Was würdet ihr machen?

Hallo ihr,

ich habe im Moment ein Thema, was mich nicht los lässt. Vielleicht komme ich zu einer Lösung, wenn ich mal andere Meinungen dazu höre.
Es geht um meine Nichte. Sie ist die Tochter des Bruders meines Mannes. Wir waren am letzten Wochenende bei ihnen. Wir sehen uns nur etwa 3-5 Mal im Jahr, da sie 300 km entfernt wohnen. Meiner Meinung nach wird die Kleine (6Jahre) von ihren Eltern emotional misshandelt. Da ich das in meiner Kindheit erfahre musste, sehe ich die Anzeichen recht deutlich. Das Problem ist, dass das eigentlich schon nach ihrer Geburt begonnen hat. Zwischendurch dachte ich, dass es besser wird, aber im Moment ist vor allem die Mutter wieder sehr genervt vom Kind und zeigt es ihr auch recht deutlich. Es zieht sich scheinbar wie ein roter Faden durch das Leben des Mädchens. Sie tut mir einfach furchtbar leid und ich weiß nicht, wie ich ihr helfen kann. Das Problem ist, dass mein Mann sich nicht einmischen möchte und ich sonst keinen Kontakt direkt zu den Eltern habe. Habe auch Angst das anzusprechen, da ich davon ausgehe, dass die Eltern wahrscheinlich sehr abwehrend reagieren.
So, nun würde ich mich über Input freuen. Vielleicht hat jemand schon mal ähnliches erlebt und kann berichten wie sie agiert hat.

Grüße

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Hey,

Ich kann zu deiner Situation nichts sagen weil du auch nichts Konkretes schreibst, aber ich möchte dir mal die andere Seite aufzeigen.

Mein Großer Sohn ist 5 und generell ist der Alltag ziemlich anstrengend mit ihm, weil er wahnsinnig stur ist und jeden Tag Dinge aufs neue verweigert bzw. alles worauf er keine Lust hat mit motzen quittiert. Das fängt beim Zähne putzen an und hört bei Spielsachen wegräumen auf. Das bedeutet bei uns tatsächlich das alles worum man ihn bittet oder auffordert erstmal dramatisiert wird. Das nervt und ist für und anstrengend. Ich kann zwar inzwischen ganz gut damit umgehen, aber manchmal ist mein Fass voll.
So, letzte Woche waren wir bei der Schwiegerfamilie über Nacht und was macht unser Sohn? Er hat sich 48 Stunden kontinuierlich daneben benommen. Das begann damit das ich seinen Stuhl an den Tisch rücken wollte. Es ging von einem Drama ins nächste, ständig geheule, gebocke und Theater. Unterbrochen von kurzen Phasen wo er mit seiner Cousine gespielt hat. Am Anfang dachte ich er kriegt sich wieder ein, aber Fehlanzeige. Nach ein paar Stunden war ich so genervt von seinem Verhalten das ich ziemlich pampig zu ihm war und einmal hab ich ihn auch vor die tür gestellt.
Jetzt sind da natürlich Tante, Oma und Opa die allesamt natürlich Mitleid mit dem armen Jungen haben. Verständlich. Aber ich hab es ihnen auch genauso gesagt: "Ihr seht heute einen kleinen Ausschnitt von unserem Leben, wir haben das Theater jeden Tag. Da sind meine Nerven nicht mehr unendlich belastbar"

Ich muss sagen das ich eine großartige Schwiegerfamilie habe die versucht mich zu verstehen. Auch wenn meine Schwiegermama die Woche schon drei mal gefragt hat ob es unserem Großen gut geht😂

Was ich damit sagen will. Du siehst sie nicht oft. Du weißt nicht wie es im Alltag läuft, deswegen finde ich es sehr schwierig da eine Bewertung abzugeben. Natürlich kann auch mehr im Argen liegen, aber such doch einfach mal das Gespräch
Nicht vorwurfsvoll, lieber fragend z.B. na ist eure kleine auch mal so anstrengend? Oder so etwas in der Richtung.

