Stiefvater todkrank, anrufen oder nicht?

Hallo zusammen,
folgende Situation. Das Verhältnis zwischen meinem Stiefvater und mir war schon immer recht angespannt. Ich kenne ihn nun seit 5 Jahren. Meine Mutter hatte sich damals sehr spät von meinem Vater getrennt. Ich selbst bin 29 Jahre.
Vor einigen Monaten bekam mein Stiefvater die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs. Es liegen keine Metastasen vor und die Bauchspeicheldrüse konnte komplett entfernt werden.
Kurz vor der Diagnose hatte ich mich extrem mit ihm gestritten. Er wurde ziemlich frech und hat mir sogar den Mittelfinger gezeigt obwohl ich nichts schlimmes getan habe. Zwei Tage später kam dann die Diagnose.
Ich habe mir dann ein Herz gefasst, bin über meinen Schatten gesprungen obwohl ich extrem enttäuscht und verletzt war und bin nochmal zu ihm hin.
Leider wollte er wieder auf Streit hinaus, sodass das Gespräch immer lauter wurde und ich dann einfach gegangen bin.
Einen Tag später ist er ins Krankenhaus gekommen, wo er jetzt auch seit 8 Wochen liegt.
Meine Mutter sagt nun ich sollte mich doch ma bei ihm melden, er fragte schon warum ich als einzige bisher noch nicht angerufen habe. Ich habe ihr gesagt, dass ich es nach den letzten beiden Situationen nicht mehr möchte und ich damals schon einen Schritt auf ihn zugemacht habe. Sie kann es nicht nachvollziehen und meint es geht jetzt nicht um mich und ich weiß doch gar nicht ob ich ihn nochmal Wiedersehen.
Frage nun: ist mein Verhalten richtig? Muss ich nochmal zu oben schritt auf ihn zugehen? Ich fühle mich dabei gar nicht wohl und habe auch kein Verlangen danach.

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Mit Bauchspeicheldrüsenkrebs hat man fast keine Chance zu überleben. Betrachte ihn als so gut wie tot und stell dir die Frage, ob ihr wirklich so auseinander gehen wollt, ob ihr wirklich menschlich alle beide nicht zu mehr als das von den letzten zwei Malen in der Lage seid. Ist dem so, bleib dabei. Du musst es mit dir ausmachen. Wäre da doch noch irgendwo das Bedürfnis eine gewisse Anteilnahme auszudrucken und den Streit zum Abschluss zu bringen, solltest Du besser nicht zu lange damit warten.

Ich persönlich frage mich, was ein Mensch so grausames getan haben kann, dass man es vorzieht so auseinander zu gehen. Es gibt Dinge die wünsche ich nicht meinen ärgsten Feinden und das gehört definitiv dazu.

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Ich finde du solltest das tun was du für richtig hälst und nicht deine Mutter. Wäre es für dich okey wenn er stirbt und ihr nicht vorher nochmal mit einander gesprochen hättet? Und vorallem würde es das Verhältnis zu deiner Mutter beschädigen wenn du dich nicht bei ihm melden würdest?

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Ich unterstütze meine Mutter in dieser Situation sehr. Fahre mit ihr zum Krankenhaus, da es weiter weg ist, koche für sie mit usw. von daher denke ich nicht, dass es unsere Beziehung stört. Ich hätte mir aber mehr Verständnis von ihr auf meine Reaktion gewünscht.

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Wie geht deine Mutter sonst so mit Situationen um?
Also wenn du mit anderen Personen Streit hattest?

Versuchte sie da auch immer wieder dich dazu zu bringen, auf jemanden zu zugehen. Egal, wie es dir ging? Friede, Freude, Eierkuchen.
Die Person, die man überreden kann, gibt nach?

Dann würde ich nichts darauf geben und auf mein Gefühl hören.


Ist deine Mutter eher so, dass sie DEINE Grenzen anerkennt, achtet und sich Gedanken macht? Dir auch mal Recht gibt oder zu dir steht?
Dann würde ich mir ihre Worte durch den Kopf gehen lassen und darüber nachdenken.

Wie fühlt es sich für mich an, wenn ..... (verschiedene Szenarien).
Möchte sie, dass ich mich bei ihm melde, weil es ihm Leid tut?
War seine Reaktion ein Affekt, weil es ihm schon schlecht ging, aber noch niemand was wusste?


Generell:
wer mich immer mies behandelt, meine Grenzen überschreitet, mich herabsetzt und seine Launen an mir auslässt,
der braucht im Fall des Falles oder bei Krankheit kein Mitleid erwarten.
Ok, ist sch*** dass es die Person trifft. Aber zuständig bin ich nicht.
Wem ich bisher auch nur als Fußabtreter gut genug war, sonst aber nicht, braucht mir dann auch nicht mehr kommen. Wenn jedes Mal das letzte sein könnte und jedes erneut im Streit auseinander geht ..... dann kommen andere in ihrer Wut/Trauer vielleicht noch auf die Idee, mir die Schuld zu zuschieben, weil der Streit ja so aufgeregt hat........ neeee, das tue ich mir nicht an......

