Familie gründen mit Partner (in), der(die) nur am Wochenende da ist

Würde das für Euch in Frage kommen?
Führt das dauerhaft nicht zur Unzufriedenheit auf beiden Seiten?
Und wie ist es für die Kinder, eine Mutter oder einen Vater zu haben ,die im Alltag keine Rolle spielen.
Wie ist es für den Elternteil der das Kind in der Woche zu 100Prozent betreut und wie gestalten sich die Wochenenden?
Ist man sich dann fremd?
Sind die Bedürfnisse nach Entlastung auf beiden Seiten dann nicht unvereinbar?
Wenn jemand Erfahrungen hat, gerne her damit.

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Ich könnte es mir nicht vorstellen.

Ein Kind fordert seinen Hauptbetreuer sehr und ich bin ehrlich - wie oft habe ich meinem Mann abends an der Tür aufgelauert, um ihm das Baby in die Hand zu drücken, damit ich mal 5 Minuten alleine auf der Toilette verbringen konnte😆

Unser Sohn ist jetzt 5 und Paarzeit gibt es erst nach der Gute-Nacht-Geschichte, weil "Papa ist Zuhause" das Highlight ist, denn wenn Papa da ist, hat er auch Zeit.

Wäre mein Partner nur am Wochenende da, wäre ich vermutlich sogar eifersüchtig, dass er der Held-mit-Zeit ist, während die "doofe Mama" ständig noch irgendwas im Haushalt macht und "nieeeeee Zeit hat". Auch die Paarzeit würde sich auf die Wochenendabende reduzieren, was für mich nicht genug wäre.

Es ist sicher machbar - wäre ich jetzt plötzlich getrennt, müsste es ja auch gehen - aber von vornherein dafür entscheiden, würde ich mich dafür nicht.

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Ich hätte mir das für mein Kind nicht gewünscht, denn ich war selbst ein Kind, wo der Vater nur auf Montage war. Er ist nicht jedes Wochenende nach Hause gekommen, war fast immer arbeiten. Dadurch habe ich kaum Berührungspunkte mit meinem Vater. Meine Mama war unter der Woche viel gestresst, da sie auch arbeiten ging, den Haushalt machen musste und sich dann noch um ihre Kindee kümmerte. Den Stress haben wir oft zu spüren gekommen.
Jetzt bin ich selbst Mama und mein Mann konnte die ersten zwei Jahre viel zu Hause sein. Dann kam eine berufliche Veränderung und er war nur noch am Wochenende da. Durch Corona ist das jetzt aufgehoben, aber es wird irgendwann wieder so sein (aber nicht für immer). Bei uns klappt das gut, da ich zu Hause bin und meine Tochter normalerweise in den Kindergarten geht. Somit bleibt für alles genug Zeit. Ich war von Montag bis Freitagmorgen für unsere Tochter verantwortlich (fertig machen, spielen, ins Bett bringen,..) und mein Mann hat das von Freitag bis Sonntag übernommen. Diese Arbeitsteilung hat bei uns gut funktioniert 😊 meine Tochter und ich hatten dann unter der Woche unseren Rhythmus gefunden und das war entspannt für uns 😊
Dauerhaft, also für immer, wäre es aber nichts für mich!

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Es gibt sicher Fälle in denen es gut funktioniert hat, aber dazu raten, kann man eigentlich nicht guten Gewissens, wenn es immer so ist. Mein Vater war öfter beruflich auf Reisen, aber er kam halt wieder und im Winter wenn die Auftragslage manchmal nicht so gut war, könnte er Überstunden abbauen und war dann mehr Zuhause. Manchmal war ich auch ganz froh, wenn er weg war. In der Pubertät hatten wir ein schwieriges Verhältnis.

Eine Beziehung baut ein Kind sicher auf. Darum hätte ich keine Angst. Kinder haben auch liebevolle Beziehungen zu Wochenendeltern nach Trennungen oder zu ihren Großeltern.

Aber die Qualität im Alltag, diese ganze Zeit, da fehlt ja einfach so viel. Ich würde das nicht wollen, wenn ich Vater werden würde. Da würde ich mich lieber beruflich verändern. Ebenso finde ich, dass vorgrogrammiert ist, dass die Partnerschaft viel zu kurz kommt und die Unterstützung im Alltag. Du kannst ja letztlich nichts machen. Du hast 24/7 das Kind und alles damit ist automatisch dein Bier und je nachdem wie sehr sich dein Partner einbringt, wird er entweder der Held oder der zu dem das Kind nicht genauso will, weil Du die Hauptbezugsperson wirst. Sicher kann das auch in normalen Familien so sein, aber dass kann schon belastend werden.

