Mann bereut es, Vater geworden zu sein

Hallo ­čĹő

Mein Mann bereut es, Vater geworden zu sein. Und ich wei├č nicht, wie ich damit umgehen soll. Es f├Ąllt ihm schwer, sich mit unserem Sohn zu besch├Ąftigen. Er reagiert schnell genervt. Gestern wollte er mit unserem Sohn auf den Spielplatz gehen. Premiere. Doch dann hat unser Sohn sich gegen die Matschhose gewehrt. Mein Mann hat sofort die Geduld verloren, hat den Kleinen in seiner Winterjacke und mit einem Bein in der Matschhose auf dem K├╝chenboden sitzen lassen und ist weg gegangen. Als ich sp├Ąter mit ihm dar├╝ber geredet habe, meinte er, er bereue es, Vater geworden zu sein, das h├Ątte unsere Beziehung verschlechtert, unser Sohn w├╝rde immer "Probleme machen". Unser Kind ist eineinhalb, m├Âchte seit kurzem vieles alleine machen und kreischt manchmal, wenn seine konkreten Vorstellungen nicht umgesetzt werden. Ich denke, das ist alles im Rahmen. W├╝rde ihn sogar eher als entspannt bezeichnen. Manchmal spielt er eine halbe Stunde alleine. Wenn er dann auf meinen Arm m├Âchte, regt sich mein Mann dar├╝ber auf, wie anh├Ąnglich unser Kind sei. Es nervt ihn, dass es jetzt mit mehr Aufwand verbunden ist, die Wohnung ordentlich und sauber zu halten. Dass wir die Abende zu zweit verbringen, reicht meinem Mann nicht. Er ist ungl├╝cklich ├╝ber die Situation. Das ist auch f├╝r mich nicht unbedingt einfach.

Danke f├╝rs Lesen. Vielleicht habt ihr ja Anregungen.

1

P├╝hhhh schwierig...

Immerhin ist er ehrlich... Manche merken es erst tats├Ąchlich sp├Ąter, was es bedeutet ein Kind zu haben.

Einen Rat habe ich da leider nicht

Man kann ja jetzt auch nach 1,5 Jahren nicht sagen "er muss da rein wachsen"....

Das Verhalten von deinem Kind h├Ârt sich ├╝brigens ganz normal an.

Kann dir leider nichts raten... F├╝hl dich nur mal. Ganz doll in den Arm genommen ­čśČÔŁĄ´ŞĆ

2

War bei uns ├Ąhnlich, nur dass wir beide es bereut haben.
Mein Ex ist aber insgesamt besser mit der Situation klar gekommen, und hat die Betreuung organisiert.
Er hat unser Kind haupts├Ąchlich versorgt, und wir hatten Hilfe durch private Ganztagsbetreuung und Au Pairs.
Wir haben uns getrennt, damit ich wieder meine Ruhe habe und hab unser Kind nur gesehen, wenn ich in der Verfassung war.
Ich habe mir einen Partner ohne Kinder gesucht und das Leben wurde wieder sch├Ân und entspannt.
Mein Ex hat auch eine neue Partnerin ohne Kinder.
Ich h├Ątte auch nie damit gerechnet, dass ich so reagiere, aber das Leben mit Kind hatte f├╝r mich so gar nichts, woran ich Freude hatte.
Unser Kind ist mittlerweile gro├č und ich bin froh, damals offen zu sagen, dass es f├╝r mich nicht funktioniert mit Kind.

3

Und euer Kind ist dann beim Papa. Aufgewachsen?

7

Das ist ja regretting-parenthood in reinstform. Wie ist denn das Verh├Ąltnis zu deinem Kind?

weiteren Kommentar laden
4

Huhu,

oh je, das ist hart.

W├Ąre dein Partner bereit eine Familienberatungsstelle mit dir aufzusuchen?
Ich denke, da geh├Ârt dringend Klartext gesprochen wie eure Zukunft aussehen kann - und w├╝rde dazu tats├Ąchlich professionelle Hilfe empfehlen.

VG

5

Oh, das ist ja eine schwierige Situation. Hatte dein Mann denn einen Kinderwunsch? Wenn nicht/nur dir zuliebe, merkt er jetzt vielleicht, dass er wirklich (noch?) nicht bereit ist, Vater zu sein. Ich kenne Familien, bei denen das so ist. Die Frauen ├╝bernehmen da alles rund ums Kind, die M├Ąnner leben ihr Leben weiter. Sch├Ân scheint mir das nicht, aber in diesen F├Ąllen scheinen sich die Frauen arrangiert zu haben.

