Warum strengt mich „Familie“ so an?

Guten Abend zusammen,
Kurz zu mir: ich bin 35, Mutter eines 4,5 jährigen Sohnes und bald schon Zweifachmutter. Ich wollte immer Kinder haben und hätte mir ein Leben ohne absolut nicht vorstellen können. Mein Sohn bereichert unser Leben, er ist toll, war ein braves Baby und mittlerweile ein richtiger Wirbelwind wie er im Buche steht. Da ich aber (außerhalb der Schwangerschaft) selbst sehr fit bin, konnte ich ihn immer gut „bändigen“. Nur momentan komme ich da natürlich an meine Grenzen ☺️ Nun ist es aber so, dass ich, seitdem er auf der Welt ist, das Gefühl habe „geknebelt“ zu sein. Körperlich, geistig... es kommt mir so vor als hätte ich kein eigenes Leben mehr. Alles richtet sich nach ihm. Man macht sich Sorgen, man leidet mit, man freut sich mit. Aber man selbst existiert nicht mehr. Nun kommt bald wieder ein Baby, alles geht von vorne los. Ist vollkommen ok und wir freuen uns. Ich freue mich, meinen Sohn mit einem Geschwisterchen aufwachsen zu sehen und bin glücklich, dass er in Zukunft immer jemanden an seiner Seite haben wird. Aber trotzdem blicke ich mit Angst und Demut in die Zukunft. Wie lange halte ich das noch aus, den Fokus nur auf meinem Kind/meinen Kindern zu haben? Ich habe vor 2 Jahren mein Hobby aufgegeben, jedes Wochenende von früh bis spät gehört nur dem Kind... wie machen das die Eltern von 3, 4 oder noch mehr Kindern? Wie schafft ihr das? Wie schafft ihr euch Freiräume? Vielleicht kann ich mir ja ein paar Tipps holen, um irgendwie etwas „freier“ zu werden... natürlich erst, wenn Baby nr. 2 aus dem gröbsten raus ist 😉

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Wir haben vier Kinder. Das Gefühl der Freiheit kam für mich mit zunehmendem Alter des jüngsten zurück.
Wenn man nicht mehr ständig hinterher sein muss, oder mit halben Ohr lauscht ob sie auch wirklich im Bett sind. Die Kids auch mal alleine bleiben und ich nicht erst alle vier in Winterjacken packen musste, um beim Bäcker ein Brot zu holen.

Mittlerweile ist der jüngste 11 und ich würde sagen, seit 3 Jahren ist es sehr entspannt.

Freiheiten haben wir uns jedoch immer gegönnt. Manchmal sind mein Mann oder ich auch alleine mit den Kids los um dem anderen Ruhe zu gönnen. Hobbys wurden etwas reduziert, aber nicht völlig aufgegeben.

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Du schreibst leider nicht was dein Hobby ist, was du aufgegeben hast? Und welche Rolle der Vater der Kinder spielt?

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Ich habe mein über alles geliebtes Pferd verkauft und das Reiten komplett aufgegeben. Ich bin geritten seit ich 8 Jahre alt bin :-(

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Ich bin wieder Reitbeteiligung geworden. Bin alle 2 Wochen im Stall, putze und reite aus.
Das ist finanziell und zeitlich gut machbar. Natürlich nicht das gleiche wie ein eigenes Pferd, aber auch viel weniger Arbeit.

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Hallo,

ich habe vor der Familiengründung eine Zeit lang beruflich Kinder in Wohngruppen betreut.
Das ist ein geregelter Job mit Urlaub, Feierabend und Bezahlung.
Eigene Kinder zu haben (gerade in den ersten Jahren) ist viel anstrengender (für mich), auch wenn es nur 1- 2 sind und nicht 7 bis 11 Jugendliche gleichzeitig. Weil es keinen Feierabend gibt (wenn ich Nachts noch öfter aufstehen muss), weil es keinen Urlaub von der Familie gibt (in der Regel) und weil ich nicht kündigen kann, wenn es mir gerade mal wieder reicht.
Und, nicht falsch verstehen, ich liebe meine Kinder, tue (fast) alles für sie und würde sie gegen nichts eintauschen!

