Wenn die Eltern sich nicht trennen...

Meine Eltern waren nicht glücklich in ihrer Ehe, das habe ich als Kind immer gespürt.
Da hat einfach die Liebe gefehlt.
Mein Vater hat mir dann vor ein paar Tagen erzählt, wie er das rückblickend alles sieht.
Meine Mutter ist vor ein paar Monaten gestorben und ich habe gemerkt dass neben der Trauer da auch sehr viel Groll bei ihm ist und habe ihn angesprochen.
Er sagte dann dass er eine andere Frau kennen gelernt hatte, als meine Mutter mit mir schwanger war....vor 40 Jahren.
Zu dem Zeitpunkt waren meine Eltern fast 5 Jahre verheiratet und beide um die 30.
Er hat sich sehr in diese Andere verliebt, sie hatten über 25 Jahre eine Beziehung, die ersten Jahre heimlich, dann hat er es meiner Mutter gesagt und wollte die Scheidung.
Die andere Frau war auch verheiratet und hatte Kinder.
Meine Mutter wollte das wohl auf keinen Fall, und mein Vater hatte nicht den Mut sich durchzusetzen.
Sie hatte wohl Angst vor Statusverlust, vor finanziellen Einbußen, da sie nicht berufstätig war und auch das Haus wollte sie nicht aufgeben.

Also hat mein Vater sich auf diesen Deal eingelassen und meine Mutter auch.
Mein Vater sagte, er hat meine Mutter nicht mehr geliebt, nur diese andere Frau.
Das wusste meine Mutter wohl auch und er hat ihr das auch direkt gesagt, dass es dann nur noch eine Ehe auf dem Papier ist und er die andere liebt.
Er war dann auch öfter am Wochenende nicht zu Hause was mir nie erklärt wurde, ich dachte mir aber immer dass er eine Andere hat, aber hab mich nie getraut das zu fragen.
Vor 15 Jahren starb die andere Frau dann wohl ziemlich plötzlich und da hat mein Vater eine schwere Depression entwickelt, jetzt weiß ich auch wieso.
Er hat sein Leben mit der falschen Frau verschwendet, warum nur?
Um eine scheinbar intakte Familie zu erhalten?
Wo ich als Kind doch so gespürt habe, dass da nichts intakt ist.
Wie kann man sich als Eltern vormachen dass so was das Beste für Kinder ist?
Hauptsache keine Trennung? Egal was es kostet?
Das persönliche Glück egal?
Was das mit den Kindern macht mit unglücklichen Eltern zu leben auch?
Es wird ja immer gesagt dass Affären Familien zerstören, aber das stimmt so nicht..Die andere Frau hat nichts kaputt gemacht.
Mein Vater hat meine Mutter einfach nicht geliebt, das war alles.
Er hat sein Leben vergeudet, ist sehr traurig und ich als Kind muss sagen, er hätte konsequent sein müssen.
Denn das was ich erlebt habe an Kälte und Aggression zwischen meinen Eltern das war alles andere als eine intakte Familie.
Scheidung kann auch für die Kinder die bessere Option sein.

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Das tut mir wirklich leid für alle Beteiligten.

Scheint aber irgendwie nicht, als hätte deine Mutter es primär für dich getan 😅 du nennst ja selbst ihre Gründe und das sind ja ganz andere. Für mich auch ein stückweit nachvollziehbar. Es sind ja doch viele Faktoren und eigentlich sind alle traurig.

Deine Mutter hatte Angst vor Statusverlust, finanzielle Ängste, Scham davor, öffentlich ihr Scheitern zu zeigen. Ist das nicht auch traurig? Sie hat diese Entscheidung sicher nicht gefällt, weil es sie glücklich gemacht hat.

Also ich glaube nicht, dass nur deine Mutter „schuld“ ist oder so, eigentlich kam sie ja sogar von allen am schlechtesten davon. Sie hatte gar keinen liebenden Partner. 🤷‍♀️

Letztlich kannst nur du daraus ziehen, was du mal besser und anders machen willst!

