Hilfe annehmen

Es geht um meine Schwiegermutter, sie hat eine psychische Erkrankung ( Bipolar). Momentan kündigt sich wieder ein Tief an. Sie erzählt allen möglichen Leuten ( ob die es nun wissen wollen oder nicht), dass es ihr im Moment wieder schlecht geht. Nur ihren eigenen Kindern nicht. Mein Mann konnte nur durch mehrmaliges Nachfragen heraus finden wie es ihr geht. Leider ist das immer so, ihr 19 jähriges Patenkind weiß mehr als die eigenen Söhne. Ich finde es übrigens nicht in Ordnung dem Patenkind ( das ist die älteste Tochter der Nachbarn, also nicht Verwandt) so zu belasten, zumal sie auch wie mein Mann ca. 300 km weg wohnt und auch nicht gleich alles liegen lassen kann. Mein Mann hat dann mit seiner Mutter gesprochen, da hat sich herausgestellt, dass sie schon länger nicht mehr beim Neurologen war, weil sie mit ihm nicht zu Recht kommt. Zum Psychologen geht sie such nicht weil auf einen Termin beim Kassen- Psychologen muss man so lange warten.. Privat will sie nicht, da ist sie zu geizig... Aber 300 Euro für den Humanenergetiker, den ihre " Freundin" ihr empfohlen hat, das Geld will sie ausgeben.
Wir haben uns die Mühe gemacht etliche Psychologen in ihrer Nähe ausfindig zu machen, die sich auf bipolare Störungen spezialisiert haben bzw. sich damit auskennen. Sie hat die Liste nicht einmal angesehen.. Einen anderen Neurologen hätten wir auch gefunden, halt leider auch privat, will sie nicht ... kostet zu viel..
Warum lehnt sie alles ab, was ihre Kinder vorschlagen? Aber die windigen Ratschläge der " Freunde" werden immer angenommen. Diese tollen Freundinnen haben Sie in der Vergangenheit schon des öfteren in irgendeiner Form ausgenutzt und in Sachen reingeritten..
Da war dann mein Mann gut genug um ihr wieder raus zu helfen..Es läuft leider immer so ab, erst wenn der Hut brennt werden mein Mann und sein Bruder eingeweiht..
Ist das Teil der Erkrankung?
Sie geht ja quasi immer " hausieren" mit ihren Befindlichkeiten, will Zuspruch und Bedauern von Allen, aber wenn man konkrete Vorschläge macht, oder ihr Ratschläge gibt die Sinn machen ( Arzt statt Wunderheiler) blockt sie ab. Wir wissen eigentlich nicht mehr was wir machen sollen, einfach anrennen lassen?

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Es ist definitiv Teil der Erkrankung sich sehr schwer damit zu tun überhaupt sich einzugestehen, dass man (wiederkehrend) ein Problem hat und noch schwerer, dass man Hilfe braucht und noch schwerer diese von Menschen, die einen wirklich richtig kennen, anzunehmen. Viele bipolare haben nur wenig Krankheitseinsicht. In der Manie bauen sie sich Luftschlösser und erzählen das Blaue vom Himmel, bis das Konstrukt einstürzt und die Depression folgt. Oft belügen sie sich hervorragend selbst. Weil sie Nahestehende, wenn sie medizinische Hilfe ablehnen, dann umso öfter enttäuschen, suchen sie sich Fremde, die gar nicht wirklich durchblicken und genießen dort das unvoreingenommene Verhalten. Es ist auch oft leichter sich Leuten anzuvertrauen von denen sozusagen "nichts abhängt". Mein Onkel ist bipolar und der Vater meiner einen Tochter. Der eine lässt sich behandeln. Der andere tut mehr so als ob.

....Man kann von außen oft wenig tun. Man kann Hilfe anbieten und dass Gespräch suchen. Man kann begleiten. Aber Einsicht muss von ihnen kommen und wenn nicht bleibt Angehörigen oft nichts anderes übrig als sich zu schützen und eine gesündere Distanz einzunehmen.

Bipolarität ist leider auch eine riesige immer wieder anders fördernde Herausforderung für Angehörige.

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Stimme meiner Vorrednerin da vollkommen zu.
In der Manie ist alles super toll, da erreicht man sie nicht, weil es ihnen doch super geht. Da brauchen sie keine Therapie, alles Quatsch, sie sind nicht krank... dann kommt die Depression, da ist alles sch*** da überwiegen dann die negativ Symptome...

Es gibt dazu ganz tolle Bücher. Vielleicht suchst du dir mal eins heraus. Dann lernst du was über die Krankheit und kannst dann besser bestehen, was da gerade im Menschen passiert. Es wird zwar ohne Therapie nichts an ihrem Zustand ändern, aber du kannst für euch vielleicht schauen, wie ihr damit umgehen könnt und wie ihr euch am besten selber schützen könnt. Die Mühe würde ich mir mal machen. Vielleicht kannst du ihr nicht helfen, aber euch.

Gruß