Eltern mit ADhS

Liebe Urbia Gemeinde,
ich suche Rat von Eltern, die selbst von Adhs oder Ads betroffen sind. Ich bin weiblich, Mitte 30, habe ein Baby und Kleinkind. Der gleichzeitige Lärmpegel und das Kinderchaos bringen mich regelmäßig an und über die Grenze. Eine Psychologin, die mich seit der Geburt des zweiten Kindes betreut, hat einen Adhs Test empfohlen, den ich nächsten Monat auch machen kann. Gibt es schon vorab Empfehlungen? Gibt es spezielle Selbsthilfegruppen für Eltern oder Websites bzw. Literatur, die ihr mir empfehlen könntet? Wenn ich suche, komme ich immer an Ratgeber für Eltern betroffener Kinder. Ich freue mich auch über Erfahrungsberichten mit Medikamenten oder was sonst geholfen hat mit der eigenen Impulsivität und Aggressionen umzugehen. Vielen Dank!

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Spannend. Leider ein Thema wozu es wenig gibt. Oder man sehr suchen muss.

Interessant wäre was die Diagnose für dich bedeuten würde, was für Gedanken verbindest du mit dem möglichen Testergebnis?

So als Ansatzpunkt.

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Ich kann dir leider noch nicht aus erster Hand berichten, da wir erst im Januar unser Kind bekommen, aber in der Familie meines Mannes hat jede Generation das ADS mitbekommen.

Bei Frauen äußert sich das Ganze ja oft noch mal anders. Meine Schwiegermutter brauchte immer möglichst feste Strukturen und Rituale, damit sie im Alltag zurecht kam. Außerdem hatte sie gerade am Anfang viel Ich-Zeit nötig, was sie zum Glück dank ihrer nebenan lebenden Mutter bekommen konnte.

Bei ihr wurde das ADS erst diagnostiziert als es schon länger bei ihrem Sohn, also meinem Mann bekannt war. Durch die Strategien hatte sie auch nie das Bedürfnis nach Medikamenten. Und wenn ich mir so meinen Mann anschaue, glaube ich auch nicht, dass sich seine Medikamente gut mit Kindern vertragen würden.

Er ist inzwischen beim dritten Medikament angekommen. Von Ritalin und einem ritalin-ähnlichen Medikament wurde er zwar tagsüber konzentrierter und ausgeglichener, drehte aber abends auf und bekam ganz furchtbare Depressionen.
Inzwischen bekommt er ein Medikament namens Elvanse, das, soweit ich mich erinnere, ein Aphetaminsulfat ist. Auf der Pro-Seite steht, dass er dadurch sehr fokussiert arbeiten kann, weniger zerstreut und deutlich proaktiver ist. Auf der Con-Seite werden seine Körpergefühle, wie Hunger oder Müdigkeit, genauso wie seine Emotionen ziemlich unterdrückt. Er wird ungeduldig, wenn er seinen Kram nicht durchziehen kann und seine sozialen Fähigkeiten nehmen stark ab. Deshalb hat er die Tabletten auch vor 2 Monaten ausgesetzt und fängt höchstens nach der Elternzeit wieder mit einer deutlich geringeren Dosis an.

An deiner Stelle würde ich mich von einem Arzt vernünftig beraten lassen. Oft helfen schon Therapiesitzungen, um sich adäquate Strategien für den Alltag anzueignen.

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Das Thema ist ein weites Feld.
Hier bei Urbia gibt es einen Club dazu.

Konkrete Fragen kannste mir gerne stellen, ich habe es.
Gerade weil ich es habe, sind diffuse allgemeingehaltene Fragen schwieriger für mich zu beantworten.

Literatur gibt es viel. Allerdings auch viel Mist dabei.
Frau Neuhaus ist da sehr im Geschehen und inhaltlich gut. Allerdings habe ich da Mühe mitzuhalten.

Hilfreich für mich war/ist eine Kombi aus Medikation und ADHS-Therapie.
Alte Erwartungsmuster zu ADHS-passenden Strategien umzuwandeln.
Bspw. ist vieles auf nicht ADHSler angepasst. Was SInn macht, weil vieles ja nicht haben.
Nur blockiert mich das oft. Als ADHS-Fisch kann ich zwar super schwimmen. Aber ich komme mit Vogel-Taktiken nicht klar. Seit ich das weiß, erkenne, anerkenne und typisch-ADHS einschätzen kann, nutze ich Fisch-Taktiken. Damit komme ich auch ans Ziel.
Für nicht AHDSler (Vögel) schwer nachzuvollziehen. Was auch ok ist. Vögel schwimmen auch nicht so gut (von Pinguinen mal abgesehen). Das müssen sie auch nicht. Ihre Luftwege bringen sie ans Ziel.

