Hilfe! Was soll ich nur tun?

Hey ihr Lieben,
ich habe ein großes Problem derzeit mit meinem Mann.
Wir sind relativ schnell schwanger geworden und haben noch vor Entbindungstermin geheiratet. Die Schwangerschaft und die Geburt waren für uns beide sehr schlimm. Es ist alles schief gegangen und wir behalten die Zeit leider nicht gut in Erinnerung. Wir hatten in dieser Zeit schon sehr viel Stress und Streit.
Als unser Sohn dann auf der Welt war, dachten wir das alles besser wird.
Wir mussten allerdings 6 mal ins Krankenhaus mit ihm und er musste mehrfach operiert werden. Es war eine katastrophale Anfangszeit, mit wochenlangen Krankenhausaufenthalten (wir haben uns abgewechselt, erst ich, dann er) und unser Sohn war ein schreibaby. Zwischen 14 und 18 Stunden am Tag nur Geschrei.
Inzwischen hat sich die Situation gebessert. Unser Sohn hat aber, denke ich, trotzdem einen Schaden davon getragen. Er rastet innerhalb von 1 Sekunde so aus, weil er z.B. Hunger hat oder müde ist. Er schreit und weint und man denkt er würde gerade umgebracht werden. Außerdem ist schlafen ein großes Problem. Er kämpft richtig Dagegen an und dann wird es immer und immer schlimmer.

Unsere Nerven liegen blank. Bei meinem Mann mehr als bei mir. Ich bin auch genervt. Definitiv. Könnte manchmal schreien und weinen und würde gern weglaufen, ABER ich bleibe immer ruhig und versuche so sanft wie möglich zu reden und mit meinem Sohn umzugehen. Das klappt in der Regel auch sehr gut. Er beruhigt sich bei mir in ca 10-20min.

Jetzt meine eigentliche Frage:
Meinem Mann fällt das nach dieser schwierigen Zeit noch schwerer. Er würde sagen, ich übertreibe, aber habe langsam Panik ihn allein mit unserem Sohn zu lassen. Ich versuche meinen Mann Freiheiten zu geben, er schläft immer 6-8 Stunden (ich ca 2-6), er ist ein paar mal unterwegs gewesen mit Freunden etc. Allerdings werde ich jeden Morgen von seinem Geschrei geweckt. Er schreit den Namen unseres Kindes so laut durch das Haus, weil er weint (meistens ist unser Sohn müde und findet wieder nicht in den Schlaf), er schreit ihn dermaßen an und wippt ihn extrem unsanft, sodass ich sofort davon wach werde, runterlaufe und ihm das Kind aus dem Arm reiße.
Vor 3 Tagen hat er dann mich angeschrieen, mit Kind auf seinem Arm und meinte: warum reißt du ihn mir immer aus der Hand?
Ich meinte nur: „weil du ihn schüttelst“
Dann ist er komplett an die Decke gesprungen, Beleidigungen, anschreien, Türen knallen, Stunden war er weg und seit 3 Tagen kümmere ich mich allein um das Kind und wir reden kein Wort miteinander.
Mein Mann ist selbstständig und hat seinen Betrieb auf Eis gelegt für die Zeit und ab August arbeitet er wieder Vollzeit. Dafür bin ich ihm sehr dankbar, allein hätte ich das nicht geschafft, aber denkt ihr es liegt daran? Das er nicht mehr zu Hause sein kann/will?
Unsere Partnerschaft ist auch seitdem das Kind da ist total zerstört. Wir reden gar nicht mehr, haben keine Freude, können durch unseren Sohn auch kaum das Haus verlassen, jedes Wort was der andere sagt wird direkt falsch verstanden und wir zicken uns nur an.
Was kann ich tun?

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Ich sehe dich in der Pflicht, das bei der Beratung anzusprechen. Dein Mann mag zwar sauer werden, aber bei deinem Sohn wird sein Verhalten massiven Schaden anrichten. Dein Sohn braucht dich damit du ihn beschützt.

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Stimmt, der Schutz des Kindes ist sehr wichtig. Nicht nur körperlich, auch seelisch.
Vielleicht könntest du das irgendwo ohne ihn ansprechen zuerst... Und gucken was die Raten. Also zb auch telefonisch oder bei einer Frauenberatungsstelle oder eben bei eurer Beraterin ohne ihn .

