Familienbesuch abblasen - Übertriebene Reaktion?

Kurz zur Vorgeschichte:
Lange Kinderwunschzeit, kurz vor dem Gang zur KiWuKlinik. Mehrere Verluste in dieser Zeit erlitten, letztendlich hat unser Regenbogenbaby beschlossen zu bleiben und uns zu glücklichen Eltern zu machen.

Ich war während der KiwuZeit immer sehr sensibel, was das Thema Kinderwunsch betrifft (eigentlich schon immer), aber aufgrund unserer schrecklichen Erfahrungen, war es für mich hart und unverständlich, wenn jemand nach unserer Kinderplanung fragte. Oberflächliche Fragen - kein Problem, aber in der Familie gab es den ein oder anderen, der am liebsten mit uns ins Bett gehüpft wäre, um sicher zu gehen, dass wir uns ja auch ganz sicher im aktiven Befruchtungsprozess befinden (etwas übertrieben, aber hoffentlich verständlich, was ich damit meine). Für mich waren diese Nachfragen, nach Schwangerschaft immer sehr schmerzlich, denn ich wünschte es mir so sehr und andere stellten es so dar, als wäre alles ganz einfach. Von unseren Verlusten und unseren Plänen wusste eigentlich kaum jemand, da haben wir uns immer bedeckt gehalten.

Zur eigentlichen Sache: 1x in der Woche trifft die Familie sich, meistens bei den Eltern, ab und zu lade ich auch ein, um Eltern zu entlasten, in der Vergangenheit wurden wir bei jeder Einladung gefragt, ob wir denn was zu verkünden hätten. Wir sind damals immer noch höflich geblieben und haben diese (komische) Frage mit einer Antwort gewürdigt. "Nein, wir möchten nur gerne die Familie einladen"... Wir haben tatsächlich mehrere Antwortvarianten probiert, diese Frage kam trotzdem ständig. Nun haben wir unser Baby, das lang erwünschte Enkelchen.
Nach langer Zeit wollte ich mal wieder einladen. Obwohl unser Baby erst vor kurzem geschlüpft ist und mittlerweile alle über unsere Geschichte bescheid wissen, kam die Frage: "Na, gibt's da etwa wieder Neuigkeiten?"
Ich würde mal sagen, diese Personen haben nichts aus der Vergangenheit gelernt.
Nun bin ich wirklich sauer und habe mich entschlossen, den Besuch wieder abzusagen. Ich habe absolut kein Interesse mehr, diese Leute, die über unsere schmerzliche Geschichte im Bilde sind, zu bewirten und in ihre Sensationsgierigen Gesichter zu sehen. Denn obwohl wir ein wunderbares Kind haben, trifft mich das Thema Kinderwunsch fast genauso wie vorher. Es besteht tatsächlich der Wunsch nach einem weiteren Kind, die Sorge ist jedoch erdrückend, ob wir wieder einen so steinigen Weg vor uns haben. Ich habe große Angst davor, was wir möglicherweise durchmachen müssen, wenn wir das Thema wieder in Angriff nehmen. Ich verstehe es nicht, wie Menschen so unsensibel sein können.
Mein Mann ist absolut dagegen, den Besuch bei uns abzusagen, ihm ist wichtig, den Frieden zu wahren. Er hat vielleicht auch ein bisschen Sorge davor, dass sich das Thema irgendwie hochkocht, durch Diskussionen und ich in ein tiefes Loch falle. Ich allerdings möchte in nächster Zeit erstmal nichts von diesen Personen hören oder sehen.

Bitte sagt ehrlich, ob ich mit meiner Reaktion übertreibe. Ich weiß selbst nicht, was richtig und was falsch ist, denn ich stecke viel zu tief in diesem Thema drin und kann wahrscheinlich grade gar nicht klar denken.

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Hallo Rainbowbear,

fühl dich gedrückt, da habt ihr wirklich einen steinigen Weg hinter euch und ich kann absolut alles nachvollziehen was du schreibst und wie du dich fühlst.
Du schreibst, dass diese Personen über eure schmerzliche Geschichte im Bilde sind. Was wenn du offen, direkt und harsch das nächste mal antwortest: schon vergessen? Ich bin schon Mutter von x Kindern. X im Herzen und von diesem hier. Da ihr alle wisst, was wir hinter uns haben und wie viel Schmerz wir erfahren haben, verbitte ich mir weitere Fragen in diese Richtung.

