Wie schaffe ich es, meine Einstellung zu ändern?

Hallo zusammen,

ich dreh‘ mich gerade hin und her und komme irgendwie nicht raus aus meiner Situation. Ich bin traurig, erschöpft und irgendwie hilflos. Vielleicht könnt ihr mir weiterhelfen.

Eigentlich führe ich ein tolles Leben. Ich bin verheiratet, wir haben einen gesunden, tollen Sohn (2 Jahre), wir haben super Jobs, genügend Geld, die besten Freunde, sind fit… also eigentlich absolut kein Grund zur Beschwerde.
Dennoch fühle ich mich seit einigen Wochen total kraftlos und unverstanden. Zu meinem normalen Alltag: Ich stehe gegen halb sechs auf, arbeite (Vollzeit), hole danach den Kleinen von der Kita ab, mache den Haushalt, beschäftige meinen Sohn, bringe ihn ins Bett, mache weiter im Haushalt oder engagiere mich für mein Ehrenamt und gehe dann gegen halb 10 selbst ins Bett. Die Tage sind voll, aber ich liebe meinen Job über alles und kann mir nicht vorstellen, da kürzer zu treten. Ich habe mich einigermaßen mit meinem Alltag arrangiert.
Vor ein paar Wochen bin ich dann total in ein Loch gefallen. Eigentlich ist gar nichts schlimmes passiert. Es hat sich nur herausgestellt, dass ich die komplette Schließzeit der Kita alleine Urlaub nehmen und unseren Sohn betreuen soll. Ich habe ein bisschen geschluckt, weil der Kleine momentan extrem fordernd ist und zudem volle Lotte in der Trotzphase. Die Reaktion meines Mannes: „Was beschwerst du dich denn? Du hast doch frei im Gegensatz zu mir.“ Und irgendwie hat das bei mir einen Schalter umgelegt. Es ist mir peinlich so eine Einstellung zu haben, aber mir graut davor, die nächsten Wochen so frei von jeder Selbstbestimmung durch den Tag zu gehen, alles irgendwie zu schaffen und mir dann Abends sagen lassen zu müssen, ich dürfe mich nicht „beschweren“, weil ich ja nicht den ganzen Tag im Büro gesessen bin. Mein Mann hat ja grundsätzlich Recht, und trotzdem habe ich so eine Wut in mir. Diese Wut bestimmt gerade total unser Zusammenleben und ich rutsche immer mehr in so eine Leidens- und Opferrolle ab. Mein Mann sagt schon, ich wäre ein richtiger Jammerlappen und ich sei total gestört, dass ich schlecht drauf bin, nur weil ich mich im Urlaub mich um die Kinderbetreuung kümmern soll. Das stimmt ja auch und eigentlich erwarte ich von mir selbst da auch viel mehr Vernunft und Stärke. Ich bin eine erwachsene Frau, die ein super Leben hat und auf einmal lamentiere ich herum wegen einer Kleinigkeit. Ich kotze mich selbst so an deswegen…
Wie schaffe ich es nur, aus dieser Spirale herauszukommen? Warum habe ich so negative Gefühle der KINDERBETREUUNG gegenüber? Ich liebe meinen Sohn doch über alles, wie kann ich nur so schlechte Gefühle haben? Ich müsste mich doch eigentlich glücklich schätzen, so viel Zeit mit ihm verbringen zu können und dann jammere ich rum. Hat jemand eine Idee, wie ich vorgehen könnte, um meine Haltung zu ändern und um wieder zur Vernunft zu kommen? Ich hoffe, euch kommen kluge Gedanken dazu, ich selbst kann irgendwie keinen klaren Gedanken mehr fassen.

Traurige Grüße

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Also ich verstehe vollkommen, dass dir davor "graut". Du machst ja neben Vollzeitjob alles alleine, was macht denn dein Mann eigentlich neben seinem Job?
Und jetzt darfst du auch noch drei Wochen lang euren (!!!) Sohn alleine bespaßen. Wo ist denn da Erholung für dich? Nur weil du nicht zur Arbeit gehst? Was denkt sich dein Mann eigentlich?
Ich bin echt erschrocken wie sich dein Mann verhält...und wäre es meiner könnte er sich was anhören. Der soll sich gefälligst mal beteiligen und dich unterstützen und nicht noch runter machen.
Boah...echt nee... Geht gar nicht sowas

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Meinst du das ernst?