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Vor dem seelischen Schaden habe ich auch große Angst. Mein Mann wurde selbst als Kind verbal und auch körperlich angegangen und er wollte immer alles besser machen bei seinem Kind.
Allein angeschrieen zu werden, finde ich ganz grausam. Unser Sohn hat schon so viel durchgemacht und dann auch noch sowas.. habe echt Angst das er später Probleme deswegen hat.

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Hey,
Hört sich echt schlimm an!
Ich denke an deiner Stelle hätte ich das Kind auch aus seinem Arm genommen, weil ich Angst hätte... Gerade Babys und schütteln ist gefährlich..
Hat er generell nicht so eine hohe Belastungsgrenze bzw ist er schnell aufbrausend?

Euer Start war Natürlich auch heftig und davon habt ihr bestimmt alle noch was zu tragen.. das plus die Zeit jetzt zu Hause für ihn ist vllt frustrierend.
Wahrscheinlich müsstet ihr alle diese Zeit aufarbeiten.
Ich würde eine Familienberatungsstelle aufsuchen... Die können dir bestimmt weiterhelfen.
Dein Baby hat garantiert auch ein Trauma wegen der Krankenhaus Zeit..

Wünsche euch alles gute weiterhin und viel Kraft.

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Vielen Dank für die Nachricht. Ja wir sind alle schwer geschädigt von den letzten Monaten. Wir sind bereits bei einer Erziehungsberatung. Allerdings könnte ich dort niemals so offen sprechen, weil man Mann dabei ist und er würde das dann garnicht gut finden. Wenn wir dann zu Hause sind, würde alles noch schlimmer werden.

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Und ja, er ist schnell gereizt und genervt. Generell.
Nach dieser Zeit kann ich es ihm auch nicht mehr verübeln, bin selbst sehr zickig und gestresst.
Allerdings würde ich so niemals mit meinem Kind umgehen.

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hi, wie alt ist dein sohn? das klingt alles nach einer großen belastung für euch drei. für jeden einzelnen. ich würde schnell eine beratungsstelle aufsuchen - die können euch helfen.

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Unser Sohn ist jetzt 4 1/2 Monate alt.
Wir sind bei einer Erziehungsberatung bereits, da wir so verzweifelt waren aufgrund des Schreiens. Allerdings denke ich, dass mein Mann sehr sauer werden wird wenn ich das dort zum Thema machen würde. Dann würde es nur noch schlimmer werden. Er sieht das halt nicht so, dass er so mit unserem Kind umgeht. Er ist auch sonst immer gut zu ihm, nur wenn er schreit, dann eskaliert es direkt. Er sieht es selbst nicht, wie er mit ihm umgeht und ist beratungsresistent

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gibts bei euch eine Koordinationsstelle Frühe Hilfen (Koki). Über eine solche könntet ihr beratung durch Sozialpädagogen und wöchentliche Unterstützung durch eine Familienhebamme bekommen. Diese könnte mit euch überlegen, was das Kind braucht, wie ihr ihm den Alltag gestalten könnten, dass es ruhiger ist, usw. usw.

Wenn ihr aber auch noch so Paarprobleme habt...ihr könnt euch auch ans Jugendamt wendne, dann könnt ihr eine Familienhebamme und eine sozialpäd. Familienhilfe beantragen.

Wie wäre es denn wenn du erstmal auf eine Mutter-Kind Kur fährst. Ihr hättet alle Zeit zum erholen, etwas Abstand, du bekommst Beratung bzgl. des Kindes, bzgl. deines Stressniveaus, auch bzgl. deiner Partnerschaft und bzgl. der Bindung zum Kind...
Dannach könnt ihr mit Hilfen durchs JA oder der Koki starten?

Ihr könntet auch zu dritt auf Kur fahren, oder der Vater mit Kind, aber ich weß grad nicht, ob das passend und machbar wäre.

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Was kann ich tun?

