Mutter treibt mich in den Wahnsinn

Der Titel klingt vermutlich schlimm, aber leider ist es so.
Ich (20) bin vor ca. 1 Jahr als letztes Kind meiner Eltern (meine Brüder sind 25 und 23) ausgezogen und seit dem spielt meine Mutter verrückt. Sie ruft mich jeden Tag mindestens einmal an und diese Anrufe dauern meist über 30 Minuten wenn ich sie nicht vorher mit (fadenscheinigen) Ausreden beende. Auch meine Brüder werden täglich angerufen, was vorher wohl nicht der Fall war.
Am Anfang fanden wir das auch noch nicht so schlimm, aber mittlerweile nervt es uns doch. Auch besuchen würden wir sie kaum noch (wir kommen alle 2-3 Wochen vorbei, mehr geht sich zeitlich bei uns nicht aus).
Ich verstehe dass das alles eine große Umstellung für sie ist, aber ich bin langsam mit den Nerven am Ende. Das Hauptproblem ist meiner Meinung nach dass ihr langweilig ist, sie arbeitet nur halbtags, mein Vater allerdings vollzeit und ein richtiges Hobby hat sie nicht.
Jetzt haben meine Brüder und ich beschlossen, dass es an der Zeit ist mit ihr über die Situation zu reden, aber wie machen wir das am besten? Schließlich lieben wir sie und wollen sie nicht verletzten.
Hat jemand Tipps?

Liebe Grüße
Alex

1

Wie weit seid ihr denn weg gezogen? Alle 2-3 Wochen finde ich - bei kurzer Entfernung - auch wenig.
Bei weiter Strecke natürlich nicht.

Das ist recht häufig, wenn das letzte Küken das Nest verlässt.
Ihr könnt ihr einfach sagen: Du Mama, manchmal ist es bisschen viel in letzter Zeit.
Da haben wir noch gar nicht viel zu erzählen und nebenher passt es auch nicht immer in den Tagesplan.
Wäre super, wenn wir die Telefonate vielleicht vorher absprechen können?

3

Wir sind alle 3 in dienselbe Stadt (Studienstadt) gezogen. Die ist je nach Verkehrslage 3-4 Stunden entfernt. Ob das viel ist weiß ich nicht:-p, allerdings arbeiten wir neben dem Studium alle in der (Nacht)Gastro ,also häufig am Wochenende.

19

Alle 2-3 Wochen ist nicht wenig. Bei der Entfernung sogar viel. Selbst, wenn es um die Ecke wäre. Das ist jetzt die Zeit, wo ihr euer eigenes Leben lebt…

2

Ich kenne euch alle ja nicht, aber da ist Diplomatie gefragt. Vielleicht habt ihr eine neutrale Vertrauensperson, die ihr mit ins Boot holen könnt, die dann auch anwesend ist? Vielleicht ja sogar der Papa?

Inzwischen bin ich alt genug und kann beide Seiten verstehen. Wenn meine Jungs eines Tages komplett ausziehen, man sich nur alle 2-3 Wochen sieht, das wird ein heftiger Schritt vor dem es mir auch ehrlich gesagt graut. Von daher solltet ihr da äußerst behutsam und verständnisvoll drangehen. Andererseits kann ich natürlich euch verstehen, die jetzt ins komplett eigene Leben gestartet sind und Mutti halt nur noch nervt. Jeden Tag mindestens einmal anrufen ist aber auch heftig, einmal die Woche oder alle 3 Tage würde doch auch reichen.

Trotzdem, seid nicht so streng mit ihr und versucht einen Kompromiss zu finden. Ich hätte mir (rückblickend) mit 20 gewünscht, wenn meine Eltern nochmal gefragt hätten wie es mir geht. Aber das war auch ein anderes (nämlich emotional eisiges) Verhältnis und wir haben alle den Tag der Volljährigkeit herbeigesehnt. Glaube unsere Eltern haben einfach nur aufgeatmet, dass wir endlich weg sind.

4

Puh, das ist wirklich schade, dass sie euch so ein schlechtes Gewissen und Gefühl vermittelt. Böse Kinder, die einfach ausziehen, ein eigenes Leben aufbauen und nicht täglich bei der Mama antanzen.

Eure Mutter darf mal leiden. Sie ist ein erwachsener Mensch und wird ein klares „Nein“ verkraften müssen. Ich würde ihr das wirklich zutrauen und dabei kein schlechtes Gewissen haben. Ich wüsste nicht, wofür ihr euch entschuldigen müsstet.

