dass ich nicht lache.

Ich bin alleinerziehend, wohne weiter weg von der Familie und dort auch ziemlich auf mich alleine gestellt.
Soweit so gut.
Weihnachten wünscht man sich ja dann doch etwas Familie und Feierlichkeit. Und jedes Jahr aufs Neue prallen dann Welten aufeinander.

Es gibt nur noch meine Schwester und meinen Vater.
Meine Schwester lebt in Scheidung. Und lebt nach wie vor das Weihnachtliche mit diesem Teil der Familie aus. Ist den ganzen 24. bei der Schwiegerfamilie unterwegs. Jeder wird besucht.

Meinem Vater ist das alles irgendwie egal. Oder nicht so wichtig. Oder will anderen nicht zur Last fallen.

Da ich keinerlei Wert auf die Schwiegerfamilie lege, habe ich selber vorgeschlagen, dass wir dann erst am 25. zu Besuch kommen.

Das hatten wir auch letztes Jahr so gehandhabt. Insofern ok.

Ich persönlich würde auch gerne richtig toll kochen, Völlerei betreiben, Klischees bedienen.
Aber auch mit diesem Wunsch stehe ich alleine da. Das allerdings schon seit Jahren, insofern sollte mich auch das inzwischen nicht mehr belasten.
Tut es aber trotzdem.
Und ich würde natürlich auch das Kochen übernehmen, aber dann herrscht Angst vor Resten, Unbekanntem und überhaupt.
Also haben wir auch am 25. die Reste von Heiligabend gegessen.
(Lecker! Aber eben 08/15. Nichts ansatzweise festliches).

Am 26. wurde dann meine Schwester krank.
Dafür kann sie natürlich nichts.
Aber mich ärgert dann doch, wenn man trotz Besuch Krankheit richtig ausleben muss.
Stunden darüber nachgrübelt, ob man nun eine Parazetamol nimmt oder nicht. Sich dann abends entschließt doch eine zu nehmen, und man sich oh Wunder besser fühlt.
Trotzdem aber am nächsten Tag das selbe Drama zelebriert, da man ja am Vortag schon eine Schmerztablette genommen hat.

Ich derweil mit Kleinkind weit entfernt von einer geringen Entlastung, da im fremden Haushalt ja alles doch schwieriger ist, man ja natürlich auch Rücksicht nehmen will usw.

Jedenfalls wurde mein Nervenkostüm auch immer dünner.

Ich besuchte mit meinem Sohn meinen Vater, was aber auch immer eine Belastung ist, weil er sehr starker Raucher ist und körperlich auch nicht ganz fit ist.
Aber beim ersten Mal war es nett.

Am nächsten Tag kränkelte meine Schwester immernoch, also fuhren wir wieder alleine zum Opa, hatten auch noch eine alte Freundin von ihm eingeladen um gemeinsam Kaffee zu trinken.

Kaum angekommen, platzte mir das erste Mal der Kragen.
Ich war selber sehr dünnhäutig, wegen genervt und zu wenig Schlaf (Kind). ALLES war noch sehr viel anstrengender, als wenn ich mit meinem Sohn alleine zu Hause bin.

Und dann kamen wir an und seine bescheuerte Nachbarin saß schon im Wohnzimmer, der Fernseher dröhnte, die Bude total verqualmt und sie hatten gerade Kaffee getrunken und Kuchen gegessen.


Ich bat darum den Fernseher leiser zu stellen oder aus zu machen. Mir ist schleierhaft, warum man den so laut stellen muss. Reden kann man mit beiden in normaler Lautstärke.
Ich bat 1x darum, 2x, bin dann ins Nebenzimmer um Jacken und Schuhe auszuziehen, wir kamen wieder ins Wohnzimmer, und der Fernseher dröhnte immernoch.
Ich bat wieder darum jetzt doch bitte den Fernseher auszumachen (Nachbarin hatte die Fernbedienung), beide glotzten nur blöde, schließlich wurde ich zum ersten Mal halb hysterisch und schrie, ob sie jetzt endlich dieses scheiss Ding ausmachen könnten.

Fragen, was denn los sei, machten es nicht so wirklich besser, schließlich wurde er ausgestellt und ich entschuldigte mich.

