Lieblingskind

Hallo,

ich bin Mama von einem Sohn und einer Tochter. Mein Sohn hat eine körperliche Behinderung, wegen der er mehrfach operiert werden musste. Ich war immer mit ihm im Krankenhaus und das hat uns sehr zusammengeschweißt. Er war ein anhängliches Baby, hat nur im Tragetuch oder eng an mich gekuschelt im Familienbett geschlafen und ich habe mich ihm von Anfang an sehr verbunden gefühlt. Er hat sehr schnell sprechen gelernt. Bevor er ein Jahr alt war, konnte er sich schon gut verständlich machen. Mittlerweile ist er fünf Jahre alt und kann schon flüssig lesen. Er liebt Bücher, so wie ich auch. Er bastelt und malt auch gerne, was genau meine Interessen sind. Ich beschäftige mich sehr gerne mit ihm.

Als er zwei war, haben wir eine Tochter bekommen. Sie kam gesund auf die Welt. Sie hat von Anfang an problemlos in ihrem eigenen Bett geschlafen und war zufrieden, wenn ich sie auf ihre Decke zum Spielen gelegt habe. Anders als ihr Bruder konnte sie früh robben und krabbeln und mit einem Jahr hat sie bereits die ersten Schritte gemacht. Inzwischen ist sie drei Jahre alt. Sie klettert gerne auf Bäume und ist generell den ganzen Tag in Bewegung. Sie spricht wenig und ziemlich undeutlich - was mich oft nervt, auch wenn ich es mir nicht anmerken lasse. Die Kinderärztin wollte uns leider keine Logopädie verschreiben.

Es tut mir weh, das auszuschreiben: Mein Sohn bedeutet mir mehr als meine Tochter. Ich habe eine engere Bindung zu ihm und ich liebe ihn mehr. Ich weiß, dass das unfair ist und ich bemühe mich, beide Kinder gleich zu behandeln.

Kennt das jemand von euch? Oder bin nur ich eine schlechte Mutter?

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Das muss ein ganz schlimmes Gefühl sein. Wir haben nur eine Tochter, die wir beide über alles lieben, sie ist noch klein. Mein Vater hat aber schon immer mich meiner Schwester vorgezogen und sie leidet heute noch, sogar mehr denn je, darunter. Wir sind beide erwachsen. In meiner Familie gibt es einige solche Fälle, es zieht sich fast wie ein rotes Band durch die Geschichte seit Generationen. Traurig, aber wahr.

Ein Freund von mir sagt auch, dass er sich seiner Tochter näher fühlt als seinem Sohn, aber ihn das nicht spüren lässt.

Ich selbst glaube ja, dass ein Menschlein immer spürt, dass es weniger geliebt wird. Was dagegen konkret zu tun ist, kann ich Dir leider nicht sagen.

Kannst Du Dir nicht bewusst machen, wie toll Deine flotte kleine Tochter ist? Sprechen und Intellekt sind eine Sache, aber der Charakter besteht doch aus ganz vielen Facetten. Nur, weil sie Dir auf den ersten Blick nicht so ähnlich zu sein scheint wie ihr Bruder, muss sie Dir nicht weniger nah stehen.

Ich wünsche Dir, dass Du den Weg zu ihr findest. Kinder sind wunderbar, jedes einzelne von ihnen.

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Ich hoffe sehr, dass meine Tochter es nicht spürt. Ich habe große Angst davor. Das mit dem bewusst machen, habe ich versucht, aber es ist dann doch mehr ein Einreden, wenn du verstehst, was ich meine. Es ist auch nicht so, als würde ich sie nicht lieben. Natürlich liebe ich sie. Aber leider ist sie in meinem Herzen Nummer zwei, auch wenn ich das nicht will und sehr unfair finde.

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Oh jaaaa, ich war auch immer die Lieblingstochter von Papa. Meine Schwester hat ihm das auch irgendwann mal um die Ohren gehauen, und er hat es natürlich vehement bestritten, sogar unter Tränen.

Aber es ist nun mal leider so. Papa und ich haben so viel gemeinsam, sind zwischenzeitlich sogar Arbeitskollegen, weil wir einfach dieselben Interessen haben.

Neulich habe ich mal sehr zögerlich angefangen über meine Schwester zu lästern... Mein Papa war noch viel zögerlicher aber irgendwann ist es regelrecht aus ihm rausgebrochen ^^ mein Gott, wenn meine Schwester das wüsste.