Was anderes kann ich dir leider auch nicht raten, außer das nochmal klar und deutlich zu sagen. Wenn es danach nicht nachlässt, dann würde ich den Kontakt auch so lange reduzieren bis sie es verstanden haben.

Sei stark, mach dich stark

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Ich kann dich da sehr gut verstehen und finde es auch nicht verwerflich mal ein Machtwort zu sprechen, auch im Freundes- oder Familienkreis. Oder sagen wir lieber: ehrlich die Meinung sagen. Denn nur so weiß das Gegenüber ja von dem Problem und nur so kann sich die Beziehung verbessern - sieh es so, du willst ja auch Harmonie, aber auf viel nachhaltigere Weise, als dein Mann!

Friede wahren um jeden Preis ist doch total oberflächlich.
Und dass er Sorge hat, dass eine Diskussion entsteht und es dir dann zu viel wird - was ist denn wenn nie eine Diskussion entsteht und du alles in dich hineinfrisst? Kann so oder so "Überkochen". Aber bei einem klärenden Gespräch wäre das definitiv besser.

Deinen Unmut kann ich übrigens sehr gut verstehen. Ich fände diese Kommentare auch total unangebracht und unsensibel. Wer sich so schlecht in mich hineinversetzen kann, bin ich mit demjenigen so gut befreundet, dass ich ihn zu mir nach Hause einlade? Ich meine nicht.

So wie es sich anhört kommen diese Personen eher aus den Reihen deines Mannes und die Kommunikation läuft normalerweise über deinen Mann? Wäre es denn sehr komisch, wenn du mal selbst da anrufst um die Sache zu klären? Ruhig, aber bestimmt.
Ansonsten solltest du vielleicht mit deinem Mann überlegen, was ihr zu den Personen sagen könnt.
Wie gesagt, für immer totschweigen kann auch nach hinten losgehen und richtig lösen kann man das nur durch Reden.
Wie kommt dein Mann denn mit diesen Sprüchen klar vor dem Hintergrund eurer Geschichte? Es kann ihn ja nicht völlig kalt lassen? Wie lange will er sich das mit anhören, wenn ihr dann mal an Nummer zwei dran seid? Will er in schweren Zeiten nicht lieber Verständnis von der Verwandtschaft als Energie darauf zu verschwenden Kommentare zu ignorieren und "den Frieden zu wahren"?
Und will er nicht noch lieber den Frieden mit seiner Ehefrau wahren?!

Mach deinem Mann nochmal klar, wie du dich fühlst und dass ignorieren letztendlich auch keine Harmonie schafft, vielleicht sogar im Gegenteil. Ich glaube er denkt da nicht weit genug.

Bis ihr das unter euch geklärt habt wäre es wohl gut das Treffen mit den Verwandten erstmal zu verschieben, da muss man ja erstmal auch keinen Grund nennen oder lass es Unwohlsein sein, Corona Verdacht oder sonstwas.

Ich hoffe ihr könnt das schnell klären und als Ehepaar gemeinsam an einem Strang ziehen und eine gemeinsame Linie finden wie ihr mit dem Thema in eurem Umfeld umgehen wollt.

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Vielen Dank für deine Antwort zu so früher Stunde.
Ja, es handelt sich um die Familie meines Mannes, aber eigentlich läuft die Kommunikation auch zwischen mir und seinen Eltern ganz gut. Wenn mir etwas nicht passt, dann sag ich das. Auch in diesem Fall. Doch leider stoße ich seit Jahren auf taube Ohren, egal um welches Thema es sich handelt, aber beim Thema Kinderplanung, ganz besonders. Ich habe auch schon mehrfach meinen Mann geschickt, da ich davon ausgegangen bin, man würde auf ihn eher hören, leider Fehlanzeige.
Mein Mann bekommt es auch nicht immer mit, denn wenn es um organisatorische Angelegenheiten geht, kläre ich das nicht über ihn, sondern direkt ab. Die Antwort darauf, dass ich gerne mal wieder einladen möchte, ist fast immer gleich.
Bei einem Besuch in der Vergangenheit, zum Beispiel, wurde im Vorfeld nicht gefragt, ob wir Neuigkeiten zu verkünden haben. Hab mich gefreut, dass unsere Botschaft endlich angekommen und unser Wunsch respektiert wird. Beim Abschied an der Tür dann der Satz von einer ganz enttäuschten Mutter: "und ich dachte, ihr erzählt uns heute, dass ihr ein Baby bekommt." Nur wenige Tage zuvor mussten wir wieder mal ein Sternchen ziehen lassen. Das war wie ein Schlag in den Magen.

