Immer wieder Vergangenheit Thema

Hallo,

mein Freund und ich erinnern uns anscheinend unterschiedlich an unsere Vergangenheit.

Ich finde, dass er immer sehr stark übertreibt und manche Sachen auch einfach verdreht.

Eigentlich ist unsere Beziehung sehr glücklich, aber immer wenn wir auf die Vergangenheit zu sprechen kommen, habe ich das Gefühl, ich müsste mich verteidigen und rechtfertigen und alles richtig stellen. Das führt zu deprimierenden Diskussionen, an deren Ende er immer sagt: “Ich rede NIE wieder mit dir über die Vergangenheit.” Dieser Vorsatz hält aber nie lange.

Heute meinte ich “wir erinnern uns einfach unterschiedlich”, was aber nur dazu geführt hat, dass er mich von seiner Version der Vergangenheit überzeugen wollte und ich dann dagegen argumentiert habe. Es ist ziemlich anstrengend.

Wie kann ich das Thema loslassen? Oder wie ihn abblocken?

Gute Nacht 🌙

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Ich weiß ja nicht, worum es geht, aber anscheinend fühlt er sich durch irgendwas in der Vergangenheit verletzt, und das kann ja nur vorbeigehen, wenn es mal wahrgenommen und besprochen wird und er sich verstanden fühlt. Er muss es loslassen können.

Es kann doch sein, dass er etwas falsch verstanden hat, oder du etwas gar nicht böse gemeint hast, er aber trotzdem verletzt war; das wird ja durch Abblocken nicht besser.

Ich würde also versuchen zu verstehen, worum es ihm geht und wie du heute dazu stehst.
Z.B. "ich kann mich nicht daran erinnern, aber wenn es so war, war das nicht okay" oder "ich hab es nicht so gemeint, wenn du es anders verstanden hast, tut mir das leid" oder "damals fand ich das okay, heute würde ich es anders machen" oder "in meiner Erinnerung war es anders, aber wir können es ja nicht nachprüfen, wer recht hat".

Wenn er es aber auch nachdem es besprochen wurde, nie gut sein lassen kann, würde ich mir überlegen,ob ich das ewig so weitermachen will.

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Wir haben wirklich schon sehr oft darüber gesprochen. Inzwischen habe ich einfach keine Lust mehr. Es geht nicht um etwas, was ihn verletzt hat, sondern um eine unterschiedliche Wahrnehmung, bei der ich immer schlecht wegkomme.

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Puh, ich hab gerade gelesen, worum es geht und verstehe dich total, auf sowas hätte ich auch so gar keine Lust.

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Lebt im Jetzt und lasst die Vergangenheit sein. Ändern könnt ihr sie nicht mehr, da bringt es nichts, sich drüber zu streiten!

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Danke für deine Antwort. Aber wie setze ich das um, wenn er immer wieder davon anfängt ?

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Warum rechtfertigst du dich dann jedes Mal?
Damit er ruhiger wird? Damit er ruhig bleibt?

Wenn er mit der Vergangenheit anfängt, Thema wechseln.

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Ich glaube, weil ich immer das Bedürfnis habe, die Dinge richtig zu stellen. Ich finde seine Version der Vergangenheit oft unfair.

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Ja, wahrscheinlich hast du Recht und es hilft nur, das Thema zu wechseln. Aber oft fällt mir das gar nicht so leicht.

Zum Beispiel gestern. Da hat mein Abblockversuch ihn dazu animiert, noch mehr über die Vergangenheit zu reden, in dem Versuch, mich von seiner Version zu überzeugen.

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Hallo

Wie lange liegt diese Vergangenheit zurück? Oder handelt es sich um Kleinkram vom letzten Wochenende?

Je nachdem hat er eine andere Wahrnehmung der Dinge als du. Versuche herauszufinden, weshalb er so extrem an seiner Version hängt. Auf gewissen Details würde ich zudem nicht herumreiten. Choose your battles (wisely).

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In meiner Erinnerung liegt diese Vergangenheit länger zurück als in seiner. Für ihn ist das alles anscheinend aktueller.

Übliche Themen:
- Zum Beispiel behauptet er, dass wir das kurze erste Jahr Beziehung, bevor ich schwanger geworden bin, nicht richtig ausgekostet hätten, weil ich keine Lust gehabt hätte auf große Aktionen. Dabei war es genau anders herum und ich habe viel mit Freunden oder auch alleine unternommen, weil er meistens zuhause bleiben wollte.
- Dann geht es um den Haushalt im Babyjahr. Laut ihm sah es mindestens ein Jahr lang schrecklich aus, “wie bei Tieren” und schlimmer als bei allen anderen. Weil mir alles egal gewesen wäre und er hätte auch mit angepackt. Dabei habe ich mich sehr alleine gelassen mit Haushalt und Kind gefühlt. In den ersten zwei, drei Monaten sah es wirklich nicht toll aus, aber danach habe ich es ganz gut hinbekommen.
- Unsere Tochter ist jetzt 2,5 und erst seit einem halben Jahr bringt er sich auch richtig ein und ich habe das Gefühl, in einer gleichberechtigten Beziehung zu leben. Wir hatten damals ziemlich viel Streit, haben einen Plan aufgestellt und er hat eingesehen, dass er mehr übernehmen muss, wenn er als Familie weitermachen möchte. Ich finde, wir haben die Veränderung gut hinbekommen. Seiner Meinung nach hat es aber nie eine Veränderung gegeben, sondern er hätte sich schon immer eingebracht.
- Ich habe Sachen ihm zuliebe verändert. Wir hatten Streit und im Nachhinein behauptet er, wir hätten nicht mal darüber gesprochen und ich hätte es einfach so für mich geändert.

