Wie bringe ich es ihr bei? Alkoholkranke Oma will mit Enkelin verreisen.

Liebe Community, brauche euren Rat, ich komm nicht weiter.
Meine Mutter ist seit jeher Alkohol sowie Kiff zugetan. In meiner Kindheit und Jugend kam es zu extremen Vorfällen, da sich bei ihr im benebelten zustand manchmal der schalter umlegte und sie psychotische episoden hatte. Sie war dann von einer sekunde zur anderen voller hass und verlor die kontrolle. Tags drauf behauptete sie dann immer, sie könne sich nicht erinnern. War ganz bedauerlich, schwor sich zu ändern, machte mir schulbrote. Wenn ich dann weinte und nicht reagierte, warf sie mir vor, ich würde nur weinen um ihr ein schlechtes gewissen zu machen.
Sie hatte mehrere partner, die aggressiv waren, sie ins krankenhaus prügelten. Sie zog mich tief mit in ihren abgrund. Brachte mich dazu, mich um sie zu kümmern und ich fühlte mich dafür verantwortlich, sie glücklich zu machen. Manchmal trank ich mit, weil sie es wollte.

Irgendwann, ich war da schon volljährig, verbot ich ihr schnaps in meiner gegenwart zu trinken, da sich meiner meinung nach ihre "böse seite" unter höherer wahrscheinlichkeit zeigte. Das klappte meistens aber nicht immer.
Ich ging auf distanz, zog in eine andere stadt, studierte, lebte, gründete eine familie, hielt dabei guten kontakt zu ihr, achtete auf mich, mich nicht zu verbrennen. Das läuft einige jahre ganz gut. Telefonate mit ihr nur bis 16 uhr (ich ertrage sie nicht angetrunken) besuche nur tagsüber, ein mal in zwei Monaten vielleicht
So lang sie nüchtern ist, ist sie ein wunderbarer mensch.

Seit meine große tochter auf der welt ist (fast 5 j)
Fuhr ich ein mal im jahr in die nähe der heimat zum campen. Meine Mutter gesellte sich dann dazu, manchmal auch mein älterer bruder. In meiner Vorstellung sollte das immer eine tolle familienzeit werden. Die vormittage waren ganz nett, irgenwann wurde dann bier getrunken. Dann war ich getriggert und hab mich selbst verflucht. Mein bruder und meine mutter trinken gut gemeinsam. Wenn sie trinken, ist essen nebensache. Ich versorgte dann also den Trupp mit essen, vorallem die Kinder.
Meine mutter isst nur, wenn sie vorher gekifft hat, meistens spät abends/nachts. Sie hat viele Probleme. Diese campingausflüge waren für mich der pure stress. Irgendwie wollte ich trotzdem, dass wir uns alle mal nahe sind.
Ich hätte auch so gern familiären rückhalt, fürsorgliches elternhaus und diesen kram.
Mein papa (lange geschieden) ist leider gestorben, da war mein erstes kind grad geboren, seit dem ist es wie es ist.

So viel zur Atmosphäre meiner familiären Brennpunkte.

Wenn ich meine mutter auf das Trinken anspreche, dementiert sie es. Oder behauptet eines der folgenden dinge:
"Es war nur ein bier"
Ich sei da sehr "empfindlich/dramtatisch, usw." Ich "gönne" ihr nichts.
Wenn ich sie auf das kiffen anspreche, übertreibe ich natürlich, ich empfindliche kuh.
(Ein mal, als ich 12 war, zog ich sie nachts aus der eiskalten badewanne, weil sie so dicht war, dass sie nichts, gar nichts, mehr konnte)

Ich bin zu dem schluss gekommen, dass es nicht in meiner Verantwortung liegt, sie wach zu rütteln. Ich verfall da in schockstarre. Ich versuche nur das gute mitzunehmen und das gruselige zu vermeiden.

