Familienmitglied in psychischer Notlage? ...Polizei holen?

Folgende Lage: Es geht um eine Person aus meiner weiter entfernten Familie die psychisch krank ist, aber jede medikamentöse Hilfe oder Therapie seit vielen Jahren verweigert. Ein paar Mitglieder aus unserer Familie haben immer wieder lose Kontakt und schauen, dass diese Person quasi trotzdem irgendwie zurecht kommt und nicht auf der Straße landet. Eine gesetzliche Betreuung oder ein Heim lehnt diese strikt ab. Sie lebt allein, ist aber teils psychotisch, teils manisch, teils depressiv und sozial sehr schwierig, Launen wechseln extrem schnell und die kleinste Kritik oder ein Hinweis oder auch ein Hilfsangebot kann dazu führen, dass sie sich aufregt und wüst beschimpft. Körperlich aggressiv ist sie aber nicht. Suizidale Gedanken waren in der Vergangenheit ein Thema, aber kein aktuell geäußertes. Nun haben wir bemerkt, dass niemand aus der Familie seit einem knappen Monat etwas von der Person gehört hat, trotz Kontaktaufnahmeversuche via Handy/WhatsApp/Online. Das ist untypisch. Auch die sonst regen wirren Beiträge auf einigen Online Profilen sind verstummt.

Es ist gut möglich, dass sie gerade keinen Kontakt haben möchte. In depressiven Phasen kommt das schon vor, aber dass so gar keine Reaktion nirgendwo auf nichts kommt, ist untypisch. Nun lebe ich 600 km weit weg und die die sich vor Ort kümmern, sind nun beide gerade im KH und nicht in der Lage nach dem Rechten zu sehen und wüssten auch nicht, wem sie das aufbürden sollten. Wir überlegen nun ob wir die Polizei verständigen sollen? Was ist, wenn etwas passiert ist, sie gestürzt ist oder so verwirrt, dass sie sich in einer hilfslosen Lage befindet?

Es kann aber auch sein, dass sie doch nach diesen Kriterien "wohlauf" ist, sich erstrecht dadurch bedroht fühlt, nicht öffnet oder denen - wie so oft allen Fremden gegenüber - erzählt, dass nur die anderen spinnen und sie selbst in bester Verfassung ist. Manisch-Depressive haben häufig Probleme mit der Einsicht für die eigene Krankheit. Müssten wir dann den möglicherweise als unnötig eingestuften Einsatz zahlen? Und was ist das überhaupt für ein Einsatz? Im klassischen Sinne vermisst ist sie wahrscheinlich nicht, sie hält sich zumeist den ganzen Tag in der eigenen Wohnung auf. Kontakt zu Leuten aus dem Haus gibt es leider aktuell gerade nicht

Ich möchte keinen unnötigen Einsatz produzieren. Womöglich ist alles wie immer. Aber wir machen uns trotzdem einfach Sorgen. Auch eine psychiatrische Zwangseinweisung wurde diskutiert, aber wir denken, sie wäre schnell wieder draußen ohne Wunsch nach Hilfe und Behandlung. So ein wirklich Recht auf Kontakt haben wir ja eigentlich auch nicht und der Kontakt ist immer schwierig und wechselhaft und weit entfernt von gut, obwohl wir eigentlich die einzigen sind, die überhaupt noch Kontakt halten.

Ich bin mir unsicher, was ich tun soll. Ist das ein Fall für die Polizei, da nachzusehen, hinzufahren, die Person anzusprechen, ob sie Hilfe braucht, aufgrund unseres Verdachts, weil sie sich nicht meldet?

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Ich denke, du kannst einfach mal bei der Polizeidienststelle vor Ort anrufen und die Lage schildern. Die haben ja neben dem Notruf eine normale Telefonnummer und sind meistens sehr nett. Meine Freundin bei der Polizei sagt immer: lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig anrufen.
Wahrscheinlich fährt dann mal ein Wagen vorbei und schaut nach dem Rechten.

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Ich würde auch die Polizei vor Ort anrufen.
Wir hatten das mal bei meiner Oma (bevor sie ins Pflegeheim kam): in der Wohnung gestürzt kam nicht mehr alleine hoch.
Meine Mutter zig km entfernt, meine Tante im gleichen Ort nicht verfügbar.
Nachdem meine Oma nicht ans Telefon ging, hat meine Mutter die Polizei gerufen. Die sind dann (über den Balkon? ) in die Wohnung und haben meine Oma gefunden.
Parallel hatten auch Nachbarn die Polizei gerufen, weil meine Oma nämlich mit ihrem Stock geklopft hat, um auf sich aufmerksam zu machen.
Zahlen musste meine Mutter oder Oma nichts.

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Die Entscheidung ist schwierig. Wenn du die Polizei anrufst wird die sicherlich vorbei fahren und mal schauen. ABER bei psychisch erkrankten Menschen kann die Polizei vor der Tür durchaus "nicht positiv" aufgenommen werden. Ich spreche leider aus Erfahrung.

