Wie mit Unterstellungen umgehen in Bezug auf Erziehung / bei psychischen Problemen des Kindes ?

Guten Abend.
Ich bin heute wieder mächtig frustriert, da heute bei einem Familientreff festgestellt wurde, das ein wütendes, bockig erscheinendes Kind ignoriert werden muss. Erziehung : 6 - setzen ! Sagt Schwiegermutter zu mir.
Dabei ist bekannt, dass mein Kind eine emotionale Regulationsstörung hat, und die Behandlung hierzu noch nicht lang am anlaufen ist. Es verletzt sehr, dass einem hier die Kompetenz abgesprochen wird, gepaart mit bösen Kommentaren Richtung Kind, es möge sich benehmen und nicht denken, es würde Eindruck schinden..
wie würdet ihr hier antworten mit dem Ziel, diese Art der Krankheit nicht außer acht zu lassen. Nicht immer sieht man Kindern Störungen an, aber die können doch trotzdem vorhanden sein. Warum sind immer diejenigen neunmal klug , die nur kleine Abschnitte des Zusammenlebens mitbekommen und meinen hier von „alles falsch gemacht“ reden zu dürfen. Wie kann ich solchen Nörglern angemessen kontern ?

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was vermittelt man einem kind, das gerade mit den eigenen emotionen (wieso auch immer, ist ja völlig normal) überfordert ist, wenn man es ignoriert oder wegschickt?

du störst, wenn es dir nicht gut geht und das ausdrückst. wenn du ein problem hast, dann geh das gefälligst alleine lösen und nerv mich nicht.

was für eine gefährliche botschaft, denn in einem gewissen alter würden viele eltern alles dafür geben, dass kinder mit ihren problemen zu ihnen kommen und offen reden können. als eltern bringt man kindern bei, mit starken gefühlen umzugehen und geeignete strategien zu lernen, was man machen kann. lässt man sie alleine, ist das ein starker bruch im vertrauen und in dem wissen, dass man als kind letztlich alleine dasteht, sobald es den erwachsenen nicht mehr passt.

das wäre meine etwas längere einschätzung als sozialpädagogin :-D
ich glaube, du machst das toll und musst einfach für dein kind und besonders für dich selbst als mutter einstehen. du bist die expertin für dein kind und diese "das hat uns früher auch nicht geschadet"-sätze sind einfach lächerlich, denn es ist empirisch erwiesen, dass gewalt gegen kinder (wozu auch vernachlässigung, ignorieren, liebesentzug usw gehört) die entwicklung maßgeblich beeinträchtigt.

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Oh! Das ist eine super Antwort!

Meine Mutter hat mich in so Situation z.B oft gefragt warum ich jetzt so sinnlos heule, oder dass ich nur so bin um sie zu ärgern/blamieren und ich hab noch heute Probleme Gefühle zu zeigen und ständig die Angst alles kaputt zu machen durch meine scheinbar falschen Gefühle!


Also an die TE:
Ich würde an deiner Stelle auch auf jeden Fall weiter auf das Kind eingehen in so Situationen und somit zeigen, dass du es trotzdem lieb hast und da bist! Ich wünschte sowas wie du für dein Kind hätte auch jemand für mich getan.

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****vom URBIA-Team entfernt. Bitte bleibt beim Thema****
Gerade für die Ältere Generation sind Behinderungen und Entwicklungsstörungen noch ein Tabuthema, sie können sich nicht eingestehen dass ihr Enkel "sowas" hat. Immer wieder klipp und klar sagen dass das Kind das eben nicht anders kann und man es nicht in es "hineinprügeln" kann.

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Ich hab davon noch nie gehört? Darf ich fragen wer das diagnostiziert hat und wie sich das äussert? Interessiert mich...

Kind erst mal weg halten sollte mit Corona ja gerade nicht schwer sein.... ;)

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Das kann von Psychologen getestet werden

ICD - 10 Klassifikation Emotionale Regulation- kannst ja mal im Netz so suchen

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Das klingt anstrengend. Aber ihr seid dran. Das zählt...

Ausm Bauch raus würde ich ihn nicht in solche Situationen bringen im Moment bzw. wenn es Pflichttermine sind die Oma hart einbremsen wenn sie mit erziehen will.