Danke, wer so weit gelesen hat, jetzt kommt der kern meines Posts.
Meine mutter äußert immer konkreter werdend, dass sie gern mal mit meiner großen tochter urlaub machen würde. Mein kind liebt ihre oma und die oma sonnt sich in der kindlichen liebe.
Aber das kind ohne aufsicht bei oder mit Oma übernachten lassen ist unter den beschriebenen Umständen nicht möglich.
Vorhin am telefon fragte meine mutter ganz konkret, sie möchte mal zwei Nächte mit meiner tochter wegfahren, was ich davon halte. Ich schwieg, druckste dann herum, dann fing mein kleines baby zu schreien an und ich war dankbar das Gespräch abbrechen zu können.
Ich weiß nicht, was ich ihr sagen soll, oder wie ich es ihr sagen soll.
Fakt ist, ich kann es nicht konkret raushauen: "mama, ich vertrau dir mein kind nicht an, weil du eine psychisch kranke alkoholikerin bist." Das schaff ich nicht.
Fällt hier jemand eine adäquate antwort ein?
Oder ein tipp? Man stelle sich meine mutter in dem moment vielleicht nicht als täterin vor, sondern eher als psychisch kranke frau, der man schonend eine unbequeme wahrheit erzählen muss. Oder auch eine unwahrheit....
Ich hab schon überlegt einfach folgendes zu sagen: "wir können uns das in moment nicht vorstellen. Ich möchte darauf jetzt nicht näher eingehen."
Aber dann fragt sie trotzdem mit sicherheit und ich muss was sagen.
Leute, ich bin eigentlich die stärkste, schlagfertigste frau auf dem planeten, aber meine mutter macht mich komplett hilflos. Sie ist mein Kryptonit. Helft mir, bitte!

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Da hilft leider nur die schonungslose Wahrheit. Vielleicht merkt sie dadurch auch was in ihrem Leben falsch läuft...

Respekt an dich, dass du noch Kontakt hast. Glaube kaum einer macht sowas über Jahre oder sogar Jahrzehnte mit.
Ich würde meine Kinder nicht mal in die Nähe so einer Person lassen, ohne Aufsicht schon dreimal nicht.

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Danke für deinen beitrag.
So einfach ist es leider nicht, diese schonungslose wahrheit kann ich ihr im moment nicht sagen, da sie es leugen würde.

Viele machen so etwas über Jahre mit. Ich liebe meine mutter, obschon sie krank ist. Zwischen schwarz und weiß gibt es viele graustufen.

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Dann soll sie es leugnen. 🤷🏼‍♀️ das ändert aber nichts an der Wahrheit.
Du bleibst bei der Entscheidung und Punkt.

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Naja es ist ja kein Geheimnis das sie kifft und trinkt ,dann würde ich ihr einfach sagen , tut mir leid Mama aber solange du mir nicht beweisen kannst das du es zwei Tage komplett ohne schaffst solange darf sie nicht bei dir schlafen .
Da hilft kein drum herum reden .
Das muss sie doch auch verstehen .
Würde ihr sagen das sie ein eigenständiger Mensch ist der gerne jeden Tag trinken darf aber du eben deinem Kind gegenüber eine Verantwortung trägst , denn es kann ja auch immer etwas sein ,wie sollte sie sich da auch kümmern ?!

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Hey danke für deinen input. Wenn ich ihr sage, sie trinkt, leugnet sie.
Angenommen ich stelle ihr die von dir erwähnte bedingung und sie sagt "ok, mach ich." Würde ich ich ihr mein kind trotzdem nicht in obhut geben. Ich kann ihr dahingehend nicht vertrauen.
Es fühlt sich für mich soooooo kompliziert und unlösbar an, sorry.

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Ja und?! Dann leugnet sie das eben und versteht es nicht. Es bleibt trotzdem bei deiner Entscheidung - fertig aus. Das würde ich auch genau so sagen. Sie muss es doch nicht verstehen.

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>>>Ich weiß nicht, was ich ihr sagen soll, oder wie ich es ihr sagen soll.<<<

Ich weiß nicht, warum du da rumeierst, dein ganzes Leben leidest du unter diesen Person und bist nicht in der Lage, in diesem Fall Tacheles zu reden?

Das kann ich kaum glauben. Ist deine Co-Abhängigkeit so groß?

>>>"mama, ich vertrau dir mein kind nicht an, weil du eine psychisch kranke alkoholikerin bist."<<<

Das wäre genau die richtige Antwort.
Dann hast du das Thema ein für allemal vom Tisch.

