Wie werden unsere Kinder in Zukunft leben?

Thumbnail Zoom

Zum Jahresende blicken wir alle gern nach vorn, vor allem nach diesem denkwürdigen Jahr. Doch Voraussagen werden schwieriger. Die Pandemie stellt vieles auf den Kopf und sicher scheint vor allem eins: Veränderung ist die einzige Konstante.

Vielleicht wagt ihr trotzdem eure ganz persönliche Prognose und schreibt uns, wie ihr sie euch vorstellt – die Zukunft eurer Kinder. Wir freuen uns auf eure Einschätzung.

1

wenn das mit den mieten und der rosigen aussicht auf neue arbeitsplätze so weitergeht, höchstwahrscheinlich dann auf der straße

2

Ich sehe die Zukunft unserer Kinder etwas düster. Im Moment werfen wir die Wirtschaft um Jahrzehnte zurück, einzelne Berufsgruppen werden systematisch zerstört. Einige, die jetzt die Ausbildung beendet haben, sitzen auf der Straße, weil es ihren gelernten Beruf im Moment faktisch nicht mehr gibt( er nicht gefragt ist).
In den nächsten Jahren wird die Zahl der Arbeitslosen nochmal kräftig ansteigen, spätestens wenn der Staat die Kurzarbeit nicht mehr finanzieren kann bzw will.

Ich bin sicher in den nächsten Jahren werden noch mehr Jugendliche die Schule ohne Abschluss verlassen, gerade für diese wird es sehr schwer einen halbwegs bezahlten Job oder gar eine Lehrstelle zu finden. Das wird zur Folge haben das viel mehr Menschen auf unser Sozialsystem angewiesen sind, da sie es nicht schaffen sich selber durch ein oder mehrere Jobs über Wasser zu halten.

In unserer Jugend wurde uns gesagt Familie, soziale Kontakte und ein funktionierendes Netzwerk sind wichtig im Leben. Jetzt vermitteln wir den Kindern jeder Kontakt kann eine potentielle Bedrohung sein und sollte möglichst vermieden werden, am besten bleibt man unter sich, die älteren in der Familie soll man nicht besuchen weil man sie anstecken kann, ich habe persönlich Angst was so eine Einstellung mit den Kindern macht.

Viele Sachen dürfen seid Monaten nicht mehr stattfinden (freiwillig Feuerwehr, THW, diverse Vereine...) Und das wird sich in den nächsten Monaten/Jahren auch kaum ändern, sowas finde ich schade da die Kinder da viel verpassen.

3

Ich sehe es nicht ganz so düster wie du, stimme dir aber in vielen Punkten zu. Finde es besonders für unsere Kinder sehr schade, dass so vieles nicht mehr stattfindet. Verzicht zum Wohl der Allgemeinheit ist ja schön und gut, aber besonders die Kleinen können damit noch nichts anfangen und müssen sehr zurückstecken. Die älteren Kinder verstehen das schon besser oder man kann es ihnen besser erklären. Trotz allem finde ich dass man auch einen Nutzen aus der jetzigen Situation für die Zukunft ziehen kann. Vielleicht wird die nächste Generation nicht mehr so Ich bezogen und hat ein stärkeres Wir Gefühl durch die Pandemie. Dank Home office, was bestimmt noch länger beibehalten wird, ist man auch etwas flexibler, wenn man mal zuhause bleiben müsste (so sehe ich das jedenfalls) und bringt für den ein oder anderen auch Vorteile. Mehr gemeinsame Zeit, zwar anstrengend alles unter einen Hut zu bekommen, aber auch schön. Man erfindet sich als Familie wieder neu und wird kreativ. Not macht ja bekanntlich erfinderisch.
Außerdem entschleunigen die Maßnahmen unser Leben sehr, was ich als sehr positiv empfinde. Man muss mehr Zeit einplanen zum Einkaufen, sucht sich vielleicht Wege, wo nicht so viel los ist oder macht mehr Urlaub im eigenen Land.
Es kommt nur darauf an, was man aus der Situation macht und wie man es unseren Kindern vorlebt und vermittelt.