Wenn dein Mann aber einen ehrlichen Kinderwunsch hatte, finde ich sein Verhalten ganz ungew├Âhnlich. Wie geht es ihm denn sonst? Vielleicht ist er in Richtung einer (leichten) Depression unterwegs? Das kommt auch schon mal bei M├Ąnnern nach der Geburt eines Kindes vor.

10

Unser Sohn war ein Wunschkind. Wir waren sieben Jahre zusammen, als ich schwanger geworden bin. Es ging sehr schnell. Wir haben die Verh├╝tung abgesetzt, zwei Monate sp├Ąter hielt ich den positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Wir haben uns sehr gefreut.

Doch schon w├Ąhrend der Schwangerschaft ver├Ąnderte sich seine Stimmung. Nach kurzer Zeit reagierte er genervt, sobald es um das Thema Kind oder Schwangerschaft ging. Ich habe versucht, mich zur├╝ckzunehmen, es m├Âglichst nicht mehr angesprechen.

Nach der Geburt zog er aus dem Schlafzimmer aus. Zuerst konnte ich das nachvollziehen. Unser Sohn hat im ersten Jahr sehr schlecht geschlafen, mein Mann muss fr├╝h zur Arbeit gehen. Inzwischen sagt er, er habe sich daran gew├Âhnt, alleine zu schlafen; das sei angenehmer f├╝r uns alle.

Er hatte das Gef├╝hl, mich zu verlieren. Stundenlang habe ich gestillt. Unser Sohn lie├č sich in den ersten Monaten nicht ohne Geschrei ablegen. Ich habe meinem Mann mehrmals gesagt, dass wir reden k├Ânnen, w├Ąhrend ich stille, dass er sich zu uns setzen kann, dass er sich einbringen soll. Stattdessen hat er sich immer weiter zur├╝ckgezogen, ist nach der Arbeit mit Freunden weg gegangen (was er vor der Geburt nie gemacht hat) und hat mir Vorw├╝rfe gemacht. Trennung war mehrmals ein Thema.

Es wurde besser. Wir f├╝hren wieder eine Beziehung. Aber es gelingt ihm einfach nicht, eine Bindung zu unserem Sohn aufzubauen und sich in einer Rolle als Vater wohlzuf├╝hlen. Er versteht nicht, dass unser Kind noch nicht ordentlich essen KANN. Es stresst ihn, wenn zu viel Spielzeug sichtbar ist. Mein Mann kann nicht putzen, ohne dabei genervt vor sich hin zu murmeln. Er ist nicht so ungl├╝cklich, wie in dem ersten halben Jahr nach der Geburt, aber auch nicht mehr so entspannt und zufrieden wie vorher.

13

Naja, aber dann wird es ja zumindest besser.
Je ├Ąlter die Kinder werden, umso weniger muss man sie permanent beaufsichtigen, pflegen und bekaspern.

Ich kann mir vorstellen, dass ein 5-, 6-j├Ąhriger aufw├Ąrts ihm mehr liegt.

Wenn er grunds├Ątzlich Kinder wollte, wird er ja vor Eurem Sohn nicht vor jedem Kind genervt gefl├╝chtet sein. ;-)

weiteren Kommentar laden
6

Wie hat sich dein Mann denn die ersten Jahre vorgestellt? Hat er es sich sch├Âner vorgestellt? Hat er sich darauf eingestellt, dass die Baby- und Kleinkindphase anstrengend wird? Ab welchem Alter kann er sich vorstellen, dass Kinder eine Bereicherung f├╝r sein Leben sind? Wie war denn urspr├╝nglich der Plan, die Betreuung zwischen euch aufzuteilen?

Ich hab Verst├Ąndnis f├╝r deinen Mann, mir w├╝rde es mit einem kleinen Kind genauso gehen. Daher hab ich jetzt nicht unbedingt den Wunsch, Kinder zu bekommen. Wenn mein Partner aber unbedingt will, w├╝rde ich mitziehen - im vollen Wissen, dass die ersten 3,4 Jahre f├╝r mich verlorene Lebenszeit sind, da ich so kleine Kinder enorm l├Ąstig und anstrengend empfinde. Ich w├╝rde meinen Partner auch darauf vorbereiten, dass er anfangs etwas(!) mehr Kinderbetreuung leisten muss als ich, da 1) er sie wollte und 2) ich nicht die nervlichen Ressourcen daf├╝r habe. Gleichzeitig w├╝rde ich aber auch den Arsch zusammen kneifen und nicht gro├č jammern, da ich ja wusste, worauf ich mich einlassen w├╝rde. Wenn sie dann gr├Â├čer w├Ąren, w├╝rde erst der f├╝r mich sch├Âne Teil von "Kinder haben" beginnen.

