Schwester kommt mich nie besuchen - Flugangst & Kostengründe

Hallo an alle,

ich weiss selber nicht so genau, was ich mit diesem Post bezwecke..... Vielleicht muss ich mir das einfach mal von der Seele schreiben. Vielleicht hat hier aber auch jemand einen guten Tipp oder Denkanstoß für mich. Oft hilft es ja neutrale Meinungen zu hören.

Ich bin vor knapp bei zwei Jahren mit meinem Mann und unserem Kind (2) in seine Heimat gezogen. Das war schon lange geplant und deswegen haben wir uns auch von der Corona-Pandemie nicht von diesem Plan abbringen lassen. Wir wohnen im europäischen Ausland 2 Flugstunden von meiner Heimatstadt entfernt.

Seitdem habe ich meine große Schwester nur 2x gesehen als ich meine Familie in der Heimat besucht habe. Sie drückt sich davor mich besuchen zu kommen. Das hat im wesentlichen 2 Gründe. Zum einen hat ihr Mann Flugangst. Das ist definitiv keine Ausrede. Die beiden fliegen niemals und fahren deswegen immer mit dem Auto in den Urlaub. Zum anderen ist die finanzielle Situation der Familie schwierig. Sie haben zwei Kinder (11 und 9) für die sie den vollen Preis bezahlen müssten; egal ob sie nun Flugtickets oder Bahnticket kaufen würden. Es wäre möglich die Strecke mit dem Zug zu fahren. Allerdings wäre man da wirklich den kompletten Tag von Sonnenaufgang bis in die Nacht unterwegs und müsste mindestens 2x umsteigen. Vom Preis her wäre es teuerer als Flüge mit der Billigairline.

Momentan wohnen wir in einer eher kleinen Mietwohnung. Hier wäre es schwierig bis unmöglich gewesen 4 weitere Personen als Gäste einzuladen. Wir stehen kurz davor eine Wohnung zu kaufen und hätten dann deutlich mehr Platz und könnten meine Schwester und ihre Familie einladen bei uns zu übernachten, damit sie sich die Hotelkosten sparen können. Ich traue mich aber gar nicht das Thema anzusprechen, weil es wirklich ein sehr wunder Punkt ist. Als ich zuletzt mit meinem Schwager darüber gesprochen und vorsichtig erwähnt habe, dass man Flugangst auch behandeln/überwinden kann, hat er aufgehört mit mir zu reden. Er ist beim Spaziergang schweigend neben mir her gelaufen als hätte er plötzlich das Sprechen verlernt. Als ich das Thema gewechselt habe, hat er sofort wieder ganz normal mit mir gesprochen.

Meine Schwester sitzt da etwas zwischen den Stühlen. Ich weiss dass sie mich gerne besuchen würde und eigentlich auch gerne mal eine Urlaubsreise mit dem Flugzeug machen würde. Sie ist aber nicht der Typ, der dann einfach ohne den Mann in den Urlaub fliegt.

Was würdet ihr an meiner Stelle machen? Bin ich selber schuld, weil ich ja schließlich diejenige bin, die ins Ausland gezogen ist? Oder sollte sich mein Schwager einfach mal zusammenreißen und seine Flugangst überwinden bzw. mit dem Zug fahren, wenn eine Flugreise partout nicht infrage kommt?

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Ich denke, dass Du durch die Situation mit deiner Schwester realisiert wie weitreichend die Entscheidung ist, die du gefällt hast als Du ins Ausland gezogen bist, weg von deiner Familie. Du hast die Distanz geschaffen und sowas zieht für gewöhnlich nach sich, dass sich manche Beziehungen lösen oder sehr viel seltener gemeinsame Erfahrungen gemacht werden können, wodurch man sich eben auch entfremden kann. Deine Erwartungshaltung, dass dich nun alle da besuchen kommen müssen, finde ich zu hoch. Insbesondere wenn das Geld knapp ist. Und fliegen ist halt nicht für alle Menschen auf dieser Welt was. Braucht man auch nicht für den Alltag. Wenn der Schwager also keinen Leidensdruck im Alltag verspürt, warum soll er dann nur wegen dir zur Therapie??? Ich sehe eher dich in der Pflicht deine Familie zu besuchen um den Kontakt zu halten, denn sie haben ja keine Wahl gehabt. Du schon. Um die negativen Folgen abzufederm sehe ich dich da mehr in der Verantwortung. Oder du akzeptierst, dass es nicht mehr ist wie früher und es wohl so bleiben wird. Sie einladen finde ich nett, aber ich könnte es verstehen, wenn es meistens nicht klappt, zu teuer ist etc.