Wir haben wirklich schon viel versucht, mit Humor antworten, gar nicht antworten, Frage ignorieren, streng antworten, sogar wütend reagieren, es ist, als ob es aus dem Gedächtnis gelöscht wird. Immer wieder aufs Neue. Ich kann meinen Mann auch irgendwie verstehen, er möchte sich irgendwie damit arrangieren und damit leben, aber ich kann das nicht. Das ist in meinen Augen eine massive Grenzüberschreitung. Ich hab eigentlich auch keine andere Idee mehr, als dieses Statement zu setzen und den Besuch abzusagen, vielleicht mit der Begründung: "gibt ja keine Neuigkeiten zu verkünden." Andererseits möchte ich aber auch nicht wie ein trotziges Kind rüberkommen. Deshalb bin ich grade echt ratlos.
Soll man es einfach so hinnehmen und damit leben?

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"Bei einem Besuch in der Vergangenheit, zum Beispiel, wurde im Vorfeld nicht gefragt, ob wir Neuigkeiten zu verkünden haben. Hab mich gefreut, dass unsere Botschaft endlich angekommen und unser Wunsch respektiert wird. Beim Abschied an der Tür dann der Satz von einer ganz enttäuschten Mutter: "und ich dachte, ihr erzählt uns heute, dass ihr ein Baby bekommt." Nur wenige Tage zuvor mussten wir wieder mal ein Sternchen ziehen lassen. Das war wie ein Schlag in den Magen."

Verstehe ich das jetzt richtig, dass Du dann den Schmollenden Abzug gemacht hast?
Gib der Oma doch die Chance mitzutrauern! Du hast nicht nur Euer Kind sondern auch ihr Enkel ziehen lassen müssen. Was soll den passieren, wenn Du Klartext sprichst? Dass Dich Deine Mama in den Arm nimmt und ihr gemeinsam über den Verlust heult? Wäre wahrscheinlich sehr heilsam auch für Eure Beziehung...

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Ich finde deine Reaktion nicht übertrieben. Du merkst, dass dir diese Leute und ihre unsensiblen Fragen nicht gut tun. Und auch wenn es Familie ist, geht deine psychische Gesundheit vor. Es tut mir leid, dass ihr so einen schwierigen Weg hinter euch habt. Alles Gute!

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Wie unsensibel und verletzend. Unsere Verluste sind nur ein Bruchteil dessen was ihr durchmachen musstet aber mir dreht sich der Magen wenn ich mich in deine Situation reinversetze.

Achte auf dich und deine Seelenhygiene. Das ist ganz ganz wichtig. Weisst du nach dem Leidensweg bestimmt schon…

Ich würde es folgendermassen lösen. Ich würde für eine Weile auf diese Besuche nicht mehr mitgehen. Mit der klaren Ansage an alle, va aber Deinen Mann, dass das Mass voll und deine Schmerzgrenze überschritten ist und dass es so nicht mehr weiter geht.
Er kann gern einladen wenn ihm das wichtig ist. Aber du bist an dem Tag nicht da, zB bei Deinen Eltern. Er kann gern einkaufen, alle bewirten, danach aufräumen.
Und weil ich ein Fünkchen böse bin und er mit der Kocherei wohl genug zu tun hat - würde ich ihn entlasten und das Kind mitnehmen auf meinen Fluchtausflug.

Du kannst dieses Grundmass an Rücksicht und Filter von der Familie erwarten. Wenn sie es nicht leisten wollen leben sie mit den Konsequenzen ihres Handelns.

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Ich würde den Termin aufrecht erhalten um zu verkünden, das die Familien Planung abgeschlossen ist.
Vielleicht habt ihr dann Ruhe.
Geht sie doch nix an, vielleicht brauchen sie so ne Ansage .

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Aber ist sie denn abgeschlossen? Wie wäre es einfach mit der unmissverständlichen Wahrheit? Wir hätten gerne, aber wir mussten grade wieder ein Sternchen gehen lassen.
Geht es die Großeltern nichts an, dass sie Sternenenkel haben? Geht es die anderen nicht an, dass da eigentich noch mehr Nichten und Neffen wären? Vielleicht erfahrt ihr auch von Familienmitgliedern, die ihr nie kennengelernt habt... Ich war erstaunt, wieviele anfangen zu erzählen, wenn man selber offen ist. Macht die eigenen Verluste nicht kleiner, aber nimmt die Einsamkeit im Schmerz.

