Tochter ist lieber beim Papa

Guten Abend,

eben habe ich meine Tochter zu ihrem Vater gebracht. Die Woche, in der sie bei mir wohnt, ist wieder vorbei und ich muss leider sagen, dass sie sich darüber gefreut hat.

Ich bemühe mich. Wir waren mehrmals auf dem Spielplatz. Wir haben Kuchen gebacken, gebastelt und ich habe ihr ein neues Perlenset gekauft, das sie sich gewünscht hatte. Tja, blöd nur, dass sie es nicht mehr haben wollte, weil Papa ihr schon Perlen gekauft hat. Generell fragt sie mich momentan oft, wie oft sie noch schlafen muss, bis sie wieder bei Papa ist. Ich lasse es mir nicht anmerken, aber es verletzt mich.

Außerdem vergleicht sie ständig meine Regeln mit denen bei Papa. Ich finde mich nicht sehr streng, aber auf alle Einschränkungen erwidert sie, dass sie bei Papa mehr darf.
"Findest du nicht, dass es genug Süßigkeiten waren? Du bekommst noch Bauchweh." "Bei Papa darf ich immer Süßigkeiten essen und bekomme nie Bauchweh."
"Noch eine Folge, dann machen wir den Fernseher aus." "Bei Papa darf ich entscheiden, wann ich den Fernseher ausmache."
"Komm wir gehen noch Zähne putzen." "Nein, ich will die Mundspülung benutzen." "Das reicht nicht." "Bei Papa reicht es auch."

Ich will nicht, dass sie sich bei mir nicht mehr wohl fühlt, weil sie bei Papa mehr darf, aber ich kann doch auch nicht alle Regeln abschaffen.

Hinzu kommt noch, dass Ex sich die Arbeitszeit ziemlich frei einteilen kann und ich diesen Luxus nicht habe. Dadurch arbeitet er in seiner kinderfreien Woche mehr und hat dadurch mehr Zeit für unsere Tochter, wenn sie bei ihm ist. Ich habe immer ein ganz schlechtes Gewissen, dass ich in meiner Woche nicht so viel mit ihr machen kann, wie ich gerne würde.

Mein Mamaherz tut gerade einfach weh und ich frage mich, ob ich irgendwas ändern kann, damit es besser wird.

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Und du bist dir sicher, dass sie nicht lügt? Wie sehr tauscht ihr Eltern euch über Regeln aus?

Generell finde ich es schwierig, wenn man etwas unterbinden will (zB mehr Süßigkeiten), aber es so verpackt, als hätte das Kind ein Mitspracherecht, obwohl man nur eine Antwort gelten lassen will.

Es ist bestimmt schwer für dich, das möchte ich überhaupt nicht abwerten.

Doch deine Tochter braucht Grenzen und die testet sie grade ordentlich und möchte sie, natürlich zu ihren Gunsten, möglichst profitabel mitgestalten.

Es gibt bei dir eben andere Regeln, als beim Papa. Punkt.

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Mein Ex war schon immer viel gelassener als ich. Das war ständiges Streitthema, als wir noch zusammen waren. Er wollte mich öfter davon abhalten, ihr die Zähne zu putzen, weil ich doch sehen würde, dass es ihr nicht gefällt. Und warum ich dagegen war, ihr als Kleinkind ständig Kinderriegel und so ein Zeug zu geben, konnte er auch überhaupt nicht nachvollziehen. Daher bin ich mir ziemlich sicher, dass sie die Wahrheit sagt.

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Huhu.

Wir praktizieren seit rund 10 Jahren das Wechellmodell und es ist nicht immer leicht.

Ich kenne diesen Zwiespalt, aber es wird besser und leichter.

Meine Kinder vergleichen auch heute noch manchmal, aber das ist normal.

Gib nicht nach, das machst du schon richtig.
Und versuch dir den Druck zu nehmen, besser zu sein, mehr zu unternehmen...

Das könntest du auch nicht, wärst du nicht getrennt.

Es ist wichtig, dass es einen normalen Alltag gibt, denn sie ist nicht auf Urlaub bei dir.

