Ein Kind mehr lieben als das andere? Frage an Väter die Kinder von verschiedenen Müttern haben.

Liebes Forum,

Ich frage hier aus reinem Interesse. Für mich ist sowas unverständlich, deswegen wollte ich mal eure Meinungen dazu hören. Als Frau finde ich die Beobachtung besonders interessant.

Ist es in eurem Umfeld auch so, das Männer die Kinder aus der ersten Ehe vernachlässigen und den "neuen" Kindern vielmehr Aufmerksamkeit und Liebe schenken? Wie geht das? Kennt ihr jemanden der dafür eine Erklärung hat oder seit selbst davon betroffen?
Kind ist doch Kind? Oder nicht?

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Mein Vater war schon immer so, das er sich selten um seine Familie gekümmert hat. Ihm waren Freunde und andere Sachen wichtiger, als seine eigene Familie. Er ist ständig Monate lang weg geblieben, dann wieder aufgetaucht und so getan, als ob nichts wäre. Ich habe die ganzen streitereien meiner Eltern mitbekommen. Mein Bruder eher nicht so, er war noch klein. Nun, meine Eltern hatten sich scheiden lassen, mein Vater kam ins Gefängnis. Ich habe ihn mit meinem kleinen Bruder des öfteren Besucht. Als er vor kurzer Zeit raus kam, lernte er eine Frau kennen, ist mit ihr zusammen gekommen. Sie hat 2 Töchter, eine so alt wie ich und die andere so alt wie mein Bruder. Mein Vater meldet sich eher selten bei uns, wohnt und kümmert sich aber um die Familie seiner Freundin. Verletzend, aber mein Bruder und ich sind das gewohnt... wie gesagt, er hatte sich eigentlich auch so eher selten um uns gekümmert, ständig im Gefängnis oder unterwegs. Naja, trotz dessen Liebe ich meinen Vater und würde niemals sagen, das er nur mein Erzeuger ist. Er ist mein Vater, ich liebe ihn trotzdem. Das Leben macht es einem eben nicht immer leicht, nicht alles kann perfekt sein aber ich akzeptiere es. Mein Vater bleibt mein Vater und meine Mutter bleibt immer meine Mutter! Ich kann leider nicht verstehen, wie man sein Vater oder seine Mutter "hassen" kann. Ohne sie wären wir nicht hier. Ja, wenn ein Vater oder eine Mutter schlimmes mit dem Kind angestellt haben, schlagen, vergewaltigung und was es nicht noch gibt, kann ich natürlich verstehen, das man hasst. Aber nur weil sie eben jetzt eine "andere" Familie haben, hasst man nicht direkt.

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Das war bei meinem Vater genau so. Mit meinem Halbbruder (heute 25) fährt er noch heute gemeinsam in den Urlaub - nur die Beiden. Ich wurde nicht einmal gefragt, auch nicht als ich Kind/Teenie war, auch als er wusste, dass meine Mutter sich mit ihrem Job keinen Urlaub für uns beide oder nur für mich leisten konnte (den Unterhalt zahlte er natürlich wie es ihm passte, unregelmäßig und viel zu wenig oder Monatelang nichts). Meine Mutter wollte nicht klagen, wollte nicht, dass das Vater-Kind-Verhältnis von so etwas überschattet wird - das war verschwendete Mühe, hätte sie mal lieber alles ais ihm rausgeklagt.

Ich war zu meiner Zeit tatsächlich ein Wunschkind, mit Wunschgeschlecht. Vor der Trennung war ich absolutes Papakind und von einem Tag auf den anderen war er mit gegenüber Eiskalt. Ich war deswegen auch in Therapie, hatte Depressionen, Ängste....

Für ihn war ich wohl nur Anhang meiner Mutter, mehr nicht.

Ich sehe es heute so, ich habe keinen Vater, mein Vater ist damals gestorben als ich 7 war. Im alter werde ich meinen Stiefvater unterstützen, mein Erzeuger hat ja seinen Sohn.

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Das gibt es auch bei Müttern. Auch wenn beide Kinder bei ihr lieben.
Das eine Kind sieht dem verhassten Ex ähnlich oder hat Eigenschaften von ihm.

Im gleichen Haushalt lebend, fällt es dann nach außen hin nicht so auf.
Aber ja, auch das gibt es.
Das sind dann eher so Sätze oder Verhaltensweisen, die prägen.

- Du siehst doch aus wie DEIN Vater
- das eine Kind bekommt Geschenke, das andere soll froh sein, wenn es am Tisch die Reste bekommt.

Das umgedrehte Extrem kenne ich auch. Ein Vater, mehrere Kinder. Zum einen Kind hat er Bezug, weil es bei ihm aufwächst. Das andere wird von ihm ferngehalten. Liebe ist für beide da.

