Verhalten von Tochter bringt uns zur Verzweiflung

Hallo,
Ich weiß nicht ob ich hier richtig bin, aber ich möchte gerne grau schreiben, und es ist ja ein Familienthema.
Unsere Tochter, 6, war schon immer sehr willensstark. Die Autonomiephase begann mit etwa 15 Monaten und hat - gefühlt - nie aufgehört. Es gab immer mal bessere und mal schlechtere Phasen, aber momentan habe ich das Gefühl, wir befinden uns im tiefsten Tal.
Unsere Tochter ist ein unfassbar lieber Mensch. Sie gönnt jedem das beste, ärgert eigentlich nie bewusst andere Kinder, sie hat ein großes Herz und ist offen zu jedem. Wir sind sehr stolz auf sie und lieben sie bedingungslos!
Auf der anderen Seite treibt und ihr Verhalten in den Wahnsinn.
Sie „hört“ nicht. Auf nichts. Alles muss man 100x sagen. Sei es „zieh dir die Schuhe an, wir müssen los“ oder „Komm, wir putzen Zähne“ oder „Bitte bleib ruhig am Tisch sitzen.“
Unser Alltag ist sehr ritualisiert. Es passiert jeden Tag zur gleichen Zeit ungefähr das Gleiche. Und trotzdem sind wir am Ende des Tages oft mit den Nerven durch, weil jede noch so kleine Aktion diskutiert werden muss - oder wir werden ignoriert. Häufig sprechen wir sie an oder stellen ihr eine Frage, und sie ignoriert uns komplett!

Wir haben schon vieles versucht. Ziehen wir trotzdem unser Programm durch, ernten wir einen Schreianfall erster Güte. Beispiel: Sie möchte gerne mit mir zum einkaufen, kommt aber nicht um sich die Schuhe anzuziehen. Also fahre ich irgendwann, nach vielen Rufen, auf Augenhöhe gehen, berühren beim Ansprechen etc alleine. Das gibt ein Riesendrama, aber ich habe nicht den ganzen Tag Zeit.
Macht sie abends nicht vernünftig mit, so dass durch ihr Gehampel zu viel Zeit verstreicht, ist leider nicht mehr genug Zeit da für eine Gute-Nacht-Geschichte. Das bringt uns einen Schreikrampf bis nach Mitternacht (ungelogen), aber ändern tut sich dadurch nichts. Auch nicht, wenn sich das ganze an mehreren Abenden wiederholt.

Unser Kind ist sehr „wild“. Immer in Action, braucht viel Bewegung. Ich habe das Gefühl, sie kann nie „still“ sein, immer wird etwas bewegt, und wenn nur ein Bein wackelt. Wir versuchen dem Rechnung zu tragen, indem wir sie viel auspowern. Sie hat geht Reiten und zum Fußball. Beides auf eigenen Wunsch. An den übrigen Tagen sehen wir immer zu, dass wir viel mit ihr draußen sind.
Auf der anderen Seite kann sie sehr konzentriert sein, sie malt stundenlang, sie liebt es, abends ruhig vorgelesen zu bekommen und kann dabei stundenlang kuscheln. Da hat sie den Bewegungsdrang nicht.
Sie reagiert auf vieles (bei Spielen verlieren, etwas nicht dürfen usw) mit heftigen Trotzanfällen. Wir schicken sie dann in ihr Zimmer. Das ist eine Maßnahme, die wir mir ihr selbst ausgemacht haben, da sie so aus der Situation raus kommt und sich runterfahren kann. Trotzdem - und das macht mir am meisten Angst - habe ich hinterher, wenn wir dann über die Situation sprechen, oft das Gefühl, dass sie überhaupt nicht verstanden hat, was uns so sauer gemacht hat. Und das macht mich fertig. Sie weint verzweifelt, und obwohl wir ihr genau erklären, was das Problem war, sehe ich in ihren Augen, dass sie es gar nicht versteht. Oft sagt sie das auch so.

Unsere Tochter wird bald eingeschult. Der Kindergarten bescheinigt ihr ein überdurchschnittliches Allgemeinwissen, einen riesigen Wortschatz und überdurchschnittlich gute Satzbildung. Sie kann bereits vieles lesen und schreiben, rechnet im Zahlenbereich bis fünfzig. Sie ist bestimmt nicht „hochbegabt“, aber sie ist nicht dumm! Warum versteht sie nicht die einfachsten Grundlagen, die für das Zusammenleben so wichtig sind? Der Alltag ist so hart im Moment!

Mir ist klar, dass das absolute Banalitäten sind. Aber es ist IMMER, jeden Tag. ALLES ist ein Kampf, sie hört überhaupt nicht. Was übersehe ich? Ich möchte doch auch dass für sie der Alltag schön ist. Dass sie ein fröhliches, ausgeglichenes Kind ist. Was können wir tun? Ich danke schonmal für jede Anregung!