Daher mein Rat: redet offen und ohne Vorw├╝rfe miteinander, was sich jeder gew├╝nscht hat, wie die Realit├Ąt aussieht, wo die eigenen Grenzen liegen. Worauf man sich freut. Wie man sich gegenseitig unterst├╝tzen kann - zB k├Ânnte dein Mann mehr allgemeine Aufgaben ├╝bernehmen (Einkaufen, Erledigung, Orga,...) bis euer Kind in einem Alter ist, mit dem er mehr anfangen kann. Er muss aber auch jetzt (zumindest ein paar) Aufgaben mit eurem Kind erledigen, um nicht famili├Ąr abgeschnitten zu werden und sich noch weiter zu entfernen.

15

Im Nachhinein ist mir aufgefallen, dass mein Mann immer nur von einem gr├Â├čeren Kind gesprochen hat, wenn es vor der Geburt um das Thema ging. Um Interessen, die das Kind haben k├Ânnte, m├Âgliche gemeinsame Hobbys (Sportarten). Ich hoffe, dass er sp├Ąter in seiner Vaterrolle aufgehen wird. Die ersten Jahre hat er wohl einfach verdr├Ąngt.

Der Plan war, dass ich ein Jahr Elternzeit nehme und danach Teilzeit arbeite. So haben wir es auch gemacht. Wer das Kind von der Kita abholt, mit ihm auf den Spielplatz geht, es ins Bett bringt, haben wir nicht besprochen. Ich mache das meiste. Wenn ich meinen Mann darum bitte, bringt er sich auch ein. Aber ungern. Es f├Ąllt ihm schwer. Ich muss meistens konkret etwas vorschlagen: "Kannst du ihm ein Bilderbuch vorlesen?" Dann liest er das Bilderbuch in Rekordzeit.

21

Dein Mann klingt eher unf├Ąhig

8

Hallo,

erstmal ist es gut, dass ihr offen dar├╝ber reden k├Ânnt. Der Schritt von der Partnerschaft zur Elternschaft ist ein harter Einschnitt. Fremdbestimmung, Verantwortung, Gereiztheit...es gibt viele Gef├╝hle, die da zusammenkommen. Und jetzt meine Meinung: Ihr seid zu zweit! Ihr beide habt ein Kind. Dieses Kind kann nichts f├╝r die negativen Gef├╝hle. Es ist in Ordnung dar├╝ber zu reden, aber das Kind hat auch ein Recht auf Liebe und F├╝rsorge. Macht euch ├╝ber die Entwicklung eines Kindes schlau. Man hat oft mehr Verst├Ąndnis, wenn man ├╝ber die Hintergr├╝nde informiert ist. Nehmt euch einmal am Tag 5-10 min am Tag Zeit und redet nur als Erwachsene, als Paar, wie euer Tag war - ohne Thema Kind. Und dann haltet ihr zusammen und k├╝mmert euch gemeinsam um das Kind. Er ist Vater, du bist Mutter - als Erwachsene habt ihr einfach auch die Pflicht euch um das Kind zu k├╝mmern - mit Liebe, auch mit Nerven, mit positiven und negativen Gef├╝hlen. Die Jahre vergehen schnell, das Kind wird schnell gro├č...und das Bedauern ├╝ber die Zeit sie nicht genossen zu haben, schnell da.

LG

16

"Die Jahre vergehen schnell, das Kind wird schnell gro├č...und das Bedauern ├╝ber die Zeit sie nicht genossen zu haben, schnell da."

Das sehe ich ganz genau so. Die Stimmung meines Mannes macht auch f├╝r mich viel kaputt.

9

Welche Erfahrungen hat dein Mann selbst als Kind gemacht? Hatte er einen zugewandten Vater? Oft muss man seine eigene Kindheit verarbeiten, wenn man selbst Kinder bekommt.

