Sind wir zu weich geworden?

Mich beschäftigt ein Thema. Und zwar:
Sind wir in unserer Generation etwa irgendwie zu weich und empfindlich geworden?

Ich erinnere mich sehr gut, das auch meine Großeltern z.B. damals mal flotte Sprüche meinen Eltern gegenüber losgelassen haben. Aber irgendwie wurde da nie so eine große Sache draus gemacht.
Heutzutage aber wird sofort alles auf die Goldwaage gelegt und gesagt "Der Opa,die Oma, die Schwiegermutter ect." hat dies gesagt, das gemacht, nimmt mich nicht ernst" usw. Ich erinnere mich, das mein Opa meinen Vater damals glaube ich nie ernst genommen hat. Durfte er. Und ich erinnere mich auch, das mal geschimpft wurde "Wie kannst Du Deinem Kind nun dies und das nicht geben" ect. Enkelkind hat sich gefreut. Und mein Vater hat das gar nicht ernst genommen, glaube ich.

Sind wir irgendwie heutzutage so empfindlich geworden oder doch nicht?

Meine Mutter meinte letztens zu mir: "Du, wo du hinhörst, wollen die erwachsenen Kinder alle nichts mehr mit ihrer Mutter/Vater zutun haben".
Ja. Stimmt. Das merke ich auch irgendwie.

Sollten wir uns vielleicht oft auch mal etwas lockerer machen oder ist es wichtig den Eltern zu zeigen und zu diskutieren, was einen verletzt? Ich denke heutzutage spricht man vieles eher an als früher, oder?

Nehmen die Eltern vielleicht auch einen zu wichtigen Platz in unserem Leben ein? Warum leben wir nicht einfach nach dem Motto "hier rein, da raus"...?

6

Wenn man Mal den Altersdurchschnitt von z.b. den Leuten nimmt, die auf diesem Querdenker Demos unterwegs sind oder Dauermitglied in irgendwelchen Q Anon Telegram Gruppen sind, könnte man meinen, dass irgendwas unserer Elterngeneration doch geschadet hat. Vielleicht war es genau das was sie nie ihren Eltern gegenüber angesprochen haben. 🤷🏻‍♀️

12

😂😂

1

Warum leben wir nicht einfach nach dem Motto "hier rein, da raus"...?

Warum sollte ich? Wenn mich etwas stört, kann ich das so kommunizieren und auch meine Konsequenzen daraus ziehen.
Das hat für mich nichts mit weich zu tun, ganz im Gegenteil. Wir sind eine selbstständige und aufgeklärte Generation, ich habe Respekt vor dem Alter und würde mir auch nicht anmaßen ihre Erfahrungen nieder zu machen, aber ich muss und werde mir nicht alles gefallen lassen.
Es wurde auch lange Zeit der Kneipen Opa mit den rechten Sprüchen akzeptiert, genauso wie der Onkel, der sich homophob äußert. Ist das richtig? Nein.

2

Aloha,

ich persönlich habe keine Lust, nach dem Prinzip "Hier rein, da raus" zu leben.
Ich weiß aber, wen ich in meiner Familie wie zu nehmen habe. Mein einer Onkel diskutiert politische Themen gern wild und sagt allen Familienmitgliedern gern, dass sie keine Ahnung haben (insgesamt 5 Geschwister, dementsprechend viele Nichten / Neffen / Angeheiratete usw). Ich diskutiere gern mit ihm, falls er mal sowas sagt wie "Ach du Schande, du hast ja gar keine Ahnung", dann sage ich ihm gern "Haha, aber du" und wir beide können drüber lachen. Andere fühlen sich davon auf den Schlips getreten. Ich weiß eben, wie er tickt. Das weiß ich innerhalb meiner Familie bei jedem und so gibt es hier normalerweise keine Probleme. Ich würde auch nie mit meiner mütterlichen Familie den Kontakt abbrechen.
Es gibt feine Unterschiede zwischen "flotter Spruch" oder ein wenig frech sein und grundsätzlich unangenehmem Verhalten. Da kann ich denke ich sehr gut unterscheiden. Was mich persönlich verletzt hat meiner Meinung nach in einer Familie nichts zu suchen, wir verletzen einander nicht. Klar gibt es auch Streit, aber nie so, dass man sich zerstreiten würde.

Davon abgesehen bemerke ich aber oft, dass Erwachsene sich nicht von ihren Eltern abgenabelt haben. Was da teilweise miteinander für Diskussionen geführt und Vorwürfe gemacht werden, sich ins Leben eingemischt wird und weiteres, finde ich unglaublich. Das sind keine Beziehungen auf Augenhöhe sondern gefühlt Verlagerungen von Machtkämpfen und alten Vorwürfen aus der Kindheit. Da wird dann tatsächlich jedes Wort auf die Goldwaage gelegt - eventuell aber auch ausgesprochen um ein bestimmtes Verhalten zu triggern und sich dann daran praktisch zu "erfreuen" - oder der Aussprechende kann auch selbst nicht anders.