Was meine Eltern immer durchgezogen haben, war wenigstens bei rein objektiven Themen Gleichheit zu schaffen. Heißt z.B. gleich viel Taschengeld, gleich teure Geschenke, aber eben auch gleich viel Zeit zum gemeinsamen Hausaufgaben machen (bzw. Bei meiner Schwester sogar eher mehr).

Mein Mann und ich wünschen uns aus genau diesem Grund eigentlich auch nur ein Kind. Mensch, wir schaffen es nicht mal, unsere Hunde gleich lieb zu haben - ich hänge mehr am Rüden, mein Mann mehr an der Hündin!

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😳 Ich bin geschockt! Sorry...also ich verstehe sofort, wenn Du sagst, dass Du mehr Zeit mit Deinem Sohn als mit Deiner Tochter verbringst bzw. mehr Zeit aufbringen musst, weil er einfach mehr Unterstützung und Zuwendung braucht, aber dass er Dir mehr bedeutet finde ich ehrlich gesagt mehr als erschreckend! Ich habe zwei Kinder, die grundverschieden sind und trotzdem bedeuten mir beide die Welt! Ich hoffe, dass Du Dir in Zukunft ganz viel Mühe gibst und an dem Verhältnis zu Deiner Tochter arbeitest. Ich glaube es gibt nichts Schlimmeres für ein Kind als zu spüren, dass man weniger geliebt wird als das Geschwisterkind! Fände ich persönlich sehr, sehr traurig und ich würde mir wünschen, dass Du es nicht soweit kommen lässt! 😓

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Du kannst mir glauben, dass ich mir sehr viel Mühe gebe und alles dafür tue, damit sie sich nicht benachteiligt fühlt. Ich würde nur gerne auch die Gefühle in mir drinnen ändern. Beide Kinder auf eine Stufe. Aber irgendwie gelingt mir das nicht.

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Hast du schon Mal mit einem Psychologen darüber gesprochen? Das klingt irgendwie ungesund. Vielleicht ist es auch irgendein verkapptes "schlechtes Gewissen" in dir, dessen du dir nicht bewusst bist, weil deine Tochter gesund zur Welt gekommen ist und dein Sohn nicht 🤷. Alles Gute

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Ich verstehe, dass du eine andere Bindung zu deinem Sohn hast als zu deiner Tochter. Er benötigt mehr Zeit und Nähe, sie wirkt recht unabhängig. Das bedeutet aber nicht, dass du keine enge Bindung zu deiner Tochter aufbauen kannst. Was macht sie gerne, was ihr zusammen unternehmen könntet? Verbringt ihr auch mal Zeit zu zweit?
Du schreibst, du bemühst dich, beide Kinder gleich zu behandeln. Ich hoffe, dass dir das auch gelingt und deine Tochter nichts von der Bevorzugung ihres Bruders merkt.

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Danke für deine empathische Nachricht. Meine Tochter mag vor allem Bewegung. Wir gehen zu zweit zum Kinderturnen und kurz vor Corona hat sie einen Schwimmkurs angefangen, zu dem wir zu zweit hingegangen sind. Der wird hoffentlich bald fortgesetzt. Wir gehen auch oft auf den Spielplatz. Mein Sohn nimmt sich meistens etwas zum Beschäftigen mit und ich beobachte meine Tochter auf dem Klettergerüst, lobe sie und helfe bei Bedarf. Aber ich habe oft das Gefühl, sie wie eine Pädagogin zu betrachten und nicht wie ihre Mutter. Natürlich liebe ich sie, aber nicht so, wie ich es gerne würde.

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Danke für deine empathische Nachricht. Meine Tochter mag vor allem Bewegung. Wir gehen zu zweit zum Kinderturnen und kurz vor Corona hat sie einen Schwimmkurs angefangen, zu dem wir zu zweit hingegangen sind. Der wird hoffentlich bald fortgesetzt. Wir gehen auch oft auf den Spielplatz. Mein Sohn nimmt sich meistens etwas zum Beschäftigen mit und ich beobachte meine Tochter auf dem Klettergerüst, lobe sie und helfe bei Bedarf. Aber ich habe oft das Gefühl, sie wie eine Pädagogin zu betrachten und nicht wie ihre Mutter. Natürlich liebe ich sie, aber nicht so, wie ich es gerne würde.

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Also ich habe auch 2 Kinder. Kind 1 ist 6, sprach schon mit einem Jahr verständlich, ist laut KiA und Kindergarten sprachlich immer sehr weit gewesen. Früh gelaufen. Hatte aber früher z. B. Probleme auf andere Kinder zu zu gehen. Inzwischen nicht mehr.