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Ich habe Flugangst und ich sage dir, man kann sich nicht zusammen reißen und es einfach hinter sich bringen. Ich kann nur in Begleitung meines Mannes fliegen, voll mit Beruhigungsmitteln. Mein Mann muss nicht nur darauf achten muss, wie es mir geht (und ich mich dabei nicht unangemessen verhalte und aus dem Flgzeug fliege etc.), sondern sich auch um die Kinder kümmern. Es ist jedes Mal ein Drama.

Wenn die Familie wenig bis kein Geld hat, würde ich auf dem Thema nicht herum reiten. Du wusstest darum und bis dennoch (was dein Recht ist) weg gezogen. Dass man diese Entscheidung nicht unterstützen muss als Schwester etc. sollte klar sein. Auch dass es problematisch sein kann sich zu sehen.
Für die Familie ist es bestimmt nicht einfach finanziell knapsen zu müssen, besonders mit Kindern. Vielleicht ist ihr Alltag und die Dinge, die sie dort ihren Kindern ermöglichen wollen Last genug, die kaum zu finanzieren ist. Da ist es egoistisch, wenn sie das wenige Geld in einen Besuch investieren sollen und dann wahrscheinlich in einem Gästezimmer oder einem Hotel der billigsten Sorte leben sollen.

Du sprichst ja auch von einem Hotel, da ihr noch keine Wohnung habt die groß genug ist, lohnt denn die Gegend oder seid ihr für die Schwester und Anhang die einzige Attraktion? Wenn ich kein Geld habe und in eine "langweilige" Provinz fahren muss, wäre das defintiv ein Ausschlußkriterium, für das Wenige, was man hat, möchte man schon was unternehmen. Oder ist eure Wohngegend vielleicht sehr teuer? Könnte dann auch ein Problem sein.

Wäre es denn möglich mit dem Auto hinzufahren? Oder sich auf halbem Weg mal zu treffen und ein paar Tage erschwinglich miteinander zu verbringen? Vielleicht klappt sowas bzw. wenn deine Schwester wirklich auch so dringend zu dir kommen wollte, hätte sie immer noch die Option allein zu kommen. Die Kinder sind groß genug.

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Wenn ich dich richtig verstehe, hast du Flugangst und fliegst trotzdem mit deinem Mann und Kindern? Du schreibst von "jedes Mal"; also scheint ihr ja auch schon häufiger geflogen zu sein? Dann ist es ja möglich die Flugangst zu überwinden ;-)

Die neue Wohnung werden wir wahrscheinlich schon im Sommer beziehen und dann könnten sie bei uns übernachten. Ein Hotel wäre dann nicht nötig. Die Region, in der wir leben, ist keineswegs eine "langweilige" Provinz sondern sehr beliebt bei Urlaubern. Von Freunden/Bekannten aus Deutschland werde ich regelmäßig beneidet, dass ich hier lebe und das schlechte Wetter in Deutschland nicht mehr ertragen muss ;-)

Es wäre theoretisch möglich mit dem Auto zu fahren. Das wären pro Fahrt ca. 15 Stunden ohne die Pausen. Das möchte ich ihnen, gerade mit 2 Kindern, auch nicht zumuten.

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Warscheinlich fliegt Sie einfach weil Sie keine andere Wahl hat und gezwungen ist.Würdest du dich freiwillig mit Beruhigungsmitteln zuknallen bis du unzurechnungsfähig wärst?
Meine ehemalige Arbeitskollegin hat panische Flugangst,ist in Behandlung und geht zum Neurologen.Sie war Medikamentös eingestellt und wollte es mehrmals versuchen,musste immer abbrechen und war danach jedesmal fix und fertig.Das ist nichts was man einfach mal überwinden oder abstellen kann und ist doch klar dass es für ihn mega unangenehm ist wenn er darauf angesprochen wird.Da hätte ich mich auch geschämt..
Und dann noch die Kosten.An deiner Stelle würd ich's einfach dabei belassen dass die nicht zu dir fahren.Dann muss man halt mit klarkommen dass man sich seltener sieht🙈

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"Oder sollte sich mein Schwager einfach mal zusammenreißen und seine Flugangst überwinden bzw. mit dem Zug fahren, "

Bis zu dem Satz davor hattest du noch Sympathie bei mir und einigermaßen das Gefühl, dass du dir Gedanken machst.