Kennst du ÔÇ×das Buch, von dem du dir w├╝nschst, deine Eltern h├Ątten es gelesenÔÇť? Darin wird genau so eine Dynamik beschrieben und es werden auch L├Âsungsans├Ątze gegeben. Mir hat es total geholfen, meine eigenen ungesunden Muster zu erkennen und zu verstehen, wieso mir bestimmte Dinge am Muttersein so schwer fallen. Allein das Wissen, woran es liegt, hilft, es selbst nicht bei seinen Kindern zu wiederholen.

Auf jeden Fall sollte dein Mann da an sich arbeiten, nicht du an ihm oder an dir selbst. Es ist seine Baustelle. Egal, was er sich im Nachhinein gew├╝nscht hat und was er jetzt alles bereut: die Realit├Ąt ist eine andere und f├╝r die muss er nun die Verantwortung ├╝bernehmen. Sich davor zu dr├╝cken wird ihm nichts bringen und das Problem nur noch verschlimmern. Ich hoffe sehr f├╝r dich, dass er das einsieht.

17

Mein Mann spricht immer sehr positiv ├╝ber seine Kindheit, aber seine Eltern und vor allem sein Vater haben dabei nicht so eine gro├če Rolle gespielt. Er ist das sechste von acht Kindern. Er meinte mal, dass vor allem die j├╝ngeren Kinder immer so nebenher liefen. Seine Mutter hat den Haushalt geschmissen, der Vater gearbeitet, die Kinder haben sich gegenseitig umeinander gek├╝mmert.

20

So eine Kindheit hatte ich auch. An sich nicht traumatisch oder schlimm.

Im Nachhinein und vor allem seitdem ich selbst Kinder habe, ist mir aber klar, dass ich mich damals oft sehr einsam gef├╝hlt habe. Meine Eltern haben sich zwar vorbildlich um alles ├Ąu├čere gek├╝mmert, aber sie waren emotional abwesend. Ich muss jetzt umso mehr aktiv daran arbeiten, emotional anwesend f├╝r meine Kinder zu sein, um dieses erlernte Muster nicht zu wiederholen. Und ich muss gegen die Traurigkeit ank├Ąmpfen, die der Anblick meiner eigenen Kinder manchmal in mir ausl├Âst, weil sie mich eben an meine eigenen Kindheitserfahrungen erinnern.

Vielleicht schl├Ągst du ihm mal das Buch vor, es gibt darin einige hilfreiche Ans├Ątze, wie man diesen inneren Konflikt l├Âsen oder zumindest irgendwo ansetzen kann. Am effektivsten w├Ąre vermutlich eine Therapie, aber das w├Ąre nochmal ein gr├Â├čerer Schritt, den dein Mann auf jeden Fall wollen muss.

weiteren Kommentar laden
12

Ich kann deinen Mann gut verstehen, ich finde Kleinkinder auch f├╝rchterlich. Ich bin damals ungeplant schwanger gewordenen( lt Verschiedener ├ärzte war ich unfruchtbar) und habe es auch erst zu sp├Ąt gemerkt. Ich fand die ersten Jahre wirklich schlimm, zum Gl├╝ck war mein Mann da ganz anders und hat wirklich viel mit dem Kind gemacht. Mittlerweile ist er erwachsen und wir haben ein super Verh├Ąltnis, aber bis zum 10. Lebensjahr war ich oft von ihm genervt und konnte auch nicht wirklich was mit ihm anfangen. Vielleicht wird es noch besser bei euch, erzwingen kann man es aber nicht.

14

Das sagt er jetzt- euer Kind ist ja auch in einem wirklich anstrengende Alter. Ob er es wirklich bereut kann er erst in ein paar Jahren beurteilen.

Mein Mann hat das ├╝brigens auch gesagt als unser Sohn 1,5 war. Nun sind die Kinder langsam aus dem gr├Âbsten raus. Genervt sind wir noch immer beide oft, aber es wird auch vieles einfacher.

Ob es nun eine tolle Idee war Kinder zu kriegen wei├č ich ehrlich gesagt nicht. Aber jammern n├╝tzt ja nichts, man macht das beste draus und eh man sich versieht sind sie Kinder gro├č. Ich denke dann werde ich es sp├Ątestens toll finde Mama zu sein. Wenn einmal w├Âchentlich ein Anruf kommt,,;-)

27

Fragt sich nur, ob deine Kinder dich dann ├╝berhaupt einmal in der Woche anrufen m├Âchten. Vielleicht sind die dann auch eher froh, dass so ein ÔÇ×nervigesÔÇť Familienleben ein Ende hat. Traurig, dass anscheinend Leute so leicht Kinder bekommen, denen nichts daran liegt.