Kümmere dich um dich und dein Wohlergehen!
Besuch Krabbelgruppen, geh mit ihm spazieren. Geh raus mit dem Kind! Verkrieche dich nicht aus Scham im Haus. Und reaktiviere ja deine Freundschaften! Gute Freunde braucht man!
Zur Beruhigung: Schläft er vielleicht im Auto ein? Wacht er weniger auf, wenn er in der Nacht Körperkontakt zu dir hat?
Wie alt ist das Kind und stillst du noch?
Und ja, im Notfall mach ihm Musik oder nen Kinderfilm an, wenn er so schreit, dass er sich immer mehr reinsteigert. Manchmal ist es halt so, dass nur Ablenkung hilft.

Und lass deinen Mann nicht mit ihm alleine. Traue deinem Instinkt! Wer ein Baby aus Überforderung schüttelt, darf nicht in so einer Situation das Baby haben!
Hast du Menschen (Eltern, Geschwister etc) die dich stundenweise entlasten können, damit du mal richtig schläfst?

Warst du bei der Schreiambulanz?

Ich würde wohl über Trennung nachdenken,, wenn dein Mann nicht bereit ist, sich psychologische Hilfe zu suchen. Er hat offenbar Probleme mit der Impulskontrolle. Ein Baby schütteln ist gefährlich!

Schlafmangel ist Folter! Aber das berechtigt einen nicht, ein wehrloses Baby anzuschreien und zu schütteln. Er wirkt absolut überfordert und ich hätte Angst davor was passiert, wenn euer Kind in der schlimmsten Trotzphase ist. Es ist also vermutlich kein temporäres Problem. Er braucht Hilfe! Lässt er sich nicht helfen, dann geh!

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Danke für die Antwort.
Unseren Sohn beruhigt so gut wie nichts. Auto fahren, Kinderwagen, frische Luft, Körperlänge, Musik,… alles probiert, mehrfach und er rastet nur noch mehr aus.
Den einen Tag kann ich ihn auf dem Arm beruhigen, den nächsten Tag geht das gar nicht und er will z.B. in seine Wippe und in Ruhe gelassen werden. Total unbeständig.
Wenn wir unterwegs sind, sprich bei Freunden etc., weint mein Sohn durchgehend. Zu Hause weniger, deswegen haben wir alle die Lust verloren etwas zu unternehmen, weil es für alle nur Stress bedeutet. Deswegen sind Krabbelgruppen etc keine option derzeit.
Ich habe Eltern, die arbeiten aber Vollzeit und sind leider auch sofort überfordert mit unserem Sohn. Deswegen ist das leider auch schwierig. Am ehesten von allen bekomme ich ihn beruhigt und deswegen fällt es mir sehr schwer ihn wegzugeben, wenn ich weiß es geht ihm da schlechter als bei mir.
Stillen hat nicht geklappt, deswegen bekommt er die Flasche. Er ist 4 1/2 Monate alt.

In der Nacht ist er ein vorzeigebaby. Wacht so 3-4 mal auf, aber problemlos. Wenn die Flasche direkt fertig ist, meckert er auch kaum und schläft danach friedlich ein. Tagsüber ist er echt anstrengend und kaum zufrieden zu stellen.
Es ist aber schon wirklich besser geworden. Man kann ihn viel besser ablenken, als vorher.

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Hey, also erstmal tut es mir wirklich leid, dass ihr so eine schlimme Anfangsphase hattet.

Zu deinem Sohn fällt mir folgendes ein:

- vielleicht ist er schnell reizüberflutet, mag bestimmte Geräusche, Lichtquellen, Gerüche, etc nicht. , hilft es vielleicht, ihn zu Hause im Tragetuch zu haben?
- hast du körperliche Ursachen abklären lassen? Warst du mal bei einem Osteopathen mit ihm? (Lohnt sich fast immer)
-Schreiambulanz wäre auch eine Idee
- versucht, dir aufzuschreiben, wobei er sich wann beruhigen lässt, mir hat das die Augen geöffnet

Zu deinem Mann: es ist weder für dich noch für euren Sohn schön, ständig in Alarmbereitschaft zu sein oder angebrüllt zu werden

Kannst du in einer ruhigen Minute nochmal mit ihm reden? Ihm klarmachen,dass du ihn verstehst, aber dass das genau das Verhalten ist, was er nicht vorleben wollte?

