Ist diese Aufteiung fair?

Hallo,

ich hätte gerne mal die Meinung von neutralen Personen bezüglich der Aufgabenverteilung von meinem Mann und mir. Ist diese Verteilung gerecht?

Wir sind Anfang 30, wohnen in einer kleinen Mietwohnung und haben ein einjähriges Kind mit vielen medizinischen Problemen. Ich bin aktuell noch in Elternzeit.
Wir haben keine Familie in der Nähe, die mal aushilft.

Meine Aufgaben: Das Kind 24/7 betreeuen inklusive alle Nächte, Therapietermine und Arztbesuche für unser Kind planen und begleiten (meist 2 Termine pro Woche), Papierkram für unser Kind (Anträge, Arztbriefe usw.).
Spezielle Einkäufe für das Kind (Kleidung, Windeln, Brei). Haushalt, soweit mit Kind möglich (Staubsaugen, Wäsche, Bad putzen)

Meine Freizeit: Samstag und Sonntag je ca 2 Stunden, während mein Mann mit unserem Kind spazieren ist (aber nur, wenn er a) Lust hat und b) das Wetter ok ist).
Ansonsten geht das Kind zwar gegen 19 Uhr ins Bett, wacht in den ersten 3 Stunden aber teilweise alle 30 Minuten auf. Ich kann also ab 19 Uhr einen Film schauen, werde aber dauernd unterbrochen. Um 21 Uhr muss ich ins Bett, damit ich bis zum Aufstehen um 5 genug Schlaf bekomme. ;)

Die Aufgaben meines Mannes: Erwerbsarbeit in Vollzeit (Lehrer), Lebensmitteleinkauf, Kochen, wenn er Lust hat (ansonsten gibt es Abendbrot), Papierkram (unsere Finanzen und Versicherungen), Organisation das Auto betreffend, abends das Wohnzimmer und die Küche aufräumen. Am Wochenende morgens 2 Stunden mit dem Kind raus gehen.
Wenn er von der Arbeit kommt, spielt er meist noch ca eine Stunde mit dem Kleinen, aber nur, wenn es in seinen (Freizeit)plan passt.

Seine Freizeit: Jeden Abend ab 20 Uhr, 2-3 Abende die Woche fest verplant (Sport usw.), dazu kommen noch unregelmäßige Abendtermine für ehrenamtliches Engagement im Verein, wegen Corona momentan am Wochenende keine Wettkämpfe, kommt aber bald wieder. Darüber hinaus trifft er sich auch mal spotan abends mit Freunden.
Dazu kann er jede Nacht durchschlafen, weil im Wohnzimmer schläft und am Wochenende bleibt er auch gerne mal bis 7 oder 8 liegen und spielt mit dem Handy, während unser Kind seit 5 Uhr wach ist.

...

Ist es fair, dass derjenige, der Erwerbsarbeit leisten muss, so viel mehr Zeit für sich hat? Dazu noch jede Nacht den vollen Schlaf?

Ist unsere Aufteilung fair?

Anmelden und Abstimmen
1

Hallo!


Eigentlich ist es egal was andere dazu sagen. Denn man ließt ja raus das du es nicht fair findest.

Lg Janine

3

Ja, ich finde es nicht gerecht. Aber gerade, wenn ich wütend bin m, täuscht mich meine Einschätzung auch mal gewaltig. Deswegen würde ich gerne eure Meinungen hören.

2

Außer die Abende finde ich es jetzt bei euch nicht unbedingt ungerecht verteilt. Anders würde es aussehen, wenn du wieder arbeiten gehst. Dann müssten hier und da was verändern.
Die Abende finde ich so jedoch nicht in Ordnung. Zumindest dann, wenn es euch stört.
Ich würde da an deiner Stelle auch ein oder zwei Abende einfordern, an denen er das Kind ins Bett bringt und versorgt. Oder alternativ einen Nachmittag. In der Zeit gehst du dann zum Sport oder einfach mal eine Runde für dich was machen.
Das Ehrenamt muss dann vielleicht mal ruhen. Dafür hat aber auch (fast) jeder Verständnis.

4

Nichts für Ungut, aber derlei Threads häufen sich in letzter Zeit derart, dass ich allmählich an deren Ernsthaftigkeit zweifle. "Hilfe, mein Partner hat Samen gespendet und alles andere mache ich, aber ich weiß nicht, ob ich übertreibe, ist das fair?"
Sollte der Thread ernst gemeint sein, wirst du dir die Frage selbst beantworten können.

6

Joa, macht vielleicht aber auch nur deutlich, dass viele Frauen bei diesem Thema immer noch sehr verunsichert sind und es eben nicht die eine Patentlösung gibt?