Kurz darauf kam besagte Freundin, brachte wie besprochen Kuchen mit, ich machte Kaffee, wusch erstmal ab damit genug Geschirr sauber war usw.

Dann diese Nachbarin.
Ich konnte sie noch nie leiden, ich weiss auch nicht wie mein Vater (gebildeter Mann) ihr seichtes Halbwissen erträgt. Mich macht es wahnsinnig.
Gepaart mit einem Taktgefühl wie 2 Elefanten im Porzelanlade.

Erstes Thema: wie war das denn mit dem Tod des Mannes der Familien Freundin?
2. Thema: (vor meinem Vater) warum wir ihn nicht in ein Pflegeheim stecken.

Jedes Spiel mit dem Kind wurde negativ kommentiert (ich halte ihn Kopfüber in der Luft, er lacht sich tot, sie sagt ich soll das Kind doch nicht quälen).
Er sitzt beim Opa auf dem Schoß, sie schauen ein Buch an, sie weiss alles besser.

Drängt jedem wirklich schlimme Gespräche über Jesus auf, wobei sie eigentlich nur Monologe halten will und sich bei ernstgemeinten Antworten nicht zuhört usw.

Sie ist einfach ein Stimmungskiller der echt aggressiv macht (das empfinde nicht nur ich so).

Nach einer guten Stunde verabschiedete sich die Familien Freundin, die Nachbarin kuckte mich an und sagte wörtlich "ach DU gehst noch gar nicht?".

Ich versuchte noch meinen Sohn und dem Opa gemeinsame Zeit zu ermöglichen, merkte aber wie mein Nervenkostüm immer dünner wurde.

Schließlich sammelte ich das Geschirr ein und wollte zum Abwaschen gehen, kaum in der Küche angekommen, hörte ich wie der Fernseher wieder in ohrenbetäubender Lautstärke angeschaltet wurde (Nachbarin an Fernbedienung).

Das war zu viel.
Ich rastete total aus.
Mir muss auch nieman sagen, dass ich da drüber war, das weiss ich.
Aber ich konnte nicht mehr.
Schrie ob das jetzt ihr Ernst wäre dieses scheiss Ding wieder anzumachen, wenn wir noch zu Besuch sind usw.
Ich leerte ein Mal den kompletten Eimer über ihr aus, mit Dingen die mich schon immer an ihr genervt haben.
Auch meinen Vater maulte ich ziemlich an. Wie das sein könnte, dass ich sage wir kommen in 45 Min zum Kaffee trinken und er dann schon gerade mit ihr Kaffee getrunken hat.
Erklärte beiden wie absolut respektlos ihr Verhalten wäre, zog mein Kind dabei an und rauschte von dannen.

Ich denke ich war da kurz vor einem Nervenzusammenbruch.
Tat mir auch total leid, dass mein Sohn das miterleben musste.

Ich bin sonst mich so.
Mir wird immer gesagt, was ich für ein positiver Mensch wäre (dabei nennt man das Galgenhumor) und wie toll ich das als Alleinerziehende schaffen würde.
Natürlich schaffe ich es.
Aber es ist hart.
Und ich habe ja gar keine andere Wahl. Ich muss es schaffen.

Ärger, gerade in der Familie, schlucke ich runter bzw. erzähle es Freunden.
Innerhalb der Familie tragen wir das nie aus (ungesund).
Deshalb kam gestern wohl die Wut der letzten 20 Jahre aus mir heraus.

Meiner Schwester erzählte ich das alles.
Halb heulend.
Als mein Sohn schlief, weinte ich nochmal im Bad. Und sie fragte mich tatsächlich, was denn los wäre???

War das denn nicht offensichtlich?
Ich bin gestresst vom Alltag, ich war noch gestresster vom Besuch der nicht annähernd so verlief, wie ich es mir gewünscht hätte, war noch immer total wütend auf diese Nachbarin und meinen Vater und hab mich natürlich auch gleichzeitig total geschämt und war mit der Situation überfordert.

Ich weiss gar nicht was ich mir hier erhoffe.
Ich musste es einfach los werden.
Wobei sich das Gefühl der Wut auf alles von gestern, heute schon eindeutig in eine andere Richtung verschoben hat.