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Aber die Mutter wollte es ja anscheinend so
Sie wollte unglücklich sein bzw keine neue Liebe finden, weil sie mehr Angst davor hatte alleine ohne Geld usw dazustehen und sich auch noch erklären müssen 🤷🏻‍♀️. Das ist, finde ich, ziemlich egoistisch
Der Vater hat mit offenen Karten gespielt, sie wusste, dass sie nicht mehr geliebt wird also ist sie es selber Schuld, dass sie am schlechtesten darsteht mit dem "Deal".

Traurig für alle Beteiligten ja, am meisten finde ich für Vater und Kind

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Das sehe ich eben anders. Ich kenne die Mutter aber ja auch nicht.

Ich vermute da eben viel mehr und tiefere Faktoren. Die Mutter war anscheinend so sozialisiert, dass Geschiedene Versager sind, dass sich das nicht gehört usw. Also welchen Druck musste sie haben, um diesen Deal zu wollen?

Weil sie dachte „Geil, mein Mann liebt nur ne andere, Ehe nur auf dem Papier, DAS wollte ich immer!“? Sicher nicht. Diese Demütigung muss für sie ja immer noch das kleinere Übel gewesen sein und das ist ja auch für sie eigentlich sehr, sehr traurig. So sollte niemand leben müssen.

In meinen Augen gibt es in dieser Geschichte nur Opfer. Die Mutter kann man halt leider nicht mehr dazu befragen und ihre Sicht wird man nicht mehr hören. Wer weiß, wie sie es erzählt hätte?

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Genauso sehe ich das und deswegen habe ich mich vor einigen Jahren getrennt. Meine Eltern haben das nie verstanden, im Gegenteil, haben mir Vorwürfe gemacht, obwohl mein ex nach dem ersten Schock der gleichen Ansicht war wie ich.
Am Anfang war es für die Kinder nicht einfach, meine Tochter brauchte professionelle Hilfe, aber wir haben das alles gut gemeistert. Noch heute haben wir ein gutes Verhältnis, die Kinder sind regelmäßig bei mir und bei ihrem Vater. Wir haben feste Zeiten, manchmal variiert es flexibel, wenn Fortbildung oder sonstiges dazwischen kommt.

Kinder können glücklich sein wenn die Eltern getrennt sind, meistens sind sie das auch. Lieber getrennte glückliche Eltern, als unglückliche zusammen gebliebene Eltern. Es ist nur wichtig, dass die Unstimmigkeiten der ex Partner nicht auf dem Rücken der Kinder ausgetragen wird.... Es sollte neutral ablaufen... Da bin ich froh, dass es bei mir so war und noch ist.

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Ich glaub, da spielt oftmals noch der "Generationenaspekt" mit rein.
Bei meinen Eltern wars ähnlich. Zeitweise habe ich meine Mutter angebettelt, sich zu trennen, weil ich nicht mehr ertragen konnte, wie meine Eltern sich bereits vormittags wegen irgendeines banalen Mülls angebrüllt haben. Als Teenager habe ich dann auch jede Gelegenheit genutzt, um von zuhause wegzukommen.
Nach Allem, was ich mitbekommen habe, hat meine Mutter meinen Vater wohl öfter betrogen, wobei mein Vater auch kein Kind von Traurigkeit war (kann mich erinnern, öfter mal Kondome in seinem Arbeitskoffer gefunden zu haben).
Getrennt haben sie sich nie, obwohl beide finanziell unabhängig waren. Allerdings hat er das Thema bei (auch gerne mal alkoholbefeuerten) Diskussionen immer wieder aufs Tapet gebracht...beide stammen aus recht konservativ eingestellten Familien, in denen man Wert darauf gelegt hat, unter dem klebrigen Zuckerguss des ewigen "man schmeißt xx Jahre Ehe nicht weg" den äußeren Schein zu wahren.
Auf das Theater hätte ich gut und gerne verzichten können.

