Wird man irgendwann so wie seine Eltern?

Hallo,

hier gibt es immer Mal wieder Beiträge, dass Erwachsene nicht mit ihren Eltern klar kommen. Bei mir ist es ähnlich. Und ich frage mich, ob ich meine Kinder auch irgendwann unfair behandeln werde. Gehört das zum Leben dazu? Im Alter verbittert und gelangweilt zu sein? Ärgert man sich irgendwann so sehr über seine eigenen Eltern, dass man das Verhalten kopiert?

Meiner Meinung nach bin ich eine ganz nette zu meinen Eltern. Rufe regelmäßig an, höre mir alte Geschichte zum x-ten Mal interessiert an, zeige meine Bewunderung wenn sich mein Vater beweihräuchert usw. Ich mache das aus Nächstenliebe, auch ein bisschen aus Mitleid. Erwartungen, dass er sich für mich interessiert, habe ich nicht.

Aber momentan hat mein Vater wieder so eine Phase, inder er richtig verletztend ist. Als würde er irgendwie spinnen. Davor war er erträglich, es war fast schon nett mit ihm zu reden. Und dann wieder so ein Kotzbrocken. Ob ich auch Mal so werde? Entscheiden sich die Menschen bewusst so unfair zu sein?
Sagt man nicht immer, dass man zu seinen Kindern auch so wird, wie die eigenen Eltern waren?

15

Hallo,

wenn man sich damit beschäftigt, sich selber immer wieder reflektiert und auch das Verhalten hinterfragt, dann ist man auf einem guten Weg.
Man darf es nur nicht schleifen lassen, sondern man muss sich selber hier immer wieder updaten. Dann klappt es recht gut.

Nur ein paar Beispiele aus meiner Kindheit:

Versohlt wurden meine geschwister und ich öfters, auch Backpfeifen gab es.
Teils aus gar nicht mal so tragischen Gründen.
Kinder der 80er hin oder her, aber das muss nicht sein. Heute sowieso nicht aber auch damals wäre es definitiv nicht nötig gewesen, weil es an der Situation nichts (mehr) verändert.
Meine Kinder haben auch schon Schoten gebracht, bei denen ich garantiert versohlt worden wäre. Das kam mir immer wieder in den Kopf - mein Sohn brachte neulich ein Ding bei dem er fast unsere Badezimmerabflüsse bis in die Ewigkeit mit selber zusammengepantschter Betonmasse verstopft hätte und mein Mann hat es im letzten Augenblick gemerkt.
Ich stand kurz vor einer inneren Kernschmelze, ohne Witz, ich war stocksauer.
Aber ich bin erst mal raus aus der Situation und habe später mit dem Herrn Sohn geredet und er beichtete mir, dass er gerne selber Kreide herstellen wollte. #kratz
Und da wurde mir das wieder bewusst, dass er das nicht aus Böswilligkeit sondern unabsichtlich gemacht hat und wir haben am Abend darüber geredet. Und ihm erklärt, dass man so keine Kreide herstellt, dass wir keine Experimente im Alleingang mehr wollen und wenn er Kreide braucht, dann bringen wir ihm gerne welche vom nächsten Einkauf mit.



Ich wurde mal verdroschen, weil ich mit 7 jahren einer Klassenkameradin einen Duftradierer stibitzt habe. Das Problem war, dass so ziemlich jeder in der Klasse solchen Klimbim hatte, nur ich bekam es trotz aller Wünsche nicht, meine Mutter meinte zu allem nur "NEEEEEIN!" und ich soll mich auf die Schule konzentrieren, fertig.
Da habe ich einen Radierer von einem Mädel stibitzt, die davon massig hatte, in allen möglichen Farben und Düften. Lila, in Wolkenform.
Rückblickend würde ich anders reagieren - ich finde auch nicht alles prickelnd, was bei meinen Kindern als "der heiße Shit" in der Schule gilt. Aber an einem Radiergummi oder so einem Kruscht sollte es nicht scheitern, wenn sonst alles okay ist.
Meine Kids bringen unter der Woche auch mal Flaschen zum Container, räumen die Spüli aus und wenn dann mal so ein Wunsch im Raum schwebt, dann wird da nicht lange rumgezickt. Ich denke meiner Mutter ging es damals mehr ums Prinzip, was ich schade finde.
Den Ärger hätte man sich sparen können - ich hätte ihn auch nicht einstecken müssen, aber ich wollte halt irgendwo mithalten und fand es als Kind unfair.