Da haben mir ganz viele (vor allem die Wesentlichen) Informationen geholfen.
Hans guck in die Luft und Zappephilipp sind eigentlich nur Nebensymptome. ADHS ist sooo viel mehr - weswegen es ja auch viele Bücher zu dem Thema gibt. Das könnte ich gar nicht in einen Beitrag packen. Es ist einfach eine andere Lebensform (Vogel / Fisch). Beides ist in Ordnung und beides kann super sein - wenn man weiß, was man selbst ist ;-)

Sei offen für das was kommt.
Beantowrte Fragen ehrlich, auch wenn sie dir vielleicht unangenehm sind.

Lass auch deine Blutwerte und anderes checken. Schilddrüsenüberfunktion / Schilddrüsenunterfunktion, Diabetes etc. können ähnliche Symptome auslösen!

Guck mal in deiner Verwandtschaft. Oft ist es vererbt.

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Hallo, ich habe zwar keine Diagnose aber ADHS liegt bei uns in der Familie. Bei meinem Bruder wurde es damals diagnostiziert und ich bin ihm sehr ähnlich. Meine Mama sagt immer ich hätte ADHS.

Ich habe mir im Internet so bestimmte Ohrstöpsel bestellt. Die sehen aus wie goldene Ringlein und kommen wie Ohrstöpsel direkt ins Ohr. Damit hört man nach wie vor alles aber etwas gedämpfter. Die helfen mir sehr da ich dann nicht mehr mit den lauten Geräuschen überfordert bin. Ich mache sie nur rein wenn ich eh weiß dass die Kinder Grad knatschig sind, z.B. müde.

Mir hilft es auch, um nicht zu impulsiv zu reagieren, immer ganz klar anzusagen wie es mir Grad geht. Z.b. "mir steht die wut schon bis hier (zum Hals) gleich will sie aus meinem Mund rauskommen und das möchte ich nicht." Dann klappt es meistens was gemacht werden muss. Oder ich Versuche mich aus der Situation kurz rauszunehmen. Das ist für mich aber sehr schwer.

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Hättest du mir einen Link zu den Ohrstöpseln? Vielen Dank!

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Hey!
In dieser Situation steckte ich Anfang des Jahres und habe dann auch die Diagnose adhs erhalten. War deine Konzentration denn vorher schon auffällig?

Deine Psychologin soll auch mal mit dir einen IQ-Test durchführen. Bei mir kam noch die Diagnose Hochbegabung dazu. Viele adhs-Symptome können auch durch ein Underachievement ausgelöst werden.

Liebe Grüße
Schoko

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Ansonsten bin ich medikamentös eingestellt worden, was mir sehr gut geholfen hat. Eine Therapie solltest du gleichzeitig machen, um neue Fähigkeiten umsetzen zu können.

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Ich bin mit Anfang/Mitte 20 selbst zufällig auf die Diagnose ADS gekommen, was dann auch ärztlich bestätigt wurde.
Da wir erst in ca. 2 Wochen unser erstes Kind bekommen, kann ich noch nichts dazu sagen, wie sich mein ADS auf das Elternsein auswirkt.

Was mir damals geholfen hat (ist mittlerweile bestimmt 15 Jahre her) war, mich viel im Internet zu informieren. Es gibt auch spezielle Foren (weiß leider nicht mehr genau wie das hieß wo ich damals angemeldet war) wo man sich mit anderen austauschen kann.
Ich war auch ne zeitlang bei einer Psychologin (war Zeitverschwendung...) und nem Neurologen wo ich auch Medikamente bekommen hatte. Die Medikamente sind aber nicht meins, bei mir war bzw. ist eher das emotional impulsive das Problem und weniger die Unkonzentriertheit, und da hilft leider kein Medikament.

Zum Lesen kann ich sehr das Buch "Lass mich, doch verlass mich nicht" empfehlen. Hatte mich sehr darin wieder gefunden. Ist jetzt aber nichts wo es jetzt speziell um Kindererziehung geht.

Ein Patentrezept wie man am Besten mit der Impulsivität umgeht hab ich leider auch noch nicht gefunden, ich denke dass wird auch nie ganz weg gehen wenn man betroffen ist.
Je älter man wird, und je mehr man über sich selbst weiß, wieso weshalb warum man jetzt so reagiert wie man reagiert, desto "besser" wird es aber, bzw. lernt man damit umzugehen.

