Tipps zur Gesprächsführung erbeten

Hallo zusammen,

ich suche nach konkreten Vorschlägen zur Gesprächsführung.

Kurz zum Hintergrund:

Charakter vom Gegenüber keinerlei Emphatie vorhanden, stark ausgeprägter Egoismus, tendenziell eher einfach gestrickt, leicht beeinflussbar durch Dritte

Das Verhältnis ist sehr angespannt. Wie führt man mit solch einer Person ein (Konflikt-) Gespärch?

Inhaltlich geht es um das Nichterkennen von Gefahrensituationen, Antrainieren von unerwünschten Verhalten und zeitweise auch immer wieder dem Versuch das Kind direkt vor Mahlzeit zu mästen.
Ich versuche über vieles hinwegzusehen, es gibt keinen unbeaufsichtigten Kontakt, ich bin meist jedoch nicht anwesend.

Ich möchte eine konkrete Situation thematisieren, die meiner Ansicht nach grob fahrlässig war. Direkt in der Situation ansprechen ging aufgrund meiner Abwesenheit nicht, daher nachträglich.

Die Reaktion bisher war immer sehr emotional und ohne jede Reflexion. Wie reagiert man dann am besten darauf?

Vielen Dank für eure Vorschläge

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Wenn möglich einen unbeteiligten dritten als Moderator/Vermittler dazu holen.
Außerdem: ich-Botschaften, möglichst wenig Schuldzuweisungen.
("Ich hatte in der Situation das Gefühl, dass...", "ich habe es so wahrgenommen..." ist besser als "Du hast das gemacht", "du bist immer")
Wünsche formulieren "zukünftig würde ich mir wünschen, dass..."
Den Gegenüber nach seiner Einschätzung fragen "wie hast du die Situation wahr genommen? Warum hast du so gehandelt?"
Wie stellt sich der Gegenüber zukünftig das Miteinander vor? Nach Wünschen/Lösungen fragen.
Wörter wie "immer, ständig, dauernd, nur" etc. vermeiden.
Vor dem Gespräch den Gegenüber rechtzeitig über das Gespräch informieren und nicht einfach so anfangen. Dafür sorgen, dass man ungestört ist und zu Beginn die Dauer ausmachen. Gesprächszeit sollte ungefähr gleich aufgeteilt sein, du führst keinen Monolog.
Positiv - negativ - positiv im Gespräch, also "ich finde gut, wie du das machst, allerdings hat mir die Situation nicht gefallen, weil. Ich finde, dass du das in der anderen Situation toll gemeistert hast".

Dein Ziel sollte nicht sein, den Gegenüber fertig zu machen, sondern eine wertschätzende Basis zu schaffen und dem Gegenüber auf Augenhöhe zu begegnen. Du bist nichts besseres, weil der Gegenüber "eher einfach gestrickt ist".
Also sollte Wortwahl etc dem Gesprächsniveau des Gegenüber angepasst sein, so dass es für ihn/sie gut verständlich ist. Sonst wirkt es schnell von oben herab.

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Vielen Dank für die ausführliche Antwort.
Die gängigen Regeln der Gesprächsführung habe ich bisher angewandt. Was ich nie beachtet habe, war „positiv-negativ-positiv“. Ich werde künftig sämtliche positiven Sachen lobend erwähnen (nur gibt es da leider eher wenig #schwitz )

Die Wünsche des Gegenübers nicht nicht realisierbar, wenn es danach ginge wird täglicher Kontakt gewünscht ohne Hauptbezugspersonen.
Bereits stattfindender wöchentlicher Kontakt wird als „ich sehe das Kind nie es kennt mich nicht“ betitelt. Daher sehr schwierig.

Fertig machen möchte ich niemand, auch sehe ich mich nicht als „was besseres“.
Kontakt ja aber bitte von beiden Seiten aus wertschätzend.

Ich werde an mir arbeiten und mehr positive Aspekte wahrnehmen und auch thematisieren.

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Hi,
wenig ausschmückende Worte, kurze klare Sätze.

Und der letzte Satz, "funktioniert das nicht, kommt "Peter Maria", halt nicht mehr ohne mich, zu Dir. Aber ich werde mir diese Zeit, nicht aus den Rippen schneiden!" "Dann ist das halt nur zu Geburtstagen und Feiertage."

Das mästen, kenne ich auch................der Große kam nach 24 Stunden Aufenthalt bei den Schwiegerleuten, zwischen 400 und 900 Gramm schwerer heim. Der nächste Tag, stand ich nur am Wickeltisch, da das ja alles raus mußte. Er war ab dem 10. Monat, bis knapp 2, 5 Jahre, jeden Dienstag, 18 Uhr bis Mittwoch 18 Uhr dort.