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Ja das wär toll, wenn ich das könnte. Jedes mal wenn ich sie darauf anspreche, schafft sie es so zu drehen, als sei ich irgendwie überempfindlich und das kund in mir GLAUBT IHR eine sekunde oder zwei. Dann bin ich so geschockt und getriggert, dass ich nicht weiter komme.
Eltern sind in den augen der kinder götter. Ich bin da wie ein gelähmtes reh, das in die autoscheinwerfer starrt.
Ich war mein leben lang co-abhängig, mach mir das bitte nicht zum vorwurf. Der weg daraus ist sehr lang und kompliziert und anstrengend und ich arbeite daran.

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>>>Der weg daraus ist sehr lang und kompliziert und anstrengend und ich arbeite daran.<<<

Ich wünsche dir viel Erfolg #klee.

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Gerade weil deine Mama dein Kryptonit ist, empfehle ich dir mal eine Selbsthilfegruppe für Angehörige zu besuchen. Du wirst sehen, du bist nicht die einzige aber da gibt es eben auch Leute, die dir Tipps geben können, Dinge zu sagen oder für gewisse Dinge einzustehen.

Und bei mir gäbe es ganz klar Umgangsverbot.

Der Bruder meines Partners ist auch Alkohol- und drogenabhängig. Ich habe den Kontakt zu meinem Sohn und mir verboten. Gab von seinen Eltern natürlich Gegenwind, weil sie ihm geglaubt haben, er würde nix nehmen und wegen mir Weihnachten aufteilen mussten. Ende vom Lied: sie müssen zuschauen, wie ihr jüngstes Kind sich selbst zerstört, weil alles nicht so schlimm ist…

Ne, ich bin da mittlerweile knallhart. Wer offensichtlich ein Problem mit Rauschmitteln hat, hat sich von mir und meinen Kind fernzuhalten.

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Danke, ich brauch echt hilfe... Ich merke grad, das es mir in diesem punkt schwerfällt, mich von meiner mutter abzugrenzen.

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Und das ist okay, dass es dir schwerfällt. Das ist als direkter Angehöriger einfach ne andere Hausnummer als jemand Außenstehender. Aber gerade weil du die Fürsorge für deine Tochter hast ist es wichtig, dass du dir das Hilfe holst! Denn wie schlimm wäre es bitte, wenn deine Tochter irgendwann auch in diese Co-Abhängigkeit zu ihrer Oma rutscht.
Aber Alkohol und Drogen sind leider keine Lappalie, egal wie sehr man es runter spielt. Du weißt, dass dein Gefühl richtig ist und du weißt auch, dass was deine Mutter abzieht eine Manipulation ist, weil sie sich ihre Krankheit nicht eingestehen will. Das ist auf jeden Fall hilfreich, was du jetzt brauchst sind Strategien, wie du damit umgehst und vor allem dich abgrenzt. Es ist keine Schande, sich da Hilfe zu holen und lieber heute als morgen

Du schaffst das ❤️

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Auch wenn du deine Mutter liebst, musst du kein schlechtes Gewissen haben, wenn du dein Kind beschützt.
Das was du erlebt hast, wird deine Tochter auch erleben, wenn du nicht dazwischen stehst.
Du biegst dein Leben zurecht um nicht mit deine Mutter zu kollidieren. Das wird nicht ewig gut gehen.

Du schützt deine Tochter, dass ist super. Aber nur weil deine Mutter es einfordert, ist es noch lange nicht richtig.

Es gibt annomyme Beratungsstellen für Angehörige von suchtkranken. Vielleicht kannst du da Hilfe bekommen.
Aber Bitte!!!
Bleibe bei deiner Linie und sage deiner Mutter, dass SIE dafür verantwortlich ist, dass sie ihre Enkelin nicht alleine sehen darf.
Du bist nicht schuld.
Du darfst die Wahrheit sagen. Freundlich aber bestimmt. Keinen Zweifel dran lassen, dass du diesen Punkt (trinken und kiffen ) nicht akzeptierst.

Auch nicht beim campen.
Fahr nach Hause, wenn sie es nicht lassen können.
Am Familenstreit(wenn er dann entsteht) bist du auch nicht schuld!
Ich hoffe ich bin nicht zu forsch....aber deine Tochter wird immer mehr mitbekommen, es ist an dir euch abzugrenzen. Und kindgerecht zu erklären. Du musst die Oma nicht schlecht reden...aber auch Kindern gegenüber ehrlich sein. Sonst drängt deine Mutter auch bald an ihr gegenüber alles zu verharmlosen.
So kann deine Tochter es vielleicht besser einordnen.