Dieses Verbitterte hatten meine Eltern schon immer. Vor allem wegen dieser ewigen Vergleicherei.

Das konnte schon morgens beim Frühstückstisch losgehen.
Samstag, die Sonne scheint, man hat gute Laune.

Und meine Mutter hat meinetwegen beim Bäcker irgendwas aufgeschnappt was der Sohn oder die Tochter von jemand anderem macht. Und sie kam heim, verkniffener Mund, kurz angebunden. Und wenn man fragte, was denn los sei, kam erst mal schnippisch und zickig ein "Nix!!!" und wenn man nochmal nachhakte, platzte es aus ihr raus.

Von klein auf.

Hatte ich eine 2 in Mathe, dann hatte die Barbara gegenüber aber eine 1-!
War ich am Gymnasium, dann war der Matthias aber schon früher mit dem Abi fertig (Kunststück, er war ja auch älter).
Die Julia hatte auf dem Fest aber ein schöneres Kleid an.
Die Simone war aber schöner frisiert.
Die Sonja hat aber einen tolleren Freund als Du!
Die Doris geht auf eine ganz tolle Uni!
Die Mareike hat inzwischen ihren Doktor!
Der Markus hat schon ein Haus!
Der Robert ist bereits verheiratet.
Die Sarah kriegt schon das zweite Kind.
Die Hubers haben ein größeres Haus als wir
Die Schneider hat jetzt diese tolle Küchemaschine (wenn zur Sprache kam, ob meine Mutter sie auch will, wiegelte sie aber schnell wieder ab und meinte "Neeeiiiin, das brauche ich nicht! Nicht nötig!"). Diese falsche Bescheidenheit, die sie aber nur frustete.

usw.


Das hat mich bis ins Erwachsenenalter verfolgt, ich kann von mir sagen dass ich mein Leben im Griff habe, mich gut karrieremässig weiterentwickelt habe und meinen Eltern nicht auf der Tasche liege oder sie dauernd beansprucht habe, um Kinder zu hüten oder finanziell.
Und trotzdem war das Gras in anderen Gärten immer grüner.


Und immer wieder wurde mir in diesen blöden Monologen unterschwellig unter die Nase gerieben, dass ich ja nicht so viel erreicht hätte.
Argumente, dass in meinem (ebenfalls studierten) Beruf ein Doktor nicht so viel Sinn macht wie bei Mareike, die Jura studiert hat, waren vor allem meiner Mutter egal.
Sie sagte mir mal klipp und klar, dass sie von mir enttäuscht sei und mehr erwartet hätte.


Ich habe mir diese Vergleicherei abgewöhnt.
Ich unterstütze meine Kinder, ich achte auf meinen Mann und mich.
Aber es ist mir auch ein Stück weit egal, ob nun der Jan-Jonathan der Nachbarin aufs Gymnasium geht und meine Tochter auf die Realschule.
Oder ob die Nachbarin einen Doktortitel hat oder ihr Mann mehr verdient.

Ich nehme hier gerne diese Metapher, dass ich mit den Karten spielen muss, die mir das Leben gibt und hier das beste raushole was möglich ist.
Es hat Gründe, warum ich vielleicht keinen wissenschaftlichen Beruf sondern einen kreativen ergriffen habe, und das ist gut so.
Ich könnte und wollte es gar nicht anders.
Und genauso sehe ich es bei meinen Kindern, ich achte darauf dass ihrr Bedürfnisse gefordert und gefördert werden, aber eben auf dem richtigen "Level".






Oder wenn irgendwas nicht nach ihrer Nase lief.

Wenn sie irgendwelche Erwartungen hatte, diese aber nicht aussprach und klar kommunizierte. Und dann am Ende des Tages eingeschnappt war, weil wir nicht in dieses Café oder jenen Laden gegangen sind.

