Traurig. Meine Familie löst sich auf

Hallo.

Meine Familie war nie so eng verbunden.
Oft endeten Familienfeiern in Streits. Als meine Mutter einen neuen Mann kennengelernt hat, lud man uns gar nicht mehr ein. Der Kontakt zur Tante, Cousinen und Cousins brach ab. Ich war viel zu jung, um es zu verstehen und selbstständig handeln zu können (Kontakt aufrecht halten etc).

Mein Vater verliess meine Mutter, als ich 5 Jahre alt war und ich konnte nie eine enge Beziehung zu ihm aufbauen. Jetzt, schreibt man sich nur noch oberflächlich zu Weihnachten und Geburtstag. Von meiner Mutter höre ich nur negatives über meinen Vater. Sogar den Satz, dass er uns nicht wollte. Ich glaube, dass ich seitdem ein Problem mit meiner Selbstliebe habe. Ständig zweifle, dass mich Menschen wirklich lieben.

Ich habe sozusagen nur noch meine Mutter und meine Schwester. Mit meiner Schwester war ich allerdings nie sehr eng verbunden, weil sie mich in der Kindheit nicht immer nett behandelt hat (5Jahre Abstand). Bei meiner ersten Schwangerschaft liess sie mich ihre Eifersucht spüren. Sagte, ich würde alles vor ihr haben wollen. Dabei kann ich nichts dafür, wie es in ihrem Leben abläuft. Seitdem ist bei mir noch mehr Zweifel vorhanden, dass wir uns wirklich lieben, oder einfach nur tolerieren weil wir Geschwister sind. Wir haben Kontakt zueinander, jeden Tag fast (bin weggezogen und habe damals eine Gruppe in WhatsApp erstellt, da schreiben wir täglich). Aber, keine Ahnung.

Die Familie meines Freundes ist auch geschrumpft. Da sind auch nur noch wenige da, die man ab und zu mal sieht und trotzdem spürt man.. Das jeder sein Leben leben möchte. Dann schaue ich meine Tochter, wie heute, beim einschlafen zu und habe so ein schlechtes Gefühl. Sie wird nie erfahren wie eine enge Verbundenheit in der Familie ist. Mein Freund und ich sind die jüngsten und einzigen in der Familie, die ein kleines Kind haben.

Ich weiss, Familie bedeutet nicht unbedingt die Welt für jeden und man findet ja auch Freunde. Aber das bereitet mir auch Schwierigkeiten. Ich tue mir so schwer mit neuen bekanntschaften. Ständig das Gefühl, nie genug zu sein. Langweilig zu sein, oder zu aufdringlich.

Ich weiss nicht, was ich mit diesem Post erreichen will. Ich musste es einfach loswerden, weil es gerade ziemlich erdrückend war. Ich habe schon auch Kontakte, aber nie das Gefühl, eine richtige Freundschaft mit den Personen zu führen...

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Ich kenne das, ich habe mit meiner großen Schwester gar keinen Kontakt mehr und zur jüngeren nur so alle halbe Jahre mal oder an Weihnachten. Sind nicht mehr so eng seitdem sie erwachsen ist, lebt halt ein absolut anderes Leben.
Zu meinen Tanten und Onkels besteht auch kein Kontakt, über meine Mama höre ich ab und zu mal was von denen.
Mit meinen Eltern habe ich aber einen guten Kontakt und das reicht mir. Ich brauche keine Massen an Leuten um mich rum, meine eigene kleine Familie reicht aus.
Versuche mit dir selbst im Reinen zu sein und dir genug zu sein.
Alles Gute

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Das ist traurig für Sie, mir ging es vor 30 Jahren ähnlich, deshalb kann ich gut nachvollziehen was Sie bewegt. Ich habe mich damals und heute noch in meine engere Familie (Mann, Kinder) investiert und das hat mir sehr geholfen. Heute habe ich 3 Enkelkinder, noch einen Kontakt mit meiner Kusine in Deutschland und ein paar Freunde. Viel Glück für die Zukunft

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Das Leben geht weiter und man weiß nie in welche Bahnen es sich windet.

Ich habe eine große Verwandtschaft und als ich Kind war haben wir viel zu feiern gehabt. Als wir alle erwachsen wurden und das Arbeitsleben anfing hat sich das alles verwachsen. Ich habe auch versucht den Kontakt zu meinen Cousinen auf zu bauen, aber daraus wurde nichts. Irgendwann verliert man auch die Lust dran zu bleiben.