Er hatte sich auch so überfressen, das er ihnen 2x in Ehebett gebrochen hat. "Er hatte sich erschreckt", war die Moral der Geschichte...................verarschen kann ich mich selbst. Es war 1x pro Woche, den Rest der Woche, achtete ich drauf, und so passte das alles, auch wenn ich die Böse war.

Den Kleinen konnte sie nicht mästen, der hat von Anfang an, "gewußt", wann er satt ist, der Große kommt da leider, eher nach mir.

Der Klassenlehrer fragte mich mal, wer meine Mutter war: Oma Liesel, oder die mit Sky und McDonalds.....

Da der Rest aber funktionierte, waren die Jungs, oft bei Ihnen, über WE oder Ferien.

Gute Nerven!

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Vielen Dank auch für deine Antwort.

Es gibt keinen Kontakt alleine, damit kann ich nicht „drohen“. Aufgrund diverser Vorfälle besteht beaufsichtigter Minimalkontakt ca einmal wöchentlich. Manchmal natürlich auch öfter, dann mal seltener. Im Schnitt aber 1x wöchentlich.

Das klingt sehr anstrengend bei euch und wenn ein Lehrer mit dieser Wortwahl sich nach den Großeltern erkundigt bringt es einiges sehr deutlich zum Ausdruck #klatsch

Ich hoffe inständig, später mal nicht selbst „so“ zu werden.

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Um was für Vorfälle handelt es sich denn? Ich finde immer, das wirkt so wie -
vermutlich sehen das andere nicht als "Vorfall" - wenn man das so verheimlicht...

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Du schreibst, es gibt keinen unbeaufsichtigten Kontakt.
Dann ist also noch eine weitere Person mit dabei, die ebenfalls komplett falsch handelt?
Und auch diese Person ist uneinsichtig, oder wie?

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Die andere Person sieht das genauso wie ich.

In der konkreten Situation bestand keine Gefahr, man hat dem Kleinkind aber ein Verhalten „antrainiert“, welches unter anderen Rahmenbedingungen hoch gefährlich ist. Und ein Kleinkind kann eben nicht differenzieren wann Gefahr besteht und wann nicht.

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Dann soll diese Person das klären.

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Hier helfen alle Kommunikationstricks nichts.

Aus deiner gesamten Beschreibung kommt raus, dass du die betroffene Person nicht leiden kannst.

"einfach gestrickt", "nicht reflektiert", " es gibt wenig/nichts positives"...

Noch dazu soll es um eine Situation gehen, die du gar nicht miterlebt hast. Es war aber eine andere Aufsichtsperson dabei. Und du verrätst uns nicht, worum es eigentlich geht.

Bei deinen Beschreibungen fiel mir "rote Ampel" ein. Person A will in einer verlassenen Kleinstadt über eine rote Ampel. Person B ist dabei. Warum auch immer macht Person B das mit. Kind natürlich auch.

Dann hätte Person B die Chance, auch nachträglich zu sagen.

"Hör mal A, was wir (!!!!) da gemacht haben, war nicht gut. Kind muss lernen, dass rot rot heißt. Wir müssen jetzt erst einmal alle darauf achten, dass wir an jeder Ampel anhalten. Okay? "

Du solltest das Gespräch einfach sein lassen! Wirklich. Das kann nur nach hinten losgehen.

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Danke für deine Antwort.

Ich erbat mir keine Beurteilung über die Beziehung zur Person. Ich möchte Tipps zur Gesprächsführung. Um Gespräche erfolgreich führen zu können, beschreibe ich bestimmte hierfür relevante Charaktereigenschaften. Das ist keine Wertung.

Die Tipps habe ich sehr ausführlich in der ersten Antwort erhalten.

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Ich finde Gesprächsführung hängt hauptsächlich von meinem Gegenüber ab. Je nach Person, dessen Wünsche, Motive, um welche Situation geht es, wer hat das letzte Wort, wo groß sind die Handlungsspielräume, würde ich das Gespräch anders führen.

Bei manchen Gesprächen geht es zum Beispiel nicht darum, dass der andere die Situation zwingend verstehen muss, sondern dass das Kind so schnell und effektiv wie möglich nicht mehr in Gefahr gebracht wird.

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Horst jetzt geh doch mal ins Freibad und genieß deine Ferien.