Viele Grüße,

Ae

3

Ich denke nicht, dass wir zu "weich" sind. Früher hat man halt oft nichts gesagt. Meine Mutter hat schon öfters zu mir gesagt, dass wir ihr offen und ehrlich sagen können, wenn uns was stört. Sie hat zu oft gekuscht bei ihrem Papa und Schwiegereltern.

Manchmal finde ich es auch teils übertrieben was hier geschrieben wird und über was man sich aufregt. Aber ich finde es gut wenn man seine Meinung vertritt!

4

Ich gehe, glaube ich, einen Mittelweg. Ich sage oder zeige schon, wenn ich etwas richtig daneben finde. Aber das war es dann auch, danach gehts normal weiter. Meine Eltern und Schwiegereltern sind langsam echt alt und schrullig. Da darf man ruhig mal etwas gnädiger sein, finde ich.
Ich bin manchmal auch ganz schön eigen und bin dann froh, wenn mein Umfeld gnädig ist. 😂

5

Ich vermute, dass ein Unterschied zu früher ist, dass die heutige Generation weniger abhängig ist: Wir sind gebildet, haben eine gute Ausbildung und sind finanziell unabhängig und auch auf Betreuung nicht angewiesen. Das Verhältnis ist also insgesamt distanzierter als es das früher war. Warum sollte ich akzeptieren, dass meine Schwiegereltern mir Sprüche drücken, die mich stören? Da werden sie behandelt wie jeder andere Mensch auch. :-)

21

Und wenn dann die Kindkranktage aufgebraucht sind wird dann rumgeheult dass das "soziale Netzwerk" das man sich aufgebaut hat nicht exisitiert etc. ...

27

Deshalb bin ich Hausfrau, will mich nicht von den Schwiegereltern abhängig machen :-D

weitere Kommentare laden
7

Hallo!

"Warum leben wir nicht einfach nach dem Motto "hier rein, da raus"...? "

Weil das all die Generationen vor uns getan haben und viele traumatisierte Alte hervorgebracht hat. Weil Respekt nun mal keine Einbahnstraße ist.

Ich habe auch keinen Kontakt zu meinen Eltern. Das hat viele Gründe, das hat sich über einen langen Zeitraum entwickelt. Irgendwann ging das mit dem "hier rein, da raus" einfach nicht mehr. Ich will tatsächlich ernst genommen werden. Das wollen sie doch auch.

Ich kann aber hinterher schicken, dass ich grundsätzlich sehr gut mit älteren Generationen zurecht komme. Ich kann im Grunde jeden ernst nehmen und respektieren, ich erwarte das aber auch vom Gegenüber. Die meisten Menschen können das!

Meine "vertagte Dame" (Sie ist meine Freundin!) ist 84. Sie weiß, dass sie manches anders sieht, einiges einfach nicht mehr versteht. Wenn es ein Missverständnis gibt, dann geht sie als erstes davon aus, dass sie irgendwas falsch verstanden haben muss. Sie fängt nicht mit Schuldzuweisungen oder Vorwürfen an. Sie überspielt ihre Unsicherheit auch nicht mit blöden Sprüchen. Sie fragt nach und hört sich die Antwort an. Erst, wenn sie ganz genau kapiert hat, worum es geht, erlaubt sie sich ein Urteil. Sie will ernst genommen werden und ich nehme sie sehr ernst. "Hier rein, da raus" ist weder für sie noch für mich eine Alternative, ein wohlwollendes Miteinander ist es gerade deshalb.

Meine Eltern nehmen keinen wichtigen Platz in meinem Leben ein. Und ich nicht in ihrem. Wir sind nur zufällig verwandt.

Das vermisse ich bei meinen Eltern, die sich nicht bewegen wollen, das höre ich hier oft raus, wenn es um Eltern und Schwiegereltern geht. Da fehlt die Distanz und das ernst nehmen, weil sie selbst auch nie ernst genommen wurden. Ich denke schon, dass man das durchbrechen sollte.

LG

8

Nicht dass es die Diskussion voranbringt, es ist nur meine persönliche Meinung: Ja, ich finde die meisten Menschen in unseren Breitengraden heute sind verängstigte, jammernde Weicheier.

10

Das hast Du sehr schön ausgedrückt.

13

Und wie kommst du zu dieser These?

weitere Kommentare laden
9

Ich denke das es wohl auch einen Grund geben muss warum Kinder nichts mehr mit ihren Eltern zutun haben wollen.

Liegt vielleicht auch daran das die Kinder)(auch als Erwachsene) sich ihren Eltern nicht widersetzen können, weil es vielleicht gleich ausgemerzt wird mit verletzenden Gesten.

Was für meine Eltern witzig erscheint, verletzt mich vielleicht und um sie nicht zu enttäuschen sage ich nichts. Nur als Beispiel

Über Jahre hinweg kann das doch eben nicht zu einer Harmonischen Familienbande führen.

Die Alten wollen doch auch nur zu gerne ihre Karte spielen das sie so viel Erfahrungen haben und lassen einen keine eigenen machen. Lieb gemeint aber wohin führt es am Ende.

Heute sind wir freier und kritischer und das ist gut so.