Das habe ich mir komplett angewöhnt, dass ich Wünsche klar kommuniziere.
Ich habe das immer gehasst, dieser undurchsichtige Nebel, man wusste nicht was sie wollte und hinterher gab es dann die Packung was man alles falsch gemacht hat.
Wenn ich mit der Familie einen Stadtbummel mache und z.B. das Café XY gerne besuchen würde, dann sage ich das bereits morgens am Frühstückstisch. "Ich würde heute gerne mit Euch ins Café XY gehen und dort ein Stück Kuchen essen!"
Oder "Ich will in diesen oder jenen Laden mal gehen!"
Wenn mein Mann und die Kinder da keinen Bock drauf haben, dann trennen wir uns halt und sie können woanders hingehen oder ein Eis essen oder in den Park, whatever. Und ich gehe dann eben mal kurz alleine. Umgekehrt dürfen sie genauso ihre Wünsche äussern.

Und es steht nirgends in Stein gemeißelt, dass man im Alter verbittert und gelangweilt sein muss. Da kann jeder selber gegensteuern, wenn man sich auch auf manches mal einlässt, sich für neue Dinge ineteressiert und eben nicht immer vergleicht und aufwiegt. Es bringt einen überhaupt nicht weiter.

20

Das hört sich wirklich furchtbar an. Ja, meine Mutter ist ähnlich. Das kenne ich auch, dass Wünsche von Kindern total übergangen, und gar nicht ernstgenommen werden. Ich wollte z.B. mit als man einmal in der Kindergruppe von der Kirche eine Nachtwanderung machen wollte. Da hat meine Mutter nur den Kopf geschüttelt, was das denn soll. Nachts soll man doch schlafen und nicht wandern.

Oder dass ich eine Ohrfeige bekam, weil ich zum Nachbarsjungen "Hallo Manfred" sagte. Meine Mutter hatte sich nämlich gerade mit seiner Mutter gestritten. Solche Dinge - dass man plötzlich für etwas bestraft wurde, wovon man entweder keine Ahnung hatte, oder was jedenfalls ganz normal war, das passierte öfters. Nein, das könnte ich nie tun mit meinen Kindern.

1

Ich denke schon, dass man gewisse Erziehungsmuster und Verhaltensweisen von seinen Eltern übernimmt, sicher nicht alle.
Ich habe es zum Beispiel sehr schlimm gefunden und hasse es jetzt, seitdem ich eigene Kinder habe, wenn meine Mutter nach den Streits mit meinem Papa vor uns geweint hat und uns damit und mit ihren abfälligen Bemerkungen über ihn manipuliert hat.
Sie hat das so gut gemacht, dass ich immer dachte, mein Vater sei der Böse und der Schuldige und sie das arme Opfer.
Erst im Jugendalter erkannte ich, dass es oftmals anders herum war oder zumindest ausgeglichen. Ihre Masche war es, immer auf die Tränendrüse zu drücken, übrigens die ihrer Mutter auch.
Nun ärgert mich tatsächlich, dass ich auch oft bei Streits meine Tränen nicht unter Kontrolle habe, zumindest gegenüber meinem Mann nicht. Er wirft mir dann auch diese Heulmasche vor, obwohl ich das nicht absichtlich mache, aber vielleicht hat sich dadurch diese Ausdrucksweise bei Ärger verfestigt.
Was ich auf jeden Fall nicht mache, ist, vor meinen Kindern zu weinen (also nicht nie, aber zumindest nicht wegen emotionaler Überforderung um eine Betroffenheit beim gegenüber auszulösen) und ich versuche auf keinen Fall mit meinem Mann vor den Kindern zu streiten. Das war einfach zu schlimm für uns in der Kindheit.
Jede anfangende Diskussion die im Streit enden würde, unterbinde ich mit der Bitte, später, wenn die Kinder im Bett sind, darüber weiter zu sprechen.
Mein Vater war ein ausgeglichener Mensch und guter Zuhörer. Diese Eigenschaften sehen andere in mir auch.
Eine weitere Eigenschaft, welche mich aus meiner Erziehung geprägt hat, ist, dass mir wichtig ist, was andere von unseren Kindern denken.
Ich hasse es, aber ich schäme mich zu oft für ungezogenes Verhalten meiner Kinder.
Gehorsam und vorbildliches Verhalten spielten in meiner eigenen Erziehung eine zentrale Rolle.
Davon werde ich oftmals auch in meiner Kindererziehung eingeholt.
Zum Beispiel ist mir ganz wichtig, dass meine Kinder meiner Mutter gegenüber wohlerzogen sind.
Es nervt mich, dass dies mir wichtig ist, weil ich weiß, dass es anerzogen ist und ich mich davon nicht distanzieren kann.
Wahrscheinlich werden meine Kinder mal auch wollen, dass sich ihre Kinder mir gegenüber gehorsam und wohlerzogen verhalten.
Jetzt tanzt unser Kleiner hier oftmals aus der Reihe, während die Große wunderbar in dieses Bild passt.
Ich glaube auch, dass meine Mama sie deshalb lieber hat, auch wenn sie es nicht zugegeben würde und das trifft mich wiederum und ich möchte am liebsten, dass er auch so schön angepasst ist, wie sie. Schrecklich oder?