Gerade deshalb habe ich mir wieder ein Hobby gesucht, in der Zeit ist mein Mann alleine zuständig und ich kann mal abschalten. Ich war auch schon 10 Tage ohne Familie verreist und habe sie sehr vermisst.
Auch wenn es in den ersten Monaten und Jahren nur kurz ist, ich brauche Zeit für mich um dann wieder ganz für die Familie da sein zu können und es auch zu genießen ;)

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Hmm.. ich liebe meinen Sohn (3,5) über alles. Und freue mich auch aufs zweite Kind, dass im August kommt. Und ich bin gerne Mama.

Für mich und meinen Mann war aber von Anfang an klar, dass ich mehr bin als nur "Mama". Ich bin auch ich. Und ich hab vielleicht auch eigene Bedürfnisse, abseits von meinem Kind. Puh, klingt ausgeschrieben ganz schön egoistisch - aber was bringt es meinem Kind, wenn ich zu genervt bin fürs 1.000. Rollenspiel, weil ich gerade eigentlich lieber zu nem Stricktreff gehen würde?

Also nehme ich.. hm, auch nicht.. mein Mann gibt mir diese Zeit. Er unternimmt was mit unserem Sohn, wenn ich meinem Hobby machgehen möchte. Er verschafft mir Zeit, wenn ich mich mit Freunden treffen. Und er unterstützt mich dabei, weiter Geld zu verdienen, weil es mir damit gut geht. Alles nicht übertrieben viel, aber so viel, damit es mir gut geht und mir nicht die Decke auf den Kopf fällt 😊 Das gleiche Recht hätte er auch, aber er nutzt es irgendwie kaum. Er ist aber aktuell leider arbeitsbedingt mehr der "Wochenendpapa".

Ich weiß nicht welches Hobby du hast. Aber musstest du es wirklich komplett aufgeben, oder gibt es nicht eine Möglichkeit oder Unterstützung, um zumindest ein bisschen weiter zu machen und so etwas nur für dich zu tun?

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Ich habe hier zwei so kleine "Plagen" ;)
Die Mädels sind 2J3M und knapp 9 Monate.
Aktuell vermisse ich auch eine gewisse Freiheit (Corona hilf da leider schön mit)

Die Kleine ist gerade sehr auf mich geprägt, obwohl ich gerade versuche deutlich öfter etwas mit der Großen zu machen während der Papa "babysittet".

Leider finden hier keine Krabbelgruppen oder ähnliches statt und ich freue mich schon mega auf die Rückbildungskurse die hoffentlich bald wieder starten dürfen.

Ich würde mir tatsächlich gerne wieder ein Fitnessstudio suchen, aber gerade nicht möglich -.-
Auch bestimmte Indoor Sport Sachen (boldern) geht ja gerade nicht.

Bei einem Kind war es auch mal einfach die Oma zu nutzen für kinderfrei. Mit zwei (so kleinen) ist das nicht zuzumuten.
Ich verstehe dein Gefühl auch ganz gut, aktuell vermisse ich mal dieses einfache ohne Kinder. Einfach Tasche schnappen und ab zum shoppen, essen gehen, Sport...

Aber die Zeiten ändern sich bestimmt bald wieder und dann vermisst man die Zeit als die Kinder noch so klein waren ;)

PS: Mann einspannen und sich Auszeiten machen hilft trotzdem ungemein!
Einen Nachmittag (?) kann man doch bestimmt mal pro Woche für sich planen.
Ich mache das eher einmal pro Monat, nicht wegen meinem Mann, sondern weil ich noch nicht so weit bin länger abwesend zu sein.

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Hi,
Familie ist anstrengend, wenn man es sich nicht einfach macht und noch bisschen arbeiten geht.