Ich würde sagen, dass Einer von Euch sie ins Café einlädt etc., (neutraler Ort) um ihr das mal in Ruhe nahe zu bringen.

Ansonsten gibts gaaaanz viele Bücher zu dem Thema … wenn ihr euch unsicher seid, einfach bisschen lesen 😇

7

Man muss die eigene Mutter aber auch nicht verletzen und als verrück darstellen.
Dass sie trauert und den Kontakt sucht, ist in der Situation völlig normal!

Man muss nicht noch drauf hauen. Hoffentlich geht es dir mal nicht auch so🫣🫣

8

>>>Dass sie trauert und den Kontakt sucht, ist in der Situation völlig normal!<<<

Hm, dann bin wohl NICHT normal, ich habe nicht getrauert, als meine Kinder das Haus verlassen haben, ich habe mich für sie gefreut und war (falls man das so sagen darf) ein wenig stolz auf mich, dass die Kinder auf eigenen Beinen stehen.

weitere Kommentare laden
5

Könntet ihr mich feste Termine ausmachen? Jeden Sonntag von 10-11 telefonieren, alle 3 Wochen besuchen...

Ansonsten ihr sagen, dass ihr euch zwar über die Fürsorge und das Interesse freut, ihr aber auch einen Alltag, Beruf, Freunde, Hobbies habt.

Vielleicht könnte sie sich bei einer Familienstelle als Leihoma eintragen lassen? Gerade Familien mit Mehrlingen sind da dankbar, wenn jemand Mal beim Füttern hilft oder spazieren geht...

Oder sich ein anderes Hobby suchen? Ihr einen VHS Gutschein besorgen, damit sie einen Kurs machen muss?

6

Rufst du sie denn auch mal an?
Komm ihr zuvor. Ruf sie an, dann weiß sie das du an sie gedacht hast. So weiß sie das alles in Ordnung ist. Ihr unterhaltet euch etwas und dann sagst du ihr, du meldest dich übermorgen oder in drei Tagen wieder bei ihr.
Ich kann sie verstehen, dich aber natürlich auch. Man möchte anfangen sein eigenes Leben zu führen, als Mutter jedoch macht man sich Sorgen ob alles ok ist, was es ja meist ist, gehört aber dazu.
Ich wünschte, meine Mutter würde nochmal anrufen. Früher ging es mir ähnlich wie dir, heute verstehe ich sie besser. Also komm ihr zuvor und nimm ihr den Eindruck das sie sich vermehrt bei dir melden muss um zu wissen daß es dir gut geht. Damit gibst du ihr ein gutes Gefühl und kannst so die Zeiten verlängern und so ein ausgewogenes Verhältnis schaffen. Ich denke, dass ist schonend und ihr erspart ihr ein unangenehmes Gespräch. Wenn sich das eingependelt hat sind beide Seiten zufrieden.

10

Oh, ich kann dich und deine Genervtheit verdammt gut verstehen. Bin inzwischen Mitte 40 und habe zu meinen Eltern keinen Kontakt mehr.
Kurzfassung:
-bin mit 18 ausgezogen
-mit 22 sollte ich Hausarrest kriegen in meiner eignen Wohnung
-wenn ich meinen Roller nicht hinstelle wo sie wollen ( ich wollte mit meinem damaligen Freund und heutigen Mann nach Dänemark zelten) lassen sie mich an der Grenze zurückholen
-sie baten ne Freundin sich was auszudenken damit ich damals die 350km nicht wegziehe, sie sollte sich ausdenken was nur möglich ist.
-ich würde 1 bis 3x täglich von meinem Vater angerufen bis ich echt massiv überfordert war
-und und und..... da waren noch viel mehr Sachen.

Ganz ehrlich ich würde Grenzen setzen, denn auf Dauer zerstört so ein Verhalten, weil sie sich nicht trennen können von dir, massiv euer Verhältnis. Ich wollte irgendwann gar nichts mehr wissen weil ich nur noch genervt war.
Kontakt brach auch wenige Jahre danach ab weil noch viel mehr Sachen passierten.

Ela

14

Hausarrest mit 22 in der eigenen Wohnung?? Wie wollten sie das denn umsetzen?

15

Ja, das ist natürlich eine sehr gute Frage wie sie das umsetzen wollten wenn ich gar nicht mehr bei meinen Erzeugern wohnte. Da ich den Roller nicht benutzen durfte an dem Tag ( sie hatten ihn allerdings ursprünglich finanziert, aber mit nicht ganz fairer Art) bin ich eben gelaufen. Ich lass mir doch keinen Hausarrest in meiner eignen Bude mit über 18 geben. Wo kommen wir denn dahin? Sie haben es halt gerne mit Druck versucht und sowas. Nur irgendwann hab ich abgeschalten, gerade bei sowas.
Ela

weiteren Kommentar laden
11

Ich finde Besuche alle 2-3 Wochen bei den Eltern für Erwachsene in dem Alter viel. Ein schlechtes Gewissen müssen sie deshalb sicher nicht haben.

