Von Beerdigung „ausgeladen“

Guten Tag, ich suche ein wenig „Trost“. Meine Schwiegermutter ist gestorben, was uns alle sehr traurig macht, sie wird sehr fehlen. Mein Mann ist bereits bei seiner Familie im Ausland, er war schon seit einigen Tagen dort, als sie dann verstarb (sie war krank, aber es war nicht jetzt vorhersehbar). Ich bin davon ausgegangen, jetzt mit unserem kleinen Sohn dazuzukommen, denn in zwei Tagen ist die Beerdigung.

Mein Schwiegervater möchte aber nicht, dass wir kommen, das hat er klar so gesagt :( Die kleinen Kinder sollen nicht dabei sein und er will seine Ruhe. Er möchte auch gar keine Feier ausser der kurzen Zeremonie, er packt das nicht, denke ich. Er sagt, alle würden ja doch nur kommen und das als Gelegenheit zum Familientreffen sehen und das hasst er.

Ich werde seinen Wunsch respektieren, bin aber selbst traurig, dass mir der formelle Abschied fehlen wird. Vielleicht mache ich etwas Kleines ganz für mich, das hat mir auch beim Tod einer guten Freundin damals geholfen.

Eigentlich habe ich keine richtige Frage, aber ich finde es sehr schade, dass er praktisch allen die Gelegenheit zum Zusammensein nimmt, indem es kein Essen oder Kaffee Kuchen oder sonstiges geben wird. Er ist aber der Witwer und entscheidet. Mein Mann will nicht mit ihm diskutieren, da er stur sein kann und sehr in Trauer ist.

Wie findet Ihr die Entscheidung? Ich selbst würde mir meine Beerdigung als große Feier wünschen, bei der sich alle erinnern, aber auch eine gute Zeit zusammen haben, nicht so todtraurig.

2

Ich kann deinen Schwiegervater verstehen.

Bei dem Thema gibt es kein richtig oder falsch, gut oder böse. Jeder trauert anders. Du wünschst dir zB eine große Feier,…ich für mich am liebsten nichts. Trauern und Gedenken kann man auch ohne Grab, Urne oder Sarg - oder Feier. Ich finde den Leichenschmaus furchtbar!

Und ja, viele kleine Kinder können störend sein.

13

Ich kann es auch absolut verstehen.
Auch den üblichen Leichenschmaus finde ich persönlich ganz schrecklich. Da kriege ich keinen Bissen runter und habe auch keine Lust auf eine Familienfeier.

1

Dass dir der direkte Abschied am Grab fehlt, kann ich nachvollziehen.
Das hat was mit Abschluss zu tun und steht in direkter Verbindung mit der Verstorbenen.

""Eigentlich habe ich keine richtige Frage, aber ich finde es sehr schade, dass er praktisch allen die Gelegenheit zum Zusammensein nimmt, indem es kein Essen oder Kaffee Kuchen oder sonstiges geben wird. "

Das ist zwar oft Tradition, kann ihn aber vollkommen verstehen.

Manche Verstorbenen wünschen sich, dass die Hinterbliebenen zusammen an sie denken und fröhlich sind. Dann finde ich ein Beisammensein schon gut.

Aber es gibt auch Menschen, die es doof finden.

Bei meinen Eltern war es eine Mischung. Jene, die zu Lebzeiten für die Eltern da waren, Zeit mit ihnen verbracht haben, auch in Zeiten der Pflege bei Ihnen waren..... da war es für mich sehr schön mit ihnen zu trauern und mich auf diese Weise auch zu bedanken.
Diese hätten vollkommen verstanden, wenn wir nichts ausgerichtet hätten. Immerhin ist es sehr teuer und sie kamen zur Beerdigung um sich zu verabschieden.

Und dann gab es noch jene, die sich zum Vollfressen dazu gesellten. Zu Lebzeiten hatten sie sich abgewendet, oft keine Zeit, kein Interesse.
Zur Beerdigung kamen sie, als sei es ihr größter Verlust. Zum Essen danach als würde es dazu gehören und selbstverständlich sein. Immerhin wollten SIE SICH mit anderen Treffen.
Kaum waren die Eltern verbuddelt und das Essen beendet, sah ich sie nicht wieder - erst zur nächsten Beerdigung, wo sie auf riesen traurig machten.

Würde ich es noch mal so machen? Nein. Es bekämen nur diejenigen Info, die auch in schweren Zeiten Kontakt halten - und das waren die, die vorher fragten, ob genug Plätze beim Essen frei wären, sie hätten verzichtet, wenn es uns zu viel geworden wäre. Mit diesen würde ich planen. Alle anderen erst hinterher informieren.
Wer wirklich beisammen sein will, kann das auch ohne Beerdigung. Aber dazu haben diejenigen dann oft keine Zeit oder keine Lust eigenes Geld auszugeben. (so meine Erfahrung zum , vor und nach dem Tod meiner Eltern) - ja, manche haben sogar gestöhnt, dass es ja was kostet, wenn man sich mal so ohne Beerdigung treffen würde. Das wären ja unnötige Geldausgaben :-[ Nö, ich dachte wir treffen uns, weil sie grade noch so groß über den Verlust getönt hatten und sich uuuuuuuuuunbedingt wieder sehen wollten.

In eurem Fall ist es schon doof, dass du dich nicht am Grab verabschieden kannst.
Andererseits ist eine Auslandsreise mit kleinen Kindern zu Coronazeiten auch nicht toll.

Deinen Schwiegervater kann ich voll verstehen.
Je nach Alter der Kinder fände ich es schade (für die Kinder, wenn enger Bezug da war, was auch ins Ausland möglich ist), kann aber auch da gut verstehen, wenn es ihm zu viel wird. Manche tröstet es, manchen tut es noch mehr weh oder sie schaffen den Spagat nicht mehr (Trauer und Wiedersehensfreude).