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Hört sich ein bisschen nach meiner Schwiegermutter an, die mittlerweile aber auch schon 86 ist und auch schon etwas tüddelig. Eine ganz liebe Person, aber eben auch ein bisschen starrsinnig und nicht mehr so offen für neuen Input. Da hilft oft ein Spiegeln. Wo du schreibst, vor dem Essen mästen, da fällt mir eine Situation ein, die wir mal hatten. Sie kommt aus Schlesien und gefühlt jeder zweite Satz fängt bei ihr an mit :"Früher in Schlesien ...". Als sie dann dem Kind vor dem Mittagessen ein Eis gab, fragte ich dann ganz direkt: "Ach, habt ihr früher in Schlesien auch immer ein Eis vor dem Mittagessen gegessen?" "Nein, früher in Schlesien gab es nie Süßigkeiten, nur zu Weihnachten ". "Ach so, ich dachte, das kennst du noch so aus deiner Kindheit. Hier machen wir das nämlich auch nicht." Damit war es verstanden. #huepf

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Danke, der Gesprächsansatz von dir gefällt mir :-D

Zum Mästen: Hier besteht natürlich keine Gefahr für irgendjemanden, manchmal muss man das Gegenüber aber trotzdem freundlich aber wirkungsvoll um Zurückhaltung bitten.

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Ihr spielt das Spiel jetzt schon länger. Und auch wenn keine akute Gefahr in der Situation bestand höre ich raus dass die Person die dabei war das antrainieren nicht unterbunden hat. Ist das richtig?
Dann hast du 2 Probleme, nicht nur eins.

Ich würde nicht mehr an den Kommunikationstechniken feilen. Du klingst nicht ganz unrationell und was du beschreibst geht in Richtung feinstes Rug Sweeping. Du kannst jetzt noch so sehr schleifen. Da will die Gegenseite nicht, dass es ankommt.

Wenn ich mit der These steil stehe würde ich folgendes tun. Ich würde es einmal ansprechen. „Waltraud, es ist mir wichtig dass Casper nicht… bitte…“ und wenn dann wieder das übliche Abgewiegel kommt setzt du eine Konsequenz. Das Kind geht 2 Monate nicht mehr ohne dich dort hin. Weil es scheint ja nicht zu klappen ohne dich. Das nächste Mal sind es dann 3 Monate. „Du, Schade dass du nicht willst, dann frieren wir das mal im bisherigen Modus so ein wenn es nicht klappt.“

Das ist keine leise Lösung. Aber meine These ist dass du dir sonst den Mund fusselig redest und dass du zwei Problembären hast und nicht nur einen.

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Vielen Dank für deine ausführliche Antwort.

Du hast nicht ganz Unrecht.
Egal was, egal wie und auch egal wer (also die Dritte Person, die mit anwesend war) etwas anspricht was auch nur im leisesten Ansatz nach Kritik klingt, wird emotional reagiert „ihr wollt mich doch gar nicht“, „war mir klar dass ich ja schuld bin“ etc. Manchmal geht es auch in die andere, aggressivere Richtung, dann fallen Sätze wie „das ist mir egal was ihr wollt“, „ich bin aber die Oma“ „ich hab doch gar nichts gemacht“ (es ist definitiv gelogen)

Die andere Person ist genervt von diesem dauernden Theater und teilt den Standpunkt mit mir. Wir haben gemeinsam über die Situation gesprochen. Manche Fehler erkennt man eben erst im Nachhinein, da mache ich niemanden einen Vorwurf. Wer von uns das nun konkret anspricht ist noch offen. Grundsätzlich wäre die Thematik in zwei Sätzen durch, das Gegenüber würde sagen „oh ja stimmt damit hast du Recht, da achte ich das nächste Mal drauf. Gut dass du mich drauf aufmerksam gemacht hast.“

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Sie kontrolliert euch mit diesem Drama.
Ihr könnt probieren ihr eine andere Kommunikation aufzuzwingen. Weg vom was und hin zum wie. Heisst nicht endlos diskutieren sondern ihr auf den Fuss steigen dafür wie sie gerade diskutiert, dass sie lügt, dass sie eure Elternrolle untergräbt, mit Schuldgefühlen Druck machen will. Dann gehen/Pause von ihr wenn sie es eskaliert (und das wird sie) und Drama macht. Sie muss an den Punkt kommen wo sie euch als Eltern und Erwachsene für voll nimmt und verstanden hat dass sie sich mit ihrem Drama ins Knie schiesst, weil ihr das im Keim abwürgt und das Kind dann weg ist.

Wenn das nicht geht oder zu viel Energie kostet - fair enough- niemand muss Erwachsene in seinem Umfeld mir viel Energie auf erträglich umprogrammieren - dann kann sie nicht in der bisherigen Form am Zusammenleben teilhaben und der Kontakt wird auf homöopathische Dosen reduziert.

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viel wurde schon gesagt. Eins möche ich nochmal separat hervorheben.

SEHR kurze, präzise Sätze, die einem normal empathischen Menschen eher unhöflich erscheinen würden. Aber Nicht Empathen oder leichte Asperge, versteckte leichte Autisten verstehen "durch die Blume" nicht und auch keine langen Sätze.