16

Möglichkeiten wären
- mit den Geschwistern absprechen, wer wie wann Zeit hat
- mit Mutter sprechen, in welchem Turnus sie euch anrufen kann.

K1, K2, K3, drei Tage Pause
K1, Pause, K2, Pause, K3, Wochenende mit Mann, K1

manchmal kann ein Rhythmus allen helfen. Euch, weil ihr dazwischen wirklich entspannen könnt, weil ihr euch auf (weniger!) Telefonate bewusst einstellen könnt - dazwischen aber nicht überrumpelt werdet
ihr, weil sie sich darauf einstellen kann. Weil sie die Sicherheit hat, dass ihr mit ihr sprecht, dass ihr keine Ausreden habt.

Aktuell hängt ihr alle in der Luft.

Mit Rhythmus kann euch das gut tun.
Und ihr auch. Weil sie z.B. an den Pausentagen kreativ werden kann. Heute habe ich frei. Kein innerer Druck "wen rufe ich an, oh hoffentlich passt es gerade" sondern die Sicherheit: morgen erreiche ich wieder.... heute kann ich ja.....
Dann hängt sie nicht in der Luft, ob oder ob nicht
sondern kann die Tage dazwischen für sich nutzen, ohne das Gefühl was zu verpassen.

Mir hilft das in vielen Bereichen sehr.


Je nachdem wie sie darauf reagiert:
Pausen können ihr gut tun
Mitteilen, dass ihr sie liebt und gerne mit ihr telefoniert - nur eben abgesprochen, dafür mit aktivem zu hören.
Die Vorteile eines Rhythmus nennen.

Ist sie mit eurem Vater glücklich? Kann sie die Wochenenden mit ihm genießen? Den Feierabend mit ihm genießen? oder ist das eher ein Nebenher, weil sie sich um die Kinder gekümmert hat / sie sich um die Kinder gekümmert hat, um keine Einsamkeit in der Ehe zu spüren?

Ist sie mit ihm glücklich, kann das für sie eine Chance sein, wenn sie sich in den gemeinsam freien Zeiten wieder finden, mehr miteinander machen.

Ward ihr Kompensation, damit sie die Einsamkeit in der Ehe nicht spüren musste, wird es schwieriger. Umstellung und auch, weil ihr dann mehr bewusst wird.
DA ist dann wichtig, dass ihr KLARE Grenzen zieht. Es ist nicht eure Aufgabe Ersatz für sie zu finden und auch nicht Ersatz zu sein. Allerdings würde ich mich darauf einstellen, sie zu ermuntern/unterstützen, dass sie sich selbst wieder findet. Klare Grenzen können dabei helfen ! aber auch zugestehen, dass das als Baustein mit dazu kommt, was es ihr schwieriger macht. Den Schritt der Änderung gehen, fällt nach Jahre lang eingefahrenen Mustern oft schwerer.

17

Erstmal danke für die Tipps und Antworten.
Die Idee mit einem neuen Hobby für sie hatten wir schon, leider ist uns dreien erst da aufgefallen, dass unsere Mutter keine wirklichen Interessen hat. Sie ist auch nicht gern unter Leuten und probiert ungern neues aus, das Einzige was sie früher mit Begeisterung gemacht hat waren Bergwanderungen mit unserem Vater. Das geht aber leider nicht mehr, weil er seit einem Arbeitsunfall nicht mehr Stunden lang gehen kann und sie es nicht mit anderen Leuten machen will.
Ob ihre Ehe glücklich ist kann ich nur als Tochter beurteilen, aber ich würde sagen sie ist relativ harmonisch, eine recht normale Ehe, die seit 25 Jahren hält.
Vermutlich werden wir jetzt zuerst einmal ohne Papa mit ihr reden, da es ohnehin schon 3 gegen 1 ist.
P.S. Offenbar sucht sie gerade eine Wohnung für meinen ältesten Bruder in der Nähe von ihnen, da er bald mit dem Studium fertig ist. (Dass er nicht zurück ziehen will bzw. kann weil er bereits Angebote wo anders hat, scheint ihr völlig egal zu sein.) Daher drängt die Zeit etwas bevor er noch die Nerven verliert.