Ich frage mich wieder mal, warum man meine Gefühle/ Sorgen und Ängste nicht ernst nehmen kann.
Warum ich alles genau formulieren kann, dabei Rotz und Wasser heule und beim Gegenüber nicht ankommt, dass ich einfach ein klein wenig Verständnis haben möchte und dass man sich ein klein wenig Mühe gibt, auch mir mal ein schönes Gefühl zu vermitteln.

Eigentlich habe ich das Gefühl, meine Erwartungen ja schon komplett herunter geschraubt zu haben.
Ja, wir feiern nicht wirklich Weihnachten, essen nichts tolles, verbringen einfach so Zeit miteinander.
Meinen Vater erziehe ich nicht mehr zum Nichtraucher, also gehen wir in die verqualmte Bude, damit wir ihn überhaupt sehen, versuche nicht darüber nachzudenken wieviel Nikotin überall klebt.
Ertrage im Regelfall diese Nachbarin wenn sie da ist.

Keine Ahnung.
Ist das bei denen genauso?
Ich frage mich immer, ob sie vielleicht auch 1000 Augen zudrücken, wenn wir zu Besuch sind?
Ob sie das Gefühl haben, nett zu mir zu sein?
Ob sie auch mich als undankbar sehen?


Aber ich weiss nicht, wenn meine Schwester sagt, dass es ihr nicht gut geht, nehme ich sie in den Arm, schick ihr was kleines, frage nach. Versuche ihr was abzunehmen.

Ich sitze da, heule, sage dass ich den Alltag gut schaffe aber alles was außerplanmäßig dazu kommt, mich völlig stresst, und als Antwort bekomm ich gefühlt noch 5 Aufgabe mehr zu tun und werde trotzdem gefragt warum ich weine.


Ich bin reif für die Insel.

Tut mir leid, dass deine Weihnachten für dich ein Griff ins Klo waren. Lässt sich nicht rückgängig machen, aber du hast nun ein Jahr Zeit um die nächsten Weihnachten nach deinen Bedürfnissen zu planen.
Beziehungsweise deine Bedürfnisse erst einmal mit der Realität abzugleichen.
Es ist leider so, dass sich Wünsche oft nicht erfüllen lassen.
Deine Familie ist nicht so wie du es dir erträumen würdest und ihre Vorstellungen mit Weihnachten decken sich nicht mit deinen.
Da hilft deine ganze Erwartungshaltung nichts.
Besuche würde ich künftig nicht auf Weihnachten legen.
Weihnachten würde ich künftig so gestalten wie ich es mir vorstelle.
Ich würde die Vorweihnachtszeit zelebrieren, mit Kind an richtig liebevoll gestaltete Veranstaltungen (Nikolausschwimmen, Kindertheater usw) und passende Weihnachtsmärkte gehen . Ebenso weihnachtliche Auszeitunternehmungen mit einer Freundin ohne Kind planen.
Die Weihnachtstage selber würde ich mit Kind nach eigenen Vorstellungen zuhause planen. Lieber Kleinstfamilie als Stress und Enttäuschung.

Danke

An die 1. Verfasserin. Verstehe dich sehr gut. Ich bin diese Weihnachten auch sehr dünnhäutig. Ganu diesen Rat wie oben geschrieben würde ich dir auch geben. Du machst das schon richtig! Alles Gute

Das klingt sehr unschön und enttäuschend für dich. Aber du erwartest sehr viel von deinen Leuten die deine Wünsche nicht erfüllen bzw können oder auch wollen. Du bist in der typischen weihnachtsfalle gelandet. Zeit neue Rituale zu schaffen. Und aufhören deiner Schwester Vorwürfe zu machen weil sie krank ist. Dein Vater scheint ja glücklich zu sein mit der qualmenden krawallschachtel
Willst du ihm das verbieten?abgesehen davon dass man keine Sekunde in einem zugerauchten Raum mit kinderm verbringen sollte!
Hast du Freunde mit denen du Weihnachten verbringen kannst. Du bist der Meister deines Schicksals der käptn deiner Seele
Unf niemand sonst

Erwarte ich wirklich viel?
Ich wünsche es mir anders. Das stimmt.
Aber wäre es wie immer einfach nur nicht so gewesen, gäbe es dieses Thema nicht.