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Du beschreibst gerade 1:1 meine Tochter (7 Jahre).
Auch sie ist ein Zauberhaftes Kind aber manchmal...

Persönlich würde ich die Gute-Nacht-Geschichte nicht weg lassen. Vll lieber eine kleine dann Vorlesen?
So machen wir das...Es gibt Bücher mit 5 Minuten Geschichten, die müssen dann reichen.

Ich habe angefangen mich selbst nicht mehr zu stressen also alles Frühzeit anzusprechen plus ne Eieruhr dazu.
Beispiel Einkaufen:

XY ich würde gerne in 10 Minuten los,wenn du mit möchtest sollten wir deine Uhr stellen in 5 Minuten. (Sie soll die Uhr stellen.) Wenn die Uhr klingelt kommt sie meistens. Ist das nicht der Fall frag ich sie :Hast du dir Uhr gehört? Ja Mama aber ich bräuchte noch 5 Minuten um das Bild fertig zu machen. Diese Zeit gebe ich ihr,einfach weil ich sie das so toll geäußert hat.
Sie kommt und ich habe weniger Stress.
Lieber bin ich früher dran als zu spät.

Ach so und sollte sie dann immer noch keine Zeit haben,sag ich ihr das ich mich jetzt anziehe und gehe. 9 von 10 Fällen kommt sie manchmal auch ohne Schuhe 🤣🤣🤣

Das was du machst hört sich super ab 😁

Manchmal muss einfach schauen, wie man es selbst finden würde wenn immer einer hinter einem steht und druck macht 😅🤔

Ich wünsche uns beiden noch viele Nerven....✊🏼🫂

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Danke, du hast völlig recht!
Wir reden auch oft unendlich auf sie ein, so dass ich dann selbst schon denke… „Mensch, kein Wunder, dass sie völlig auf Durchzug schaltet…“

Und ja, die Gute-Nacht-Geschichte sollte das letze sein, das gestrichen wird. Die ist so wichtig.

Auch dir gute Nerven!

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Dann liegt es vielleicht wirklich am Alter und muss wohl so sein. Geht sicher auch wieder vorbei und von was anderem abgelöst

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Nichts. Weiter machen wie bisher, das klingt doch alles gut. Wichtig ist nicht zu vergessen auch zu loben und positive Aufmerksamkeit zu schenken.
Ansonsten ließ mal was über Wackelzahnpubertät.- Durchhalten -

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Hallo,
das klingt nach unserem Sohn. Er war schon also Baby recht „unentspannt“, bekam auch recht früh heftige „Trotzanfälle“, kann sich ewig nicht beruhigen. Außer Haus allerdings immer das liebste Kind.
Wir glauben mittlerweile, dass er sich außer Haus so zusammenreißt und „benimmt“, dass er zuhause einfach Dampf ablassen muss. Und je weiter die Woche voranschreitet, desto kürzer wird seine Zündschnur.
Nun ist er acht, ist ständig genervt, nur am Meckern, alles wird Diskutiert und Grenzen ausgetestet.
Nach dem Abendessen sagen wir ihm bspw., er hat noch gut 40 Minuten bis es Bettzeit ist, er solle zackig duschen und Zähne putzen, damit wir Geschichte lesen können. Dann wird ewig im
Bad getrödelt, sagt man ihm, dass die Hälfte der Zeit um ist und wie keine Geschichte lesen, bekommt er einen Wutanfall - und letztlich leider wirklich keine Geschichte.
Wenn er nach dem Abendessen aber ein Eis möchte und ich sage, er solle vorher duschen und wenn dann noch Zeit ist, kann er ein Eis haben, dann geht das Ruck zuck.
Ich find das gut, wie ihr es macht, wir machen es ähnlich. Wir müssen da vielleicht einfach durch.
Wir nehmen uns allerdings auch beide immer wieder Auszeiten, um mal durchzuschnaufen.
Ganz liebe Grüße und gute Nerven

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Same here! Exakt die gleichen Situationen laufen so auch bei uns! Auch dir starke Nerven!

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Sie ist bestimmt nicht „hochbegabt“.

Woher wisst ihr das?

Ich will dir keinen Floh ins Ohr setzen. Aber lasst doch an einer anerkannten Stelle einen Test machen!

Für mich klingt es nämlich ganz stark danach 😇

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Hallo,

Viele gute Ratschläge hast du ja schon bekommen (zb die Zeit angeben: in 10 min fahre ich…)

Mein erster Gedanke war auch die Hochbegabung. Das muss sich nicht immer klischeehaft äußern. Ich würde es auch auf jeden Fall mal checken lassen. Besonders das Rechnen im ZR bis 50 (wirklich rechnen oder zählt sie bis 50?) ist für mich so ein Indiz.
Es kann aber auch einfach sein, dass sie unterfordert ist. Vielleicht klappt es nach der Einschulung viel besser. Hast du mal versucht, sie mit Aufgaben aus der Schule o. Ä. Zu „füttern“?