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Genauso War es hier auch!
Nur das mein Vater nur kurz ne andere hatte.
Aber er hat meine Mutter immer runter geputzt, sie fertig gemacht….
Wenn ich sie vergeigt habe, hat er gesagt, ich war nen Fehler und er hätte mich besser an die wand spritzen sollen…..
Meine Mutter hat wenn sie alleine war, mit ihre suizid Gedanken erzählt. Das ich und mein kleiner Bruder der einzige Grund sind, das sie noch lebt.
Wir waren da im Kindergarten und Grundschulalter ! Das war so verstörend …

Meine Eltern meinen bis heute, wir hätten eine schöne sorgenfreie Kindheit gehabt.

Ich wünschte einfach nur, sie hätten sich scheiden lassen und wären getrennte Wege gegangen.

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Meine Mutter ist Gott sei dank damals gegangen als ich 8 Jahre alt war.

Mein Vater ist ein sexistischer Kontrollfreak, einfach eine furchtbar Person. Frauen gehören in die Küche und zum Putzen und "Bückstück" spielen gut genug, Männer sind aber "Jäger" und dürfen deswegen Fremdgehen, machen was sie wollen usw.

Keine Mutter wurde an den Haaren in die Küche gezogen, wenn das Essen nicht fertig war wenn er heimkam. Wenn sie wieder übersäht mit blauem Fleckrn bei ihrer besten Freundin geschlafen hat (damitbich es nicht sehe und ein falsches Bild von meinem Vater bekomme) hat er zu mir gesagt sie will mich nicht mehr.
Als sie ihm sagte, dass sie schwanger ist hat er in Holland einen Termin in der Abtreibungsklinik gemacht. Sie stand mit Händen und Füßen im Türrahmen um sich zu wehren und wurde Krankenhausreif geschlagen. Er hatte das Große Schlafzimmer, sie durfte nur zum Putzen rein. Geschlafen hat sie im Gästezimmer in das ein kleines Bett (80x200) und eine kleine Kommode gepasst hat.
Er hatte ihre Papiere weggesperrt, hat sie nicht arbeiten lassen (mein Opa wohnte nebenan und hat im Stundentakt kontrolliert ob sie da ist, er ist mein Vater in alt), Geld hat sie nur bekommen wenn er Sex bekommen hat. Unsere Post wurde geöffnet, mein Sparbuch aufgelöst, mein Geburtstagsgeld eingesackt. Angeblich alles auf ihrem Mist gewachsen, obwohl er alle Papiere ja in seinem abgeschlossenen Schlafzimmer hatte.

Ich habe sie auch immer angefleht, dasa sie bitte gehen soll und glücklich werden soll. Aber sie und ihre Brüder wurden früher ausgeschlossen und gemobbt, weil ihr Vater gegangen ist, daher wollte sie nicht, dass ich ohne Vater aufwachse. Bis heute mache ich mir Vorwürfe dass sie das alles über sich ergehen ließ nur wegen mir

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Manchmal ist eine Trennung wirklich das beste. Es tut mir leid für alle Beteiligten, dass euer Familienleben so unglücklich war.

Als mein Großonkel vor zwei Jahren verstorben ist, ist seine Frau richtig aufgeblüht. Er war sehr dominant und sie hat sich auch nie getrennt, obwohl sie offensichtlich mit ihm unglücklich war. Aber so ist das manchmal. Du schreibst ja selbst, dass deine Mutter verschiedene Gründe hatte, die aus ihrer Perspektive gegen eine Trennung sprachen. Ich denke oft kommt auch die Angst hinzu, dass gewohnte Leben aufzugeben.

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Hallo,

ja, hinterher weiß man es immer besser. Er und deine Mutter haben in dem Moment geglaubt, dass sie sich für den besten Weg entschieden haben.

Ich glaube, dass wir alle mehr oder weniger an dem Punkt angelangen, wo wir im Nachgang merken, dass die eine oder andere Entscheidung nicht gut war und müssen mit den Konsequenzen leben. Es ist umso bitterer, wenn diese Entscheidungen so eine große Tragweite haben wie bei deinen Eltern.