Und dazwischen gibt es echt vieles.
Väter, die zu allen Kindern Beziehung haben.
Väter, die zu allen Kindern keinen Bezug haben. Sich um das aktuellste nur soweit kümmert, soweit es der Sex zur aktuellen Mutter erfordert.

Mütter, die ihre Kinder lieben.
Mütter, die ein Kind lieben, das andere Abgrund tief hassen
- sowohl mit den Familienheiligenschein nach außen erhalten
- als auch keinen Hehl daraus machen, eines der Kinder in der Öffentlichkeit zu degradieren und das andere hoch zustellen
- Mütter, die keines ihrer Kinder lieben


Warum das so ist, kann viele Gründe haben.
Manchmal ist es der Sex oder selbst von einem/r Partner/in versorgt werden wollen. Auch dann, wenn das mti Demütigungen einhergeht.
Eigene sich wiederholende Kindheitserfahrungen.

Ich weiß nur, wie es manchen Erwachsenen damit geht, die von einem Elternteil abgestoßen wurden. Besonders dann, wenn es innerhalb des gleichen Haushalts war. Täglich auf einander treffen und täglich gesagt bekommen, wie unerwünscht und Plage man ist.

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Also ich kann dir jedenfalls sagen, dass meine Mutter mich für alle Eigenschaften, die von meinem Vater kamen, gehasst hat. Und ich kam eigtl zu 90% mehr nach meinem Vater, was meine Persönlichkeit angeht. Sie hat deutlich gezeigt, das sie meine Brüder viel mehr liebt und Zuwendung gibt, als mir.

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So traurig 😔

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Irrwitzigerweise wollte sie mich aber auf gar keinen Fall zu ihm lassen - das hat sie ihm nicht gönnen wollen.

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Hallo,

persönlich habe ich das noch nicht so beobachtet.

Allerdings ist Dein Eindruck vielleicht auch etwas verzerrt, weil die Kinder aus der ersten Ehe ja naturgemäß älter sind und vielleicht weniger Aufmerksamkeit brauchen/verlangen , während die kleineren mehr betreut werden müssen?

Die Kinder meines Partners sind schon groß, der Sohn hat sein Studium sogar schon abgeschlossen und arbeitet Vollzeit, lebt mit seiner Freundin zusammen, ca. 400 km entfernt. Die Tochter studiert noch, jobbt ein bisschen nebenbei, hat auch einen Freund, wohnt ca. 120 km entfernt. - Mein Partner liebt beide sehr.
Aber im Alltag hat er natürlich mehr Kontakt zu meiner Tochter, die noch zur Schule geht und bei uns wohnt.

Viele Grüße
H.

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Ich bin so ein Kind von der ersten Frau. Meine Schwester kam ein paar Jahre später mit der neuen Frau zur Welt. Mein Vater hat mit mir weniger Kontakt aber nur um mich zu schützen. Meine Mutter hat nämlich den Frust gegen meinen Vater gerne und ausschließlich an mir ausgelassen. Nicht mit mir gesprochen, meist mehrere Tage, hat mich bewusst mit Worten verletzt usw. Mein Bruder hatte zu dem Zeitpunkt keinen Kontakt zu meinem Vater, dem blieb all das erspart. Heute habe ich einen guten Draht zu Papa und Schwester und dafür keinen Kontakt zu Mutter und Bruder. Sagt im Prinzip alles.

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Ich bin ein kind von der ersten frau. Mein vater hat 3 töchter (2 aus erster ehe, 1 aus zweiter). Ich glaube nicht, dass er meine Halbschwester mehr liebt als uns, aber es auch zu zeigen.....puh... natürlich ist ein Aspekt, dass unsere Halbschwester so viel jünger ist und daher eine ganz andere Art der Aufmerksamkeit braucht, aber ich vermisse manchmal schon, dass er mir oder meiner Schwester zeigt, dass er stolz auf uns ist. Ich glaube, er ist es, aber ich glaube, dass er es vor seiner neuen frau nicht zeigen will und somit bekommen wir es nicht zu spüren. Das finde ich manchmal schon schade.

Ja, vielleicht spielt es auch mit rein, dass ich meiner mutter wie aus dem Gesicht geschnitten bin, aber auf der anderen seite kommt meine Schwester optisch nach unserer väterlichen linie und er behandelt sie gleich wie mich, also sehe ich das als nicht ausschlaggebend an.

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Naja, sieh es so:
Die Mutter hat meist eine stärkere Verbindung zu ihren Kindern. Da spielen meistens schon die Hormone bei der SS, die Oxytocinausschüttung bei der Geburt und in der Stillzeit eine Rolle.

Natürlich lieben auch die meisten Väter ihre Kinder sehr, die Liebe ist aber oft ein wenig anders, einfach weil da diese hormonelle Explosion fehlt.

Außerdem ist sich eine Frau immer zu 100% sicher, dass es ihr Kind ist. Ein Mann kann sich eigentlich nie 100% sicher sein.