Ich glaube, das eigentliche Problem ist, dass die Zeit mit Kind nicht als Freizeit oder Urlaub wahrgenommen wird. Und das sollte es doch eigentlich sein. Man kann ja auch mit Kind tolle Sachen machen, Freunde treffen, verwandte besuchen, zusammen Ausflüge machen, durch den Tag gammeln, mal nicht auf die Uhr schauen müssen und von termin zu Termin hetzen...
Vielleicht muss man erst mal lernen zusammen mit dem Kind den Tag zu verbringen, aber eigentich sollte das etwas ganz Normales sein.

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Ernst meine ich, dass es nun mal eine andere Art von Urlaub ist mit Kind. Ausschlafen ist nicht und je nach Alter muss man auch die gesamte Zeit parat stehen. Und das ist nun mal weniger erholsam als Urlaub alleine. Und in diesem Fall zieht sich der Vater komplett raus und ist der Meinung, dass sie es besser hat, da sie nicht zur Arbeit gehen muss. Wäre der Vater dabei, teilt sich alles auf und dann wäre der Urlaub garantiert erholsamer als alleine mit Kind.
Ich verbringe auch sehr gerne Zeit mit meinen Kindern, aber ich bin froh, dass mein Partner im Urlaub dabei ist und ich nicht alles alleine machen muss.

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Ganz ehrlich, das hätte mir auch gestunken. Hier in Frankreich sind 2 Monate Sommerferien. Davon verbrachten wir immer erst als Familie 2 Wochen Urlaub, dann je nach Alter Ferienlager oder Grosseltern für 4 Wochen. Und die letzten 2wochen jeweils 1 Woche mein Mann und eine Woche mit Kindern. Haben Sie keine Möglichkeit in der Familie oder Freizeitangebote für die Betreuung Kleine? Gruß

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Ohje. Das hört sich ja nicht so gut an.
Ehrlich, ich kann dich vollkommenverstehen.
Ich hatte auch so eine Phase, wo mir alles zu viel war.
Im Mai hab ich dann ein 4-Wochen-Programm bei 3 tollen Frauen gemacht. Es ging um die Macht unserer Gedanken, unsere Ängste, unsere Wut, unsere Bedürfnisse. Raus auf dem Opfermodus. Auch im Hinblick darauf, was wir unseren Kindern weitergeben.Das sind Erziehungscoaches. Und eigentlich hab ich das Programm als Fortbildung in meiner Funktion als Erzieherin gemacht. Mit einer Kollegin für das Thema Resilienz.

Und es war Hammer. Ich hab sooo viel für mein Privatleben rausgezogen und irgendwie hat sich ein Schalter in meinem Kopf umgelegt. Ich hab keine Ahnung, was der Auslöser war, aber die drei haben mir riesig gehofen. Immer wenn ich jetzt ein Tief habe, schau ich ihre facebool Beiträge und schwupps bin ich wieder besser drauf. Und ich bin mittlerweile in der Lage, mir selber bewusst zu machen, warum ich grad so down mich und mich selbst aus dem Loch rausholen.

Vielleicht wäre Hilfe in dieser Art auch etwas für dich?

Warum nimmt dein Mann eigentlich keinen Urlaub? Will oder kann er nicht?

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Oh das klingt toll. Magst du die Facebook Seite verraten? Ich könnte etwas resilienz und Motivation gebrauchen

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Ich schreib dir morgen eine PN. Muss tatsächlich erst mal schauen, wie die facebook Gruppe heißt. Mir wird das immer automatisch angezeigt im Newsfeed, da ich abonniert habe.
Die 3 sind klasse, ich empfehle sie sehr gerne.

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Ich finde nicht, dass du an deiner Einstellung arbeiten solltest, sondern an der deines Mannes.
Wann genau hast du jemals Auszeiten? Also nur Zeit für dich? Das hat doch nichts mit mangelnder
Mutterliebe zu tun, wenn man Phasen und Zeiten von Selbstbestimmung hat. Es heißt nicht umsonst, dass es eines ganzen Dorfes bedarf, um ein Kind großzuziehen. Und du sollst das mal eben ganz alleine machen?

Nen lustigen Mann hast du da. Dem würde vermutlich nicht mal was auffallen, wenn du ihm abends die vorgewärmten Pantoffeln und das Feierabendbier hinstellen würdest, um dixh dann mit dem Kind ins Nebenzimmer zu begeben, damit der Herr Feierabend hat.

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Man kann sich offenbar alles schön reden..#schwitz

So klasse finde ich dein Leben nun nicht. Besorg dir bitte wenigstens ne Putzfrau. Und schaff das Ehrenamt ab. Sonst läufst du noch in ein Burn out. Ich bin übrigens auch immer wütend wenn ich überfordert bin. Diese kalte Wut ist bei mir ein klares Anzeichen von Überforderung.

