Pflegeheimkosten in NRW

Hallo,

nachdem meine Mutter kürzlich verstorben ist, muss ich meinen Stiefvater nun
in einem Pflegeheim unterbringen, da er nicht mehr allein leben kann.
Wir leben im Ruhrgebiet.

Nun kämpfe ich mich durch die Bürokratie und suche einen Platz und bin entsetzt, wie
teuer das ist! Ich habe bisher nichts unter 2700,- € Eigenanteil gefunden, das ist doch Wahnsinn! Und das sind Häuser, die nicht mal doll sind, nur absoluter Minimalstandard.

Mir ist klar, dass der Staat zuschiesst wenn es nicht reicht, aber es gibt doch so viele alte Leute die nur eine kleine Rente haben, da muss der Staat ja ständig einspringen?!
Die Rentner in meinem Familienkreis haben alle max. 2000,- €.

Ich weiß, dass wir hier in NRW die höchsten Preise haben, kommt mir dennoch arg viel vor. Mache ich irgendeinen Denkfehler?

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

LG, katzz

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Nein, habt ihr sicher nicht. Bei uns in der Gegend zahlst Du überall über 3.000 Euro dazu, eine Exkollegin zahlt in Bayern über 4.000 und sie ist KEIN Vollpflegefall, isst alleine, nicht dement o.ä, "nur" körperlich eingeschränkt und braucht Hilfe beim Waschen und Anziehen, mit über 90 nichts Außergewöhnliches.
Wenn man die Aufschlüsselungen der Kosten liest, fragt man sich, warum Altenpflegerinnen nicht besser bezahlt werden - es scheint ein rentables Geschäft zu sein.....für die Betreiber.
Ich habe keine schlechte Rente, aber ich werde im Fall des Falles auch den Staat bemühen müssen - trotz 49 Jahre Einzahlens in die Sozialversicherung.
Die Häuser, die ich kenne, sind keine "Residenzen" sondern ganz normale Altenheime und trotzdem - jede Kleinigkeit muss ja dann noch einzeln bezahlt werden..Viele Heimbewohner lassen z.B. ihre Wäsche von Verwandten waschen....
LG Moni

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"....es scheint ein rentables Geschäft zu sein.....für die Betreiber."

Das denke ich auch, er ist gerade in Kurzzeitpflege in einem normalen Heim und wenn ich mir das anschaue - traurig.

Da werde ich Vorsorge für mich treffen - das möchte ich so nicht erleben...
Da bin ich schon fast froh, dass meine Mutter vorher gegangen ist.


LG, katzz

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Klar, 2.700 Euro sind ne Menge Kohle.
Aber würdest du dich bereit erklären, eine Person 24/7 für diese Summe bestmöglich zu betreuen? #kratz

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Hallo,

Es gibt in NRW Zuschüsse wie das Pflegewohngeld. Lass dich am besten in einem der Heime beraten, die in Frage kommen. Die Mitarbeiter wissen gut Bescheid und helfen gerne. Auch, was Pflegegrade angeht.

Viele Grüße
lilavogel

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Hallo, das ist in der Tat sehr viel. Meine Mutter zahlt ca. 2.300 € dazu (Gesamtkosten ca. 4.450 €, ca. 2.150 € zahlt die Pflegekasse bei Pflegegrad 5 + Demenzzuschlag). Das gehört hier in Bremen schon zu den etwas teureren Heimen (Demenz-Schwerpunkt). Zum Glück war mein Vater Beamter, so dass die Beihilfe die Differenz zur Rente übernimmt, ansonsten müsste auch das Sozialamt einspringen. Wer Sparbücher oder ein Haus hat, muss das erstmal „aufbrauchen“. LG

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"Wer Sparbücher oder ein Haus hat, muss das erstmal „aufbrauchen“. "

Ja, das ist klar. Ein bischen Erspartes ist da aber nicht viel.

Er hat auch nur Pflegestufe zwei.