Ideal ist es sicher nicht. Möglich ist aber sicher vieles, wenn man es will und beide absolut dahinter stehen und sich viel einbringen. Es ist ja z.B. auch Sache seines Engagements z.B. ob er anruft, sich Gedanken macht, auch wenn er nicht da ist. Dinge versucht auch aus der Ferne zu regeln, oder ob es so ist.....aus den Augen aus dem Sinn....und wenn er dann Mal kommt.....inspiziert er was nicht so läuft und Du darfst es richten. So lief es teilweise bei uns und das war nicht schön. Ich glaube, die Gefahr in diese "Ohooo Papa kommt mal nach Hause, da müssen wir dies und das und jenes tun Stimmung, damit ihn das freut, weil er ja so selten da ist"-Stimmung zu verfallen, ist groß.

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Bei uns war es eine Zeitlang so, als das erste Kind ca 1 Jahr alt war. Nach vier Monaten haben wir es abgebrochen.

Unter der Woche war es gar kein Problem. Ich hatte mit dem Kind feste Abläufe etc. Kam mein Mann am Wochenende nach Hause oder manchmal nur alle 10 Tage, brach das Chaos aus. Abläufe völlig futsch und nach seinen freien Tagen dauerte es wieder bis die Struktur wieder da war. Das hat mich echt Nerven gekostet.

Das nächste Problem war das Kind. Mein Mann war nicht mehr als der nette Onkel, der ab und zu mal vorbeigesehen hat. Für so kleine Kinder ist eine Woche oder länger, eine lange Zeit. Somit hat er ständig gefremdelt. Bis wieder Normalzustand zwischen den beiden herrschte, musste mein Mann wieder weg. Das war für beide Seiten nicht einfach.

Mittlerweile sind die Kids größer da wäre es kein Problem, aber mit kleinen Kindern würde ich es nicht empfehlen.

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>> Würde das für Euch in Frage kommen? <<

Ja. Würde es nicht nur, bei uns ist es Tatsache.

>> Führt das dauerhaft nicht zur Unzufriedenheit auf beiden Seiten? <<

Nein - wieso sollte es?

>> Und wie ist es für die Kinder, eine Mutter oder einen Vater zu haben ,die im Alltag keine Rolle spielen. <<

Ob der großteils abwesende Elternteil eine Rolle spielt oder nicht, bestimmt ihr. Bei uns spielt der abwesende Papa immer eine große Rolle. Wie das Kind die Abwesenheit empfindet, gestaltet man maßgeblich mit.

>> Wie ist es für den Elternteil der das Kind in der Woche zu 100Prozent betreut und wie gestalten sich die Wochenenden? <<

Naja. Ich kenne es nicht anders. Man ist eben großteils eigenverantwortlich unterwegs und kümmert sich um die meisten Dinge das Kind und den Haushalt betreffend. Die Wochenenden habe ich meistens versucht für uns als Familie freizuhalten, das gelingt aber nicht immer. So haben wir sehr arbeitsreiche Wochenenden und auch welche, an denen wir die Seele baumeln lassen.

>> Ist man sich dann fremd? <<

Nein.

>> Sind die Bedürfnisse nach Entlastung auf beiden Seiten dann nicht unvereinbar? <<

Nein. Es gibt ja nicht nur den Partner, sondern auch ein soziales Netz. Man muss sich entsprechende Sicherheitsnetze aufbauen. Außerdem kann man ja auch Babysitter oder ggf. die Verwandschaft nutzen.

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Was mich nachdenklich macht, ist, wie man als allein Verantwortlicher mit Vollzeit Job, das alles organisiert bekommt.
Wenn man selbst auch länger arbeiten muss oder einen Job hat, wo man abends aufgrund der Öffnungszeiten lange arbeiten muss?
Soziales Netzwerk?
Großeltern würden mir da einfallen oder Au pair oder Kindermädchen....
So ganz alleine an 5 Tagen oder sogar über mehrere Wochen, das könnte ich nicht.
Ich brauche regelmäßig genug Zeit für mich, sonst ticke ich aus.

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Naja, ich habe meinen Beruf nach der Elternzeit recht flexibel anpassen können, sodass sich Job und Kinderbetreuung sehr gut vereinbaren lassen. Diese Möglichkeit hat aber nicht jeder, daher landen wahrscheinlich auch sehr viele Mütter nach wie vor in der "Teilzeitfalle".

"Mal eben" länger arbeiten, Schichtdienste oder öffnungszeitengebundene Tätigkeiten sehe ich tatsächlich nur mit gut organisierter und zuverlässiger Unterstützung machbar. Diese kann durch Großeltern, Freunde, Babysitter, etc. gewährleistet werden.

>> So ganz alleine an 5 Tagen oder sogar über mehrere Wochen, das könnte ich nicht. <<

Naja, aber dann stellt sich dir die Frage doch schon gar nicht. Wenn du es nicht kannst / willst, dann lass es. Sonst stürzt du dich ins Unglück. Man muss es wollen und man muss seine eigene Entscheidung vertreten, sonst kann das ziemlich nach hinten losgehen.

