Lohnt es sich zu kämpfen?

Hallo zusammen,

ich bin mit meinem Mann seit fast 7 Jahren zusammen, seit März sind wir verheiratet. Wir haben einen 4 jährigen Sohn....

Seit 2 Jahren versuchen wir ein 2. Kind zu bekommen, wird wie es aussieht nur durch künstliche Befruchtung klappen. Vor einem Jahr war ich schwanger, leider habe ich das Baby verloren. Dadurch und durch den unerfüllten kinderwunsch rutschte ich in eine depressiv Episode (bin vorbelastet). Im Juni hat mein Mann mir dann eröffnet, dass er nicht weiß ob er mich noch liebt. Ich war in dieser Zeit wirklich nicht nett, habe mich zurück gezogen, viel an ihm ausgelassen usw.
Außerdem habe icb rausgefunden, dass er sich heimlich mit einer Arbeitskollegin getroffen hat und sich wohl bei ihr über unsere Beziehung ausgelassen hat. Er hat meine intimsten Ängste, Sorgen mit einer mir fremden Frau geteilt und seine Unzufriedenheit mit ihr besprochen. Im Nachhinein hat er mir gegenüber auch gesagt dass er sie attraktiv findet und das eine Frau wäre mir der er sich etwas vorstellen könnte.
Wir haben viel geredet, ich viel geweint. Mir wurde klar dass ich etwas ändern muss. Wenn nicht für die Beziehung dann für mich und meinen Sohn. Seitdem bin ich wieder therapeutisch angebunden und auf einem guten Weg.
Mein Mann sagt dass er sich nicht trennen möchte.
Seit dem Sommer hatten wir einige schöne Wochen. Aber ich kann mit dieser Unsicherheit absolut nicht umgehen und icb merke wie mich das psychisch belastet.
Ich bin kurz davor aufzugeben und unsere Beziehung zu beenden.
Er ist irgendwie ambivalent was seine Gefühle mir gegenüber angeht. Er hat mir zwischenzeitlich wieder gesagt, dass er mich liebt.
Aber wenn es mal nicht so gut läuft zweifelt er scheinbar wieder an seinen Gefühlen.
Ich weiß nicht wie ich damit umgehen soll. Ich möchte kein Leben mit einem Mann führen, der mich nicht liebt.

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Ich kann dich verstehen. Mein Mann und ich stecken in einer ähnlichen Phase. Ich habe einen stillen Burnout und bin nun seit 1,5 Monaten in Therapie. Die letzten 2 Jahre waren extrem schwer für mich. Er hat auch gelitten, weil auch ich viel an ihm ausgelassen habe. Bei uns kam Ende August der große Knall wo er mir an den Kopf geworfen hat, er wisse nicht, ob er mich noch liebt. Im Moment will er alles so lassen wie es war, also einfach nebeneinander her leben. Damit komme ich schlecht bis gar nicht zurecht, weil auch ich darunter leide und unsicher bin. Ich weiß auch nicht, ob ich dem ganzen Zeit geben soll oder die Ehe beenden. Aber nach 10 Jahren soll es das gewesen sein? Ich kann nachempfinden, wie du dich fühlst, denn ich glaube ich fühle genauso.

Hab jetzt keinen Rat für dich, aber fühl dich einfach mal gedrückt. Ich wünsche dir alles gute ❤

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Keine leichte Situation für euch beide.
Habt ihr schon mal über eine Paartherapie gesprochen? Wäre das ein Ansatz, dass du ihn auch aktiv einbindest?
Nicht du nur hast Verluste erlebt, sondern auch er als Vater. Viele Männer lassen solche sensiblen Themen zwar nicht an sich ran, das bedeutet aber nicht, dass sie nicht still leiden und Prozesse in ihnen geschehen.
Ihr solltet euch gemeinsam hinsetzen und vernünftig darüber sprechen.
Ich würde meinem Mann sagen, dass ich zwar dazu bereit bin für unsere Ehe zu kämpfen, aber nicht mit der ständigen Angst im Rücken leben kann, dass er sofort alle Gefühle anzweifelt, sobald mal was nicht nach Plan läuft.
Das ist eine Grenze für mich. Es gibt immer wieder Höhen und Tiefen, bis zu einem gewissen Punkt ist das auch völlig normal, aber ich könnte für mich nichts mit jemanden anfangen, der nur die guten Tage mit mir happy sein kann uns alles infrage stellt und seine Gefühle infrage stellt, sobald es schwierig oder unangenehm wird. Das wäre für mich kein Sinnbild einer Beziehung und daraus würde ich für mich Konsequenzen ziehen. Wenn man immer das Beziehungsaus latent im Nacken hat, ist das doch fürchterlich.
Wenn es nicht geht, dann macht lieber einen sauberen Cut! Ist fairer und besser, als sich gegenseitig zu zerstören mit emotionalen Spielen.

Alles gute Jule

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Dein Mann hatte sicher auch ne harte Zeit und ich würde irgendwann auch zweifeln. Und an schlechten Tagen hat man natürlich Angst, dass es wieder Dauerzustand wird 😅

Trotzdem müsst ihr beide dran arbeiten. Setzt euch doch einen Zeitraum, wo ihr kämpft und zieht danach Bilanz. Z.B.: wir geben jetzt ein Jahr alles und entscheiden dann. So hat keiner diese dauerhafte Trennungsangst. 🤷‍♀️

Alles Gute für euch!

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Ich denke eine Paartherapie ist da ein guter Ansatz. Man hat eine dritte Person, die vermittelt und auch eingreift wenn es sein muss. Da kann man erarbeiten wo ihr gerade steht und wohin ihr wollt.

Insbesondere der Vertrauensbruch, mit einer fremden Frau (die er auch noch attraktiv findet und sich "mehr" vorstellen könnte) über die persönlichen Probleme der Ehefrau zu sprechen wäre für mich (ala Ehefrau) schwer zu verkraften.