3

Ich finde seine Entscheidung in Ordnung.
Die Beerdigungen meiner Eltern waren groß. Ich war richtig froh als der jeweilige Tag vorbei war. Für mich waren die unzähligen Beileidswünsche eine Qual. Ich weiß, jeder hat es gut gemeint.
Wäre es nach mir gegangen hätte mir klein und fein gereicht.
Von dem her verstehe ich deinen Schwiegervater total.

4

Ich verstehe dich total. Meine Oma ist gestorben vor 2 Wochen und hat klar verfügt, dass sie anonym beerdigt werden will und keine Trauerfeier stattfinden hat.

Meine Mutter und ich sind darüber unendlich traurig, aber wir respektieren ihren Wunsch.

Wenn es keinen letzen Wunsch deiner SM gibt, würde ich tatsächlich, so blöd es ist, die Wünsche deines SV respektieren.

Ich finde die Idee mit der kleinen Trauerfeier für dich selber gut. Wir gehen auch essen an dem Tag, an dem sie irgendwo beigesetzt wird.

7

Der Grossvater meiner Frau hat das auch gewünscht. Für seine Frau und die weiteren Hinterbliebenen ist es einfach furchtbar. Ich hätte ihm diesen Wunsch einfach abgeschlagen. Menschen überlegen sich teilweise nicht, welche Konsequenzen für ihre Hinterbliebenen solche Wünsche haben, vor allem, wenn sie nicht mit ihnen abgesprochen sind. Ich bin der Meinung, dass Beerdigungen und die damit verbundenen Rituale hauptsächlich für die Hinterbliebenen sind, und es für die passen muss.

8

Ich sehe das tatsächlich anders.
So schwer es uns fällt, Wunsch ist Wunsch.

weitere Kommentare laden
5

Mein Beileid wegen deiner Schwiegermama.

Ich kann deinen Wunsch nach dem formellen Abschied nachvollziehen. Eventuell hätte ich versucht mein Kind bei den Großeltern unterzubringen und nur selbst zur Beerdigung zu fahren (auch um meinen Partner zu unterstützen), natürlich aber nur wenn das für den Schwiegerpapa ok wäre.
Ansonsten würde ich versuchen einfach zu einem späteren Zeitpunkt (also in ein paar Wochen oder Monaten) zu dem Grab zu fahren, Blumen niederzulegen und mich so noch einmal zumindest persönlich zu verabschieden.

Jedoch muss ich sagen, kann ich den Schwiegervater verstehen. Jeder geht eben mit dem Tod anders um. Dem einen hilft Gesellschaft und viel reden, der andere igelt sich erst einmal ein und muss mit seiner Trauer selbst klar kommen.
Ich gehöre auch zu der Fraktion, die dieses Kaffee und Kuchen Beisammensein nach einer Beerdigung überhaupt nicht nachvollziehen kann. Für mich hat das leider immer so einen Geburtstagsparty Beigeschmack, a la "Endlich ist er/sie unter der Erde, lasst uns fröhlich Kuchen essen und feiern." Ich komme darauf gar nicht klar und ziehe mich nach dem formellen Beerdigungsteil lieber zurück und muss in Ruhe trauern. Also nimm es dem Schwiegerpapa nicht übel.

In meinem letzten Willen steht das übrigens auch genauso drin, dass ich das zwar nicht mag, aber wenn meine Trauergemeinde eine Kaffee und Kuchen Party anlässlich meines Todes machen wollen, dann ist das ok für mich - immerhin müssen sie sich damit wohlfühlen und nicht mehr ich.

6

Naja, die Beerdigung ist weniger für die Toten, sondern ein Ritual für die Angehörigen und Freunde. Wenn dein Schwiegervater es so will, würde ich das respektieren. Vielleicht ergibt sich ja die Möglichkeit, zu einem anderen Zeitpunkt Abschied am Grab zu nehmen.

9

Ich kann deinen Schwiegervater verstehen. Als mein Großvater gestorben ist, war das ganze eine riesige Beerdigung. Da waren an die 100 Leute Am Friedhof. Für mich war das schon alles zu viel, wie es meiner Oma ging mag ich mir gar nicht vorstellen. Immerhin war sie da auch schon 91 Jahre alt. Sie hat es aber durchgestanden. Ich verstehe aber auch dich. Ich wurde quasi von der Beerdigung meines Onkels ausgeladen. Seine Kinder, also meine Cousins wollten nur die allerengsten verwandten dabei haben. Ich war kurz irritiert, aber letztendlich sollte man den Wunsch der engsten Hinterbliebenen respektieren. Ich habe mich eben für mich selbst verabschiedet.

12

ich kann deinen Schwiegerpapa voll verstehen.

15

Ich finde auch dass ihr da den Wunsch deines Schwiegervaters akzeptieren solltet. Außerdem würde ich ein kleines Kind so oder so nicht mit auf eine Beerdigung nehmen, das kann schon sehr verstörend sein.

Ich bin auch der Meinung, dass die Beerdigung so gestaltet werden soll, wie es für die engsten Menschen passt.

Ich finde bei vielen das Treffen danach auch echt schräg und mega unpassend, da es für viele wirklich ein Familientreffen ist, gerade nach der langen Lockdown-Zeit.
Ich war dieses Jahr selbst bei sowas wo ich mir dachte, so würde ich das auch nicht haben wollen. Da haben die Verwandten selbst auf dem Friedhof getratscht als wäre es ein ganz banaler Anlass, furchtbar.

Vielleicht kannst du ja wie gesagt alleine hin oder Du machst es wie hier einige geschrieben haben als kleiner privater Abschied für dich.