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Mir hilft medikinet gegen die Impulsivität tatsächlich sehr gut.

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"und da hilft leider kein Medikament."

um deine Formulierung zu konkretisieren: bei dir mag vielleicht kein Medikament in dem Punkt helfen.
Generell kann es schon helfen.

Es kommt darauf an, dass es das richtige Präparat und die richtige Dosierung ist.
Das richtige Präparat in falscher Dosierung kann die Impulsivität verstärken.

Wie weit im Einzelfall ausprobiert wird, ist individuell und für jeden für sich zu entscheiden.
Mir hilft mein Medikament sehr, sehr gut gegen die Impulsivität. Allerdings nur gegen die, die vom ADHS kommt.

Gegen die Gereiztheit und Schwankungen, die von der Schilddrüse kommen, brauche ich andere Medikamente.

Wer ADS/ADHS + andere Erkrankungen hat (was es durchaus auch gibt), braucht wiederum anderes.

Strategien und das individuell passende Medikament können helfen. Welche das sind, ist individuell herauszufinden.

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Als meine Zwillis klein waren, war ich oft überfordert, Zeit für mich hatte ich da gar nicht und vor allem der Schlafmangel hat mich fertig gemacht.
Bei mir wurde ADS diagnostiziert, nachdem es bei meinem Sohn mit 6 Jahren diagnostiziert wurde.
Was mir am meisten hilft, ist Ich Zeit und Verständnis für mich selbst, dass ich halt bin wie ich bin.

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Medikinet habe ich mal probiert, aber habe davon Herzrasen bekommen und es dann sein lassen. Da ich zudem eine Sozialphobie habe, fällt es mir eh schwer, mich auf einen Psychiater oder Psychologen (oder sonstige Ärzte) einzulassen.
Ich komme mit meinen Strategien ganz gut zurecht und der Leidensdruck ist nicht groß genug um nochmal zu einem Arzt deswegen zu gehen.

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Hallo informier dich doch mal über Hochsensibelität. Da gibt es gute Bücher und Ratgeber. Vielfach wird dies mit ADHS ADS verwechselt.

https://www.beltz.de/sachbuch_ratgeber/produkte/details/42806-hochsensibel-mama-sein.html

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Hochsensibilität kann ein Teil von ADS/ADHS sein.
Liegt ADS/ADHS vor, lohnt es sich das Gesamtpaket zu behandeln (hochsensibel wird dabei mit berücksichtigt)

Nur hochsensibilität betrachten, wenn ADS/ADHS als Gesamtpaket vorliegt (u.U. mit Hb oder anderen Ergänzungen), kann das stark zurückwerfen, weil es nur ein Teil der Miete ist.

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Jop, das Gesamtpaket adhs, Hochsensibilität und HB habe ich auch. Ich wünsche mir Scheuklappen 🙈

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Hallo meine Liebe,

ich habe vor kurzen selbst die Diagnose ADHS erhalten. Nach einem wirklichen langen Leidenwegs (bin jetzt Anfang 30). Habe immer gedacht ich bin dumm und irgendetwas stimmt nicht mit mir. Lärm und Nebengeräusche, Gerüche oder normale Geräusche haben mich wahnsinnig getriggert und ich hatte häufig Migräne durch die ständige Überreizung. Konnte mich immer schon schlecht konzentrieren, mache tausend Sachen aufeinmal und stehe quasi ständig unter Strom (zeigt sich auch durch Zittern der rechten Hand und unruhige Beine). Habe dann vor 3 Jahre ein Kind bekommen (absolutes Wunschkind!) aber ab da wurden die Symptome durch die Dauerüberreizung schlimmer und aufgrund eines Erschöpfungssyndroms und Depressionen hat mich meine Therapeutin dann endlich zum ADHS Test geschickt. Dieser ergab dann: Ja ich leide an ADHS. Für mich Schock und Erleichterung zugleich. Aber es erklärt warum ich bin wer ich bin. Ich bin nicht anders oder dumm, es ist eine neurologische Erkrankung.
Nehme jetzt seit 2 Monaten Medikinet (ähnlich wie Ritalin) und ich bin seitdem fokussiert, kann mich konzentrieren, das Zittern ist weg, ich liebe es wenn meine Tochter dauerquasselt und Trotzanfälen kann ich entspannt entgegen treten, zudem sind meine Kopfschmerzen kaum vorhanden. Aktuell warte ich auf einen Platz bei einer Verhaltenstherapie, denn ich möchte versuchen auch irgendwann vielleicht ohne Medikamente zurecht zu kommen.