Vergangenheit und Familie

Hallo,

Ich schreibe hier, weil ich nicht weiß wie ich damit umgehen soll oder was ich tun soll.

In meiner Familie habe ich mit 3 Menschen keinen Kontakt mehr. Bin aber immer im Zwiespalt...

Kurz gesagt: fehlende Liebe meiner Oma, Ein Vater, der mich und meine Schwester unter sich und meine Mutter aufgeteilt hat und eine Schwester, die durch die ganzen Manipulationen der beiden mich als Buhmann sah: die grundlos eifersüchtig Schwester.

Länger gesagt: mein größter Fehler war, dass ich als kleines Kind eine totales Mamakind war. Weder meine Oma noch mein Vater haben es akzeptieren können und nahmen das SEHR persönlich. Zudem lebte meine Oma zu gern in der Familie Bevorzugung aus. Sie zeigte es den unglücklichen was es bedeutet, sie nicht als die wichtigste Person im Leben zu vergöttert.

Meine Schwester dagegen war ein totales oma-kind. Tja... das zog sich mein Leben lang durch. Mir zeigte sie was ich alles "verpassen würde" und meiner Schwester legte sie den floh ins Ohr, dass meine Anschuldigungen lediglich aus Eifersucht stammen würden, die unsere Mutter noch bestärken würden und sie mir doch das gleiche geben würde wie sie. Ich hab über 10 Jahre hinweg mehrmals versucht mit ihr drüber zu reden. Hat nichts gebracht. Akzeptieren konnte ichs nicht und irgendwann hab ich aufgegeben.

Mein Vater zeigte es mir vor allem nach der Scheidung. Ich glaub dadurch dass er meine Oma als Mutter hatte, war er einfach nicht in der Lage 2 Kinder gleich zu lieben und empfand das als völlig normal. Also teilte er mit der Scheidung auch die Kinder auf. Wenn ich mit Problemen oder Sorgen zu ihm ging hörte ich die ganze Zeit nur "dir geht's doch gut. Du hast die Mama. Deiner Schwester geht's schlechter."

Also hab ich von beiden Personen immer nur die Erfahrung gemacht, dass meine Schwester viel mehr wert ist als ich.

Dann meine Schwester... Dadurch dass sie selbst so ihre Probleme hat, hat sie es sich irgendwann angewöhnt es an mir auszulassen. Was der Beziehung ja super vorteilhaft zugute kam... nicht! Auch durch den starken Einfluss nach der Trennung unserer Eltern durch meinem Vater und Oma, bekam sie das Bild, dass unsere Mutter mich bevorzugen würde, ich eine Lügner sei und unsere Mutter mich gegen sie aufhetzen würde. Also war sie dann am Ende total sauer und wütend auf mich und meine Mutter. Was wieder zu Problemen führte. Sie wanderte mit 17 sogar aus, aber bis ich mit 30 den Kontakt komplett abbrach, war sie eine sehr flatterhafte und verletzend Person. Sie wollte immer eine gute Beziehung, aber es musste nur um sie gehen. Gefiel ihr ein Verhalten von uns ihr nicht, brach sie den Kontakt ab und warf mir alles mögliche gegen den Kopf.

Das alles waren (für mich) sehr starke Verletzungen.

Ich hab es aber mittlerweile gelernt (nachdem ich seit gut 3 Jahren Abstand von den 3 hab) ihnen ihr Verhalten zu verzeihen. Aber es entschuldigt dennoch ihr Verhalten nicht und auch nicht, dass ich mit ihnen fast ein jahrzehnt darüber mal reden wollte und sie mich knapp 30 Jahren nur verletzt haben...

Aber immer wieder vermisse ich sie. Ich hätte so gern wieder Kontakt... hab aber zu große Angst wieder mal verletzt zu werden.

Vor allem hatte ich um meine Kinder Angst. Das war ja der Auslöser, weswegen ich die Kontakte komplett aufgegeben hab.

Meine Oma kann ich einfach nicht verzeihen dass sie meine Schwester so sehr auf mich gehetzt hat. Daher hatte ich schon davor kein Kontakt mehr mit ihr. Mein Vater brach ich dann beim 2. Kind den Kontakt ab. Bei der großen jammerte er schon sehr stark rum, dass sie ihn nicht lieben würde, weil sie ein omakind sei. Ich hab ihn so oft versucht dann zu erklären, dass das bei Kleinkinder normal sei eine bezugsperson zu haben. Und dass das nicht aussagt, wen ein Kind Am meisten lieb hat. Als das 2. Kind da war, war dann seine Aussage "Oma hat die große. Ich den kleinen." Und trotz gespräche blieb er dabei. Und da ich nicht wollte dass die Kinder das selbe erleben müssen wie ich und meine schwester, hab ich dann den Kontakt komplett abgebrochen. Bei meiner Schwester wars dann, bevor der mittlere 1 wurde die letzte Chance zu bleiben. Aber weil ich sie nicht als Patentante auswählte sondern (mit ihren Worten) die nicht richtige Tante (also die Frau vom Bruder meines Mannes), hat sie wieder mal den Kontakt abgebrochen und mir sonst alles gegen den Kopf geworfen.