Und natürlich mache ich keinen Vorwurf aus der Krankheit. Aber man kann eben mit Kopfschmerzen und verstopfter Nase im Bett liegen und leiden, oder mal eine Tablette und einen Nasenspray benutzen und wenigstens anwesend sein.

Hallo Du,
Ich verstehe Dich nur zu gut. Das hätte mich auch unglaublich genervt.
Eine Sache, die man bedenken könnte: hat Deine Vater sonst viele Freunde? Ist er oft allein? Wer kauft ihm ein, wenn er mal krank ist? Ich denke, die Nachbarin kann bzw hat schon eine wichtige Rolle im Leben Deines Vaters eingenommen.
Ruf ihn doch nächstes mal vorher an und bitte ihn, dass die Nachbarin möglichst nicht gleichzeitig da ist. Das dürfte sich nach Deinem letzten Besuch ja bewerkstelligen lassen. :)
Und sonst: sei froh, dass sie da ist und Dein Papa damit glücklich ist!

Er ist nicht fit und ist viel alleine.
Und ich bin froh, dass sie sozusagen oft nach ihm schaut.
Ich reiss mich ja seit Jahren zusammen, bin höflich und freundlich.
Aber sie schafft es wirklich immer wieder einen an die Grenzen zu bringen.

Sie ist für meinen Vater eine gute Bekannte? Freundin? Aber sie sind keinesfalls ein Paar.
Ich muss sie nicht mögen. Nur mein Vater muss sie mögen.
Aber ihr fehlt so jedes Taktgefühl.
Darüber könnte ich Stunden schreiben.

Sie kauft aber auch nicht für ihn ein. Eher das Gegenteil davon.

Du kannst deinem Vater natürlich nicht vorschreiben, wer ihn wann besucht. Ihn bitten schon, aber es nicht vorschreiben.

Genau so bei deiner Schwester. Wenn sie gern vor sich hin leidet und es ja auch kann, dann ist das ihre Sache.
Ohne Kind konnte ich auch krank sein. Seit ich Kinder habe, gibt es beim ersten Anzeichen eine Paracetamol oder Ibuprofen, damit ich weiter funktioniere.
Deine Schwester hat aber kein Kind und kennt es wohl noch nicht, dass man sich auch mit einer Erkältung ein Stück weit zusammen reißen kann 😅


Ich an deiner Stelle würde die alle nicht mehr zu Weihnachten besuchen. Natürlich möchtest du ein schönes harmonisches Fest.
Aber leider ist deine Familie dazu nicht so gemacht.
Und das einzige, was wirklich hilft, ist, das so anzunehmen. Auch wenn es traurig für dich ist.
Du kannst die anderen nicht ändern.


Aber du kannst dein Verhalten ändern und zum Beispiel bei dir zu Hause eine schöne, besinnliche Zeit verbringen mit deinem Kind.
Und ich glaube, dein Kind wird sich später lieber daran erinnern, wie schön es mit euch beiden war und wie gemütlich du es ihm zu Weihnachten gemacht hast, als an eine verqualmte Bude, lauter Fernseher und eine hysterisch schreiende Mama, die völlig fertig mit den Nerven ist.

Alles Gute euch und.. Sorg du selbst für euer Glück :)

Hallo,

ich kann dich gut verstehen und hätte wahrscheinlich genauso augerastet. Ich finde auch überhaupt nicht, dass du überzogen oder ungewöhnlich reagiert hast, das Verhalten der anderen war unangemessen und unverschämt. Du musstest das mal sagen, wenn es sonst niemand macht.

Du kommst zu Besuch, versuchst dich zu engagieren und dann kommt rein gar nichts von den anderen. Sogar das Geschirr ist ungespült!!!

Seit dem Tod meiner Mutter 2002 habe ich schon sehr viele schwierige Weihnachten verbracht in den verschiedensten Konstellationen.