War jemand immer gut zu mir und es gab um die Diagnose herum Schwierigkeiten, dann versuche ich zu überlegen oder über meinen Schatten zu springen.
Manchmal wird es auch durch Krankheiten ausgelöst. Ängste, Schmerzen, Sorgen.
Diese dürfen dann zwar kein Freibrief sein. Aber eine Chance mit dem Wissen, dass ... und den guten Erinnerungen habe ich mehr Mitgefühl.

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Deine Mutter kann es nicht nachvollziehen, denn es ist ihr Lebensgefährte, der ihr wichtig ist. Das Verhältnis von euch ist hingegne ein ganz anderes, dir ist er nicht besonders wichtig.

Wenn mir jemand nichts bedeutet ändert auch eine tödliche Erkrankung nichts daran - er ist ja nicht einsam, es besuchen ihn Menschen die ihn mögen. Natürlich reißt man sich für einen geliebten Menschen zusammen (mit dem man zerstritten ist), wenn so etwas passiert, aber für jemanden der einem nichts bedeutet eher nicht.

Ich sehe es wie du, du hast es bereits versucht und es hat nichts genützt. Man muss sich nicht wie Dreck behandeln lassen, weil jemand Krank ist. Du kannst es natürlich nochmal versuchen (um des Friedens willen), wenn er dann weiterhin Streit sucht, dann wäre das für mich geklärt und ich würde keine Annäherungsversuche mehr unternehmen.

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Hallo

Er fragt doch schon nach dir. Was möchtest du du denn noch?

Du schreibst leider nicht worum es in eurem Streit geht.

Wenn dir der Anruf zu viel wird kannst du das Gespräch beenden.

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Naja, es kann auch in vorwurfsvolles nachfragen sein - das wissen wir nicht genau. Er hätte ja auch selber anrufen können 🤷‍♀️
Und wenn ihm jemand den Hörer ans Ohr hält und vorher die Nummer gewählt hat.

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Ich persönlich finde schon, das man bzw du, in dieser Situation durchaus über deinen Schatten springen kannst.

Andersrum, wie würdest du es finden, wenn du seit 8 Wochen im Krankenhaus warst und er sich noch nicht gemeldet hatte?

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Hey!

Wie war denn euer Verhältnis zuvor?

Ich würde wahrscheinlich über meinen Schatten springen und nochmal den Kontakt suchen.
Wenn er nach dir fragt, scheint er ja nun mit dir reden zu wollen.

Vielleicht wirkt sich auch der Krebs auf seine Persönlichkeit aus und er hätte unter anderen Umständen nicht so aggressiv reagiert.

Sprich mit deiner Mutter über euer letztes Aufeinandertreffen und deine Befürchtungen. Vielleicht kann sie ja vermitteln?

Liebe Grüße
Schoko

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Denken kannst du über ihn was du willst, aber alleine die Tatsache, das du deiner Mutter damit diese extrem harte Zeit etwas erleichtern kannst ist in meinen Augen mehr Wert als ein Streit oder ein erhobener Mittelfinger.
Also ja, ich würde anrufen, fertig.

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Für mich ganz einfach. Dein Stiefvater hatte wohl nie wirklich Interesse an dir, zumindest nicht im positiven Sinne. Zeigt dir den Mittelfinger, er lässt es nochmal zum Streit kommen. Warum sollte man da gute Miene vortäuschen? Da wäre ich ebenfalls stur. Zumal er auch anrufen könnte, wenn es ihm so wichtig ist.

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Also das habe ich mich auch gefragt. Warum ruft er nicht an?

Ich bin auch ein Mensch der sich sehr schwer tut, nach Streit wieder angeschlichen zu kommen und alles ist wieder schick. Was kaputt ist, das ist kaputt. Und sie war doch nach der Diagnose dort und hat Frieden zeigen wollen. Sie wurde abgewiesen. Warum denn also jetzt?

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Eben. Bei Menschen die meine Anteilnahme verdient haben, würd ich mit vollem Herzen jeden kleinsten Wunsch erfüllen. Aber bei solchen Verhältnissen auf keinen Fall. Wozu auch? Ich meine, es wird ihm sicher weiterhin egal sein. Ich würde vermuten das er diese Situation nutzt um seinen Frust an der TE abzulassen. Wie gesagt, nur eine Vermutung. Ihre Mutter kann auf seinen Wunsch das Telefon bedienen, er kann sagen das es ihm leid tut. Und schon würde sich das Blatt wenden. Man würde wirklich merken das es ihm wichtig wäre. Doch so? Hat er ihre Gutmütigkeit sicher nicht verdient.