Kind 2 wird 4, lief erst mit 16 Monaten, hat nie viel gesprochen, erst mit 2 mehr und dann sehr undeutlich. Inzwischen quasselt sie aber ich versteh sie auch oft nicht. Sie ist den ganzen Tag auf Achse.
Logopädie soll es im übrigen bei uns jetzt ab 4 geben. Vorher machen die Kinderärzte meistens nichts.

Aber ich schätze beide Kinder auf ihre Weise. Die Kleine ist mega verschmust und zeigt oft ihre Zuneigung und mit der Großen kann man halt gut schon richtig spielen.

Die Bindung ist von Kind zu Kind natürlich unterschiedlich aber nicht zu einem mehr.

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Deine Tochter ist so unabhängig, weil es sein muss. Das ist eine große Leistung von ihr, ihre eigenen Bedürfnisse schon so früh hinten anzustellen. Das sollte die bewusst werden. Sie ist unglaublich rücksichtsvoll und empathisch. Das können die wenigsten Erwachsenen, aber kleine Kinder.

Bei uns ist es ähnlich. Der Große sehr sensibel und high-need, die Kleine eher ein hansdampf.
Ich glaube, du musst dich auf die Kleine auch einfach mal so einlassen, wie auf den Großen. Auch ihr findet Gemeinsamkeiten.
Kann der Vater nicht den Großen regelmäßig nehmen, sodass du exklusiv Zeit mit der Kleinen verbringst? Ich glaube, dass es wichtig ist, dass ihr euch richtig kennenlernt.

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Vor Corona hatten wir tatsächlich zwei mal in der Woche Zeit exklusiv füreinander (Schwimmkurs und Kinderturnen). Bald hoffentlich wieder. Mein Mann ist ein Workaholic. Er hat zu keinem der Kinder eine Beziehung, was ich sehr schade finde.

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Dass sich so etwas entwickelt mit der Geschichte, ist menschlich. Aber ich würde versuchen, daran zu arbeiten und Exklusivzeit für dich und deine Tochter einzurichten. Das festigt eure Beziehung und vor allem zeigt es deiner Tochter, dass sie wichtig für dich ist. Mit der Zeit und gutem Willen bekommst du das bestimmt wieder hin.
Die Beziehung zwischen dir und den beiden Kindern wird aber vermutlich immer unterschiedlich sein, einfach weil es die Charaktere so erfordern. Dein Sohn wird ja vermutlich immer abhängiger von dir sein als deine Tochter. Aber die Liebe kann ja trotzdem genauso groß sein.
Noch als Tipp/Anregung: das Sprachproblem ist ja sicher nicht von ihr bewusst, sondern vielleicht gerade, weil sie so selbstständig ist. Das ist etwas, was du mit Aufmerksamkeit, Bücher anschauen oder anderen kommunikativen Unternehmungen wahrscheinlich auch deutlich verbessern kannst.

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Danke für deine empathische Antwort. Vor Corona hatten unsere Tochter und ich tatsächlich zwei mal in der Woche Zeit exklusiv füreinander (Schwimmkurs und Kinderturnen). Bald hoffentlich wieder.
Leider interessiert sich unsere Tochter nicht sehr für Bücher. Sie fragt immer nach der Hälfte, ob wir jetzt was anderes machen können. Hörspiele mag sie ganz gerne (Bibi und Tina), wenn sie gleichzeitig was anderes macht.

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Hallo,

ich denke es ist nicht unnormal, dass Mütter zu ihren Söhnen eine andere Bindung haben. Das hört man schon häufig. Hier war es ähnlich. Mein Sohn sehr anhänglich, ließ sich nie ablegen, will es einem jetzt mit 8 meist recht machen.

Tochter lies sich recht einfach ablegen, kann sich gut alleine beschäftigen, ist sehr zickig, typisch Mädchen halt. Also ich war nicht so, aber das sagt man ja eher Mädchen nach.

Versuche einfach dran zu arbeiten. Du hast das "Problem " ja erkannt. Ist sie denn das Lieblingskind des Vaters?

Lg

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Ich arbeite daran.
Schön wäre es. Leider ist mein Mann ein Workaholic und hat zu keinem der beiden Kinder eine wirkliche Beziehung. Er war nicht mal bereit, sich frei zu nehmen, als ich mit unserem Sohn im Krankenhaus war. Unsere Tochter war dann in der Zeit bei meinen Eltern.