Wir bleiben an Weihnachten jetzt immer zu dritt daheim oder fahren in ein Ferienhaus. Wir haben die Familie dieses Jahr eingeladen, sie wollten nicht kommen, Pech gehabt. Hotelzimmer hätten wir sogar gezahlt.

Wir hatten festliches Essen an mehreren Tagen, Weihnachtslieder gesungen (wir haben ein Klavier), Kuchen, Plätzchen, einen Christbaum usw...

Eine Korrektur scheue ich seit Jahren, ich bin monatelang auf Geschenkejagd, gebe mir wirklich Mühe und es kommt meistens auch gut an. Schreibe etliche Weihnachtskarten und verschicke Grüße per Mail oder Whatsapp. Ich gehe fast immer leer aus. Ich glaube, ich lasse das in Zukunft mit den Geschenken.

Das kannst du daheim auch alles machen, die Familie kann kommen und du kochst und machst alles so, wie du es dir vorstellst. Geraucht wird draußen, der Fernseher bleibt aus, schlafen können sie in einer Pension und wenn sie nicht wollen, findest du bestimmt andere Alleinerziehende, die mitfeiern wollen.

LG und gute Erholung!

Das liest sich furchtbar. Mit etwas Abstand kann man das komödiantisch verfilmen lassen. So mitten drin würde ich auch kein Land sehen. Gut, dass du es herauslassen konntest.

Schade, dass du niemanden in der Familie hast, der ähnlich wie du tickt.
in den paar momenten, in dem du familie brauchst, muss du dich mit niedrigster erwartungshaltung auf den weg zu ihnen machen.

Was ist mit deiner Ma, Großeltern, dem Vater deines Kindes usw?

Danke.
Ich hatte durchaus auch zwischen drin die Frage im Kopf, wo die versteckten Kameras sind.

Meine Mutter ist leider schon vor vielen Jahren gestorben. Großeltern ebenso.
Der Kindsvater möchte keinen Kontakt zu uns.

Ich fand Weihnachten seit dem Tod meiner Mutter schon immer grausam / zu unweihnachtlich. Ich dachte jetzt mit Kind entdecken alle den Zauber wieder.
Falsch gedacht.

Was ich für mich gelernt habe (alleinerziehend)

Ich renne niemandem hinterher, dem ich/das Fest egal bin.
Wer mir nicht gut tut, den muss ich nicht an Weihnachten sehen.

Eltern sind tot, Geschwister sehe ich zwar hin und wieder, in Dosierung. Nicht an Weihnachten und auf gar keinen Fall zu gemeinsamen Mahlzeiten!

Mit Kind kann Weihnachten super sein!

Ich habe mir überlegt
- was will ich aus meiner Kindheit mitnehmen
- was habe ich in meiner Kindheit vermisst
- was davon passt in unser Leben jetzt
- was passt zu mir/was zu meinem Kind

mit Verwandten treffen wir uns meist zwischen Weihnachten und Neujahr. Das entlastet. Dann sind wir kein Pflicht, das andere abhaken müssen, weil sie zwischen 3x Großeltern (Patchwork) oder anderen Verwandten pendeln müssen.

Was andere zu viel haben, haben wir zu wenig. Die Mitte ist, dass wir uns mitten drin zwischen den Festen treffen. Das macht es für uns alle entspannter.


Kochen: beim Menü haben wir noch nicht unsere Tradition gefunden.
Gerne festlich, gerne etwas, das man am 24., 25. und 26. essen kann. Ein aufwendiger Hauptbestandteil, einfache frische Beilagen. So variiert es.


Für die Festlichkeit bin ich selbst verantwortlich.

Das erste Jahr war schwierig. Erstes mal mit Kind, erstes Mal ohne Eltern.
Hier kam dann der Entschluss auf, dass ich NICHT für meine Geschwister verantwortlich bin und dass es MIR besser tut, sie an Weihnachten nicht zu treffen.

Aufmucken von Verwandten, Geschwister, die die Mitleidskarte zogen.
Aber hey, die sind älter als ich.
Es ist kein Feiern auf Augenhöhe, sondern weil es bequemer ist, sich wo dran zu hängen, nur um nicht alleine zu sein und nur um sich keine Gedanken zu machen, wie man Kompromisse eingehen kann.