Es ist evolutionsbiologisch auch schlauer für einen Mann sich an keine feste Partnerin zu binden und sein erbgut so weot wie möglich zu verbreiten. Für eine Frau, die aber nur eine bestimmte Anzahl an Kindern in ihrem Leben haben kann, ist eine starke Bindung und Aufopferungsbereitschaft für ihre Kinder für den Fotbestand ihrer Gene essentiell.

Irgendwo habe ich eine Studie gelesen die besagt, dass dem Mann meist nur die Kinder einer Frau wichtig sind, wenn er die entsprechendende Frau liebt, dabei sollte es gar keine Rolle spielen, ob es seine leiblichen oder fremde Kinder sind. Das wurde dann genau mit dem Argument der " unsicheren Vaterschaft " erklärt.

Natürlich gibt es Männer die ihre Kinder vergöttern, dabei spielt es auch keine Rolle ob diese aus der 1. der 2. oder der 3. Ehe sind. Es gibt auch Frauen, die ihre Kinder aussetzen, unterschiedlich behandeln und gar umbringen.

Jeder Mensch entscheidet für sich Weilchen Stellenwert die Familie/ bzw. die Kinder für ihn haben.

LG

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Ich, bin ein Kind aus 1. Ehe. Mein Vater hat mittlerweile: mich (1.ehe) meine 2 Halbschwestern (2.ehe) und eine Stieftochter (3.ehe) .. Ja, anscheinend hat er entweder nur Pech mit Frauen oder einfach ne Bindungsstörung.

Zum Verhältnis: Er ist nur mein Erzeuger. Als ich 4 war, kam meine 1. Halbschwester zur Welt. Davor, hatte er bereits wenig Interesse an mir. Er lebte glücklich in seiner neuen Ehe. So wie das Leben nun mal spielt, hatte ich nach Jahre langen versuchen, seine Liebe zu ergattern, es aufgegeben. Irgendwann da war ich 14 wollte er doch in mein Leben. Ich hab ihm hierzu, 9(!!!!!) Chancen über 16 Jahre lang. Es war meist so, das er kurze Zeit in mein Leben kam, jedoch jedesmal ohne Grund den Kontakt abbrach und sich erst wieder Monate später meldete. Er schien einfach ein Problem zu haben, sich auf eine Beziehung mit mir einzulassen und es aufbauen zu wollen. Danach war immer das Geheule groß, wenn ich abgeblockt habe, dann rief er ständig an, weinte am Telefon, erklärte mir immer wie sehr er sich ein Vater Tochter Verhältnis mit mir wünscht und das ich das doch zulassen soll. Tja, jedesmal wenn ich es tat habe ich es zutiefst bereut. Zu meinen Halbschwestern habe ich keinen Kontakt, habe aber mitbekommen, dass er selbst zu denen nicht anders ist- also mal das ganz andere extrem, dieser Mensch kann einfach keine Bindungen eingehen. Über seine Stieftochter sagte er mal: ich hab dieses Kind (4) so satt...
Im selben Atemzug fragte er mich, wie kann ich gut machen, dass ich deine ganze Kindheit zerstört habe: Antwort: Versuch wenigstens einmal ein guter Vater zu sein, nicht mehr für mich, ich brauche keinen, aber mal für deine Stieftochter... na Ja im
Endeffekt hätte ich das ganze auch zu nem Affen sagen können, der hätte wenigstens geklatscht dabei 😂

Wie dem auch sei, als meine Tochter zur Welt kam, wollte er wieder Kontakt, bedrängte mich das wie uns sehen ( ich muss sagen ich hab ja echt viel Geduld, jedesmal wenn er kam, habe ich ihn mit offenen Armen empfangen und gesagt mach es doch jetzt einfach mal besser, zu groß war mein Wunsch einen Vater zu haben..) nun war aber der Punkt, wo ich gesagt habe mein Kind beschütze ich, du wirst nicht ständig in ihr Leben kommen und gehen wie es dir passt.. damit hab ich dann das Kapitel Vater, Erzeuger und Störenfried aus meinem Leben gebannt. Ich bekomme seither einmal im Jahr eine sms zum Geburtstag, auf die ich nicht reagiere. Auf den Text: du wirst bereuen mit deinem Vater so umgegangen zu sein, wenn du an meinem Grab stehst, habe ich lediglich geantwortet: dafür wirst du bis zu diesem Tag bereuen, was du alles an mir und all deinen anderen Kindern falsch gemacht hast.


Also wie man sieht es gibt auch solche Väter, und dann sehe ich meinen Mann wie er unsere Tochter mit liebe und Zuneigung überschüttet und, das muss ich zugeben, dann kommen mir die Tränen vor Freude und auch vor Traurigkeit, Freude weil ich es so wunderschön finde, wie unsere Tochter geliebt wird und Traurigkeit und Selbstmitleid, wie es sich wohl anfühlt so geliebt zu werden von seinem Vater.