Was würdet ihr tun?

Einerseits bin ich froh, sie nicht mehr im Leben zu haben, andererseits hätte ich sie aber gern wieder Im Leben.

Ich denke ich renne einer wunschvorstellung hinterher... Ich glaub die Vorstellung, mit ihnen friedlich zu leben lässt mich sie vermissen...

Denn was sie in 30 Jahren nicht gelernt haben werden sie bestimmt auch nicht in 30 Jahren lernen. Oder?

Danke fürs lesen.

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P.s. mit dem "ich hab gelernt ihnen zu verzeihen". Mein ich, dass ich nicht mehr wütend auf sie bin. Ich weiß warum sie so sind wie sie sind und mich so behandelt haben wie sie es behandelt haben. Ich bin auch teils sogar dankbar drüber, weil ich weiß wie ich es bei meinem Kindern besser machen kann und sie vor sowas schützen kann.

Aber es verzeiht halt dennoch nicht wie sie mich behandelt haben. Es ist ja nicht so als ob ich nicht versucht hätte drauf aufmerksam zu machen und mit ihnen zu reden. Und es nimmt mir eben auch nicht die Angst wieder verletzt zu werden.

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Hallo, ich glaube, ihr hängt beide in eurer Wahrnehmung fest. Du fühlst dich von deinem Vater und deiner Oma benachteiligt, sie fühlt sich offensichtlich von deiner Mutter zurück gesetzt. Solange ihr beide in diesem Empfinden lebt, werdet ihr euch auch nicht mehr nahekommen.
Ihr müsst beide einen Schlußstrich ziehen. Vielleicht haben da alle Erwachsenen falsch reagiert, dein Vater und Oma standen auf der einen Seite, deine Mutter auf der anderen. Und jede Partei hat ein Kind an sich gezogen und ihm eingeredet, die andere Partei ist die, die dich eh nicht liebt.
Jetzt seid ihr selber erwachsen. Wenn ihr zusammen finden wollt, dann lasst diese "Wer hat wen lieber gehabt" Geschichte hinter euch und fangt neu an.
Alles Gute

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Mhh klingt einleuchtend... danke 😊

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hallo,

bei deinem Beitrag sind mir ganz stark Muster in deiner Familie aufgefallen, deren mögliche Weitergabe du in Bezug auf deine Kinder unterbunden bzw. verhindert hast. Das finde ich toll!

Für mich klingt es auch nach Wunschvorstellung bzw. Wunsch nach einer intakten Familie...was ich auch durchaus als legitim ansehe.

Manchmal ist das aber leider nicht möglich und dann braucht es einen Trauerprozess, um einen Umgang für sich zu finden, um wirklich abschließen und akzeptieren zu können. Vielleicht fehlt dir dieser - bewusste - Trauerprozess.

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Hallo Nora,

"mein größter Fehler war, dass ich als kleines Kind eine totales Mamakind war. "

Nein, das war nicht dein Fehler. Es ist ganz normal das Kinder sich meist mehr zu einem Elternteil hingezogen fühlen.

Den großen Fehler haben die Erwachsenen gemacht und nicht ihr Kinder. Die Erwachsen haben euch Kinder dazu benutzt um ihre Interessen durchzusetzen und eventuell den anderen Partner zu schädigen. Scheinbar haben sie einen Rosenkrieg auf euren Rücken ausgetragen. Ihr Kinder seid die Opfer des Fehlverhaltens der Erwachsen.

Freundliche Grüße

blaue-Rose

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Richtig, du rennst einem Idealbild hinterher, doch es ist nicht existent.

Ich würde gar nichts mehr in die Richtung unternehmen, sondern mich auf Menschen fokussieren, die mir gut tun. Das muss nicht zwingend die Verwandtschaft sein.

Du wirst deine Verwandten nicht mehr bekehren können. Es 10 Jahre im Guten versucht zu haben ist genug.
Versuch damit abzuschließen. Es ist wie es ist.

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Ganz schön bekloppt wie kindisch sich alle Erwachsenen an euch abreagiert haben und euch manipuliert und auf Seiten gezogen haben nur um diesen komischen Kleinkrieg untereinander zu entscheiden.

Ihr ward Kinder. Verzeih dir selbst. Als Kind will man immer Harmonie mit beiden Eltern und beiden Seiten der Familie, hat aber trotzdem einfach seine Präferenzen. Die Sehnsucht danach, dass das akzeptiert wird, wird dich wohl nie verlassen, da sie nie gestillt worden ist, darum zieht es dich immer wieder dahin, aber wenn Du heilen willst, solltest du das da therapeutisch aufarbeiten und dir eine gesunde Portion Abstand gönnen. Du solltest dich einfach auf dein eigenes Leben konzentrieren und vorerst mehr Distanz zu deiner Herkunftsfamilie schaffen. Solange es dieses ungesunde Muster gibt und du noch nicht weißt, wie du das für dich durchbrichst, werden die dich immer wieder in diesen Sumpf ziehen und verletzen. Du brauchst Abstand davon. Mit Abstand wirst du das Theater da anders sehen und anders damit umgehen können.