Verwandte mit denen wir auf Augenhöhe über Wünsche, Erwartungen, Treffpunkte, Gestaltung reden kann, gibt es auch so. Also umgebe ich mich mit jenen, die mir gut tun.

Im Grunde ist Weihnachten für mich allein mit Kind festlicher, als damals mit Familie.

vielen Dank für diese persönlichen Erfahrungen.
Da werde ich einige Gedanken mitnehmen.

Hallo.

Ich kann gut verstehen, wie es dir geht. Mir geht es oft ähnlich.

Nein, du erwartest eigentlich nicht zuviel aber es ist konkret zuviel erwartet von den betreffenden Personen.

Es gibt Menschen, die sind emphatisch, erkennen die Bedürfnisse anderer und haben die Kapazität, diesen Menschen ein Stück weit zu geben, was sie brauchen, oder wenigstens zu kommunizieren, dass sie Anteil nehmen. Demgegenüber gibt es Menschen, wie die in deinem Beitrag beschrieben, die - Mancher mehr, Mancher weniger - erstmal nur die eigenen Bedürfnisse sehen, vermutlich sogar ohne es böse zu meinen.

Was du daraus machst, musst du selber für dich entscheiden. Deine Erwartungen werden aber vermutlich in deiner Familie nicht mehr erfüllt, so leid es mir tut. Aber dir wird es besser gehen, wenn du das lieber heute als morgen zu akzeptieren lernst.

Alles Gute für dich!

Hallöchen, ich kann mir gut vorstellen, dass Du sehr traurig und enttäuscht bist.

Aber eins musst Du Dir unbedingt für Dein Leben merken: Niemand ist dafür da, die Erwartungen eines anderen zu erfüllen. Ich empfinde Deine Erwartungen schon sehr hoch. Aber es gibt Menschen, denen ist das schnurzegal, ob Weihnachten oder Ostern oder sonstwas ist.

Mache Dir doch Dein Weihnachten schick für Dich und Deine kleine Familie bei Dir zu Hause. Ich würde mir so ein Theater überhaupt nicht antun.

Warum knallt es denn regelmäßig an Weihnachten bei vielen Leuten? Weil Erwartungen gestellt werden, die ein anderer nicht erfüllen will oder kann.

Welche Erwartungen findest du denn zu hoch?
Ich bin ja wirklich für Kritik offen.

Ich habe ja auch schon erste Schritte dahingehend gemacht, mein Ding zu machen.
Heiligabend waren wir das 2. Mal bei uns geblieben, weil ich mir das Alternativ-programm nicht geben wollte.