Zu den drei Wochen- es ist ein großer Unterschied ob du ein ausgeschlafenes, erholtes Kind hast oder ein Kind das schon den ganzen Tag in der Kita verbracht hat.

Kannst du nicht vielleicht noch eine kleine Reise buchen? Damit ihr beide zuhause raus kommt, neue Eindrücke und am besten in einem Hotel so dass du nicht kochen oder Haushalt hast?

Falls das nicht geht plane auf jeden Fall ein paar Ausflüge. Vielleicht mal Oma /Opa oder Verwandtschaft besuchen fahren? Macht es euch so nett wie möglich.

Ich bin nur eine Woche alleine dran, mein Mann hat zwei mit ins Urlaub. Ich bin darin schon total routiniert, hatte schon oft alleine mit den Kindern Urlaub. So schlimm wie befürchtet ist das nicht, und ein bisschen kann man das frei sein ohne Mann auch genießen. Ein Kind in dem Alter diskutiert nicht, dass schleppst du einfach mit..;-)

Wenn bei euch Geld kein Thema ist würde ich auch über einen Babysitter nachdenken, damit du wenigstens mal einen Teil der Zeit nur für dich nutzen kannst.

Lg

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Ganz lieben Dank für deine Antwort! Bei der Reinigungskraft werde ich nicht weit kommen, das ist für meinen Mann nur was für Stinkfaule oder für Menschen mit einem großen Haus. Wenn ich jemanden ohne Absprache engagieren würde, gäbe es nur riesigen Stress, da mach ich den Haushalt lieber selbst. Das Ehrenamt (Vereinsvorstand) werde ich auch abgeben, auch wenn es eigentlich mein Hobby ist, dem ich sehr gerne nachgehe, aber es ist wirklich zu viel. In drei Monaten wird der Vorstand neu gewählt, dann bin ich raus.
Dein Post bringt mich auf die Idee, mir die drei Wochen wirklich mit schönen Dingen durchzuplanen: Montag Ausflug ins Freibad, Dienstag Treffen mit Freundin etc. Jeden Tag was Schönes. Dann kann ich hoffentlich die Aussagen meines Mannes zur Seite schieben und mich auf das Positive fokussieren. Wirklich vielen Dank für deinen Beitrag!

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Am liebsten würde ich Brüllen, aber dann würde ich die Falsche anbrüllen:

Dann soll Dein Mann halt den Haushalt machen! Ihr arbeitet beide Vollzeit, und Du lässt Dir einreden, Du müsstest auch noch komplett alles zu Hause wuppen? Und wenn Du da Entlastung willst drückt Dir Dein Mann nen doofen Spruch, und schon siehst Du wieder nur, was Du nicht schaffst? Was schafft Dein Mann denn?

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Ich liebe meine Kinder auch, aber für mich ist es eine absolute Horrorvorstellung, gar keine "ich-Zeit" zu haben.
Insofern kann ich Dich wirklich gut verstehen. Aus welchem Grund hat Dein Mann denn während der Schließzeit keinen Urlaub? Und wie war es abgesprochen? Hattet Ihr gemeinsamen Urlaub geplant?

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Auf der einen Seite finde ich es auch nicht in Ordnung dass in Bezug auf euren Sohn alles an dir hängen bleibt.
Warum macht ihr nicht als Familie zusammen Urlaub bzw teilt es euch auf?

Auf der anderen Seite kann ich nicht verstehen wie man als Mama keine drei Wochen auf sein Kind aufpassen mag. Tut mir leid aber viele machen es sich sehr bequem in dem sie alles der Kita überlassen.

Zumal für mich der Begriff "Trotzphase" einfach unpassend ist, da passt eher "Autonomiephase" und wer sich damit etwas beschäftigt weiß warum das Kind oft so handelt wie es das nun mal macht.
Es ist nicht immer einfach, aber dennoch ist es immer noch das eigene Kind.
Ich weiß ja nicht wie lange du arbeitest aber das Kind lange in der Kita zu lassen ist auch schon mega Stress für das Kind.
Auch wenn manch einer nicht anders kann oder man gerne arbeitet leider das Kind schon darunter.
Da ist es kein Wunder dass man wohl selbst Stress als Elternteil hat sich mal Vollzeit um das Kind zu kümmern.