Ich würde sobald es um Alkohol und kiffen geht, eine ganz klare unmissverständliche Grenze ziehen.
Ich wünsche dir alles Gute. Schau wirklich mal nach einer Beratungsstelle..

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Danke 💚

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Könntest du den Ball zurückspielen?

"Nein, das möchte ich nicht." - "Warum nicht?" - "Das kannst du dir doch denken/das weißt du selber ganz genau/überleg mal, warum."

Alternativ würde ich an deiner Stelle wohl zur Drogenberatung und mir da Input holen.

Hattest du eigentlich mal Therapie, um deine Kindheit und dieses ganze System aufzuarbeiten?

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Oh krass, das ist ja ein interessantes Szenario. Wahrscheinlich bin ich irgendwann wieder "zu empfindlich" aber es käme echt mal auf einen versuch an. Danke!
Ich hatte keine Therapie. Aber ich glaub, mir täte das mal gut 🤔

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Weißt du was? Dann würde ich sagen „ja, dann bin ich zu empfindlich, aber das ist mir egal. Es bleibt bei Nein!“ ;)

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Sie leugnet es und solange sie es leugnet wird keine Einsicht kommen. Egal ob du es ihr schonungslos an den Kopf wirfst oder es anders versuchst zu erklären.
Es ist nicht ohne Grund eine Erkrankung und nicht nur ein unangenehmes Laster.

Du musst so viele Regeln aufstellen um überhaupt Kontakt zu haben, das ist ganz schön krass. Ich glaube ich hätte sie mal gefilmt und es ihr wortlos beim nächsten mal gezeigt.
Warum muss sie eigentlich alleine fahren? Ich würde ihr vorschlagen dass ihr erst mal einen Ausflug zu 3. macht, dann kannst du etwas die Rahmenbedingungen vorgeben und schauen wie es läuft. Das Camping finde ich nicht ausreichend.

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Hey danke, das ist auch meine Einschätzung. Sie würde leugnen und ich wäre irgendwie die blöde.

Der letzte ausraster war zu einer zeit, da hatte ich kein smartphone mit kamera. Vielleicht schon 9 oder 10 jahre her. Ich tippte damals aber ihre worte als SMS ab und ging zum zug in die neue heimat. Als ich im Zug saß, schickte ich ihr den text. Sie gab an, sich nicht an das gesagte zu erinnern. Sie war schockiert und weinte. Ich war stolz auf mich und zog diese grenze.

Ich hab auch schon überlegt ihr das vorzuschlagen, dass ich mitkomme. Aber ganz ehrlich: ich will das nicht mehr. Ich bin cool mit ihr, solang wir uns tagsüber sehen. Wenn der abend kommt, möchte ich in meiner sicherheitszone sein. Die letzten zwei ausflüge der vergangenen jahre waren der "test", den hat sie nicht bestanden.

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Es ist auch dein gutes Recht nein zu sagen ohne große Erkältung oder wenn sie es nicht hören will - ihr Pech.
Ganz viele hätten den Kontakt komplett abgebrochen und würden sich nicht so viel Mühe geben.
Unser Nachbar hat Koks und Alkohol zu sich genommen, irgendwann war er clean, ist aber nach ein paar Jahren trotzdem an den Konsum folgen gestorben. Evtl kommt sie ja doch noch davon weg…

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Die Wahrheit KLAR FREUNDLICH und DEUTLICH!

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Mein Gott, das klingt ja schrecklich! Du hast viel durchmachen müssen.

Wie wäre das:
"Nein Mama, ich möchte nicht, dass mein Kind ohne mich weg fährt."
Was würde sie antworten?
"Du bist eine Helikopter Mutter!" ?

Damit kannst Du leben, oder?! Bist ja schon die Spießerin, die Abendbrot macht anstatt zu saufen und zu kiffen. ;-)

Wenn Du einen Grund nennst/ vorschiebst wird sie den aushebeln oder klein reden.
Wenn du sagst "Ich will nicht, dass sie mit DIR weg fährt" ist das weitaus schwieriger für sie zu verdauen als die ich-Botschaft "Mein Kind bleibt bei mir".
Oder?

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Danke für deinen beitrag. Ich denk darüber mal nach. Hast recht, ich bin eh schon immer so "spießig" 🙄😅