Wir haben ein Thema mit dem Schwiegervater weil es bei meinem Sohn aktuell noch Einschränkungen in der Ernährung gibt. Auch die ein oder andere OP hatten wir schon und es kommt immer mal wieder was. Dass sein Enkel gesundheitliche Probleme hat will er nicht wahr haben. Teils hab ich auch das Gefühl er schämt sich dafür dass das Kind nicht gesund ist. In unserem Fall WILL er nicht verstehen.
Ich melde ihn wo es geht, ebenso Essenssituationen und ich ersticke „aber Schokolade“ Gejammer im Keim... ich hab’s schlicht aufgegeben ihn medizinisch aufm Laufenden halten zu wollen. So wenig wie möglich sehen, keine Details, Treffen mit Programm das dem Kind taugt sodass der Kleine happy und der grosse nicht viel Durchgriff auf ihn hat.
Lästig, aber es geht nicht anders.

Vielleicht ist da für dich ein Gedanke dabei...

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Ich fürchte, wenn du schon viel erklärt hast, werden noch mehr Erklärungen auch nicht helfen.

Vielleicht ist es heilsam, der SM, wenn sie dein Kind maßregelt, zu sagen: "Rita, ich habe dir doch schon gesagt, dass Justus krank ist. Er kann mit diesem Frust nicht umgehen, weil.. Es wird ihm helfen, wenn... Das sagt Ärztin." Wenn sie dann verständnislos reagiert, würde ich ihr nett das Wort verbieten und sagen, dass ich unter diesen Umständen, wenn sie das Kind und auch dich weiter so behandelt, nicht mehr wiederkomme und ggf gehen.

Niemand muss sich von euch so behandeln lassen.

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Das kommt immer drauf an. Mir wäre es irgendwann zu blöd und das würde ich auch sagen.

Also einfach „ihr wisst, er hat eine Regulationsstörung und kann nicht anders! Ein Kind mit Asthma kann auch nicht „einfach atmen“, nur weil hier Luft ist. Wir machen es ganz wundervoll und arbeiten dran.“

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Ich kann dich verstehen - ein bisschen aber auch die Verwandten. Wir haben auch so einen Neffen, ein sog. "high need Kind", laut Eltern hypersensibel und eben auch mit einer von dir genannten emotionalen Regulationsstörung. Dieses Kind sprengt förmlich jedes Treffen in der Familie und ein nettes Beisammensein ist so kaum möglich. Diese "Behinderung" zeigt sich einfach in einer Art totalem Ungehorsam: da wird Essen, was nicht gemocht wird mit "bäh, eklig" tituliert, vom Teller geschoben, anderes Essen gefordert, mitten im Essen aufgestanden, Radau gemacht, gefordert, dass die Eltern dieses und jenes machen, die andern Kinder spielten kommen etc. etc., sodass keiner einen Satz wechseln kann. Die Eltern sind die Ruhe selbst, stehen 1000x auf, den Wünschen wird stattgegeben, weil J-Hase halt einfach so ist.

Ich finde es deshalb so schwierig, weil diese "Behinderung" so nicht offensichtlich ist. Wir haben ein auch ein autistisches Kind in der Familie, hier ist es viel einfacher, diese Besonderheiten zu akzeptieren - es wirkt viel weniger wie ein völlig verzogenes Kind. Wir haben zwei ausserordentlich bewegungsfreudige und lebhafte Kinder. Ich versuche Veranstaltungen, wo diesem Bewegungsdrang über längere Zeit so gar nicht stattgegeben werden kann, möglichst zu meiden, weil es sonst nur Stress für alle ist.

Der SM-Spruch geht gar nicht - Empathie 6 - setzen.

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Ich würde mich persönlich nicht angegriffen fühlen. Deine Schwiegermutter weiß es einfach nicht besser.

Ich würde ihr in die Augen schauen und ihr ganz ruhig erklären, dass Du mit dem Kind beim Arzt war und dass es eine Diagnose gab mit emotionale Regulationsfähigkeiten. Das Kind ist also krank und befindet sich in Behandlung. Dann sagst Du ihr, dass du es nicht gut findest, was sie in Richtung Erziehung sagt, dass alles eine schwierige Zeit für euch ist und es schön wäre, wenn sie emotional mithilft.

Kurz gesagt, Du ziehst Grenzen im Umgang mit Dir und dem Kind. Ich denke, das sollte hier ausreichend sein.