13

Naja er arbeitet, kauft ein, kocht, räumt Wohnzimmer und Küche auf, spielt nach der Arbeit mit dem Kind … was hat das mlt „nur samenspender“ zu tun ?

weiteren Kommentar laden
5

Du weißt selbst, dass die Aufteilung nicht gleichberechtigt ist, wenn du das mit fair meinst. Ich bezweifele aber ehrlich gesagt auch, dass deine gleichberechtigt Aufgabenteilung möglich ist, wenn einer komplett zuhause ist und einer Arbeiten. Was genau wünscht du dir denn von ihm? Dass er sein Ehrenamt aufgibt? Den Sport? Die Nächte übernimmt? Morgens früh aufsteht? Dann musst du deine Erwartungen klar formulieren. Insgesamt (räumt die Küche und Wohnzimmer auf, kümmert sich ums Essen, alleine am WE mit Kind was unternehmen) scheint ja nicht Hopfen und Malz verloren zu sein.

7

Meiner Meinung nach bist du in die typische Falle getappt anzunehmen, dass Erwerbsarbeit eine höhere Wertigkeit hat als die Care-Arbeit für das gemeinsame Kind. Und da musst du ansetzen. Ohne deine Care-Arbeit könnte dein Mann seiner Erwerbsarbeit (und seiner Freizeitbeschäftigung) nämlich nicht nachkommen, denn er hat genauso Verantwortung für das Kind.
Das bedeutet in meinen Augen letztendlich, sobald er nach Hause kommt, seid ihr beide für das Kind und den Haushalt zuständig. Welche Verteilung ihr dann beide als fair empfindet, müsst ihr ausdiskutieren. Ich würde an deiner Stelle sofort einfordern, mindestens 2 Nächte durchschlafen zu dürfen. Wieviele freie Abende du brauchst, um Serien zu schauen, lesen, zum Sport zu gehen u.ä. musst du entscheiden. Du brauchst genauso Erholungsphasen, um den anstrengenden Alltag mit (krankem) Kind bewältigen zu können.

Aber unabhängig von eurem Ungleichgewicht, hast du mal versucht, euer Kind später ins Bett zu bringen? 19 Uhr Schlafenszeit und 5 Uhr Aufwachzeit klingt für mich fast danach, als sei das Kind noch nicht ausreichend müde.

8

Hi,
dein Mann ist ja anscheinend grundsätzlich bereit, sich einzubringen, das ist ja schonmal eine gute Grundlage. Dir ist es verständlicherweise zu viel, euer gemeinsames Kind quasi rund um die Uhr zu betreuen.
Stillst du nachts oder könnte dein Mann zumindest eine Nacht an den Wochenenden übernehmen? Das hilft ja schon, dass du mal ausschlafen kannst. Ich hab gelesen, dein Mann geht einkaufen? Mache ich mit 2 Kindern und das total gerne (sind sie wenigstens beschäftigt 😅)! Vielleicht könnte dein Mann euer Kind mitnehmen (wenn das medizinisch geht)?
Ansonsten finde ich schon, dass auch du 1-2 feste Nachmittage und/oder Abende haben solltest, an denen dein Mann übernimmt. Das würde ich auch so ganz konkret vereinbaren. Montag und Mittwoch hat er das Kind, o.ä.
Liebe Grüße und gutes Durchhalten!

9

Dein Mann kann mit dem Kind doch auch mal was anderes unternehmen als immer nur spazieren gehen - dann wird es auch nicht langweilig und dauert mal länger als 2 Stunden….
Ein Ausflug in den Tierpark, schwimmen, Spielplätze, Burgen,…..
Ich hätte auch keine Lust jeden Samstag und Sonntag mit dem Kind 2 Stunden spazieren zu gehen 🙈
Davon ab, ich finde im Gegensatz zu anderen Männern hier macht er schon ganz schön viel und ich weiß wie das ist. Wenn man sich abends keine Termine macht, klappt das nicht mit der Zeit für sich.verabrede dich abends mit ner Freundin zum Essen oder geh zum Sport oder so, gib ihm den Termin eine Woche im Voraus und dann muss er das einplanen!

