Würdet ihr zu solchen Eltern noch Kontakt haben ???

Hallo,

Also Frage steht im Titel. Kurz zu meiner Situation. Meine Eltern belasten mich immer wieder. Meine Kindheit empfand ich als nicht gerade schön, Vater hat ein kleines Alkoholproblem ( auch wenn es immer wieder Phasen ohne Alkohol gab), meine Mutter ist eine extrem schwierige Persönlichkeit mit der kaum jemand zurecht kommt, sehr missgünstig, negativ und feindseelig. Sie hat uns Kinder viel angeschrien, auch ab und zu beleidigt und erniedrigt. Schuldzuweisung waren auch mal gerne dabei --> wenn die Eltern gestritten haben, hieß es desöfteren "ihr Kinder seid schuld daran" . Sie haben sich um uns gekümmert im Sinne von : warmes Essen auf dem Tisch, saubere Kleidung, Elternsprechtag in der Schule, das Pflichtprogramm halt, emotional allerdings blieben wir auf der Strecke, es wurden nie etwas mit uns unternommen, kein Freibad, Zoo oder Fahrradausflug. Sie saßen jedes Wochenende vor dem Fernseher und wir spielten auf dem Hof. Als Geschenk gab es nur Geldgeschenke, kein Osterhase der uns Schokolade versteckte oder ähnliches...
Als ich ihnen das als Erwachsene mal vorwarf hieß es : ja wir konnten nicht, weil wir gingen ja arbeiten.
Nun ja, trotzdem sind sie natürliche meine Eltern und man hat eine gewisse Verbindung zu ihnen.
Jetzt bin ich Erwachsen und schon lange ausgezogen, trotzdem belasten sie mich immer wieder mal. Einerseits mit der Vergangenheit und einerseits auch gegenwärtig, denn sie sind immer noch sehr anstrengende Persönlichkeiten die sich desöfteren ( meiner Meinung nach) unmöglich benehmen. Z.B. ruft mein vater an und ich gehe nicht ran, rufe am abend aber zurück und bekomme dann Vorwürfe, denn ich hätte doch tagsüber in der elternzeit genug zeit. Einfach anstrengend...
Habt ihr Tipps ??

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Erstmal: fühl dich umarmt und verstanden. Mir ist es ein Rätsel, warum dir hier vorgehalten wird, du sollst den Kontakt nicht abbrechen, das sei übertrieben.

Du hast Schwieriges erlebt. Es gibt kein kleines Alkoholproblem. Beschimpfungen durch die Mutter hört man noch als Erwachsener, als wäre es gestern gewesen. Lieblosigkeit ist keine Bagatelle. Babies die nur versorgt - nicht liebevoll umsorgt - werden, können daran sterben. Google da auch mal Friedrich II. und Experiment.

Das alles hat Spuren hinterlassen und du wirst mit deinen eigenen Kindern vermutlich manchmal kämpfen müssen, um dieses Erbe nicht weiterzugeben.

Wenn du merkst, dass der Kontakt emotional zu viel ist, die Wunden zu offen, dann melde dich nur und ausschliesslich, wenn du das selbst willst. Das kann wöchentlich sein oder einmal in zehn Jahren oder nie mehr. All das ist ok. Dafür muss man nichts gross kommunizieren. Du tust, was du fühlst.
Kontakt nach dem man sich jedes Mal schlechter fühlt als vorher ist für niemanden gut. Das gilt auch dafür, dass man als Elternteil seinen Kindern vorlebt, wie man sich abgrenzt und auf sich selber schaut.

Und gerade in der Elternzeit hast du anderes zu tun, als dich von von Erwachsenen Trotzköpfen stressen zu lassen. Du benötigst jetzt deine Nerven für dein Kind, das nicht erleben soll, wie du überfordert bist.

Wenn du Kraft dafür hast und der Sache Raum geben willst überleg doch mal, ob eine Therapie für dich ein Weg wäre, um das alles für dich zu bearbeiten. Allerdings braucht das zusätzlich Nerven und man kann sehr aufgewühlt sein, ob und wann du das Gefühl hast, dass in deinem Leben dafür Platz ist bestimmst du allein.

Es gibt keinen Zwang, sich von Eltern und anderen Verwandten aufgrund einer biologischen Verbindung verkrüppeln zu lassen oder als Erwachsener auszuhalten, was sie noch immer nicht richtig machen.

Du hast nur ein Leben. Lebe es so, dass du glücklich sein kannst. Die anderen haben es dir lang genug schwer gemacht.