LG, katzz

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Meine Schwiegermutter ist seit 2014 im Pflegeheim. Mittlerweile Pflegegrad 5 (früher Pflegestufe 3). Sie ist hochgradig dement und kann überhaupt nichts mehr selber. Erkennt auch niemanden mehr.
Sie ist in einem Pflegeheim, was von einer Stiftung betrieben wird. Allerdings sind die Heimkosten hier im Umkreis nahezu identisch. Haben den direkten Vergleich, da in fast jedem Ort ein Pflegeheim ist und die Kosten auf der jeweiligen HP sehr transparent dargestellt sind.
Der Heimplatz kostet monatlich 4800 Euro. Es spielt keine Rolle ob der Heimbewohner Millionär ist oder nur eine karge Rente hat - die Kosten sind immer gleich - es gibt da auch keine Unterschiede in der Behandlung oder der Ausstattung des Zimmers. Die Pflegekasse zahlt 2000 Euro. Durch ihre Rente von 1100 Euro (eigene Rente und Witwenrente) bleiben noch 1700 Euro übrig, die finanziert werden müssen. Gibt es keine Kinder, die zahlungsfähig sind (der Selbstbehalt ist aber so hoch, da muss man schon sehr gut verdienen) oder Ersparnisse oder anderes Vermögen/Immobilien, dann zahlt der Staat.
In unserem Fall gibt es eine Immobilie, die verkauft wurde.

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Durch das neue Unterhaltsgesetz werden mittlerweile nur noch Angehörige mit einem Jahreseinkommen von 100.000 € zur Unterhaltsprüfung gebeten.

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Hallo,
Ehepartner und Lebenspartner werden aber direkt zum Unterhalt herangezogen.
Das Jahreseinkommen von 100.000 Euro gilt nur für Kinder.

D.h. wenn der Mann im Heim ist und das Geld nicht reicht, muss die Ehefrau für den Rest aufkommen, wenn Vermögen über 5000 Euro oder ein Haus da ist. Für den Schwiegerpapa lag der Eigenanteil fürs Pflegeheim bei etwa 2000 Euro (Rente 1800 Euro). Letztendlich musste das kleine Eigenheim verkauft werden, um die Kosten zu zahlen. Die Schwiegermutter war hauptsächlich Hausfrau und hatte kaum Rente.

Wer nix hat bekommt eine Pflegekostenübernahme durch das Sozialamt.

LG

Jesmila

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Hallo,
ja Heimkosten sind sehr hoch und man kann kaum dagegen anfinanzieren, mit normalem Renteneinkommen ohne Vermögen landen sehr viele Pflegebedürftige am Ende als Kunden bei uns im Sozialamt.

Die Heimkosten decken sich zum einem aus der Sachleistung der Pflegekasse und dann aus dem Einkommen des Heimbewohners.

Da die Sachleistungen der Pflegekasse im Vergleich zu den Heimkosten oft nicht mal 50% deckt, muss viel dazu gezahlt werden.

Kann das der Heimbewohner nicht, kann ein Antrag beim zuständigen Sozialamt gestellt werden.

Und ja, ein großer Teil der Pflegebedürftigen (ob Heimbewohner oder Gepflegter durch einen Pflegedienst) sind auf Sozialhilfe angewiesen. Ich würde sagen gut 1/3 unserer Kunden sind auf Sozialhilfe angewiesen, weil sie pflegebedürftig sind.

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Was kostet ein Hotel mit Vollpension?
Dazu noch Pflegeleistung.

Ein Pflegeheim ist keine Gelddruckmaschine.

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Offensichtlich schon, wenn man sich die ganzen Heime anschaut, die immer wieder wegen dubioser Machenschaften in den Medien auftauchen. Wenn da kein Geld zu holen wäre, gäbe es sicher keine privaten Gesellschaften, die immer wieder neue Heime eröffnen.

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2.700 Euro ist viel Geld.
Rechne aber mal realistisch Vollpension, Putz- und Wäscheservice, Therapiematerial, Unterkunft, Pflegeleistung, Hygienematerial

Nur für täglich aus dem Bett heben, Schiene anlegen, Hilfe bei der Körperhygiene, 2x Baden die Woche, Anziehen werden bei uns um die 1.000 Euro fällig im Monat. Das Meiste deckt die Pflegeversicherung. Auf die Std. ist es ok. Rechtsanwälte, Steuerberater und viele andere stehen dafür nicht auf.
Für Medikamentengabe, Versorgung offener Wunden braucht es Personal mit extra Ausbildung