10

Du hast deinen Ausgangstext ja so formuliert, dass die Antwort schon vorgegeben ist, die der Leser treffen soll.
Du fühlst dich benachteiligt, das ist das Fazit deiner Ausführungen.
Warum reicht dir das nicht, und du brauchst Bestätigung ?
Um was zu ändern, reicht doch, dass du dich nicht wohl fühlst, dann können 100 andere was anderes sagen, für dich bleibt es doch ein Problem.
Was hindert dich daran, mehr Freiraum für dich zu beanspruchen?
Hast du Ansgst, dass dein Mann ablehnend reagiert und wenn ja wie würdest du dann weiter machen?
Hast du die Befürchtung dich nicht durchsetzen zu können?
Wo liegt die Hürde, das Thema anzugehen?
Erwartest du vielleicht von dir selbst dass du das eigentlich so akzeptieren musst wie es ist, weil derjenige der das Geld verdient, derjenige ist, der bestimmt da sein Beitrag der vermeintlich wichtigere für die Familie ist?
Und er daher auch selbstverständlich mehr Recht auf Freizeit und Erholung hat?
Viele Männer sagen das ja auch so und sind der Auffassung, dass es ihnen zusteht mehr Freizeit zu haben.
Da ist dann eine Diskussion unausweichlich wenn der arbeitende Partner die Arbeit im Haus und mit dem Kind als weniger wertvoll betrachtet.
Solche Einstellungen beim Mann dann noch im Nachhinein zu ändern ist sehr schwierig.
Das zu klären wäre vor der Kinder Planung nötig gewesen und bei der Auswahl des Partners sowieso.
Ihr habt jetzt schon ein Jahr lang diese Schiene gefahren, viel zu lange, so dass es jetzt um so schwerer ist, da raus zu kommen, denn dein Mann hat sich an die Situation gewöhnt und wird seine Vorteile nicht aufgeben wollen.
Du musst deutlich sagen was du willst, also konkrete Zeiten nennen wo du Freizeit brauchst und wo er übernimmt.
Z.b am Wochenende steht er um 5.00 auf oder abends kümmert er sich bis das Kind schläft.
Oder an Tag x geht er zu seinem Hobby und du hast an einem anderen Abend Zeit für dich.
Es wundert mich immer wieder dass Männer nicht selbst drauf kommen, dass zeitaufwendige Hobbies mit Kind nicht mehr so weitergeführt werden können wie vorher und dass Frauen das Thema aber auch nicht ansprechen bevor ein Kind kommt.
Ich war vor den Kindern Trainerin einer Jugend Mannschaft, mit zweimal Training plus Wochenende Turniere.
Ist doch klar dass das mit Kind nicht mehr funktioniert so viel Zeit dafür aufzuwenden.
Warum ist das Männern nicht klar?
Muss an der Einstellung liegen in wie weit sie neben sich bei der Care Arbeit einbringen zu müssen.
Und die stimmt dann halt nicht, da liegen die Prioritäten falsch und daher ist so ein Mann kein Mann zum Kinder groß ziehen im Sinne der Gleichberechtigung
Ich wünsche dir ein gutes Selbstbewusstsein und Konsequenz um deine berechtigten Bedürfnisse durchzusetzen.

11

Bei vielen Punkten gebe ich dir recht.
Aber bei solchen Diskussionen mit "Partnerwahl" zu kommen oder "besprich das vor dem Kinderkriegen" ist sowas von sinnlos. Erstens ist das jetzt zu spät und zweitens haben wir "damals" wie wohl die meisten Paare besprochen, alles gerecht aufzuteilen. Es zeigt sich jetzt nur, dass wir jeweils eine andere Vorstellung davon haben, welche Aufgabe wie viel wert ist.

20

Wir hatten die Diskussion auch. Auch nach dem Kind, obwohl wir vorher darüber grundsätzlich gesprochen haben. Man kann halt nicht alles besprechen und vielleicht fand man irgendwas vorher ok und währenddessen stellt sich heraus, dass es doch nicht so ist.

Ich habe meinem Mann letztendlich gesagt, wenn er es als gerecht ansieht, dass er Erwerbsarbeit hat und dann am Wochenende 2x2 Stunden ums Kind kümmert, während ich 5 von 7 Nachtschichten mache (Haushalt hatten wir uns immer geteilt) und sonst das Kind komplett ohne Pausen, dann tauschen wir bitte. Dann wurde es ganz schnell ganz still.

Wir sind nun so verblieben, dass ich das Kind habe, während er arbeitet. Essen bestellen wir, Haushalt haben wir an Haushaltshilfe weitestgehend ausgelagert. Nach der Arbeit teilen wir uns das Kind halb-halb. Und die Nacht teilen wir und auch. Er hat die Kleine bis 4 Uhr früh, ich ab da. Ich gehe früher ins Bett, er schläft dafür länger aus, selbst wenn das Kind bereits wach ist.

12

... wenn er Lust hat ...

Was ist, wenn du mal keine Lust hast?

Zum Thema keine Familie in der Nähe: baut euch ein Netzwerk auf.
Sobald du zusammen brichst, weil er keine Lust hat - wird es an dir hängen bleiben Ersatz zu suchen, da er wahrscheinlich dann auch keine Lust hat, sein Kind zu betreuen.

Da euer Kind krank ist, kommen wahrscheinlich noch andere Anforderungen auf euch zu.
Netzwerk kann da echt hilfreich sein.
In eurem Fall mal bei behandelden Ärzten fragen, bzw. im Krankenhaus nach Sozialberatung. Dort wiederum nach Selbsthilfegruppen, Nachbarschaftshilfe, Unterstützungsprogramme, Hilfe für betroffene Familien uvm.

Wenn es eher um regionale Hilfe/Netzwerke geht: Gemeinde, Nachbarschaftshilfe, Leihomas/opas, Caritas, pro familia usw.
und nein, "wir schaffen das auch alleine" reicht oft nicht aus. Wenn ihr es mal nicht mehr schafft und kein Netzwerk habt, ist es schwer was aus den Fingern zu zaubern.

Und nein: ein Netzwerk entbindet ihn NICHT vom Vater sein !
Es ist nur eine Chance vorzubeugen. Denn wenn er jetzt schon oft keine Lust hat, wird er NICHT damit anfangen Lust zu haben, wenn es sein müsste....