Zu meinen Geschwistern habe ich keinen Kontakt, da ich die Ansicht meines Bruders nicht teilen kann und Abstand dazu wäre und meine Schwester mich schon von Anfang an hat spüren lassen das ich ihr ein Dorn im Auge bin.

Bei dem Versuch die Kinder alle gleich zu behandeln habe ich auch wegen Unstimmigkeiten so langsam den Kontakt zu meinen Eltern aufgelöst damit ich mich nicht ständig verletzt fühle.

Mein Mann hat auch nur guten Kontakt zu seinem Bruder. Ansonsten haben wir viele Freunde.

Es ist nicht verwerflich seine eigenen Wege zu gehen, ich denke das du ist auch ein Stück weit normal. Allein durch die Arbeit oder Umzug hat man auch nicht mehr für alles und jeden Zeit.

Du hast deine eigene Familie und das sollte dir wichtig sein. Du schaffst eigene Erinnerungen.

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Ja, ich kenne das Gefühl auch. Es wäre schön, wenn man eine heile Familie als Basis hätte. Aber wie man sagt: Freunde kann man sich aussuchen, Familie nicht. Und dann ist es oft nicht leicht, Freunde zu finden, weil man auch keine gute mitmenschlichen Fähigkeiten - ich meine zur Kontaktaufnahme mit Anderen - mitbekommen hat von der Familie. Aber irgendwie ist es das ungefähr so, wie auch wenn man von seiner Ursprungsfamilie nicht die finanzielle Unterstützung hatte, weil nicht vorhanden. Oder bildungsmässig. Da gibt es verschiedene Bereichen - wenn man die von den Eltern mitbekommen hat, ist das ein grosser Vorteil. Wenn nicht, hat man es schwerer.

Aber es geht natürlich, sich das selbst zu erarbeiten. Sicher nicht super gut, man hat vielleicht nicht für alles im Leben Energie, aber doch immerhin auf einigen Gebieten, die einem die wichtigsten sind.

Du kannst versuchen mit den einzelnen Familienmitgliedern noch engere Beziehungen aufzubauen. Oft ist es gut, das zu versuchen. denn wenn sie sterben, ist es zu spät. Man hat auch verschiedene Phasen im Leben, wo verschiedene DInge wichtig sind. Kann sein, dass z.B. dein Vater plötzlich den Austausch mit dir sucht, wenn er älter wird. Oft ist es eine gute Idee, auf Anzeichen zu warten, das aufzugreifen, was gerade irgendwie auftaucht.

Ich z.B. habe plötzlich den Kontakt mit einem Onkel vertieft und als ich durch Familienforschung auf einige entferntere Verwandte gestossen bin - da hab ich plötzlich lange Telefonate geführt, mit einem Cousin meiner Mutter. Ich dachte auch, wenn er nun findet, dass ich Familie bin, obwohl nur entfernt verwandt - ist doch nett. Offensichtlich ist der Teil der Verwandschaft etwas herzlicher. ;)

Verlassen würde ich mich allerdings nicht darauf. Deine Familie werden mit der Zeit dann vor allem deine eigenen Kinder sind, und später Enkel. Und dein Partner, wenn er gut und verlässlich ist. Und wenn man sich nicht trotzdem noch mal umorientiert in der Hinsicht. Und gerne auch gute Freunde. Vielleicht auch die Schwiegerfamilie. Aber es verändert sich im Laufe der Zeit, und es tun sich oft neue Möglichkeiten auf.

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„Sie wird nie erfahren wie eine enge Verbundenheit in der Familie ist. Mein Freund und ich sind die jüngsten und einzigen in der Familie, die ein kleines Kind haben.“

Ihr baut doch gerade erst eure Familie auf, da könnt ihr ihr Verbundenheit und Familie mit auf den Weg geben.

Familie bedeutet nicht immer 20 Verwandte, manchmal reicht der Kern aus.

Ich habe auch nur eine kleine Familie, war dann unheimlich froh, als mein Mann mir seine große Familie vorstellte.
Doch von Fest zu Fest musste ich feststellen, dass mehr Schein als Sein ist.
Im Endeffekt ist sich jeder selber am nächsten, es wird über jeden gesprochen und hergezogen.