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Eine Therapie habe ich schon gemacht. Ich weiß dass die Akzeptanz der Weg ist.
Trotzdem ist es immer wieder mal schwierig

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Wichtig ist, dass es nicht um verzeihen geht. Es war Mist, ist Mist und wird immer Mist bleiben.
Aber es lag nicht an dir, die Begründung ist völlig egal, es wird viel geredet, wichtig ist nur, was man tut und fühlt.
Wer will findet Wege, wer nicht will Gründe. Einem Kind drei hartgekochte Eier verstecken kann jeder, egal wie gestresst und finanziell angespannt er sich empfindet. Aber seinem Kind kein Leuchten in die Augen zaubern wollen. Das zeigt, dass dem Menschen da was fehlt.

Akzeptanz im Sinne von es war so und wird nicht anders, egal, wie sehr man es sich wünschen würde, Loslassen ist wichtig. Und verhindern, dass es so weiter geht. Du bist kein Kind mehr, das ihre Anerkennung oder Liebe braucht und doch nicht bekommt. Du kannst einfach aufhören und dich auf dich und das was du ändern möchtest konzentrieren. Das ist toll.
Und btw kannst du jetzt alles was du immer wolltest und vermisst hast zu tun- halt als Mama. Das ist die Gelegenheit, endlich Ausgleich zu haben!
Schau nicht nach hinten, schau nach vorn🍀

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Ich könnte mir nicht vorstellen, den Kontakt zu meinen Eltern abzubrechen und sehe auch bei dir jetzt keinen Grund dafür. Allerdings kann ich nicht einschätzen, wie sehr dich das alles belastet. Wenn es dich in deinem Leben einschränkt (psychisch oder auch in deinem Tun), dann wäre ein Kontaktabbruch sicher eine Option. Dann solltest du aber gleichzeitig über eine Therapie nachdenken, um das Geschehene zu verarbeiten - auch deinem eigenen Kind zuliebe.
Wie verhalten sie sich denn als Großeltern? Wenn du dort Potenzial siehst, dann versuche das in gute Bahnen zu lenken.
Ansonsten ist es ja auch möglich, den Kontakt zu reduzieren statt gleich abzubrechen. Entweder führst du davor noch ein offenes Gespräch mit ihnen oder lässt es ohne drauf ankommen...
Du hast viele Möglichkeiten, Kontaktabbruch wäre für mich die absolut letzte Konsequenz...

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Als Großeltern sind sie genau so wie auch als Eltern. Nicht sonderlich engagiert...

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Der Kontakt ist schon sehr reduziert.

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Also die Ausrede zwecks Arbeit ist Quatsch.

Ganz ehrlich, tue das was gut für dich ist.
Entweder lässt du es bei dem reduzierten Kontakt oder brichst diesen komplett ab.

Ich hab damals meiner Mutter einen Brief geschrieben, sie hat sich komplett angegriffen gefühlt. Nun habe ich sie 10Jahre nicht mehr gesehen. Traurig ja, aber trotzdem geht es mir gut damit.

Wir sind keine Kinder mehr, müssen uns nicht mehr alles bieten lassen.
Wir sind Erwachsen, sollte man meinen. Auch die Reaktion deines Vaters spricht für unreife.

Ich arbeite auch, trotzdem schenke ich meinen Kinder Liebe und Zuneigung. Natürlich bin ich auch nicht perfekt. Aber ich kann mein Handeln reflektieren.

Schau wie es für dich am besten ist. Um du weiterhin mit ihnen umgehen kannst oder nicht.

Alles Liebe

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Hallo

Ich stecke natürlich nicht drin in der Situation und kann es daher nicht zu 100% beurteilen.
Aber: hier aus dem Forum und auch bei dir wieder gibt es zig Beiträge, warum der Kontakt zu den Eltern abgebrochen werden soll.
Wir haben doch alle in unserem Leben zu kämpfen. Vielleicht wussten es deine Eltern einfach nicht besser, oder konnten nicht. Vielleicht war der Alltag extrem hart, mit Arbeit, Kind, Alkoholsucht und allem was man sonst so hat.
Ich finde es wirklich erschreckend wie schnell Kinder in der heutigen Zeit den Kontakt abbrechen.
Ich fände es wichtiger, dass du an deiner Persönlichkeit arbeitest und dir vieles nicht zu Herzen nimmst und einfach die Einstellung hast: so sind sie halt 😉
Man darf unter all dem nicht vergessen was unsere Eltern FÜR uns getan haben!
Ich bin mal gespannt wie das die nächste Generation mit uns macht. Wir sind nämlich auch nicht perfekt, weil wir wieder andere Hürden im Leben haben. Zb Frauen gehen viel arbeiten, kinderbetreuung wird mehr, Medienkonsum, laut wird sicher hier und da auch mal.
Mal sehen wann uns das auf die Füße fällt. Und wir handeln auch nach bestem Wissen und Gewissens.

Ich sehe tatsächlich keinen Grund bei dir zum Kontaktabbruch eher das Problem zu viel in der Vergangenheit zu leben und manches auf eine schlechte Kindheit zu schieben. Das empfinde ich persönlich übrigens auch als einen "schwierigen Charakter" so wie du es oben über deine Mutter geschrieben hast.