5

Hallo,

ich sehe es nicht ganz so düster.
Im März hieß es: wenn der Lockdown noch einen Monat länger dauert, geht unsere Wirtschaft kaputt. Jetzt stehen fast alle Aktien wieder fast auf dem Stand von Februar....
Die Wirtschaftskrise 2008 war wirtschaftlich gesehen auch dramatisch - ich habe lange niemanden mehr davon sprechen hören...

Unsere Kinder werden sicher Dinge aus der Pandemie mitnehmen. Vielleicht ein gutes Hygienebewusstsein. Oder die Erkenntnis, dass man krank nicht zur Arbeit geht. Was bei uns salonfähig war könnte in der nächsten Generation ein No-Go werden...

Mir tut es zwar auch extrem leid, meine Chorkinder jetzt nach wenigen Proben in die Winterpause zu schicken. Aber Generationen von Kindern sind ohne nennenswerte Hobbys groß geworden.

Wir hatten einen Pfarrer, der jedes Jahr pünktlich am 8.Mai oder ein paar Tage später nachdrücklich darauf hingewiesen hat, dass wir seit ... Jahren keinen Krieg mehr hatten. Als ich ihn kennenlernte wurde gerade 50 Jahre Kriegsende begangen. Mittlerweile sind es 75 Jahre...!

Wie in jeder Krise wird es auch in dieser Verlierer geben. (Und Gewinner...) Aber "die Kinder" werden nicht pauschal die Verlierer sein.
Und wenn ich in Europa in unsere Nachbarländer gucke, dann frage ich mich, ob es bei uns in Deutschland überhaupt echte Verlierer geben wird - von den direkten Opfern und ihren Angehörigen mal abgesehen.

LG!

4

Hallo,

ich sehe die Zukunft der Kinder nicht ganz so düster. Ich selbst wurde mit der Schule fertig als die wirtschaftliche Lage in Deutschland nicht so rosig war. Nach der Einheit sah es in der Mitte der 90er mit Lehrstellen sehr mau aus. Auf eine Lehrstelle kamen zig Bewerber und man musste sich schon frühzeitig in der 9. Klasse kümmern um nach der 10. Klasse eine Lehrstelle zu bekommen. Trotzdem ist aus allen was geworden. Einige haben mit FSJ ein Jahr bis zur Ausbildung überbrückt, andere haben weiter Schule gemacht bis sie eine Lehrstelle hatten. So in etwa wird es in Zukunft auch aussehen. Die Kluft zw. sozialen Schichten wird allerdings weiter auseinander klaffen. Die Pandemie und in deren Folge die Schulschließungen bzw. der Distanzunterricht wird Spuren hinterlassen. Es wird sich noch mehr die Spreu vom Weizen trennen und Schwächere werden es schwerer haben.
Es wird wieder vermehrt eine Leistungsgesellschaft geben, wo nur derjenige Erfolg hat, der Leistung bringt. Work-Life-Balance wird wieder in den Hintergrund treten, weil kein Mangel an Arbeitskräften da sein wird. Für unsere Kinder wird diese Situation Normalität, weil sie es nicht anders kennen. Ich wuchs in die Arbeitswelt hinein, wo nur Leistung zählte und Wunschberufe knapp waren. Auch ich musste erst eine Ausbildung machen, die so gar nicht meine erste Wahl war. Ich machte sie aber, um erst Mal überhaupt eine Ausbildung zu haben. Dieser Beruf stand lange im Gespräch bald nicht mehr gebraucht zu werden, plötzlich gilt er als systemrelevant. Für mich war das damals normal. Es gab kein Abbrechen der Lehre. Man musste sich durchbeißen und froh sein, eine Lehrstelle bekommen zu haben. Mittlerweile arbeite ich in einer Personalabteilung und man sieht an der Arbeitsbereitschaft bis zu welchem Jahrgang Arbeitsstellen knapp waren und ab welchem Jahrgang ein Überhang an Ausbildungsbetrieben war. Diese Jahrgänge konnten wählen wo sie hingehen und Betriebe waren froh, wenn sie jemanden Guten bekommen haben. Jetzt wird es wieder so kommen, dass Arbeitnehmer froh sein können, arbeiten zu dürfen und da zählt Leistung.