Alles Gute🙂

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Wie lange hast du die Situationen erlebt?
Jeweils einen Nachmittag? Mehrere Tage in Folge?

Gibt es Menschen in deren Umfeld, die genauer hinsehen können?

Wegsehen würde ich nicht.
Allerdings wäre ich vorsichtig, bei Momentaufnahmen.

Bsp. mein Kind dreht bei spontanem Besuch total ab. Ich versuche dann zwischen überdrehtem Kind und lieben Besuch zu jonglieren. Kommt dann noch was schräg (was den Besuch nichts angeht: kann eh nicht helfen und ich möchte die Stimmung nicht ruinieren), dann geht schon mal die Post ab.

Von Bekannten wurde mir dann schon Kindesmisshandlung unterstellt. Sehen mich selten und aus der Momentaufnahme schlossen sie dann.
Da mir das Thema wichtig ist und ich einige misshandelte Menschen kenne, habe ich direkt Rücksprache mit Freunden gehalten, die mit mir die Situationen analysiert und reflektiert haben. Sie kennen mich und mein Kind nahezu täglich, haben stressige und weniger stressige Situationen miterlebt und nehmen mein Kind auch sofort, wenn ich merke, dass es mir mal nicht gut geht (umgekehrt genauso).

Diese Freunde sagen mir dann auch, wenn es mir nicht gut geht. Sie merken die Veränderung und sprechen mich darauf an. In hilfreichem Sinn: Angebot Kind mit zum Kindergarten nehmen, komm vorbei zum Reden, ist alles ok bei dir / du wirkst gestresst.

Wenn du helfen möchtest: überlege dir , welche Möglichkeiten du hast.
Das ist wichtig. Unruhe oder wollen, dass es besser wird, kann gefährliche Situationen verschärfen.

- Erzählt dir das Kind vom ihrem Alltag (außerhalb der Besuchszeiten)?
Wenn ja, wende dich an eine Beratungsstelle. Lass dich beraten, was du SINNVOLL tun kannst, was in welcher Reihenfolge.

- Was kannst du anbieten?
Dass sie, die Mutter mit dir reden kann?
Das kann Aufschluss darüber geben, wo der Schuh drückt. Will sie sich gar nicht so verhalten, möchte sie selbst Hilfe, kann man da ansetzen und ihr Hilfe zur Verfügung stellen. Das wiederum kommt dem Kind zu Gute.

Lehnt sie alles ab, will sie entweder gar nicht oder nur nicht mit dir darüber sprechen. Ich binde auch nicht jedem auf die Nase, wenn ich mir Hilfe von außen dazu nehme oder zum Arzt gehe.

- Das Kind mal für ein paar Tage zu euch nehmen?
Würde die Mutter das dulden? Verbieten?
Wäre die Mutter erleichtert? (Kraft tanken oder Kind endlich los werden, sind zweierlei)

Wenn dich die Situationen vor Ort triggern (was verständlich ist), du aber aus der Entfernung nichts machen kannst und auch nicht den Bezug hast, um direkt zu helfen.
Dann wende dich an eine Beratungsstelle.
- Welche Möglichkeiten gibt es
- Wann musst du eingreifen (Jugendamt, Polizei rufen)
- Wann ist abwarten sinnvoller
- Wie kannst du die Mutter ansprechen oder dein Mann seinen Bruder
- Wie kann man bei Jugendamt Hilfe melden. Wie läuft das ab? Geht das dann anonym? Gibt es einen passenden Ansprechpartner? Was tun, wenn du weiter geleitet wirst?
- Was hilft wirklich, was bringt Chaos?

Da euch 300 km trennen würde ich auch, wenn es die Kraft zulässt, Kontakt zu einer Beratungsstelle im Landkreis des Kindes aufnehmen. Andere Abläufe beim Jugendamt, regionale bürokratische Unterschiede.


Wie schätzt dein Mann die Situationen ein?
Kann er mit dir gemeinsam reflektieren, was los ist?
Hilfe holen kann man sich auch über Beratungsstellen. Zwischen volle Geschütze auffahren und komplett wegsehen, gibt es viele Wege.