Es ist hart und ich habe als Mama seeeeehr viel zurück gesteckt und nochmal mehr geweint, gezweifelt und geflucht, aber ich habe es auch geschafft, das Beste für die Kinder rauszuholen.

Bleibe dir treu, erkläre ihr, dass du nicht Papa bist und es wird mit der Zeit.

Alles Liebe

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Danke

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Kannst du sicher ausschließen, dass sie bei Papa nicht nur deswegen soviel Süßigkeiten isdt, weil sie dem auch mal erzählt hat, bei dir gäbe es die ganz ohne Beschränkung?

Ich denke, ihr müsst euch als Eltern da immer noch super gut absprechen, damit sie euch nicht permanent als gegenseitige Ausrede benutzt und euren Wettbewerb zu ihren Gunsten (also vermeintlich) spielt. Und selbst wenn ihr unterschiedliche Dinge unterschiedlich macht, solltet ihr bei euren Regeln bleiben. Es ust eben kein Wettbewerb um die Gunst eures Kindes. Es ist wie es ist. Und ihr seid gut genug, so wie ihr seid. Auch zusammen hätten ihr Phasen gehabt, wo ihr euch wegen Zähne putzen etc. komplett unbeliebt gemacht hättet. Jetzt seid ihr halt phasenweise unbeliebt als einzeler "Elter". Ich für meinen Teil wäre aber lieber eine zeitlang mal unbeliebt, als dass ich dafür einen gesundheitlichen Schaden für mein Kind riskieren würde.
Und jeder ist in anderen Sachen gut. Es wird die Zeit kommen, da reichen keine Süßigkeiten mehr um das Herz zu erobern. Da ist man dann vielleicht aber der bessere Ansprechpartner für Liebesthemen, kann Mathe besser erklären, etc.
Wie gesagt. Lass den Wettbewerb sein (auch wenn ich komplett verstehen kann, dass man es natürlich toll findet, wenn der Ex der Unbeliebtere ist. Aber es ist trotzdem falsch und verwerflich...;-)) und bleibe dir selbst treu. Dann nimmst du für dich selbst glaube ich unheimlich viel Druck raus.

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Ja, das kann ich ausschließen. Mein Ex hatte schon immer eine viel gelassenere Einstellung als ich, was Süßigkeiten, Fernsehen, nicht Zähneputzen usw angeht. Wir haben uns getrennt, als unsere Tochter 2,5 war und bis dahin war es ständiges Streitthema. Nach der Trennung habe ich mich damit abgefunden, dass ich ihn nicht ändern kann und mich anfangs immer damit beruhigt, dass sie viel weniger bei ihm als bei mir war. Seit vier Monaten haben wir jetzt das Wechselmodell, mit der Folge, dass ich das Gefühl habe, mich ständig unbeliebt zu machen, so dass sie vielleicht irgendwann gar nicht mehr hier sein möchte 😭

Danke, ich bemühe mich.

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Erziehung und Eltern sein ist nicht nur Regenbogen und Glitzer. Du solltest auch nicht um jeden Preis dafür sorgen, dass du Dich verbiegst, nur weil sie dich gegen den Papa ausspielt.

Ich schätze mal, da ist gut ein "ausspielen gegeneinander" dabei.
Rede mit dem Papa.

Übrigens: -- du wertest das alles NUR, weil ihr ein Wechselmodell fahrt. -- Die Sätze, die Du sagst, sind aber totaler Alltag in einer Familie. -- ich bin täglich 20mal die "böse", -- der Papa auch, -- und unsere Kinder haben Zeiten, da ist jeder Handgriff blöd, es wird sich beschwert, sich gewehrt, gemauert, gemotzt usw... -- das ist normaler Alltag.

Ich glaube, du erwartest in der Mama-Woche einfach zu viel Glitzer-Sonnenschein. -- Das Leben ist aber Erziehung, Alltag und eben nicht nur Spaß und machen was man will.
Auch bei Familien gibt es immer Zeiten, da ist mal die Mama die liebere und dann wieder der Papa ....
Ich glaube, du wertest das nur, weil ihr euch abwechselt. -- versuche das mal aus dieser Richtung zu sehen.