LG
Lotta

6

Ich denke es wird Standard werden, dass die überwiegende Zahl an Menschen von zuhause arbeiten und über Medien miteinander kommunizieren. Das hat massive Vorteile zugunsten des Klimaschutzes, der ja unser aller Ziel ist. Sämtliche Verkehrsmittel, v.a. aber Autos, werden reduziert. Die Autos, die es noch gibt, fahren sprachgesteuert mit erneuerbaren Energien. Firmen zahlen kaum noch Geld für Büroflächen. Fabrikgebäude bestehen aus menschenleeren Hallen, deren Technik ferngesteuert wird. Es wird aber auch Nachteile geben, wie die Vereinsamung der Menschen, die noch übergewichtiger sind als jetzt.
Geschäfte und Bargeld wird es kaum oder gar nicht mehr geben. Drohnen werden die Waren von A nach B bringen. Stadtzentren werden eher Begegnungsstätten als Einkaufsmöglichkeiten bieten. Kinos und Theater gibt es nicht mehr, Streamingdienste schon.
Gewerbeflächen werden kleiner, Wohnraum dafür größer und möglichst mit eigenem Garten. Meine Kinder werden durchschnittlich mehr Kinder bekommen als meine Generation es tut. Diese Kinder werden von zuhause aus unterrichtet. Schüler sind über Medien dauerhaft in Kontakt. Schulgebäude gibt es kaum noch.
Parks, Spielplätze und Freizeitparks werden aus dem Boden schießen, alles was zum Entertainment abseits der Medien dient und zu sozialen Kontakten beiträgt. Die Ernährung ist überwiegend pflanzlich. Man legt generell wert auf hochwertigere Nahrungsmittel als jetzt.

Wenn man sich Mal eine Generation zurück denkt, also 1990 -da hatten wir noch nicht Mal einen PC, geschweige denn Internet-, dann kann man vorausahnen, dass das alles nicht Unwahrscheinlich ist. Schade, dass man dann nicht selbst Mal von oben runterschauen kann 😉

7

Das schneller, mehr und weiter dass sich nach 2008 aufgebaut hat ist weg. Was abzusehen war. Ich denke mittelfristig wird sich alles auf normal einpendeln. Der Lebensstandard wird etwas niedriger sein, rein auf das materielle bezogen. Nicht nur wegen Corona und dessen Folgen, auch Umwelt und Klima benötigen Nachhaltigkeit.

Sorgen machen mir die Schulkinder. Die werden noch lange an dem Homeschooling, Schulausfall, geteilte Klassen usw. zu knabbern haben.
Jetzt berücksichtigt man das, in 4 oder 5 Jahren nicht mehr.

Ob Kinder glücklich werden hängt nicht davon ab ob wir leben wie 1980
oder 2019.

Im Moment ist vieles möglich. Studium wird vielleicht digital und der Student lebt in Kleinkleckersdorf im Kinderzimmer. Damit wird die Ausbildung bezahlbarer, Wohnraum weniger knapp etc. Vielleicht wird Wohnraum noch unbezahlbarer und Großfamilien sind das neue Modell, Gemüsegärten notwendig und die Bäckerausbildung in Laufweite ein 6er im Lotto.
Es kommt wie es kommt

8

Es kommt darauf an, was wir jetzt daraus machen und wie alt mein Kind dann sein wird.

Wird das Gesundheitssystem weiter geschreddert und erst komplett am Boden sein, wird der Punkt kommen, wo es wieder aufgebaut wird. Ich hoffe nicht, dass es ganz so weit kommt, fürchte aber, dass der Schritt nicht ausgelassen wird.