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Ich versuche es mal von der anderen Seite und picke mir als Beispiel ein ehemaliges Paar aus meinem Umfeld raus. Das Kind hat dieselbe Diagnose, die bestimmt viele Gesichter haben kann. Allerdings haben die Eltern einen unsagbar unterschiedliche Umgang damit, erst nach deren Trennung (die übrigens das Beste für das Kind war, was passieren konnte) wurde ziemlich klar woher der Wind wehte.
Dieses Kind hat bis zur Trennung jedes Treffen gesprengt, bis ins unerträgliche. Jeglicher Versuch der Mutter eine klare LInie (die auch bei der Diagnose wichtig ist) wurde vom Vater torpediert, das Kind könne ja nichts dafür, es hat halt eine Störung und wir müssten doch alle Verständnis haben. Pustekuchen.
Das KInd blieb nach der Trennung bei der Mutter, Vater hat normalen Umgang. Und was soll man sagen, seit die Mutter die meiste Zeit alleine agieren kann, da läuft es. Ja, man merkt das er schnell emotional überfordert ist, die Mutter spricht offen darüber, hilft uns somit auch da durch. Sie kann endlich ihre Strategien umsetzen udn ermöglicht somit ihrem Kind auch schöne Treffen. Ist der Vater dabei, dann verfällt das Kind umgehend wieder in die alten Muster. Noch schlimmer ist der Übergang vom Umgang zur Mutter, besonders in den Ferien. Man merkt es als Außenstehender sofort. Der Vater versteckt sich immer noch hinter der Diagnose, das er damit alles verschlimmert hat er immer noch nicht begriffen.
Es ist so wunderbar zu sehen, wie die Mutter das Kind begleitet, anleitet, immer weniger eingreifen muß und in sich selber dabei ruht. Sie hat sogar noch für uns die Kraft, um uns mit ins Boot zu nehmen.
Und eigentlich liegt genau da der Hase im Pfeffer. Denn dieses ehemalige Paar kann man als Außenstehende obligatorisch für den Umgang von Eltern mit der Diagnose ihres Kindes sehen. "Mein Kind hat nun mal eine Diagnose und ihr müsst damit klar kommen!" reicht einfach nicht aus.
Ihr steht jetzt noch am Anfang eures Weges, das kann man auch klar seinem Umfeld mitteilen. Aber lasst ihr das Umfeld außen vor, dann wird es immer wieder zu Problemen und Mißverständnissen kommen. Je älter die Menschen in eurem Umfeld werden, desto mehr Aufklärungsarbeit solltet ihr leisten, früher gab es "sowas" halt nicht. Wer am Ende eures Anteils der Arbeit immer noch meckert, der kann euch den Buckel runterrutschen.
Aber ihr tragt maßgeblich dazu bei, wie euer Umfeld euch und euer Kind wahrnimmt.

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Abgesehen davon das wir überhaupt keine weiteren Menschen treffen im Moment da wir es verantwortungslos finden und dafür keine Richtlinien brauchen sondern gesunden Menschenverstand haben...
Dies hat nichts mit Zeigefinger zutun,was muss noch passieren....
Diese SM wäre für mich in dem Ton auch gestorben.
Muss ich meinem besonderen Kind nicht zumuten.
Mein Neffe hat auch eine (denke ich) gleiche Problematik die aber von allen liebevoll aber konsequent in die richtige Bahn gelenkt wird und damit kommen alle zurecht und das Kerlchen wird nicht abgewertet.
Der Bub ist hier immer willkommen und es klappt finde ich immer besser.
Eine Freifahrtschein ist seine Besonderheit aber nicht,meine beste Freundin hat ein ADHS Kind und die darf nicht mehr kommen,da die Mutter der Meinung ist,Kind braucht keine Erziehung.
Wie es wirklich bei Euch ist,kannst nur Du beantworten.

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Abgesehen davon, dass Corona gar nicht Thema der Frage war, glaube ich nicht, dass du keinerlei Menschen triffst derzeit. Einkauf, Post, Arzt, das wäre ja dann überall verantwortungslos. Corona ist ernst zunehmend, aber es gibt nun mal gesetzliche Auflagen und danach richten wir uns. Weil diese hoffentlich auch durchdacht sind.
Wenn doch, dann hoffe ich, du vereinsamst nicht an dem Virus. Alles mit Bedacht, Abstand, Maske, Hände waschen.