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Danke, danke, danke 🙏

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Ich kümmere mich jeden Tag morgens sowie von 15 Uhr bis zur Schlafenszeit um mein Kind (also bis 20-21 Uhr). Wir unternehmen jeden Tag etwas zusammen, sind ständig draußen, auf dem Spielplatz, im Park etc. oder malen, lesen Bücher, backen zusammen… in den Haushalt beziehe ich ihn mit ein. Am Wochenende machen wir auch größere Ausflüge (dann auch mit Papa). Und nein, es gibt keine Großeltern, keine sonstige Familie, keinen Babysitter - ich betreue mein Kind jeden Tag für viele Stunden alleine! Ich weiß, dass das viele Mütter machen und dass es die meisten wahrscheinlich noch besser und souveräner machen als ich bzw. es einfach besser schaffen, sich zurückzunehmen. Häufig zerreißt mich das schlechte Gewissen, dass ich nicht noch mehr da bin für mein Kind und andererseits bin ich so wütend, dass das, was ich schon mache, null anerkannt wird vom Papa. Das hat mich einfach so getriggert, als er gesagt hat, dass das doch alles gar kein Problem ist. Und irgendwie habe ich das dann projiziert auf die Betreuung meines Sohnes selbst - obwohl der ja gar nichts direkt damit zu tun hat.
Könnte nur noch heulen. Nach deinem Post laufen mir wirklich die Tränen, weil ich mich so schäme, dass ich so eine schlechte Mutter bin und dass ich solche Gedanken habe. Das Wort Trotzphase habe ich nicht despektierlich gemeint, habe es einfach nur geschrieben, weil wir es im Alltag häufiger verwenden als das Wort Autonomiephase. Ich möchte wirklich versuchen, meine momentane Einstellung zu ändern, ich weiß aber nicht, wie ich das anstellen soll 😢. Ich bin einfach ratlos.
Mein Mann ist leider während der Schließzeit im Büro unabkömmlich.

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Dein Mann redet dumm daher und übernimmt selbst nicht allein den Urlaub mit dem kleinen. Ich würde Urlaub Familienhotel mit toller Kinderbetreuung und super Wellness Programm für mich buchen

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Ganz genau. Bezahlt vom Mann aber bitte. 😉

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Du bist es nicht gewöhnt dich längerfristig um dein Kind zu kümmern - warum nicht? Angst, weil es schwierig ist? Fordernd? Ja, du bist auch mit deinem Mann ZUSAMMEN für euer Kind verantwortlich. Seine Formulierung war nicht angemessen - okay, aber ich würde eher an deiner Stelle hinterfragen, warum du keine drei Wochen mit deinem Kind ohne Freude verbringen kannst. Zudem bietet sich die Möglichkeit eines Urlaubes. Du arbeitest ohne großen sorgen, hast ein Ehrenamt, kümmerst dich also um fremde Angelegenheiten, aber Zeit mit dem eigenen Kind verbringen musst?

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Ich glaube, dass man aus den Zeilen ganz gut heraus lesen kann, dass sie durch die Arbeit, den Haushalt und das Kind sehr erschöpft ist. Sie bräuchte im Alltag mehr Entlastung und als Antwort auf einen anderen Beitrag schreibt sie auch, dass sie sich mehr Anerkennung für ihre Arbeit wünscht.

Ich glaube das Problem ist nicht, dass sie sich nicht um ihr Kind kümmern kann. So wie sie hier klingt macht sie das sonst mit großer Aufopferung und Liebe. Und es geht auch nicht um diese 3 Wochen, sondern um eine generelle Schräglage, die ihr zu schaffen macht. Das Problem liegt zwischen ihrem Mann und ihrem Selbstbild.

Ich weiß, dass viele Leute mit ehrenamtlicher Arbeit nicht viel anfangen können, aber aus ihrem Text klingt heraus, dass ihr dieses Ehrenamt ganz viel gibt. Und ich glaube, dass es für sie sogar gut wäre dem weiter nach zugehen. Weil es ihr Kraft für die anstrengenden Dinge ihres Lebens gibt.

Ich finde deine Fragen übrigens wenig hilfreich, aber ich denke ich kann sie dir ganz klar beantworten. Sie freut sich nicht auf diese 3 Wochen, weil die anderen 49 Wochen im Jahr zu anstrengend und wenig erfüllend sind (was nicht am Kind, sondern an ihrem Mann und ihren ungesunden Idealen liegt).
Mein Lösungsvorschlag: Irgendwie den Alltag entschlacken und den Fokus auf das legen, was Lebensqualität gibt.
Frei nach dem Familienmotto: Happy wife - happy lief!!!