3

Fühl dich unbekannter weise gedrückt. Du machst alles großartig! 🤗

5

Wer so reflektiert und bemüht ist macht alleine dadurch schon sehr viel besser! Kopf hoch und weiter so!

weiteren Kommentar laden
2

Ich empfand meine Kindheit und Jugend als perfekt und meine Eltern als die tollsten Menschen der Welt. Es war mega interessant als ich dann erwachsen geworden bin, meine Eltern nicht mehr nur als meine Eltern sondern als Menschen wahrzunehmen. Gerade wenn man selbst ein Kind bekommt reflektiert man da doch sehr viel und ich habe gerade von meiner Mutter leider ein paar nicht ganz so schöne Eigenschaften mitbekommen 😬

Es gibt ja diesen Spruch
"Sieh dir deine Schwiegermutter an und du weißt wie deine Frau in 30 Jahren aussieht."

Gegen das Aussehen habe ich nichts 😄 und gegen viele Charaktereigenschaft auch nicht. Gegen andere kämpfe ich an, gerade weil ich an meiner Mutter ja live sehen kann wie nervig die für die Personen um sie herum sind und wie doof auch für einen selbst.

Also ich glaube, es ist nicht nicht vorherbestimmt, aber wenn man zu den gleichen Charaktereigenschaften neigt muss man schon aktiv gegen an arbeiten um nicht genauso zu werden 😅 und das ist defintiv ein sich wandelnder Prozess den man selbst mitbestimmen kann.

4

Da sprichst du was an...
Mein Vater wird immer mehr wie sein Vater und er merkt es sogar manchmal und sagt dann offen und ehrlich, wie scheiße er das findet, mich so zu behandeln mir mein Leben immer so vorschreiben will und ich in seine Augen nichts richtig mache, unter dem Argument, mir soll es doch einfach besser gehen als ihm...
Dabei sieht er nicht, dass es mir und meiner Familie verdammt gut geht. Er ist auch viel nachsichtiger mit seinen Enkeln, was ich mittlerweile zähneknirschend einfach hinnehme. Meine Mama ist einfach etwas besserwisserisch und erzählt auch tausende mal die gleichen Sachen, was mir innerlich manchmal den Blutdruck hochtreibt, mich aber nicht "umbringt" ihr einfach dann etwas gelangweilt zuzuhören. Und dann erwische ich mich dabei, wie ich exakt wie meine Mutter mit meinem eigenen Mann rede, einen Klugscheißer Tonfall vom feinsten drauf habe und die gleiche Geschichte schon wieder erzähle...
Und dann denke ich mir, ahhh nein tu das nicht, du hasst es so sehr bei deinen Eltern.
Also ja, ich denke man kann sich bemühen... aber ganz abstellen kann man es wohl nicht und ich wette, auch ich werden meine ki der das eine oder andere mal ungerecht behandeln, mich ungerechtfertigt einmischen und behaupten "doch nur das beste für sie zu wissen und zu wollen"...