Ich kenne Freunde meiner Eltern, denen es im medizinischen Bereich arbeitend gut ging.
Freunde in meinem Alter werden krank auf dem Zahnfleisch kriechend zurück geholt, weil sie in der Gesundheit runtergewirtschaftet wurden und weiter machen sollen, weil sich kaum jemand das antun will.
Bis mein Kind den Schulabschluss hat, gibt es 3 Möglichkeiten
(realistisch eher 2)

1. aus der Pandemie wird gelernt und der Fokus auf Gesundheit, Soziales, Schule, Erzieherinnen etc. Arbeitsbedingungen werden wieder verbessert.
Dann kann ich mir mein Kind sehr gut in einem dieser Bereiche vorstellen.

Bis sie dann in Rente geht, erlebt sie eher einen Aufschwung.

2. Das Gesundheitswesen wird zu Grunde gerichtet. Noch weiter, als es in unserer Umgebung schon ist. Ärzte, die jetzt in Rente sind, werden noch zurück geholt, weil sie noch leben. Die 70/80jährigen Optionen sterben mit der Zeit weg. Neue Ärzte rennen gegen das Geld und können aus finanziellen Gründen auf gar nicht mehr versorgen.

Es ist jetzt schon so, dass ich Untersuchungen selbst bezahle, weil ich gesund werden will.
Kassenleistung hin oder her. Was bringt mir das "müsste bezahlen", wenn ich es jetzt brauche und nicht erst in zwei Jahren nach einem Rechtsstreit.
Da zahle ich es lieber selbst, um gesund zu werden, um die Kraft zu finden, damit ich wieder selbst Geld verdienen kann, damit ich keine Rechtsstreitereien brauche. Damit ich medizinische Versorgung selbst bezahlen kann. Damit ich die Chance habe, als Patient aufgenommen zu werden, wenn die Finanzierung abgedeckt ist.


Für mein Kind sehe ich es rosiger.
Noch ist sie unter 18 Jahren gut versorgt.

Wenn sie 18 Jahr alt ist, gibt es entweder ein paar "Hungerjahre" in denen sie hoffentlich genug Geld hat, alles notwendige selbst zu bezahlen.

Oder es ist schon soweit kaputt, dass dann der Aufbau wiederbeginnt. Dass sich an die Anfänge der Versicherungen erinnert wird (die einst aus der Not heraus entstanden sind).
Dass die Arbeitsbedingungen wieder besser werden, damit das Überleben gesichert werden kann.


Meine Eltern sind im Krieg und nach dem Krieg geboren.
Die Kindheit war finanziell arm und gefährlich. Dafür hatten sie goldene Jahre im Wiederaufbau und nach deren Aussage gut gelebt.
Einerseits wollten sie, dass es uns Kinder besser geht als ihnen.
Andererseits sagten sie mir auch: ich solle daraus lernen !

Aufbau geht so lange gut, bis es seinen Höhepunkt erreicht hat. Dann geht es wieder rückwärts. Genieße, was du hast. Sei dir aber dessen bewusst, wie du auch mit weniger leben kannst.
Meine Oma schaffte es alleinerziehend Kinder in der Nachkriegszeit groß zu ziehen. Sie hatte wenig Geld, kein zu Hause. Aber viel Liebe, Mut und Prioritäten das Wesentliche zu versorgen.

Das möchte ich meinem Kind mitgeben.
Mut auch mit weniger gut leben zu können. "So lange du gesund bist", sagte mein Vater oft. Und daran mangelt es. Medizinische Hilfe bekam ich erst, als ich angefangen habe, selbst zu bezahlen.

Mein Kind ist gut versorgt. Unter 18 Jahren geht es im Krankenhaus noch maniertlich zu. Zu mindest hier. Auf Kinder wird der Fokus gelegt, dass genug Personal da ist. Immerhin.

Bis sie 18 Jahre alt wird, habe ich die Hoffnung, dass sich da was verbessert.
Wenn nicht bis dahin, dann muss es soweit auf den Boden gehen, dass es so tief unten ist, dass nur noch ein Wiederaufbau möglich ist.

9

Nach der Coronakrise?
Keine Ahnung

Nach der Wirtschaftskrise?
Keine Ahnung