Oh weh, das liest sich ja schrecklich.
RTL lässt grüßen🙈 hab da ein ganz schreckliches Bild im Kopf!
Ich kann dich verstehen, dass du genervt bist. Allerdings kann ich dann nicht verstehen, dass du das so mitmachst!
Ist ja kein Wunder, dass man da irgendwann ausrastet. Du gibst und gibst und denkst dass du irgendwann die gewünschte Wertschätzung bekommst, aber dem ist nicht so. Das kann ganz schön frustrierend sein.
Bist du sicher, dass dein Vater DER gebildete Mann ist, den du beschreibst? Liest sich irgendwie nicht so. Oder... er hat null Empathie oder Interesse für euch. Dann bringt ihm seine Bildung auch recht wenig. Tut mir leid.
Lass dich doch von ihnen nicht so runterziehen und mach dein eigenes Ding. Ja, es ist total blöd und verständlich, wenn die Familie andere Vorstellungen von einem Familienleben haben, aber ändern kannst du ja keinen. Lass deine Schwester doch vor sich hin leiden. Warum hörst du dir den Käse an? Wenn sie nächstes mal so jault, frag sie doch, wo ihr Problem sei.. es gibt Schmerzmittel, die soll sie nehmen oder nicht, aber doch nicht volljammern. Du würdest kein Problem erkennen können.
Deinen Vater würde ich in der vollgequalmten Wohnung auch nicht mehr besuchen. Entweder er kommt zu Weihnachten zu dir und du feierst und tischt auf, was du dir vorstellst oder er bleibt zuhause. Vielleicht wird es mal langsam Zeit für eigene Gewohnheiten? Mach das für dein Kind und dich. Steig aus diesem System aus.
Es ist nie befriedigend, wenn man sich immer nur für andere runterfährt und seine Erwartungen auf null stellt, immer nur um andere zu befriedigen oder ihnen genehm zu sein. Dadurch passiert nur das, was dir gerade wiederfanden ist. Man tickt aus. Also, nimm das als Signal, dass sich was ändern muss. Tu es und las los!
Ich war auch so, immer die Wünsche der Familie bedienen. Immer so, wie sie es wollten. Bis auch ich an einen Punkt kam, wo Schluss war.
Vor sechs Jahren, waren wir zu meinen Eltern an heilig Abend eingeladen. Am 23 rief meine Mutter an und lud uns wieder aus. Sie hätte noch eine kurzfristige Einladung von meinem Bruder bekommen, da würde sie lieber hingehen, als mit uns zu feiern. Ich war nicht darauf vorbereitet, hatte nichts groß vorbereitet, bis auf die Süßspeisen, die ich mitnehmen sollte. (Die wollte sie übrigens aber abholen). Da war für mich Schluss. Ich sagte ihr, sie solle sich doch selber in die Küche stellen und alles vorbereiten. Wir bräuchten die Süßspeisen ja selber. Fand sie nicht gut, war nicht mein Problem. Seit dem gibt es hier nur unsere Erwartungen, die wir erfüllen. Wir feiern Weihnachten und alle anderen feste, wie wir es wollen. Mittlerweile standen sie schon an drei Weihnachten lamentierend da, dass keiner kommen würde. Wir haben nun unsere eigene kleine Familie und setzen unsere Prioritäten, so wie meine Eltern ihre gesetzt haben. Seit dem geht es uns viel besser. Natürlich kommt die Familie nicht so gut damit klar. Immerhin war man ja Jahrzehnte lang derjenige, der immer getan und gemacht hat, damit alles passt und der genügsame, der keinerlei Ansprüche hatte. Das war ja das Werk, dass die Uhr am laufen hielt. Doof, wenn das weg bricht.
Geben und nehmen funktioniert nur solange, wie ein Gleichgewicht herrscht. Bei euch ist das nicht der Fall. Dein Vater weiß, dass ihr kommt und isst den Kuchen schon vorher, wartet nicht mal auf euch. Lüftet nicht mal die Wohnung für sein Enkelkind (dabei kann er schon froh sein, dass du da mit deinem Kind hingehst) du musst noch die Teller von ihnen abspülen, damit ihr Kaffee trinken und Kuchen essen könnt. Wieviele Ohrfeigen benötigst du noch, um zu sehen, dass du dir die Besuche schenken kannst? Er weiß ihr kommt und sitzt dort lieber mit der Nachbarin. Das wäre mir schon Zeichen genug. Ihr spielt nicht die erste Geige im Leben deines Vaters, also richte dich doch nicht so extrem danach! So wirst du nie zufrieden sein und immer nur der Mülleimer zum auskotzen bleiben.

Ärger dich nicht weiter! Alles gute

Dankeschön für deine Worte.

Deine Erlebnisse klingen auch filmreif.
Der Unterschied ist vielleicht, dass wir eben dann nur zu zweit eine sehr kleine Familie sind.
Und alleine alles mögliche eben auch schwieriger ist. Essen vorbereiten, Bescherung vorbereiten etc., wenn die Hauptperson ständig am Rockzipfel klebt.

Alleinerziehend ist wirklich kein Zuckerschlecken. Und ich merke wie leer meine Akkus derzeit sind.

Hallo.

Habe ehrlich gesagt deinen Text nicht komplett genau gelesen bzw. nicht soooo ganz verstanden.

Ihr wohnt weiter auseinander und habt scheinbar unterm Jahr nicht sooo das regelmäßige und innige Familienverhältnis? WARUM erwartest du dann das an Weihnachten?

Warum holst du an Weihnachten (und auch zwischendrin unterm Jahr) deinen Vater nicht zu dir und ihr feiert bei deinem Sohn und dir so wie ihr euch das wünscht? Ist dein Vater körperlich nicht dazu in der Lage?

