Hat jemand eigentlich ein Familienmitglied zu dem er aufschaut?

Ich bin noch ziemlich neu hier im Forum und bin offen gesagt ziemlich überrascht vom Familienleben Forum. Bislang habe ich (wohl ziemlich naiv) geglaubt dass meine ganzen Familienprobleme ein besonderes Päckchen seien, das ich nunmal zu tragen habe. Umso mehr ich hier lese umso mehr habe ich das Gefühl dass unsere Probleme gar nicht so massiv sind wie ich es bislang wahrgenommen habe. Ganz grob vereinfacht gesagt ist mein Vater zu einem ziemlichen Egoisten herangezogen worden, meinte Mutter ist komplett unreif und verhält sich unberechenbar. Ich beschränke den Kontakt mittlerweile aufs Nötigste. Aber ich frage mich nun: Gibt es denn überhaupt noch viele Menschen, die gerne Zeit mit ihrer (weiteren) Familie verbringen? Wo nicht unendlich viele Konflikte im Hintergrund schwelen? Menschen die zu ihrer Mutter, Schwiegermutter, Bruder aufschauen und diese/n als Vorbild wahrnehmen? Das Zusammentreffen als Bereicherung wahrnehmen und sich dadurch inspiriert fühlen? Irgendwie macht es mich etwas traurig das alles hier zu lesen, ich hatte immer die Illusion dass das die Normalität sei.

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Es melden sich diejenigen hier zu Wort, die Probleme haben. Ein Querschnitt der Gesellschaft ist das sicher nicht.

Ich habe zu meiner Familie ein liebevolles Verhältnis.

Zu meinem Vater sehe ich auf, weil er sehr gebildet ist. Er hat nicht studiert und keine Ausbildung, sich aber sehr viel selbst angeeignet. Vor jedem Urlaub lernt er monatelang die Landessprache, um sich dort wenigstens einigermaßen verständigen zu können.

Meine Mutter ist sehr emphatisch. Sie hat fünf Kinder scheinbar gelassen großgezogen und war vor 25 Jahren schon der Meinung, dass Anschreien psychische Gewalt ist.

Mein Opa kam aus einer Arbeiterfamilie und ist in sehr einfachen Verhältnissen während des Naziregimes aufgewachsen. Obwohl sein Vater selbst Nazi war, hat mein Opa sich zu einem toleranten, weltoffenen Menschen entwickelt. Er hat sich hochgearbeitet, als erster aus unserer Familie studiert und später als Chefredakteur einer Zeitung gut verdient. Er war ein sehr liebevoller Opa, der viel Zeit mit mir verbracht hat.

Auch zu meiner Schwiegermutter sehe ich auf. Auf Grund der Entfernung kenne ich sie kaum, aber aus Erzählungen meines Mannes und durch Telefonate weiß ich, dass sie eine sehr positive und hilfsbereite Frau ist. Dabei hatte sie ein hartes Leben: Flucht vor Israel mit kleinen Kindern, Leben als Flüchtling, zehn Kinder und zwei Enkelkinder großgezogen, aktuell ein Leben voller Entbehrungen im Krieg.

„Aufsehen“ bedeutet aber nicht „verherrlichen“, denn das alle Menschen Fehler haben, finde ich selbsterklärend.

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*empathisch

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Ja, genau so habe ich es auch gemeint, mit zu jemandem Aufsehen habe ich auch nicht gemeint, dass man damit jemanden verherrlicht. Mich hat das gerade irritiert dass einige hier das Wort so negativ belegt sehen, ich habe schon meine persönliche Definition von dem Wort in Frage gestellt und bin froh zu hören dass ich mit meinem Verständnis nicht allein da stehe.

Dein Beitrag liest sich wirklich schön, ich freue mich sehr für dich dass du in so einer liebevollen und positiv anregenden Umgebung groß geworden bist ❤️

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Klar, hier!
Ich sehe meine Eltern mehrfach die Woche und würde unser Verhältnis als sehr eng und schön beschreiben.
Dann habe ich meine Cousine, die mir ein großes Vorbild ist, weil ich ihre Bescheidenheit so bewundernswert finde genauso wie ihre stets objektive Sicht auf Dinge.
Wir verbringen viel Zeit miteinander und auch unsere Männer verstehen sich sehr.
Auf der anderen Seite macht uns die Schwiegerfamilie das Leben zur Hölle, man kann also nicht alles haben 😁

