Wie schaffe ich den Absprung?

Guten Abend Zusammen,

ich weiß gar nicht wie ich anfangen soll. Es geht um meine Schwiegermutter. Wir haben ein sehr schwieriges Verhältnis aber ich kann mich nicht davon lösen bzw versuche es immer wieder und werde enttäuscht. Sie wird mittlerweile wissen dass sie eh machen kann was sie will da ich wieder ankomme. Jedes Mal nehme ich mir vor dass es die letzte Chance war und doch halte ich es nie länger als 2 Monate aus. Vielleicht liegt es auch daran dass wir in der Nachbarschaft wohnen.

Kurz zur Situation. Ich bin mit meinem Mann 9 Jahre verheiratet (15 Jahre zusammen) und 2 Kinder mit 4 und 8 Jahren. Vor den Kindern war unserer Verhältnis ok jedoch keine großen Berührungspunkte.

Seit Kind 1 ständige Einmischung. Ich mache alles falsch und sie richtig. Sie will die kinder am besten täglich sehen. Kind 1 kann ihre Art auch nicht mehr ertragen und meidet den Kontakt. Seitdem ist Kind 2 das Goldkind und bekommt es auch zu spüren. Kind 1 wird seitdem ignoriert.

Vor 4 Wochen hatten wir wieder ein Gespräch bzw ich hab mich wieder gemeldet da davor 2 Monate kein Kontakt bestand. Der Grund ist unbekannt. Irgendwas habe ich gemacht was ihr nicht passt. Einmal war sie beleidigt weil sie uns besuchen wollte und ich die klingel nicht gehört habe. Wenn sie dann beleidigt ist bin ich die Böse und sie meldet sich nicht und meidet uns. Komme ich dann nicht wieder auf sie zu sind wir abgeschrieben und es besteht kein kontakt. Ich kann die schlechte Stimmung auf Dauer einfach nicht ertragen und melde mich dann wieder bei ihr. Dann ist kurze zeit alles ok und dann geht alles wieder von vorne los.

Alles was ich sage wird ignoriert.
Bitte dem Kind keinen Traubensaft geben wegen Blähungen. Es wird heimlich gemacht und kommt es doch raus weil das kind schreckliche bauchschmerzen hat wird zuerst gelogen oder "kind 2 schmeckt der so gut" als ausrede gebracht.
Bringzeiten werden generell ignoriert. Verspätungen zwischen 30 und 90 Minuten sind normal und in der zeit ist auch niemand erreichbar.
Wenn sie bei uns ist kommen immer Aussagen "Kind 2 mach das mit Oma die Mama schimpft" oder "Kind 2 das dürfen wir nicht machen die Mama ist böse". Ich werde vor Kind 2 immer als böse und schimpfend dargestellt.
Kind 1 ist leider chronisch krank und wir haben mehrere Krankenhaus Aufenthalte im Jahr. Da kommt nie eine Nachfrage wie es geht oder was der aktuelle Stand ist.
Es gibt etliche Beispiele. Ich bin immer die Böse die alles falsch macht.

Jeder aus meinem Umfeld sagt mir ich soll sie lassen und mein Ding machen. Da man mit ihr auch nicht reden kann bzw sie keine Fehler macht und alles an den anderen liegt. Sogar mein Mann hat den Kontakt stark zurück gefahren und geht ihr aus dem weg. Warum kann ich das nicht? Warum versuche ich es immer und immer wieder? Wie kann ich einen Schlussstrich ziehen ohne Streit oder Gespräch?

Ich bin eigentlich eine selbstbewusste Frau aber bei ihr komme ich mir vor wie ein ratloses Kind. Teilweise fällt mir in gewissen Situationen mit ihr auch kein kontra ein. Ich stehe da und schweige. Hinterher ärgere ich mich über mich selbst und frage mich warum ich nicht dies oder jenes drauf erwidert habe. Ich versuche es ihr immer recht zu machen und jeden Konflikt aus dem weg zu gehen.Vielleicht liegt es auch daran dass sich meine Mutter nach der Scheidung vor über 20 Jahren von uns abgewendet hat. Ich weiß es nicht...

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Deinen Mann hast du ja immerhin schon auf deiner Seite, wenn er selbst den Kontakt meidet. Dein Umfeld rät dir auch dazu.
Sogar sie selbst verhält sich, dass es zum Davonlaufen ist. Tu es!

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Es kann schon sein, dass das ganze mit deiner eigenen Mutter zu tun hat und du daher unterbewusst versuchst an deiner SM „festzuhalten“. Vielleicht hast du da noch etwas aufzuarbeiten?
Fakt ist jedoch, das dir der Umgang scheinbar nicht gut tut. Ich habe mich ebenfalls von der Schwiegerfamilie abgewandt, wobei das etwas zu hart klingt. Ich habe mich stark abgegrenzt weil sie sich ebenfalls (hier jedoch die ganze Schwiegerfamilie) in alles einmischten und immer alles wissen wollten. Ich erkannte irgendwann dass das Ganze toxisch auf mich einwirkt, also der regelmäßige Kontakt mit ihnen. Ich zog mich stark zurück und seither geht es mir besser. Mein Mann kann gern regelmäßig Kontakt haben, das ist mir egal es ist ja nun mal seine Familie, aber ich nehme mich da zu 90% komplett raus (wir wohnen auf dem selben Grundstück). Mehr als hallo und tschüss und oberflächlicher smalltalk ist für mich u meinen inneren Frieden ausreichend. Das einzige was mein Mann und ich als Abmachung im Umgang mit seinen Eltern bzw der Familie haben, ist dass er nicht über mich oder uns spricht wie zb Job, geplante Ziele usw. ich möchte nicht mehr das Gefühl haben gläsern zu sein und keine Privatsphäre mehr zu haben so wie es lange Zeit war. Sie wussten jeden Schritt den wir oder ich gingen und kommentieren dies ungefragt immer und immer wieder. Generell sind die eher negativ eingestellte Menschen. Die wenigen treffen denen ich noch beiwohne beschränken sich auf das auswerten und lästern über das Leben Anderer. Daher nehm ich mir das Recht auf Abstand zu gehen, es war mir zu viel Negativität und Ausfälligkeiten, auch vor dem Kind. Ich schütze mich und das Kind bewusst.
Aber bis zu diesem Punkt zu kommen, dauerte es bei mir recht lang, ich hätte die Bremswege ziehen sollen.