Also sind wir zurück gekehrt zum Kern und lieben unsere kleine Familie, wo wir nach unseren Werten und Regeln Familie sein können

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Hallo.

Nun ist es einmal so, dass man in eine Familie hineingeboren wird und sich diese eben nicht aussuchen kann. Bei mir spielte sich ähnliches ab und ich habe lange, lange Zeit mit u.a. auch mit professioneller Hilfe gebraucht, um für mich Sachen zu verarbeiten, abzuhaken und abzugrenzen. Und als meine Kinder kamen, habe ich mir selbst versprochen wie ich es nicht machen möchte.
Ich wurde als Kind von meinem Vater zweimal sexuell missbraucht, von meiner Mutter für vieles (was oft nicht kindgerecht war) verantwortlich gemacht, mein Bruder wie ein rohes Ei behandelt und zwischen uns Unterschiede gemacht (habe heute noch oft das Gefühl), mein Vater schlug mich auch einmal sehr derbe, meine Mutter war/ist eine sehr emotionslose Person jedoch wirkt distanziert, Familienstreitigkeiten und einiges mehr.
Ich denke, dass aus mir dennoch ein sehr feinfühlig, mit beiden Beiden im Leben stehender, offener (wenn auch mal mit Selbstzweifeln bestückt) und hilfsbereiter Mensch geworden. Und ich bin stolz darauf, dass ich das hinter mir lassen konnte. Ich wollte weder meinen Mann noch meine Kinder selbiges erleben lassen.
Heute habe ich ein klar definiertes und abgegrenztes Verhältnis zu meiner Mutter (so dass ich viele Sachen nicht mehr an mich ran lasse oder sie mich unnötig berühren, habe ein deutlich kühles Verhältnis zu meinem jüngeren Bruder (den ich wenig bis gar nicht interessiere) und ich sehe es sowas von positiv meinen Kindern eine Welt zu zeigen, dass es anders geht.
Meine Mutter hetzte auch sehr oft über diverse Familienmitglieder... dabei ist sie eine Person, die ein seeeehr geringes Selbstwertgefühl hat.
Ich versuche meiner Familie zu vermitteln, dass zur Familie nicht nur Zusammenhalt, sondern auch Konflikte gehören. Das jeder von ihnen gehört und gesehen wird und vor allem jeder mir seinen Eigenheiten und Eigenschaften geliebt wird wie er ist. Ob es mir immer gelingen wird weiß ich nicht... aber ein Stück mit auf den Weg kann ich ihnen geben.
Vielleicht wäre eine Gesprächstherapie was für dich?

Herzlichste Grüße

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Euer Kind erfährt doch von euch was enge Verbundenheit ist.

Schau, ich hab auch nur noch wenige von meiner Herkunftsfamilie. Nur noch meinen Bruder und seinen Sohn. Meine Eltern sind schon lange tot. Damals haben sich auch die Kontakte zu Onkels, Tanten und deren Kinder aufgelöst. Es gab keinen Streit, aber es ist einfach irgendwie im Sande verlaufen. Nur zu einer Tante habe ich noch hin und wieder Kontakt. Ich muss aber auch zugeben, dass ich niemanden vermisse.

In der Familie meines Mannes sieht es ähnlich aus. Vater seit Ewigkeiten tot, seine Mutter hat sich nie sonderlich für ihre Enkel interessiert. Nur seine Schwester und deren Familie ist noch übrig zu denen wir auch regelmäßig Kontakt haben.

Freunde reißen uns raus.
Die sind mir mehr ans Herz gewachsen als der Onkel aus Buxtehude.

Um Freunde zu finden brauchst du nur du selbst zu sein. Mach dir da keinen Stress.
Entweder ihr seid auf einer Wellenlänge oder nicht.

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Vielen Dank für eure Nachrichten.

Ihr habt schon recht, ich sollte mir da nicht zu sehr einen Kopf machen. Und ja, lieber habe ich einen ganz kleinen Kreis, als mit jedem Verwandten nur halbherzigen Kontakt zu haben.

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Hallo, ich glaube, du nagst noch sehr an dem miesen Verhalten deines Vaters, mit seinem Weggang und auch seinem Verhalten danach hat er dein Selbstwertgefühl ziemlich kaputt gemacht.
Wäre eine Gesprächstherapie bei einer geschulten Psychologin was für dich? Sowas ist sehr befreiend und man kann dann Altlasten besser abwerfen.
Lass dir helfen 🌸