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Wenn die anderen so unsensibel sind und immer wieder in der gleichen Wunde bohren, muss man sich selber schützen und persönliche Informationen nicht mehr preisgeben.

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Ich würde das Treffen nicht absagen und die Chance nutzen das alle da sind und ein "Machtwort" sprechen.
Ich würde sowas sagen wie :
Ich habe euch doch erzählt was wir für einen schwierigen und sehr emotional belasteten Weg hinter uns haben , nun ist XY endlich geboren und wir sind über glücklich. Aber das Thema kinderwunsch und Nachwuchs ist immer noch sehr belastend für uns. Ich möchte in Zukunft nicht mehr vom einem von euch darauf angesprochen werden.
Wenn etwas zu verkünden ist, werdet ihr es aus unseren Mündern hören, wenn es soweit sein sollte.

So weiß jeder das es wirklich ein schweres Thema für euch ist und kann sich in Zukunft zurück nehmen. Und du/ihr konntet euch mal Luft machen.

Und sollte sich in Zukunft jemand nach solch einer Ansage doch daneben benehmen , wird es auf für jeder man nachvollziehbar sein, wenn derjenige dann ausgeladen wird.

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Ich habe in Bezug auf Kiwu auch schon einiges hinter mir, kanns daher zumindest teilweise nachvollziehen.

Bei deinem Post gewinne ich den Eindruck, dass du vielleicht nicht klar kommunizierst. Muss nicht so sein, klingt aber so.
Da lese ich viel von, haben niemand was erzählt und dann aber stumm immer gelitten anstatt direkt Klartext zu reden.
Zweitens, du bist hier sicher schon sehr sensibel, denn du interpretierst die Fragen negativ, "sensationsgierig" usw. Dabei sind das doch nur Menschen, die gerne (noch) ein Enkelkind hätten und halt offenbar nicht sonderlich empathisch sind.

Hast du denn schon mal klipp und klar, bestimmt aber ruhig direkt gesagt: "Ich möchte, dass ihr nicht mehr danach fragt und die Andeutungen sein lasst?"

Wenns ignoriert wird, halt mit Konsequenz "sonst laden wir euch nicht mehr ein".

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Doch, wir versuchen eigentlich immer sehr klar zu kommunizieren und unsere Meinung deutlich zu sagen. In diesem Fall brauchten wir allerdings erstmal unsere Zeit, um alles zu verarbeiten. Und wenn es nach mir ginge, hätte niemand je von unseren Verlusten erfahren, denn ich brauche kein Mitleid und trauere lieber für mich allein.
Der Grund, warum ich schrieb "Sensationsgier" ist folgende, ich habe doch vor kurzem erst ein Kind geboren. Ist das denn nichts? Warum muss man mich nach so kurzer Zeit schon wieder in den Wahnsinn treiben mit diesen Nachfragen? Ein anderer Grund dafür ist, dass wenn es doch mal Neuigkeiten gibt (Heiratsantrag usw...), direkt gefragt wird, ob meine Eltern es denn schon wissen und wann wir es ihnen gesagt haben und überhaupt, wer darüber schon Bescheid weiß. Neugierde kann ich in dem Fall ausschließen, denn es sind Sprüche in dem Zusammenhang gefallen, die ich hier nicht erwähnen möchte.

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Ich würde nichts absagen und die Situation nutzen, um ehrliche (nicht unfreundlich, aber bestimmt!) Worte zu finden.

Dass dich diese Nachfragen stark verletzen, doch jeder weiß, wie schwierig es mit dem Kinderwunsch bei euch war und du sie zwar alle gerne siehst, aber diese Stichelein kaum erträgst und das doch dann schade ist.

Hören sie nach dieser Ansage immer noch nicht auf, würde ich weiteren Kontakt ablehnen.

Frieden wahren würde ich null, deinen Frieden wahrt ja auch keiner 🤷‍♀️

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Hallo,

Sag doch dieser Person ganz klar und deutlich: Frag mich nie wieder nach Scgwangerschaft. Ansonsten kann ich dich nicht mehr einladen.

Manche Leute verstehen keinen Wink mit dem Zaunpfahl.

LG m.