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Oh Gott diese Worterkennung 😂 ich meine nicht Bremswege sondern Bremse 😅

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Beim Lesen war intuitiv mein erster Gedanke (neben der Tatsache dass ich dich um deine Schwiegermutter nicht beneide) die Frage, wie wohl das Verhältnis zu deiner eigenen Mutter ist. Im letzten Satz hast du das ja dann auf den Punkt gebracht. Dass dich deine Mutter damals im Stich gelassen hat löst eventuell verlustängste bei dir in Bezug auf deine Schwiegermutter aus. Da würde ich gedanklich mal ansetzen, wovor du genau Angst hast, oder was dir Sorge bereitet. Vorher kommst du mit der Schwiegermutter-Nummer wahrscheinlich gar nicht weiter. Ich wünsche dir alles Gute!

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Das stimmt das Verhältnis zu meiner Mutter war immer komisch. Sie war sehr jung als sie mich bekommen hat. Ich war mehr bei meiner Oma als Zuhause. Dann kam mein Bruder und dem war sie eine gute Mutter. Schließlich ließen sich meine Eltern scheiden und meine Mutter zog weiter weg. Wir blieben beim Vater. Der Kontakt zur Mutter war kaum verhanden. Als ich gut über 20 war meldete sie sich bei mir und wir bauten eine Beziehung auf. Dann wurde ich schwanger und sie freute sich rießig. Die ersten 2 Jahren waren toll. Dann zog sie sich mehr zurück. Ich bekam Kind 2 und es bestand kein Interesse mehr. Nicht einmal hat sie mich mit Kind 1 im Krankenhaus besucht oder war für uns da. Vor 2 Jahren lernte sie ihren neuen Freund kennen und lebt seitdem ihr eigenes Leben. Hat mir dies auch so kommuniziert. Sie will jetzt ihr Leben genießen. Kind 2 kennt sie zwar aber hat null Beziehung. Kind 1 wurde von ihr fallen gelassen, hat sich aber mittlerweile damit abgefunden.
Leider ist meine Oma - wie eine Ersatz Mama - seit ein paar Monaten schwer krank und niemand weiß wie lang wir sie noch haben. Vielleicht hab ich wirklich Angst niemand aus der Familie mehr zu haben...

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Und um deine Frage noch zu beantworten wie du es ohne großes Theater schaffst...du fühlst es wenn dein Körper und Geist dir sagt du kannst das ganze weder für deine geistige Gesundheit sowie die deiner Kinder verantworten.
Zieh dich bewusst zurück, lasse Besuche bei ihr ohne dich und ggf. Ohne die Kids statt finden, meide Anrufe bei ihr, meide Nachrichten zu schreiben und gehe der Beziehung zu deiner eigenen Mutter auf den Grund und hol dir ggf Hilfe ihre Ablehnung aufzuarbeiten.
Ich hatte selbst einige Jahre ab der Scheidung meiner Eltern ein schlechtes Verhältnis zu meiner Mutter. Ich war damals 10 Jahre alt. Das ganze zog sich über 10 Jahre. Ich hatte vieles nicht verarbeitet weil mit mir nie darüber gesprochen wurde wieso weshalb und warum meine Familie zerbrach. Mir und meiner Mutter half es zum einen als ich erwachsen war darüber zu sprechen genauso der Austausch mit Außenstehenden. Wir haben wieder ein super Verhältnis. Aber ich denke selbst wenn wir es nicht hätten so wie bei dir, ich hätte meinen Frieden auch so gefunden weil mir generell der Austausch sehr geholfen hat das ganze zu verarbeiten. Ich hoffe sehr das du das ebenso schaffst.

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Du brauchst keine schlagfertigen Sätze. Einfach die Füsse still halten. Nix mehr machen.

Meine haben mein Fass zum Überlaufen gebracht, ab da fiel es mir sehr leicht. Wir haben auch ein Kind mit vielen OPs und bei einer schweren haben sie uns mit Rolle rückwärts hängen lassen. Da hatte ich sogar ich gutmütiges Schaf genug.
Ich stelle ihnen einen Kaffee und Wasser hin wen sie da sind und mach 2m Smalltalk über die Fahrt. Dann verdrücke ich mich. Ich rufe nicht an. Schreibe nicht. Nichts mehr. Ich stell mich auch nicht in die Küche für die wenn sie da sind.
Jegliche Energie bleibt bei mir und den Kindern. Da gehört sie hin, da macht sie Sinn. Für die beiden gibts keinen Aufwand mehr von mir.
Mein Mann macht die Kommunikation, managt die Besuche, versorgt sie mit Infos von Nachwuchs. Das tut er miserabel. Nicht täglich wie ich früher.
Not my circus - not my monkeys. Und schon gar nicht mehr Status Familie.