Meine Jungs sind 3, 5 Jahre auseinander. Als der Große 8 Jahre alt war, wurde ein Work-Shop "Trash Drumming" angeboten. Der war 2x im Monat, 3 Std., mit Fahrtzeit war ich 5 Stunden weg. 1x im Monat war der Große mit. Da habe ich so richtig angefangen, wieder was für mich zu machen.

Das Motorrad stand auch 7 Jahre lang nur herum, seit 1 Jahr fahre ich wieder. Nächste Woche kommt das e-Bike. Von 12 bis 31 Jahre, bin ich jeden Tag 13 oder 25 km gefahren. Dann gebaut, Kinder bekommen. Jetzt mit 48 Jahren, fange ich wieder an. Da wir sehr hügelig wohnen, und ich es mir endlich leisten kann, gab es ein e-Bike.

Was mir geholfen hat, arbeiten gehen. Mit netten Kollegen auch mal abends was zu machen, oder mit Freundinnen. Das geht, sobald das Baby auch mal ne Flasche akzeptiert, oder die Beikost eingeführt ist.

Pausen für sich, sind so wichtig. Und wenn es MEINE Musik, auf dem Weg zur Arbeit ist.

Alles Gute

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Ich arbeite seit mein Sohn 12 Monate alt ist. Bin jetzt im MuSchu, aber gearbeitet habe ich immer :-) und ja, das hilft, das stimmt! Ich werde jetzt nach 6 Monaten wieder Teilzeit einsteigen, weil ich meine Arbeit einfach liebe

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„Jedes Wochenende von früh bis spät gehört nur dem Kind“. Da ist der Fehler. Wo ist denn dein Mann? Warum kann er nicht am We mal ne Runde mit dem Fahrrad mit eurem Sohn raus, 2 Stunden auf den Spielplatz etc und du machst was für dich, triffst dich mit einer Freundin. Irgendwas um ein bisschen durchzuatmen. Sowas hilft ungemein um die Batterien wieder aufzuladen und dein Kind profitiert auch davon, weil du dich ihm wieder gut gelaunt und etwas erholt widmen kannst

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Ok Pferd ist für mich wie ein weiteres Kind vom Zeitaufwand. Vielleicht so mal Reitstunden ausmachen? Bist du alleinerziehend? Du scheinst nichts von deinem Mann?

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Ich habe da für mich meine persönliche Lösung gefunden.
Seit 7 Jahren fahre ich in eine kleine Pension in der Nähe, für ein Wochenende habe ich dort ein kleines Apartment mit Badewanne. Mittlerweile bin ich da Stammgast, ich habe dort vor ein paar Wochen angerufen, ob sie nicht noch einen Lückenfüller brauchen (vermieten viel an Pendler/Berufstätige). Es ist sogar mit dem Gesundheitsamt abgeklärt, ich gelte nicht als Tourist. Obwohl das jetzt ja mittlerweile schon fast egal ist.
Vor ein paar Tagen kam der Anruf: Noch vor den Ferien, 3 Nächte mit Rabatt, allerdings kein Wochenende. Ich freu mich so sehr, obwohl ich noch arbeiten fahre in der Zeit. Aber ...einfach nur ich, wie früher. Aufstehen, fertig machen los, nach Feierabend einfach wieder hin und Füße hoch....kein Schulkram, kein Kind dabei, keiner der morgens das Bad blockiert oder trödelt, kein nach der Arbeit zur Schule hetzen, Essen wann ich will. Jackpot!
Es klingt vielleicht alles absurd, aber für mich sind diese kleinen Auszeiten vom Alltag alleine so extrem wichtig, diesmal zwar etwas abgewandelt, trotzdem....ich brauche dafür kein Wellnesshotel, kein Programm, kein Hobby und keine Veranstaltungen. Langschläfer war ich eh noch nie. Das ist einfach meine Art, Kraft zu tanken.
Zum ersten Geburtstag meiner Tochter habe ich mir das damals geschenkt und seither ist das mein Ding.