Wir haben nur dieses eine Leben, um es so zu gestalten, dass wir glücklich werden. Und auch wenn dein Vater jetzt schon älter ist, so ist sein Leben noch nicht vorbei und er hat die Chance, glücklich zu sein. Groll sollte er deiner Mutter gegenüber nicht empfinden, denn er hat die Entscheidung damals mitgetragen. Aber das wird es vielleicht auch noch hinter sich lassen können. Wichtig ist doch, dass er seine Situation jetzt klar sieht und bewertet und auch du daraus lernen kannst. Dir wird das, was deinen Eltern passiert ist, wahrscheinlich nicht passieren und deinen Kindern auch nicht, weil du ihnen eine andere Art von Beziehung vorleben kannst.

Viele Grüße
lilavogel

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Deinen Vater hier als Opfer darzustellen, finde ich nicht richtig.

WENN es ihm wichtig gewesen wäre, hätte er die Scheidung durchgezogen, genauso, wie seine Geliebte die ihrige🤷‍♀️

Aus irgendwelchen Gründen machte sie das aber auch nicht, weshalb es für deinen Vater in der letztendlichen Situation ja doch recht bequem zu sein schien.

Deine Mutter tut mir leid. Sie hatte (vermutlich) keinen Geliebten, war derart abhängig von deinem Vater, dass sie seine Geliebte jahrzehntelang geduldet hat, weil eine Scheidung ihren Ruin bedeutet hätte. Kein schönes Leben.

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Ich habe auch großes Mitleid mit deiner Mutter. Natürlich lässt es sich aus heutiger Sicht leicht sagen, dass eine Trennung besser gewesen wäre, aber zur damaligen Zeit war es eben noch anders. Da musste eine Frau damit rechnen gesellschaftlich ausgegrenzt zu werden als Geschiedene von den Sorgen die eigenen Kinder zu ernähren ganz zu schweigen. Stattdessen hat deine Mutter also still ertragen müssen, wie dein Vater sie über Jahre betrügt und hintergeht. Und jetzt wo sie tot ist, versucht er sie als Schuldige hinzustellen, dabei hat er als verheirateter Mann seine schwangere Frau betrogen...dafür bekommt man kein Mitleid bei mir.

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Weißt du was, ich finde die Rollen, die du jetzt deinen Eltern zuschreibst ziemlich fies. Besonders da eine Person in dem Spiel sich gar nicht mehr dazu äußern kann. Über Verstorbene reden ist immer leicht, aber ist es auch die Wahrheit?
Sollte die Geschichte wahr sein, dann hält sich leider auch mein Mitleid für deinen Vater in Grenzen. Jetzt nach dem Tod deiner Mutter hier in die große Opferrolle einsteigen und den schwarzen Peter deiner Mutter zuzuschieben...sorry, das ist kein netter Charakterzug.

Laß mich kurz überlegen, wann war die Scheidungsreform? Wie ging es damals den Frauen nach einer Scheidung? Du kannst das nicht bewerten ohne dich mit den früheren Gesetzen auseinanderzusetzen. Wir heute können zum Glück so denken, damals war es anders. Dann bekommt die Geschichte nämlich einen ganz anderen Beigeschmack.
Und was war später? Dein "armer Vater" hätte sich auch später noch scheiden lassen können....warum nicht? Vielleicht weil es bequem wahr und seine Geliebte auch nicht fei war? Oder hat sie damals die Konsequenzen gezogen?

Unterm Strich bleibt eigentlich nur übrig, das es wieder dir noch uns hier zusteht, darüber zu urteilen. Versteh mich nicht falsch, auch ich habe meine Eltern mal gefragt, warum sie zusammengeblieben sind. Beide konnte sich dazu äußern. Und ganz ehrlich, ich konnte sie verstehen...auch wenn sie nicht mehr turtelnd durch die Ehe gegangen sind.

Laß die Geister der Vergangenheit ruhen.