Gibt es wirklich keine andere Möglichkeit. Kennt ihr andere Freunde vor Ort? Ist sie in der Kirche und die Pfarrerin / Pfarrer könnte vorbei gehen?

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Wie die Person das auffasst, ist vollkommen irrelevant.
Es geht darum, zu schauen, ob sie in einer Notlage ist und da würde ich sehr wohl die Polizei anrufen und um Hilfe bitten.
Die sind auch geschult und wissen damit umzugehen, wenn die Person wohlauf, aber not amused ist.

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Auf jeden Fall kannst du die Polizei anrufen.
Da wird dir auch nichts berechnet. Es geht ja darum, die Eventualität einer Notsituation abklären zu können :)

Ruf an, schildere die Situation und frage, wie geholfen werden kann.

Alles Liebe! :)

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Hallo, wie sieht es mit Nachbarn aus? Kannst du da eine Telefonnummer recherchieren und dort einfach mal nett nachfragen?
In der Stadt im Mehrfamilienhaus zum Beispiel im gleichen Haus, ansonsten die Nachbarn der nahegelegenen Häuser. Ländlich vielleicht auch einfach beim Bürgermeister, falls dort einer vor Ort ist.kommt halt immer darauf an. Man muss ja nichts über die Person verraten. Vorstellen, erklären, dass ihr euch Sorgen macht aber zu weit entfernt wohnt, um nach dem Rechten zu sehen und nachfragen, ob die Person in der Nachbarschaft die letzte Zeit gesehen wurde. Vielleicht die Telefonnummer und den Namen hinterlassen, falls im Nachhinein irgendwas auffällig wäre.

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Ich würde mich in einem solchen Fall an den Sozialpsychiatrischen Dienst der Kommune oder des Kreises wenden. Dort wird man mit Euch über weitere Vorgehensweisen sprechen.
So, wie Du den Sachverhalt schilderst, ist es generell ein guter Schritt, den Sozialpsychiatrischen Dienst ins Boot zu holen.

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Als ersten Schritt würde ich jemanden hinschicken, der einfach mal "über den Gartenzaun" schaut. Haben die beiden Kontaktpersonen vor Ort denn keine Bekannten dort, die das mal machen könnten? Nicht klingeln, aber schauen ob der Briefkasten überquillt, dauerhaft Licht brennt....Anzeichen, die schon von Außen erkennen lassen könnten, das irgendwas nicht stimmt....das hat doch nichts mit Bürde zu tun.
Weiß die Person überhaupt, das die Kontaktpersonen vor Ort in der Klinik sind? Wurde sie informiert, auch wenn sie nicht darauf reagiert hat?

Sind wir mal ehrlich, sollte was passiert sein, und seit 4 Wochen besteht dieses untypische Verhalten...ja sorry, dann kann man eh nichts mehr machen.

Kommt die erste Variante gar nicht in Frage, dann ruf vor Ort die Polizei an, nicht die Notfrufnummer. Schildere die Lage, man kann dich dort beraten und ggf einen Streifenwagen vorbeischicken, das kostet natürlich nichts. Falls die Person nicht reagiert und auch andere Anzeichen vorhanden sind (Nachbarn haben sie auch länger nicht gesehen), das etwas nicht stimmt, dann könnte ich mir vorstellen, das die Polizei sich Zutritt verschafft. Was dann geschieht, das liegt nicht in deiner Verantwortung und ist eigentlich auch zweitrangig. Aber handelst du nicht, ist das aus meiner Sicht schlimmer, auch (oder gerade) den Personen gegenüber, die aktuell vor Ort nichts ausrichten können und an ihre eigene Gesundheit denken müssen.

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Hallo, ich würde schon die Polizei verständigen. Die schicken dann eine Streife hin u d gegebenenfalls wird auch die Tür aufgebrochen. Das wird aber erst gemacht, wenn sich der Verdacht erhärtet, dass etwas passiert sein könnte.
Sollte sich herausstellen, dass alles in Ordnung ist, müsst ihr nichts bezahlen. Die Polizei prüft ja erst selber eure Angaben, fragt in den Spitälern nach, versucht die Person selber zu kontaktieren. Wenn die dann entscheiden, die Tür aufzubrechen, machen sie es auf eigene Verantwortung hin.
Und besser, ihr holt euch die Gewissheit, dass alles passt, ihr seid dann wieder beruhigt.
Und sollte wirklich was passiert sein, dann war es gut, dass ihr Hilfe gerufen habt 👍

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Ich schließe mich an, Polizei vor Ort anrufen. Meine Großmutter, die auch ein sehr chaotisches Leben führte ist in ihrer Wohnung gestürzt. Da sie immer mal Phasen hatte, in denen sie spontan für längere Zeit verreiste (und auch ab und an auswanderte) ohne sich bei ihren Kindern abzumelden, hat sich auch niemand etwas gedacht, als sie nicht ans Telefon ging. Bis der Hausmeister viele Fliegen an ihrem Fenster sah...(I
ch war damals Kind und lebte mit meinen Eltern 300 Km entfernt, der Kontakt zu ihr war auch nur sporadisch).