7

Teilweise schon, ich kenne in meinem Umfeld aber auch Leute, die es geschafft haben sich krass zu distanzieren von den Eltern und deren Art, oft aber auch mit Konflikten oder totalem Kontaktabbruch.
Das Gemeine ist, dass man nie bequem und nachlässig werden darf, wenn man die Muster aus der Kindheit nicht wiederholen will. Und das kostet Kraft, je älter man wird, desto mehr. Ich schwöre mir das auch, zB nicht in solche Negativspiralen zu rutschen wie meine Mutter...prompt hab ich mich erwischt, wie ich in einer drin war mit meinem Sohn. Und es ist anstrengend und schmerzhaft, da wieder rauszufinden. Je älter man wird, desto weniger Bock hat man, an sich zu arbeiten. Ich rede nicht von 40 oder 50, sondern von den Leuten ab 70 aufwärts.. da merke ich oft nichts von Altersweisheit, sondern bemerke, dass die Leute sich gehen lassen in ihren Verhaltensweisen.

8

Ich denke schon, dass man sich gewisse Eigenschaften "abgucken" kann, aber eher im jungen Alter als später. Aber ich bin auch der Überzeugung, dass solche Sachen wie Charakter in gewisser Weise vererbt werden können bzw. in der (früh-) kindlichen Prägungsphase vom Kind - natürlich unbewusst - verinnerlicht werden.

Dass dein Vater sich daneben verhält liegt vllt. an etwas, dass ihn belastet? Vermutlich die momentane für alle so harte Zeit. Der Lockdown ist für alle hart, aber es gibt eben Menschen, die ihre "Laune" und ihren Frust an anderen rauslassen.

Du hast jetzt das Bewusstsein dafür und das hilft auf jeden Fall, selbst nicht so zu werden.

Meine Mutter hat ganz ganz viele Charaktereigenschaften, die ich tatsächlich verabscheue. Ich liebe sie, aber der Kontakt ist durch meine Entscheidung auf ein absolutes Minimum beschränkt. GsD trennen uns 450km, sodass wir nur telefonieren. Ich sitz dann auch öfter mal da und rolle mit den Augen, wenn sie irgendwas von sich gibt, was eben zum Augenrollen ist 😆 Diskussionen fange ich aber nicht mehr an, das führt zu nix.

Aber ich weiß, dass ich solange ich im Besitz meiner geistigen Kräfte bin niemals so werde wie sie. Ich habe das natürlich auch schon mit Freunden besprochen, hab mich erklärt, warum ich so über meine Mutter denke, und sie wissen, dass ich jederzeit offen für Kritik bin, sollten sie an mir etwas erkennen, das untypisch für mich ist oder darauf hinweist, dass ich mich verändere.

9

... denn manchmal merkt man ja selbst nicht, wenn man sich verändert.

10

Da ich, auch nach Aussagen einiger Verwandter, offenbar den Charakter meines Vaters erbte, ist alles in Ordnung :-)
Schon mit 15 schwor ich mir, nie wie meine Mutter zu werden und das schaffte ich zu 100%. Man kann sehr viel an sich arbeiten, gerade auch in jungen Jahren.
Man kennt die Muster doch, die man nicht will. Warum man dann trotzdem in diese Falle tappt, weiß ich nicht. Ich denke mal, meine Tochter und meine Nichten würden mich sehr schnell ordentlich zurechtrücken#zitter, die kannten ihre Oma ja.
Ich glaube auch nicht, dass ich mich noch viel verändere, höchstens ich würde krank. Aber da steckt ja keiner drin.
LG Moni

11

Ich bin meiner mum optisch sehr ähnlich und bin vom Verhalten/denkweise/Charakter her auch wie sie.
Ich bin da aber keineswegs traurig drüber.

Aber was ich als erstes dachte als ich deinen Text vom "kotzbrocken" las, war :
Ob der Vater wohl schon recht betagt ist? Ist er evtl krank? Demenzielle Entwicklung? Depressionen?