Ich wünsche euch auf jeden Fall starke Nerven! Aber wie ihr mit ihr umgeht hört sich auf jeden Fall sehr gut an! Da macht ihr denke ich alles richtig 👍

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Vielen Dank!
Sie rechnet tatsächlich plus und minus im ZR bis 50. Aber sie zählt an den Fingern ab.

Wir setzen viel Hoffnung auf die Schule! Aber Hochbegabung… ich weiß nicht, ich glaube, das ist doch too much,

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Ja, Hochbegabung ist "too much". Dann muss die Situation nehmen, wie sie ist.

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Wie sehr ist der "Leidensdruck" für sie und für euch?
Wenn es auch für eure Tochter einen Leidensdruck gibt, würde ich Rücksprache mit dem Kia halten und eventuell mal auf Hochbegabung etc testen lassen.
Mir geht's dabei nicht darum, dass ich das Verhalten eures Kindes "auffällig" finde. Aber es scheint bei euch doch ein Thema zu sein, warum dann nicht sich rechtzeitig auf die Suche nach möglicher Ursache machen?

Vieles von dem.was du erzählst kenne ich bei mir und bei vielen erkenne ich meine Tochter.
Vielleicht "ist" eure Tochter einfach so, dann müsst ihr vielleicht mit Hilfe einer erziehungsberatung euren Weg durchziehen.
Aber wenn da vielleicht doch eine Erkrankung hintersteckt,habt ihr die Chance, vor dem Schulstart die richtigen Hilfen einzuleiten.

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Hallo mein Tipp Informier dich über Verhaltensweise und Strategien zur Erziehung von Kindern mit Adhs. Ob sie das nun hat oder nicht, da findest du wertvolle Tipps. Lg https://www.mit-kindern-lernen.ch/adhs-lernstoerungen/ads/251-hoerst-du-mir-ueberhaupt-zu-wie-wir-zu-adhs-betroffenen-kindern-durchdringen-koennen

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Danke, das werde ich mir durchlesen!

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„Trotzdem - und das macht mir am meisten Angst - habe ich hinterher, wenn wir dann über die Situation sprechen, oft das Gefühl, dass sie überhaupt nicht verstanden hat, was uns so sauer gemacht hat. Und das macht mich fertig. Sie weint verzweifelt, und obwohl wir ihr genau erklären, was das Problem war, sehe ich in ihren Augen, dass sie es gar nicht versteht. Oft sagt sie das auch so.“

Die Frage ist, wenn sie es noch nicht versteht, wozu soviel Aufwand betreiben es immer wieder zu erklären?

Vielleicht fällt es ihr einfach schwer aus ihrer Gedankenwelt herauszukommen oder die Komponente Zeit hat sie noch nicht im Gefühl (was wie lange dauert und warum man auf einmal nicht mehr lesen kann, wenn doch aus ihrer Sicht garnichts passiert ist). Das ist für sie frustrierend, eure Wut lässt sie sich hilflos fühlen, da sie es noch nicht versteht.

Und das ist in Ordnung, sie ist erst 6. Sie ist ein kluges Mädchen und entwickelt sich in allen Bereichen gut. Hier fehlt bei Zeit und Ablauf vielleicht noch ein Konzept im Kopf, was sie mit 6 Jahren noch nicht versteht.

Ich würde eher versuchen den Druck rauszunehmen, nichts erzwingen. Wenn sie was nicht versteht, es akzeptieren, es in einem halben Jahr nochmal probieren. Schauen, wo man Kompromisse machen kann im Alltag und wo harte Grenzen sind und nur die harte Grenzen durchsetzen.

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Danke, du hast recht! Wir müssten viel lockerer lassen. Ich merke auch, dass es wesentlich entspannter läuft, wenn wir einfach viel mehr Zeit einplanen und sie einfach viel mehr machen lassen. Problem ist nur: Man hat nicht immer diese Zeit. Und leider auch nicht immer die Geduld. Aber insgesamt hast du echt recht!

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„Man hat nicht immer diese Zeit. Und leider auch nicht immer die Geduld.“

Das verstehe ich, aber sie kann noch viel weniger als ihr dafür, dass ihre Umgebung nicht so viel Zeit für sie hat, wie sie eigentlich bräuchte.

Wir Eltern haben Kinder in eine nicht perfekte Welt gebracht. Kinder brauchen ihre Zeit um hier komplett anzukommen. Wenn die Umstände es nicht anders zulassen (der Alltag ist zu stressig, man hat keine Zeit), kann man dem Kind nur beistehen und sie so lange emotional beschützen bis sie selbst bereit sind.

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HI !

Kurz und schmerzlos, teste deine Tochter auf Hochbegabung. Eventuell ist sie geistig unterfordert, dann benötigt sie gezielte Förderung. Just do it ! zu verlieren habt ihr nix.

LG, La Mer