Hast du selbst Therapie und bist gut unterstützt?
Auch das ist wichtig, wenn du hilfst. Klappst du mittendrin zusammen, bringt das dem Kind nichts. Ebenso wenn weitere Helfende aufhören, weil "es ja sowieso nur von deiner Vergangenheit" her kommt. Das kann zwar sein, dass man eigene Erfahrungen überträgt; es kann aber auch sein, dass aktuell mehr dahinter steckt.

Das ist bei Momentaufnahmen schwierig. Daher würde ich die Situationen mit einer Beratungsstelle besprechen.Was ist deine Vergangenheit und was passiert da gerade im JETZT und MUSS geholfen werden / wenn ja wie.

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...die meisten schätzen sie für ihre Antworten und die Mühe, die sich (für Fremde, die nach Hilfe suchen) macht.

Erschreckend finde ich eher eine Antwort wie deine, die außer Verurteilung und Negatives nichts weiter aussagt.

Aber was erzähle ich da einem Frischling....

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Ich finde das eine sehr heikle Situation, du erlebst sie alle paar Monate für ein paar Stunden/Tage...
Wenn mein Vater (den ich sehr gern hab) zu Besuch kommt (einmal im Jahr, da wir weit auseinander wohnen) bin ich auch sehr angespannt, genervt, teilweise reagierenich agressiv, weil es einfach ungewohnt ist, ihn da zu haben. Und oft lasse ich meine Laune dann an meinen Kindern oder dem Hund aus, was nicht fair oder richtig ist...
Nach einigen Tagen wird es besser und alle werden ruhiger.
Vielleicht geht es deiner Schwägerin ähnlich?

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Ja, das kann ich so unterschreiben 🙈ist hier auch so

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Du siehst das Kind 3-4 mal im Jahr und erlaubst Dir so ein Urteil..? #kratz

Magst du mal schildern was vorgefallen ist? Hast du denn bei dem Kind irgendwelche Auffälligkeiten bemerkt?

Wenn die Mutter einfach nur etwas genervt war kannst du da sinnvoller Weise gar nix machen. Da bin ich ganz bei deinem Mann- halt dich da raus.

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Aufgrund deiner recht dünnen Angaben kann ich keinen Rückschluss auf emotionale Misshandlung ziehen. Dass die Mutter genervt reagiert, kommt eben bei Müttern und auch Vätern vor. Es gibt wohl niemanden der nicht mal genervt ist. Gerade wenn man Besuch hat, drehen Kinder gerne auf und sind anstrengend. Du siehst sie ja eigentlich auch viel zu selten, um das beurteilen zu können. Wenn ihr da seid, ist es doch immer eine Ausnahmesituation, weil ihr der Besuch seid und sie euch auch noch selten sehen.
Wenn du wirklich besorgt bist, würde ich mich da an eine Beratungsstelle wenden (wurde oben ja schon erläutert).

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Welche Anzeichen siehst du denn?

Mit so Momentaufnahmen ist es eben immer schwierig. Grade bei „fremdem“ Besuch sind Kinder oft auch anders als sonst oder Eltern angespannter und gereizter.

Bei Verdacht: Kontakt suchen und mal lose ansprechen, wie es so mit Kind ist und ob sie „klar kommt“. Ich würde es als Interesse verpacken.

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Wenn wir seltenen Besuch haben, ist hier oft der Teufel los. Da würde ich auch unter die Rubrik genervte Mutter fallen. Meine Kinder drehen dann so richtig auf und ja ich muss sie dann etwas schärfer maßregeln, damit sie nicht die totale Kontrolle verlieren vor lauter Aufregung😂Hat der Besuch auch noch Kinder dabei, dann ist hier richtig die Sau los und du würdest denken ich hab sie nicht mehr alle.
Und ja, meine Kinder können dann Gesichter ziehen als wenn ihnen gar nichts vergönnt wäre.
Hast du selbst Kinder?

Was genau fällt dir an der Nichte auf?
3x im Jahr ist nun nicht gerade oft.
Im Gegensatz zu meinen ausgeflippten Kindern gibt es ja auch noch ruhigere. Das darf man nicht außer Acht lassen.