17

Du hast schon Recht. Er ist häufig beim Arzt und man weiß eigentlich nie genau weshalb. Ich vermute, dass es Vorsorge Untersuchungen sind. Er macht immer so auf ganz krank mit viel Tamtam aber richtig aufklären tut er nicht.

12

Hallo liebe TE,

ich hoffe es nicht, dass ich so werde wie meine Mutter. Ich habe zu meinem Mann gesagt, wenn ich so werde wie sie, dann renn weg so schnell du kannst.

Zum einen gab es in meiner Kindheit und Jugend viel Gewalt (physisch und psychisch).
Das habe ich so gehasst und ich hasse es noch heute an ihr, weil sie der Meinung ist, wir (speziell ich) hätten das verdient. Meine letzte Ohrfeige gab sie mir, das war ich bereits über 30. Da hab ich mich vor ihr hingestellt und ihr ins Gesicht gesagt, dass das letzte Mal war, dass sie mich geschlagen hat. Beim nächsten mal bin weg für immer.
Auch heute noch wenn ein Kind ausflippt oder so, fällt der Satz: "na dem würde ich den Hintern versohlen"... auf die Frage was es bringt, wenn man einem ohnehin brüllenden Kind den Hintern versohlt, heißt es dann: er muss wissen wer das Sagen hat...:-[
Schrecklich... und ich verstehe meine Geschwister, dass sie ihre Kinder nicht alleine mit ihr lassen möchten, da sie ja auch diese Seite von ihr kennen. Sie ist zwar zu den Kindern eine liebevolle Oma aber die Unsicherheit bleibt.

Das manipulative, was du beschreibst kenn ich auch nur zu gut. Ich habe manchmal das Gefühl sie braucht es, einen Streit anzuzetteln, damit sie sich dann als Opfer darstellen kann. Da reicht ein Fliegenschiss auf dem Fenster oder ein abgefallenes Blütenblatt oder mein Vater macht nicht das passende Gesicht. Das geht teilweise schon morgens beim Frühstück - quasi auf nüchternen Magen los - das nur gemeckert und gejammert wird. Oft kommt sie dabei von Hölzken auf Stöcksken und es kann stundenlang so gehen.
Diesen Charakterzug habe ich in Ansätzen bei mir leider auch schon festgestellt und weil ich das an ihr so hasse, versuche ich dann aus der Situation zu gehen und eben genau dieses Gezeter zu vermeiden.

Insgesamt regt sie sich gern über alles und jeden auf, trägt das Leid der Welt auf ihren Schultern und jammert täglich über ihre Situation mit ihrem Mann, ihrer Mutter und jetzt natürlich Corona. Es wird alles schwarz gemalt und in ihrem Bekanntenkreis scheint es nur schwer kranke Menschen zu geben bei denen aber auch jegliche ärztliche Behandlung schief gelaufen ist. Hat man selbst eine Untersuchung oder OP vor... am besten nicht erzählen, da sowieso nur alles schief gehen kann. Mut machen oder positive Beispiele, das kommt bei ihr nicht vor. Alles ist negativ und schlecht.
Wenn man sie aus ihrem Jammertal rausholen möchte und etwas mit ihr unternimmt, wird nur gemeckert und alles ist irgendwie nicht recht. Es ist so dermaßen anstrengend geworden. Manchmal möchte ich einfach das Handy ausschalten, Telefon aus und nichts sehen und nichts hören.
Bei meinen Geschwistern macht sie das nicht in dem Maße, dass die permanent ihren Müll von denen auskippt. Das Vergnügen habe nur ich und wenn ich keine Lust habe mich damit auseinanderzusetzen bin ich "komisch", "höre nie zu", es wäre besser "wenn es vorbei wäre". Das ich selbst Familie habe, einen anstrengenden Job und wir auch unsere Sorgen haben, interessiert nicht. Es ist insgesamt so schwierig geworden. Mir fehlt auch der Hebel wo ich ansetzen kann. Eigentlich ist es an ihr, ihre Situation zu ändern, aber jammern und meckern ist da vielleicht einfacher.

Jetzt ist mein Text doch so lang geworden. Fühl dich gedrückt liebe TE und wir hoffen, dass wir nie so werden :-)

VG Der Muffin #klee