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Das klingt stark nach manipulativem Verhalten von ihm und nicht um unterschiedliche Wahrnehmungen oder Erinnerungen. Da würde ich mich wie du auch auf die Hinterbeine stellen. Bzw. wie so oft aus der berühmten Ich-Perspektive: "Ich fühlte mich damals allein gelassen. Ich fand unsere Wohnung, nachdem ich aus dem Wochenbett war, sauber und aufgeräumt." usw. Da gibt es selbstverständlich nichts zu verzerren.

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Sind es denn relevante Themen?

Wir haben sowas auch oft. Ich hab jahrelang (!) ein Brot nicht gekauft, was ich total lecker fand, mein Mann aber eklig. Das kleinste war 1kg und wir hatten keinen Tiefkühler, alleine konnte ich es nicht essen 😅 irgendwann kaufte ich es trotzdem mal und mein Mann fragt allen Ernstes, warum ich das nicht öfter kaufe, das sei ja soooo lecker 🤦‍♀️ Und er hätte ja nie gesagt, dass er das nicht mag! Aber über sowas können wir letztlich immer lachen und beherzigen den Spruch meines Vaters: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern!“ 😂😂

Bei wichtigen Dingen finde ich die Strategie von der einen Userin hier gut. Dass du die unterschiedliche Erinnerung anerkennst, aber dich nicht rechtfertigst „ich erinnere mich anders, falls es aber so bei dir ankam, tut es mir leid!“ usw :)

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Ähnliche Beispiele wie bei eurem Brot gibt es hier auch ☺. Alles easy und nichts, worüber man sich längere Zeit aufregen muss. Wir necken einander wegen dem (fehlenden) Gedächtnisvermögen des anderen.

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Herrlich zu hören, dass es auch anderen so geht. ✌🏻
Die "Das habe ich nie gesagt" Gespräche gibt es auch bei uns, gefolgt von der Antwort "Ab jetzt nehme ich alles auf, was Du sagst!" 😅

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Ich führe solche Diskussionen auch gelegentlich mit meinem Mann. Oft geht es um Dinge, die wir besprochen hatten, an die er sich jedoch nicht erinnert (zumindest meiner Meinung nach😁).

Ich lasse mich auf solche Gespräche gar nicht mehr ein, weil sie nicht auflösbar sind. Es gibt da einfach keine objektive "Wahrheit".
Ich sage dann immer: "Ich erinnere mich da ganz anders dran und da diskutiere ich auch gar nicht weiter mit dir drüber." Dann verlasse ich oft den Raum oder die Situation.

Bei uns sind es aber oft Kleinigkeiten und mein Mann ist ein leidenschaftlicher Diskutierer.

Bei dir macht es mir deiner Beschreibung nach echt Bauchschmerzen, weil es einem erkennbaren Muster folgt: Er macht dich in deiner Erinnerung klein und versucht dich zu manipulieren, um sein Fehlverhalten in der Vergangenheit kleinzureden. Oder noch schlimmer: Er sieht sich selber da gar nicht so in der Verantwortung! Das sind Machtspielchen (und eventuell Gaslighting?) ! Auch dass du dich für ihn verändert hast, stößt mir ein bisschen auf...

Lass dich nicht unterkriegen! Ich würde ihn wohl trotzdem abbügeln und ihm vielleicht tatsächlich sagen: "Wenn du diese Version der Geschichte brauchst, um dich wohlzufühlen, dann erinnere dich so daran. Meine Erinnering ist eine ganz andere!"
Dann würde ich tatsächlich gehen.

Liebe Grüße
Merveilleux

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Danke für deine Antwort. Ja, wahrscheinlich einfach anerkennen, dass er sich anders erinnert. Und dann gar nicht mehr darauf herum reiten, sondern die Situation verlassen, wenn er das Thema nicht wechselt.

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Okej, deine Beispiele weiter unter erklären es ja etwas besser. Das kann schon problematisch sein, wenn beide Partner Erlebnisse unterschiedlich interpretieren. Einer meiner Ex war so. Aber da hatte ich wirklich den Eindruck, der hat die Realität anders erlebt als ich. Von der Geburt unseres Sohnes erzählte er Dinge, die tatsächlich nicht so waren. Er hatte es als eine schwere Geburt erlebt - offensichtlich hatte er sich das nicht so dramatisch vorgestellt, und wahrscheinlich hat er sich dann die Einzelheiten, die er dazu "erfunden" hat, eingbildet.

Normalerweise, wenn man seinen Partner gut kennt, dann hat man es ja auch nach einer Weile raus, WIE genau der Partner Dinge falsch interpretiert - oder anders interpretiert. Mein Ex-Mann hatte die schlechte Angewohnheit, manchmal Dinge als böse Absicht zu interpretieren, die das gar nicht waren. Wenn man das weiss, dann kann man es ja direkt klarstellen, wie es gemeint ist. Das hilft nicht immer, aber wenn, dann löst das ja das Problem.

Du kannst also sehen, ob es da ein "Thema" gibt bei den Missverständnissen. Es sieht fast so aus als ob er oft den Eindruck hat, als ob Andere Dinge vernachlässigen, sich nicht kümmern, oder Dinge nicht ihm besprechen. Da kannst du überlegen, ob man es vielleicht deutlicher machen kann, Dinge deutlicher mit ihm absprechen oder zumindest auswerten kann. Ich weiss natürlich nicht, ob die Kommunikation hier wirklich etwas undeutlich ist, oder ob er total übertreibt, Dinge komisch sieht oder vergisst, was gelaufen ist. Man kann es halt versuchen, deutlicher zu sein, aber ob es hilft hängt ja davon ab, ob das wirklich das Problem ist.