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Vielen Dank, vor allem für den Zusatz dass dies für andere unhöflich klingen mag.
Gerade angehängte Nebensätze machen ein Gespräch viel zu kompliziert.

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Schwer ohne irgendwas zu wissen.

1. Du kannst die Person nicht leiden, wertest sie ab. Schlechte Gesprächsgrundlage, ich denke nciht, dass ihr diese emotionale Ebene ausenvor lassen könnt. Das könnte das Gespräch schon zum Scheitern bringen.

2. Du beschreibst Charaktereigenschaften..aber eigentlich ist das nur deine subjektive Sicht auf die Person. Das Verhalten könnte ganz anders gemeint sein, es könnte nur bei dir gezeigt werden, es könnten Schutzmechanismen sein usw. usw. Wenn du die Person also schon im Vorneherein abgestempelt hast...siehe Punkt 1.

3. Auch die situationen müsste man anschauen. Es gibt viel zwischen Schwarz und Weiß und Richtig und Falsch und Sicherheit und Gefahr.

4. Wenn es keinen Unbeaufsichtigten Kontakt gibt, sollte es nciht möglich sein einem Kind ein gefährliches Verhalten anzutrainieren...das geht schlicht nciht. Da kann eine Sache passieren, die vielleicht so schnell umgesetzt wurde, dass sie nicht verhindert werden konnte. aber sobald sie realisiert wurde, kann die begleitende Person eingreifen. Das Verhalten unterbinden, dem kind erklären, dass das ganz falsch war und nciht mehr gemacht werden darf.

5. In welchem Verhältnis steht die beaufsichtigende Person zu dem Übeltäter? Welche Interpretationen und subjetive Wertungen spielen heir wohl alle noch mit rein???

Wenn du ein Gespräch versuchen willst...sein offen, unterstelle der Person nicht aus Blödheit oder Boshaftigkeit so gehandelt zu haben. Frage nach was war, aus sich dieser Person. Frage nach warum sie das zugelassen hat, frage nach ob diese person das nicht gefährlich findet und warum nciht. Äußere deine Sorgen...sucht einen Kompromiss.

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Vielen Dank.

1. diese Dinge würde ich bei sämtlichen Personen ansprechen, egal ob es nun die beste Freundin, Ehepartner, Nachbarin oder die Großtante ist.
Es geschieht also nicht aufgrund von Abwertung.

2. die Reaktion tritt bei allen ihr bekannten Personen auf, die sich kritisch äußern.

3. es geht um Situation wie beispielsweise bei Rot über die Ampel gehen, Fangen spielen an der Straße oder Gartenteich.
Da weist man normal kurz drauf hin dass das nun weniger Ratsam ist, weil das Kind zukünftig nicht differenzieren kann. Theoretisch keine große Sache.

4. antrainieren nicht, eher vorleben. Klar lässt sich das künftig dem Kind erklären. Trotzdem eine vermeidbare Situation. An der Straße / hinter parkenden Autos wird grundsätzlich nicht gespielt.
Oder: Das Kind nimmt kein Messer in die Hand. Auch nicht wenn es das Person X weitergibt. Ein Kleinkind kann eben nicht situativ entscheiden, da braucht es eine klare Struktur.

5. leider ist die Wahrnehmung natürlich schneller negativ, weil eben kein Vertrauen da ist weil schnell mal ein Schutzmechanismus in Form von Lügen auftritt und eben häufig unerwünschte Situationen auftreten.


Das Thema wurde inzwischen mit einer unbeteiligten ihr positiv gegenüberstehenden Bezugsperson besprochen. Diese meinte nur: Wenn ich das nun anspreche, ist wieder tagelang nur Theater.

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Dann handelt es sich wohl um eine uneinsichtige Person, die sich nciht ändern wird. Viele Leute haben wohl schon gesagt, dass das Verhalten der Person nicht geht. Es interessiert sie nciht, oder sie versteht es nicht. Das wirst auch du nciht ändern. Wenn das Kind die Person eh nicht unbegleitet sieht, besteht für das Kind keine Gefahr. Es muss halt in der Situation angemessen reagiert werden. Kinder werden immer auch schlechte Vorbilder in ihrem Leben haben. Der Einfluss dürfte bei eurer Konstellation und der Häufigkeit der Kontakte geringer sein als der der Bezugspersonen.

Klar, wenn du die Mutter bist, dann suche das Gespräch zu der Person und sage ihr, dass XY nicht geht und die Begleitperson demesprechend eingreifen wird. Fertig. Mehr kannst du nciht tun, außer akzeptieren, dass du die Person nciht ändern wirst. Vielleicht hilft es dir, die guten seiten der Person und des Kontaktes mit deinem Kind mal mehr in den Fokus zu rücken? Könnte das Übel etwas kleiner wirken lassen.