>> Ich brauche regelmäßig genug Zeit für mich, sonst ticke ich aus. <<

Zeit für mich habe ich - abends, wenn das Kind denn dann mal schläft oder aber an den Wochenenden. Inzwischen ist das Kind groß genug, als dass es auch mal zu Freunden oder alleine zum Spielplatz geht.

Man muss sehen, dass der "Zustand" mit Baby und Kleinkind sicherlich anstrengend ist, aber dieser Zustand bleibt ja nicht jahrelang so.

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Hallo!

Das käme für uns gar nicht in Frage. Kinder sind wirklich was tolles aber sie kosten auch Kraft und Nerven. Wenn dein Partner nur am Wochenende da ist, bekommt er sehr wenig vom Alltag mit und ist dir auch keine Unterstützung die man einfach mal braucht.

Ich möchte doch die Erlebnisse mit Kind mit meinem Partner teilen und gemeinsam Zeit verbringen.

Gabi

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Für mich würde das Modell Wochendmama nicht in Frage kommen.

Als Kind bin ich tatsächlich so aufgewachsen, dass meine Mutter wenig bis gar nicht da war, weil der Beruf so eine bedeutende Rolle spielte. Es gab genug Tage, wo ich sie gar nicht gesehen habe. Einen Vater hatte ich nicht. Somit blieb ich die meiste Zeit bei meinen Großeltern. Das führte ganz klar zur Entfremdung mit meiner Mutter und ganz ehrlich, dass hat sich in den Jahren nie geändert. Ich habe zwar ein freundschaftliches Verhältnis zu meiner Mutter, aber so richtig inniges Urvertrauen ist es nicht. Manchmal macht mich das schon traurig, aber ändern kann ich es leider nicht.

Für mich habe ich deshalb entschieden es anders zu machen. Karriere war mir auch immer wichtig und hat mir auch Spaß gemacht. Ich hatte die letzten Jahren ebenfalls einen Job, wo ich beruflich viel unterwegs war, immer unter Strom stand und mindestens die halbe Woche nicht zu Hause übernachten konnte. Mittlerweile denke ich aber über eine Familie nach und habe daher den Beruf gewechselt in eine ruhigere vor Ort Tätigkeit. Ich will nämlich nicht, dass dann mein Mann mit allem alleine da steht und ich nur die liebe, gestresste Wochenend-Mutti bin, die zwar körperlich da ist, aber eigentlich nichts von ihrem Kind weiß.

Für mich persönlich war das eine entweder-oder-Entscheidung.

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OK, ist wohl sehr individuell wie das empfunden wird.
Ich bin bei meinem Vater aufgewachsen nach der Scheidung, meine Mutter hat Unterhalt gezahlt wie sie konnte und dadurch sehr viel gearbeitet.
Ich habe sie aber dafür sehr bewundert und mich ihr immer verbunden gefühlt.
Als ich älter wurde, hab ich ein paar Mal mitbekommen wie meine Großeltern, also ihre Eltern sehr abfällig über sie geredet haben, also schlechte Mutter, lässt das Kind beim Vater, nur am Arbeiten, das fand ich damals schon sehr traurig und hat mehr über meine Großeltern ausgesagt als über meine Mutter.
Mein Vater war LKW Fahrer und auch viel unterwegs, ich hatte noch 2 Brüder, er musste halt auch sehen dass Geld ran kommt.
Wir waren oft uns selbst überlassen, aber ich habe mich nie verlassen oder vernachlässigt gefühlt.
Meine Eltern sind Vorbilder für mich.
Mir selbst sind Kinder weniger wichtig als meine persönliche Freiheit, ich habe ja schon ein Kind was beim Vater lebt....ich kann mit den Einschränkungen nicht gut umgehen.

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Ich habe im Bekanntenkreis so ein Paar: der Mann arbeitet 250 km entfernt und hat dort eine Zweitwohnung. Die Frau lebt mit ihren mittlerweile erwachsenen Kindern im Haus. Sie hat sie ganz alleine aufgezogen, ganz alleine die Verantwortung getragen und nebenher auch gearbeitet. Dem Vater, der nur am Wochenende präsent ist, hat sie jegliches Mitspracherecht in der Erziehung abgesprochen.

Leider war sie mit dem schwierigen 1. Sohn und dem behinderten 2. Sohn überfordert und es hat in einer Katastrophe geendet.

Ich finde dieses Modell furchtbar. Eine bewusst gegründete Familie sollte zwei Erwachsene Partner in einem Haushalt haben.

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Ich persönlich möchte so nicht Leben und es auch nicht den Kindern zumuten.

Mein Vater musste viel Arbeiten, wir haben ihn wenig gesehen. Ich mag ihn als Menschen, aber ich konnte nie eine tiefe Bindung aufbauen. Als Ki d war er mehr ein Störfaktor, wenn er dann mal da war. Noch heute sind wir freundlich-distanziert zueinander. Das tut mir weh, aber ich kann das irgendwie nicht mehr ändern.