Beim Zitierten würde ich dir die Verwandtschaft kündigen.
Ich habe Flugangst und würde dich bei der Frage nicht mal mehr ansehen danach.
Einmal darf mich jemand fragen, ob es Möglkeiten gibt. Beim zweiten Mal oder gar "zusammenreißen" #wolke
Zur Info: wenn mir jemand mit Spinnenphobie oder anderen heftigen Ängsten (auch ohne Phobie) begegnet, nehme ich das auch ernst.

Zur eigentlichen Situation:
es ist deine Entscheidung woanders hin zu ziehen und auch dein gutes Recht, wie man so sagt.
Aber die Konsequenzen sind dann so wie sie sind.
Die Flugangst war sicher vorher schon bekannt.

Ich selbst habe Verwandte weiter weg.
Ich fahre viel öfter hin.
Das ist ok so!
- Erkrankungen
- Pflege von Angehörigen
sind Gründe davon.

Aber auch: warum sollen x Personen zu mir fahren, wenn es einfacher ist zwei Personen hin zu fahren.
Wenn wir hinfahren, treffen wir ganz viele Menschen, die uns wichtig sind.
Würde viele zu uns fahren, wären wir dauerbeschäftigt mit Gästen.

Umgezogen ist eine Generation vor mir. Also so gesehen kann ich selbst nichts dafür.
Mir sind die Menschen wichtig, meinem Kind auch, also fahren wir hin.
Ein Aufrechnen finde ich da massiv fehl am Platz.

Klar, traurig bin ich ab und zu auch und das gestehe ich mir zu.
Aber never ever würde ich einer Person die Frage stellen, ob sie sich mal zusammen reißen soll oder andere Ärzte fragen.
Das finde ich bei meiner Flugangst massiv übergriffig
und finde ich umgekehrt übergriffig, wenn es um andere Erkrankungen, Pflegefälle etc. geht.

Wenn sie es freiwillig tun, weil sie es sich selbst zu trauen und probieren möchten, dann freue ich mich. Auch wenn sie kurzfristig absagen, weil es ihnen dann doch nicht möglich ist. Ebenso respektiere ich es, wenn sie direkt sagen, dass sie es nicht machen. Das ist mir sogar lieber, weil dann kann ich besser planen.
So plane ich ein, dass wir die Strecke mit den Öffentlichen fahren. Entsprechend bleiben wir dann auch länger. Entsprechend machen wir direkt eine Rundreise von mehreren Verwandten.

Mein Kontakt zu denjenigen, die so ca. 1000 km entfernt wohnen ist übrigens besser, als derjenigen in der Nähe.
Aber wie schon erwähnt: wir respektieren uns, telefonieren viel und drücken uns nicht so Fragen/übergriffige Aufforderungen rein.
Wie gesagt, einmal fragen wäre ok gewesen, dann hätte ich dir höflich geantwortet. Schweigen des Schwangers finde ich da auch noch höflich, wenn seine Angst so massiv ist und sie es konsequent umsetzen. Ein weiteres mal das Thema ansprechen wäre aus und vorbei.

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Ich würde dem Ganzen noch ein bisschen mehr Zeit geben. Du bist ja selbst in 2 Jahren erst 2mal in der Heimat gewesen, richtig?

Am ehesten würde ich das persönlich ansprechen: flieg doch mal wieder hin, verabrede dich mit deiner Schwester allein zum Essen und sprecht darüber: du verstehst, dass es wegen der Flugangst und auch finanziell schwierig ist. Und du weiß auch, dass du ja diejenige bist die weg gezogen ist. Dennoch würde es dich sehr freuen, wenn ihr euch weiterhin regelmäßig seht und wenn auch sie dich mal besuchen kommt. Frag sie doch, ob sie eine Idee hat, wie ihr das regelmäßig hinbekommt und ob es ihr auch wichtig ist, dass ihr euch oft seht.

Ggf. wäre es ja auch eine Option, dass sie allein mal zu Besuch kommt? Weniger Kosten, Mann mit Flugangst kann zu Hause bleiben...

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Die Tatsachen sind doch bekannt, was soll so ein Gespräch bringen, außer die Schwester in die Ecke zu drängen oder gar den Eindruck zu erwecken, es sei ihr nicht wichtig, ihre Schwester zu sehen?

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Und warum besuchst DU die beiden nicht einfach öfter, wenn du sie so vermisst??