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Also bei mir gibt es mehrere Familienmitglieder die ich bewundere:
-Mein Vater: Weil er trotz schwerer Krankheit immer noch lachen kann und es geschafft hat sein Leben in den Griff zu kriegen. Dafür, dass er den Mut hatte, sich bei mir zu entschuldigen für Fehler, die er in meiner frühen Kindheit gemacht hatte.
-Meine Oma und mein verstorbener Opa: Für ihre Liebe zueinander (auch nach über 60 Ehejahren hat man es einfach gesehen, dass sie sich lieben) und ihr Talent, die Familie zusammenzuhalten. Außerdem bewundere ich ihren tiefen Glauben.
-Meine andere Oma: Für ihre Stärke, ihre Opferbereitschaft und ihre Kraft im hohen Alter noch ihren eigenen Weg zu gehen.
-Meine Schwiegermutter: Weil sie die liebevollste, hilfsbereiteste Frau auf der Welt ist.

Außerdem liebe ich es, Zeit mit meinem Bruder, meinen Onkeln und Tanten, meinen Cousins und Cousine zu verbringen. Wir immer so viel Spaß und die Urlaube als Großfamilie mit über 20 Leuten sind bis heute mit die tollsten Erinnerungen an meine Jugend.

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Das hört sich wirklich wundervoll an, es muss toll sein in so einem Umfeld aufgewachsen zu sein, ich hoffe dass ihr das alle genau so an eure Kinder und Kindeskinder weitergeben könnt ❤️

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Das was ich hier oft lese macht mich in der Tat auch oft sprachlos. Zu meinen Eltern habe ich ein gutes, liebevolles Verhältnis und habe Respekt vor ihren Leistungen. Zu ihnen aufsehen wäre der falsche Ausdruck weil ich auch viel anders machen würde. Es hat sich mit der Zeit zu einer Beziehung auf Augenhöhe entwickelt.
Zu meinen Großeltern sehe ich auf. Sie haben ein tolles Leben gehabt, viel aus wenig gemacht, sind unglaublich loyal und authentisch.
Das Verhältnis zu meinen Schwiegereltern ist distanziert aber höflich. Als ich jung war war ich ihnen zu laut und zu rebellisch da gab es öfter Zank. Aber mittlerweile geht es.

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Ich liebe meine Eltern, sehe sicher auch ihre Schwächen, so wie mein Kind später unsere sehen wird. Meine Schwiegereltern habe ich lieb, auch wenn sie speziell sind. Aber sie haben meinen tollen Mann und seine netten Geschwister erzogen und wollen uns nur Gutes.
Natürlich gibt es unschöne Familienkonstruktionen und dann muss man sich auch lösen. Aber ganz ehrlich, hier beim Forum denke ich oft, da werden Probleme in der Familie aus Langeweile oder - sorry - aus Dummheit geboren.

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Bei uns gibt es zwar keinen Streit oder ähnliches, aber aufschauen tue ich auch zu niemandem.
Mein Mann und ich gehen ziemlich unseren eigenen Weg.
Wir treffen uns gern mit unseren Familien - solange es nicht zu häufig ist. Also es ist schon eher "Pflichtprogramm", aber wir haben auf jeden Fall Spaß.
Gründe, wieso ich nicht zu meinen Eltern aufschaue (Großeltern gibt es schon länger nicht mehr):
Sie können sehr besserwisserisch sein (merken sie meist nicht mal) und trauen uns scheinbar wenig zu. Außerdem haben sie ihr Leben nicht soo im Griff - gut, viele haben ein Laster, aber es reicht eben, dass ich nicht wirklich zu ihnen aufschaue.
Zu meiner kleinen Schwester schaue ich jetzt auch nicht auf. Sie ist sehr ordentlich, das wäre ich auch gern, aber das ist jetzt meiner Meinung nach nichts zum aufschauen.
Meine Schwiegermutter kann sehr gut kochen und ist herzlich, aber sie mischt sich gerne ein und ist total schnell beleidigt und nimmt immer alles gleich persönlich.

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Ich denke das Forum ist nicht repräsentativ.

Zum einen schreiben hier ja nur die Leute, die sich Hilfe erhoffen oder Frust abladen möchten.
Die Zufriedenen oder Glücklichen eröffnen ja keine Threads.

Zum anderen wird die Realität auch schnell mal verzerrt....
Jemand der hier z.B. über die Schwiegermutter lästert, landet schnell in der Schublade per se gehässig, undankbar und unzufrieden zu sein.
Dabei nervt ja vielleicht wirklich nur die eine Sache, die einen immer sofort auf 180 bringt.... Und ansonsten versteht man sich?!