Alles Gute für deine Entscheidung

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Es gibt durchaus Eltern, die nie etwas für ihre Kinder tun, außer ihnen Schmerz und Traumata zu verpassen. Deswegen kann in vielen Fällen Kontaktabruch sehr hilfreich sein. Gerade wenn die Beziehung toxisch ist. Wäre natürlich optimal es von einem Therapeuten begleiten zu lassen.

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Ah jetzt bin ich die schwierige Persönlichkeit 😂 ist ja witzig. Du bist dann wahrscheinlich auch jemand der gerne Täter - Opfer Umkehr betreibt oder ? Ich denke mal, ein Kind kann NIE etwas dafür, wenn die Eltern es nicht geschafft haben, eine gute, sichere Bindung und Beziehung zum Kind aufzubauen.

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Deine Eltern haben eventuell getan was sie konnten!
wie waren deine Grosseltern?
ohne sie gäbe es dich gar nicht!
Sie haben wohl viel gearbeitet! Hast du mit deiner Mutter schon mal darüber gesprochen, weshalb sie viel geschrien hat? War sie einfach überfordert?
Ich finde, man sollte so einen Schritt schon überlegen, denn wnn man so was vorlebt, kann es einem in der nächsten Generation genauso wieder passieren

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Ich sehe das genau so

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Du wirst hier alle Antworten finden. Von „nein, würde ich nicht.“ über stell dich nicht so an“ bis hin zu „sie haben Dich geboren.“
Beantworten kannst die Frage nur du. Du hast „Historie“ mit deinen Eltern. Die triggers spezifisch dich. Nur du weisst, ob dir der Kontakt mit Ihnen auch Positives bringt.
Das einzige was ich sagen kann ist dass wenn du als Betroffene findest dass es reicht und du den Kontakt abbrechen willst, dann ist das absolut gerechtfertigt und machenswert, kein „Kind“ tut das leichtfertig.

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Nein, Tipp hab ich da keinen für dich.

Ich kenne vieles davon, was du über deine Mutter schilderst...
Ich hätt es nie übers Herz gebracht, den Kontakt komplett abzubrechen, muss aber erwähnen, daß es eigentlich mein Papa war (oder ist), mit dem das steht und fällt. Er war zu uns als Kinder immer sehr streng, manchmal viel zu streng, aber er hat sich Sonntags auch wirklich Zeit genommen für uns als Kinder.

MIr ging es, als ich ausgezogen war, bereits eigene Familie hatte, öfter so, daß es mit meiner Mutter ähnlich mies lief, wie du es schilderst. Da kam es öfter mal vor, daß ich einige Wochen nichts von mir hören ließ, mich dort auch nicht sehen ließ - es war nicht immer einfach.
Mittlerweile bin ich 55 J und steh da eigentlich meistens drüber - ich kann es ganz gut abwehren, an mich abprallen lassen, wenn meine Mutter sich so benimmt, bzw. sie ist (fast 80) nun mittlerweile ETWAS milder geworden...dafür wird mein Papa in den letzten Jahren unzufriedener, schimpft viel, regt sich über andere auf....
Manche Situationen grenze ich mittlerweile aus...

Zwei meiner insgesamt drei Brüder haben den Kontakt komplett abgebrochen, wobei einer davon sich in den letzten Jahren ab und zu meldet...

Nur du kannst die Entscheidung treffen.

LG

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Ich kann dich sehr gut verstehen, mir geht es nämlich ähnlich. Drehen oder zur Einsicht bringst Du die nicht mehr, aber ähnlich wie du, habe ich auch zuviel Verantwortungsbewusstsein in mir, um den Kontakt ganz abzubrechen. Aber ich habe gelernt, sehr klar meine Grenzen zu wahren.
Ganz konkret: ich knalle ihnen einen vor den Latz, wenn sie mit überzogenen Forderungen kommen. Dein Vater nörgelt, weil du dich erst so spät meldest? Pampe zurück und sage ihm, dass es deine Entscheidung ist, wann der Rückruf passt und wann nicht!
Lass dir einfach nichts mehr gefallen. Ich hatte da mit Mitte 20 eine zweite Pubertät, wo ich mich wirklich emanzipiert habe gegen das manipulative und fordernde Verhalten meiner Mutter. Hat echt geholfen.

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Bei mir war es ähnlich, nur dass meine Mutter mit mir doch recht viel unternommen hat. Aber die Vorwürfe gab es auch zuhauf und die blieben bis ins Erwachsenenalter. Die Unzufriedenheit wieso ich mich an einem Geburtstag erst abends zurück melde, kenne ich auch. 🤪Jedes Telefonat endete nach wenigen Sekunden in Geschrei.

Ich habe den Kontakt abgebrochen.