Würde es ihm helfen, wenn du das kurz aufnimmt (sein brüllen oder wie er ihn hält?) Oder würde es das noch schlimmer machen? Vielleicht wacht er dadurch auf und es wird ihm bewusst?

Lass ihn erstmal nicht allein mit dem kleinen. Such du dir aber auch irgendwie Unterstützung, damit du für euch stark bleiben kannst

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Warst Du mal bei einem fähigen Baby Osteopathen? Vielleicht schreit er vor Schmerzen.
Deinem Mann würde ich das Kind nicht mehr ohne Aufsicht geben. Schütteln kann zum Tod führen.

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Das klingt nach Kindeswohlgefährdung.

Suche eine Beratungsstelle.

Dein Freund macht den Eindruck, dass er unbelehrbar ist. Du „allein“ wirst ihn nicht verändern können, da wird wohl ein therapeutischer Ansatz nötig sein. Hast du Unterstützung von deiner Familie?

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Versuch mal in Ruhe mit deinem Mann zu reden. Nicht anschreien, keine Vorwürfe. Klar, Kind anschreien und schütteln geht gar nicht. Aber offensichtlich bemüht er sich ja das Kind zu beruhigen und steht wahrscheinlich umso mehr unter Druck, das schnell zu schaffen, weil er weiß, wenn er das Kind nicht schnell genug beruhigt bekommt, kommst du wieder angerannt und reißt es ihm aus dem Arm.
Vielleicht könnt ihr mal verabreden, dass er versucht, das Kind zu beruhigen und er alles außer schreien und schütteln versuchen kann. Wenn er merkt, er kann nicht mehr, möchte schreien oder schütteln, kann er jederzeit zu dir kommen. Aber gib ihm die Chance, seinen eigenen Weg zu finden.
Du schriebst, er hat das Kind extrem unsanft gewippt. Solange das Köpfchen dabei gut unterstützt ist, sollte auch starkes Wippen nicht vergleichbar mit schütteln, das zum Schütteltrauma und zum Tod führen kann, sein. Besprich das in ruhigem Ton mit ihm, dass beim Wippen der Kopf immer gut unterstützt sein muss und vielleicht auch gleich, dass sanfteres Wippen, zwar nicht immer sofort, aber eher zum Ziel führt, als wildes Wippen, aber solange er gut auf den Kopf aufpasst, kann er ausprobieren, wie sanft oder wie stark dem Baby das Wippen gefällt.
Vielleicht sprichst du auch mit ihm, dass du ihn gut verstehen kannst, dass auch deine Nerven blank liegen und du am liebsten schreien möchtest, aber du weißt, dass das nicht zum Ziel führt und du dich deshalb extrem zusammen reißt und weiterhin ruhig zum Kind sprichst. Und wenn es gar nicht mehr geht, Kind dem Partner in den Arm legen, aus dem Raum raus, Tür zu und dort schreien 😉
Gebt euch Zeit. Akzeptiert, dass das Beruhigen seine Zeit dauert und versucht, den Druck bei euch selbst rauszunehmen.

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Du tust mir sehr leid.
Ich rate auch dringend dazu, Hilfe zu suchen.
Für das Baby: zum Ostheopathen gehen, vom Kinderarzt Physio verschreiben lassen, bei der Klinik wo er operiert wurde nach Hilfe fragen oder zB intern weiterleiten lassen zur KJP, Schreiambulanz etc.
Für euch: geht getrennt zu einer Beratungsstelle! Frühe Hilfen, Selbsthilfegruppe,...
Gibt es bei euch Angebote an Eltern wie euch, deren Kind operiert werden musste? zB gibt es Vereine, die Eltern herz- oder krebskranker Kinder unterstützen. Auch da kann euch vielleicht die Klinik Kontakte verschaffen. Bei manchen Krankheiten gibt es auch Familienrehas.

Dein Mann braucht dringend Beratung, wie er mit dem Kleinen umgehen sollte.
Du brauchst dringend Entlastung.
Vielleicht können Oma und Papa mal mit dem kleinen spazieren gehen und du machst Pause?