Was ist nur los?

Ihr Lieben,

ich brauche euren Rat. Mein Mann und ich sind seit 19 Jahren liiert und 11 davon verheiratet. Wir haben 2 Kinder (10 und 8 Jahre). Meine Schwiegereltern wohnen 300 km entfernt. Sie nehmen die Kinder meistens in den Ferien und unternehmen unheimlich viele, schöne Dinge mit ihnen.

Kurz zu mir: Seit 9 Jahren nehme ich Medikamente wegen einer sehr schweren Depression und Angststörung. Meine Dämonen habe ich besiegt und bin seit einem Jahr dabei, die Medikamente auszuschleichen.

Meine Schwiegermutter ist seit 2 Jahren in Rente. Sie hat sich so gefreut auf ihre neue Freiheit. Dann ging es los: sie aß kaum, lag viel im Bett, hatte Herzrasen und das Gefühl jeden Moment umzukippen. Wir waren damals zu Besuch und haben es live miterlebt. Schwiegermutter zog sich wieder zurück ins Bett. Ich ging ihr hinterher. Ich erzählte ihr erstmals von meiner psychischen Erkrankung, was sie als Vertrauensbeweis verstand. Meine Schwiegermutter wuchs in einer Zeit auf, wo psychische Erkrankungen als Schwäche galten und stigmatisiert wurden. Sie wollte es nicht wahrhaben, dass sie keinen Herzinfarkt o. ä. hat, sondern alles eine/mehrere Panikattacken waren.

Ostern 2021. Wir sind mit den Kindern zu den Schwiegereltern gefahren. Die Kinder fragten, ob wir alle Monopoly spielen. Schwiegermutter verneinte und ging ins Bett. Der Schwiegervater treudoof hinterher. Am hellerlichten Tag! Nochmal: wir fahren extra 300 km und die Schwiegereltern legen sich ins Bett. Es gab noch mehr solcher "Vorfälle". Es ging meiner Schwiegermutter zwischenzeitlich gut und Sie blühte auf, wenn die Kinder da waren.
Mein Mann und ich sind am Ostermontag zurück und die Kinder waren noch 4 Tage bei den Schwiegereltern. Am Wochenende kamen die vier zu uns. Am nächsten Morgen wollten die Schwiegereltern wieder nach Hause fahren. Wir aßen Frühstück. Die Kinder waren fertig mit dem Essen und fragten, ob sie aufstehen dürften (ja). Mein Jüngster nahm sich eine leere Zewa-Papprolle und fing an zu fechten. So weit, so gut. Schwiegermutter stand auf und ging zu meinem Jüngsten und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Keine Ahnung, was. Nun...mein Kind macht weiter. Schwiegermutter springt auf und sagt: ICH GEHE JETZT. Ich wusste gar nicht, was los war. Sie ging ins Bad, packte ihre Sachen. Dann bemerkte mein Schwiegervater dies und packte auch seine Sachen. Dann kam ein verächtliches "Tschüß!" Weg waren sie. Sie haben sich nicht gemeldet, dass sie angekommen sind. Nichts.

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Teil 2:

Ich war so sauer, enttäuscht, verletzt von diesem divenhaften Abgang. Die Kinder hatten Schuldgefühle. Das war wirklich schlimm für uns alle. Ich habe meiner Schwiegermutter geschrieben, warum das eben sein musste und was los war.

2 Tage haben wir nichts gehört. Dann klingelte mein Handy....

Um es kurz zu machen: Ihr war es zu laut. Sie sagte, sie hätte innerlich gebebt!! Sie sei zu alt für diesen Lärm.

Es war nicht laut. Wirklich! Wir als Eltern, weisen unsere Kinder schon darauf hin, wenn sie zu laut sind. Nun, sie gibt den Kindern die Schuld. Ich erkenne sie nicht mehr wieder.
Mein Mann hat die Nase voll, dass ich immer diejenige bin, die auf die Schwiegereltern zu geht, wenn es mal Ärger gab. Sie würden es nicht zu schätzen wissen.

Was würdet ihr tun? Seit dem Telefonat ist Funkstille. Ich bin wirklich traurig. Ich würde ihr gerne helfen, aber sie sieht nicht, dass sie krank ist.


Entschuldigt den langen Text.

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Hey,

erst einmal: Ich kann verstehen, dass das veränderte Verhalten dich irritiert.

Mir fällt dazu eine Geschichte aus meiner Nachbarschaft ein, die ähnlich klang. Da kam dann nach einiger Zeit heraus, dass die Schwiegermutter eine schleichende Demenz entwickelte. Und bevor das so richtig deutlich wurde, wurde sie vor allem sehr sehr „komisch“ (aggressiver, kindischer...).

Also natürlich will ich hier nichts aus der Ferne diagnostizieren, sondern wollte nur sagen, dass die starke Persönlichkeitsveränderung viele Ursachen haben kann und vielleicht gibt es ja eine Möglichkeit, deine Schwiegereltern zu ermutigen, sich evtl. auch medizinische Hilfe zu suchen?

Was du schreibst klingt - neben der emotionalen Herausforderung - auch besorgniserregend, finde ich.

Deinen Kindern kannst du vielleicht erklären, dass es Oma gerade nicht gut geht und dass sie keine Schuld haben, dass sie abgereist sind (hast du wahrscheinlich schon gemacht...).

Alles Gute für euch🌼