Ich habe auch z.B. mit meiner Schwester so ein paar Probleme, die mich auch belasten.
Sogar sehr belasten.
Trotzdem liebe ich sie aber und wir haben meist viel Spaß miteinander.
Würde ich hier mein Problem ausbreiten.... könnte ich vielleicht einen sinnvollen Rat bekommen, da es hier ein paar User gibt, die tatsächlich konstruktiv, einfühlsam und toll antworten.
Es gibt aber leider recht viele User die gleich voll den Durchblick haben und mir mein ganzes Leben um die Ohren hauen würden. Weshalb ich entsprechend nett antworten würde.... Und sofort ist man die missgünstige Aggro Kuh die beratungsresistent ist. 😁

Es ist hier einfach nicht repräsentativ sondern ein Ort für Probleme.

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Ich finde "aufschauen" sehr schwer zu sagen.

In meiner Familie haben alle beruflich einen guten Weg eingeschlagen, sind immer arbeiten gegangen und haben ihre Familien ernährt und sind auch sonst ganz gute Moralapostel, aber ganz ehrlich...menschlich gesehen finde ich sowohl in meinen Eltern, als auch in meinen Halbgeschwistern, Onkel, Tanten extrem viele schwere Charaktere. Die Seite meines Vaters ist rassistisch und diskriminierend und schlimme Lästermäuler.

Meine eigene Mutter ist zwar ein lieber Mensch, aber ihr Leben lang ging es auch nur darum immer nen flotten Mann an ihrer Seite zu haben, von allen als hübsch angesehen zu werden, begehrt zu werden und jedes Wochenende zur Party zu machen, ob wir Kinder wollten oder nicht. Sie ist extrem selbstverliebt und das Nr. 1 Thema ist sie selbst. Wenn man mal gerne übers eigene Leben oder der Enkelkinder erzählen möchte, dann kommt einfach nichts! Thema Nr. ist sind andere Menschen, die Nachbarn oder der Hund...


Ich kann leider zu niemanden in meiner Verwandschaft aufsehen. Ich kann grundsätzlich nicht zu oberflächlichen Menschen aufsehen.

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Dein letzter Satz trifft den Nagel auf den Kopf. Wo du es so sagst, ich glaube es ist tatsächlich das was mich traurig stimmt, die Oberflächlichkeit von vielen Menschen. Warum sind so viele Menschen nur mit sich selbst beschäftigt, ständig beleidigt weil sie nicht bereit sind genauer hinzuschauen und die dahinter liegende gute Absicht zu erkennen, und so fort... Gott sei Dank gab es aber auch ein paar positive Beiträge hier, die einem Hoffnung geben.

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Eigene Familie: Als Kind und Jugendliche fand ich meine schräg, in anderen Familien war es viel cooler. Ja, da war ich altersgerecht naiv.
Je älter ich wurde, desto mehr habe ich die Zusammenhänge begriffen und das auch sie alle ihre Päckchen mit sich rumschleppen, die sie geprägt haben. Familientreffen hatten für mich allerdings noch nie den Charakter einer inspirierenden Bereicherung, sie waren das was sie waren...ein Treffen unterschiedlichster Menschen, bei denen man Lachen und Streiten konnte...mit ganzem Herzen, ein Gefühl von Heimat. Ich hatte immer wahnsinnigen Respekt vor der alten Generation und ja, ich habe viel von ihnen gelernt. Auch wenn vieles davon in der heutigen Zeit auf den ersten Blick nicht brauchbar ist, aber das täuscht. Konflikte gab es immer, ist halt so wenn unterschiedliche Generationen aufeinandertreffen.
Zu meiner Generation, hm warum sollte ich da zu jemandem aufschauen? Wir leben alle im hier und jetzt und jeder geht seinen Weg. Würde ich da zu jemandem aufschauen, dann würde ich mich ja kleiner machen, als ich bin. Klar, auch in meiner Generation gibt es wesentlich ältere, von ihnen habe ich früher verdammt gute Ratschläge bekommen.

Schwiegerfamilie: Hm, keine Ahnung. Da mein Mann keinen großen Wert auf Kontakt legt sind wir uns da nie näher gekommen. Wir haben kein tiefes Verhältnis. Ist aber auch nichts, was mich jetzt stört. Ich habe meinen Mann geheiratet, nicht seine Familie.