Bist du örtlich gebunden wegen deinem Job?
Könntest du näher zum Vater und zur Schwester ziehen, damit sich das Familienverhältnis wieder etwas bessert?

LG

Hallo.

Innig? Hm.
Gute Frage.
Ich glaube ich würde es schon als an sich gut beschreiben.
Nur werde ich eben immer als die toughe wahrgenommen, die alles wuppt.
Schwierig zu erklären.
Aber an sich ist das Verhältnis schon gut.

Mir würde ich vielleicht anlasten, dass ich eventuell an beide die Erwartungshaltung habe, die Lücke meiner Mutter zu füllen.
Wäre sie noch am Leben, wäre sicherlich alles anders.

Mein Vater ist körperlich nicht mehr in der Lage, hier her zu kommen.
Sonst wäre natürlich das Naheliegendste, das nächste Weihnachtsfest einfach hier nach meinen Regeln zu gestalten.

Mein Job hier ist schon gut.
Ich verdiene nicht schlecht und bin recht flexibel.
Ich habe mich tatsächlich selber schon öfter gefragt, ob es leichter wäre in die Heimat zu ziehen.
Aber so frustrierend es klingt: Entlastung hätte ich trotzdem nicht.
Es wäre ja trotzdem nicht so, dass mein Alltag einfacher wiederum würde.

Hilft dir nicht weiter, aber du liest dich sehr sympathisch.

Hallo,

bei uns gibt es auch kein traditionelles Fest. Verwandtschaft weggezogen, ich alleinerziehend, der Rest mag nicht.

Also richte ICH jedes Jahr das Fest nach meinen (und meines Kindes) Vorstellungen aus. Und lade ein.
Es gab Jahre ohne Familie und mit Freunden und es gab Jahre mit Familie ohne Freunde oder beides.

Die einzige Bedingung: gute Laune und Hunger mitbringen.

Es ist natürlich viel Aufwand aber das ist es mir wert- vorallem bevor ich mich ärgere und verzweifle weil ich nicht dass bekomme was ich will.

Versuchs mal.

Danke !

hallo. tut mir sehr leid
aber wieso lädst DU nicht deine familie zu DIR ein.....anstatt mit deinem kind dich den stress auszusetzen, mit ihm in die verqualmte Bude zu gehen.
warum werden reste gegessen? DU entscheidest ganz einfach was gegesen wird und kochst das. deckst den tisch nach deinen Vorstellungen etc.

an Weihnachten würden mich keine 10 Pferde mehr da hin bringen.

Wie schon gerade an anderer Stelle erläutert: mein Vater ist keinesfalls mehr so mobil.

Es gab in der Vergangenheit tatsächlich auch schon mehrfach Streit bezüglich des Essens.
Ein Jahr wollte meine Schwester am 1. Weihnachtsfeiertag tatsächlich die Reste auftischen, die von der Sportverein-Weihnachtsfeier übrig geblieben waren und sie mit heim genommen hatte 🤣

Seit ich das Kind habe, bin ich aber glaube ich selber wieder mehr in die devote Haltung gerutscht, so von wegen schön dass wir überhaupt da sein dürfen.

Du Arme.

Aber die anderen haben Recht. Jeder ist seines Glückes Schmid.

Soll heißen für nächstes Jahr:
Feier bei Dir zu Hause exakt nach deinen Wünschen. Geschmückter Baum, tolles Essen, Weihnachtsplätzchen, Musik etc.

Wenn du möchtest, lädst du noch deinen Vater ein, oder auch nicht.

LG mcbess

Ich möchte euch allen ganz herzlich danken.
Ich war mir fast sicher, hier auch noch gesteinigt zu werden.

Es tut sehr gut zu lesen, dass ich nicht ganz falsch unterwegs bin und werde mir eure Anregungen sehr zu Herzen nehmen.

Ich glaube das Hauptproblem bei der Umsetzung ist tatsächlich, dass mein Vater so gar nicht mobil ist.
Wir müssen kommen, wenn man sich sehen will. Und mein Sohn ist mit Opa schon sehr süß. Die mögen sich und sehen sich sowieso zu selten.