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Das Kind braucht keine Logopädin sondern eine Liebende Mutter.
Wie ich Dein Verhalten finde schreibe ich jetzt lieber nicht.
Mein Mann würde Dich sofort verlassen um sein Kind vor dieser emotionalen Misshandlung zu schützen,weil genau dies ist es.
Wo ist der Vater!?
Nicht das Kind sondern Du brauchst Hilfe!
Vielleicht überdenkst Du auch Deine intellektuelle Einstellung,Bücher lesen sollte Dir eigentlich die Augen öffnen!

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Meine Güte.

Sagt dir zusammen halt und Hilfestellung etwas?

Was ich zu deiner blöden Antwort, mutig in grau geschrieben denke, DAS schreibe ich lieber nicht.

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Also ehrlich,Dein Kommentar ist total daneben und JA würde mein Mann meinen Kindern in so jungen Jahren so eine emotionale Misshandlung antun ,würde ich gehen.
Das Kind spürt diese Behandlung und man kann natürlich warten bis aus „nur“ Sprachschwierigkeiten noch ganz feine psychische Störungen werden.
Unglaublich finde ich Deine Einstellung.

Halt und Hilfestellung aber bitte nicht auf dem Rücken des eigenen Kindes🙈🤦🏻‍♀️

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Ich glaube du musst deinen Horizont mal etwas erweitern. Du spielst gerne mit deinem Sohn, weil ihr die gleichen Interessen habt. Und deshalb kannst du wenig mit deiner Tochter anfangen?

Vielleicht redet sie auch so undeutig, weil DU zu wenig direkt mit ihr redest?!
Unternimm bitte nur mit deiner Tochter etwas. Es ist erschreckend, dass du schon so früh mit ihr wenig anfangen kannst.
Und in ein paar Jahren wundert man sich plötzlich, warum Töchterchen kein Vertrauen hat...

Sie ist aktiv? Ist doch super einfach etwas mit ihr zu machen. Ab nach draußen, erkundet die Welt zusammen.

Geh bitte nochmal ganz tief in dich und reflektiere deine Gefühle und dein Verhalten. Ich finde das nicht normal und das kann für deine Tochter echt Folgen haben.
Ich hoffe ihr Vater unternimmt ganz viel mit ihr.
Vielleicht tut euch irgendwann auch eine Mutter-Kind-Kur gut.

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Ich finde es auch einfach, etwas mit meiner Tochter zu unternehmen. Kinderturnen, Schwimmen, Spielplatz. Es ist nicht so, als würde ich sie vernachlässigen. Aber ich empfinde ihr gegenüber nicht so, wie ich gerne würde. Natürlich liebe ich sie. Aber ich liebe meinen Sohn mehr. Ich weiß, dass das falsch ist und hoffe, dass sie es mir nicht anmerkt.
Ich rede viel mit ihr. Oft ist sie unkonzentriert, hört nicht richtig zu, will schon wieder irgendwo hin. Auch mit Büchern kann sie wenig anfangen.
Ihr Vater unternimmt überhaupt nichts mit uns. Er verlässt das Haus, bevor die Kinder aufwachen und kommt wieder, wenn sie schon schlafen. Und auch am WE schaltet er nicht wirklich ab.

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Danke für deine Antwort. Vielleicht wird es ja mit den Jahren besser. Im Teenie Alter ist sie dann vielleicht froh, mit ihrer Mutter reden zu können.
Und dann wird dein Sohn evtl nichts mehr von Mutti hören wollen ;)

Ich finde es gut, dass du dennoch viel mit ihr unternimmst, was ihren Interessen eher entgegen kommt.

Bücher würde ich dennoch immer wieder anbieten. Meistens hat man einfach noch nicht das richtige gefunden. Vielleicht mag sie auch eher Comics o.ä.
Ich würde da dranbleiben. Ansonsten Vorlesen/Hörbücher. Lesesozialisation ist echt wichtig für später.

Das mit dem Vater ist aber richtig schade. Sein Fehlen wird sie wahrscheinlich mehr merken...

Sieh es so: noch sind die jung, noch kann man vieles beeinflussen und noch kann sich viel ändern. Immerhin siehst du ja dein Problem.
Ich drücke dir die Daumen, dass deine Maus niemals merken wird, dass ihre Mutter ihren Bruder mehr liebt. Nicht, dass ihr Verhältnis sich dann auch ändern wird.

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