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Wenn deine Schwester allein käme, wären alle Problemchen mit einem Mal dahin.
Und es ist ja auch kein Urlaub in dem Sinne.
Sie besucht hat ihre Schwester. Das kann man durchaus mal alleine machen, finde ich. ;)

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Da hast du prinzipiell total Recht, aber wenn die Kohle knapp bemessen ist, überlegt man sich eben 5 Mal, ob man sich allein den Luxus gönnt oder lieber der ganzen Familie 1-2 Tage gemeinsam in einem Freizeitpark oder im Zoo gönnt.

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Ja, das versteh ich auch.
Aber da müsste man mal gegenrechnen.
1 Tag Freizeitpark 4 Personen - richtig teuer!
Ich denke, man bekommt in jedes europäische Ausland günstigere Round Trip Tickets ... leider eher mit dem Flugzeug, als mit dem Zug.

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Ja, ich finde, du bist „selbst schuld“ an der Situation, wie sie nun mal ist. Dein Mann und du habt die Entscheidung getroffen, ins Ausland zu ziehen - das ist auch euer gutes Recht.
Aber nun zu erwarten, dass dein Schwager sich mal zusammenreißt oder in Therapie geht, das geht zu weit. Nur weil ihr scheinbar in einer bei Touristen beliebten Region wohnt, muss nicht jedes andere Familienmitglied jetzt automatisch den dringenden Wunsch verspüren, euch dort zu besuchen. Schon gar nicht, wenn man mit Flugangst zu kämpfen hat und das Geld sowieso knapp ist.
Es geht ja nicht nur um den Flug an sich. Eine Autofahrt kostet ebenfalls Geld (und Nerven) und eine Zugfahrt auch. Vor Ort möchte man dann ja auch etwas erleben, ggf mal auswärts essen u.ä. und euch nicht permanent auf der Tasche liegen durch die Übernachtung bei euch. Vielleicht ist all das finanziell einfach nicht drin m, vielleicht nicht einmal wenn deine Schwester alleine kommen würde.

Außerdem sagtest du ja selbst, dass ihr momentan noch nicht den Platz für Gäste hättet. Somit wäre doch ein Hotel nötig gewesen, also noch mehr Ausgaben. Dazu kommt, dass die Pandemie 2 Jahre lang wütete (und es immer noch tut…) und je nach Reiseziel die Ein-und Ausreise nicht so easy war wie bisher - da waren ja z.T. PCR-Tests gefordert und die Kosten auch eine Stange Geld (für Reisezwecke, und das dann 4x, da kommt was zusammen). Ehrlich gesagt wäre ich die letzten 2 Jahre auch auf Auslandsreisen nicht scharf gewesen aufgrund der Pandemie.

Wenn dir die Bindung zu deiner Schwester so wichtig ist, dann lade sie doch mal alleine ein. Oder - ganz verrückte Idee - flieg DU doch mal hin ohne deine Familie. Ein (verlängertes) Wochenende kommen sie bestimmt auch ohne dich aus.
Aber von eurem neuen Zuhause an einem Urlaubsdomizil aus nun die Familie zu euch z zitieren trotz Flugangst und finanzieller Sorgen halte ich für überzogen.

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Wenn es dir so wichtig ist, dass deine Schwester dich besuchen kommt, trotz ihrer engen finanziellen Situation, dann könntest du ihr doch Flug/Hotel bezahlen.
Dann könnte sie dich ein paar Tage besuchen, ohne Mann und Kinder.

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Ich sehe es in Deinem Fall so, wie ich es bei einer Umgangsregelung sehen würde: Derjenige, der die Distanz geschaffen hat, ist in erster Linie dafür hauptverantwortlich, die geschaffene Distanz zu überwinden, wenn er Kontakt möchte.

Du bist ins Ausland gezogen. Ist auch ok.
Aber Du kannst von Deiner Schwester nicht verlangen, dass sie
a) von nun an den Urlaub mit der ganzen Familie nur in Deinem Wohnort verbringt, selbst wenn es ein Touristenort ist
b) große finanzielle Opfer dafür aufbringt, was Flug und Hotel betrifft
c) selbst wenn ihr mal eine größere Wohnung habt, ist es trotzdem kein richtiger Urlaub, denn unter Urlaub verstünde ich eine Unterkunft, in der ich gar nichts machen muss, verpflegt werde und den Tag über tun und lassen kann, was ich will. Ohne Rücksichtnahme auf meine Gastgeber oder die Verwandtschaft.

Von Deinem Schwager zu verlangen, eine Therapie gegen die Flugangst zu machen, ist mehr als übergriffig.

Du kannst selbst wieder nach Hause fliegen, so oft es Dich nach der Gesellschaft Deiner Schwester verlangt.
Aber beschwere Dich nicht, wenn sie nicht zu Dir kommen will.