Angst um meinen Papa

Hallo. Das wird ein langer Text. Ich versuche es, so kurz zu halten, wie es geht.

Am besten fange ich etwas weiter vorne an. Meine Mama ist vor einigen Jahren sehr früh verstorben im Alter von 52 Jahren. Es zog uns allen den Boden unter den Füßen weg. Meiner Schwester, meinem Papa und mir. Sie waren immerhin 35 Jahre verheiratet. Daraus erschließt sich nun, daß ich ein etwas älteres Semester bin.

Zwei Jahre später hat mein Papa eine neue Freundin gehabt. Das war für uns Kinder ok, wir wussten, daß er nicht alleine sein will. Allerdings kannte ich die Dame schon, weil sie früher in unserer Nachbarschaft gewohnt hat. Und sie war immer mega eingebildet. Grüßte nie, sondern stellte den Kopf als sei sie was besseres. Deshalb konnte ich sie damals schon nicht leiden und das hat sich leider nicht geändert. Ich bin der Meinung, daß sie meinem Papa nicht gut tut. Sie zieht ihn total runter mit ihrer Art. Aber jetzt geht das Theater los, welches ich mal loswerden möchte. Zum einen hat sie anfangs schlecht über unsere Mutter geredet, das konnte ich gar nicht ab. Sie kannte meine Mutter gar nicht persönlich, nur eben aus der Nachbarschaft. Meine Mama war eine sehr warmherzige Frau, hat alles für uns Kinder gemacht,wenn es denn ging. Dann, als sie ein paar Jahre mit meinem Papa zusammen war, beschlossen sie, zu heiraten. Mein Papa wollte auch unseren Segen dazu haben und ich wäre die letzte gewesen, die seinem Glück im Wege gestanden hätte. Also stimmte ich der Hochzeit natürlich zu. So sollte ich also für meinen Papa die Trauzeugin sein, was ich sehr gerne angenommen hatte. Es stand auch ein Termin fest, für die Winterferien, da ich ein Kind habe, welches damals noch schulpflichtig war. Und ganz plötzlich, aus heiterem Himmel, wurde der Termin auf einen Monat vorher verlegt, wo eben keine Ferien mehr waren. Weil sie da Geburtstag hatte und an diesem Wochenende gleich in Urlaub fahren wollte, da sie keine Lust hatte auf die Familie meines Vaters. So der O-Ton. Nun wohnte ich aber etwa 300 km weg in einem anderen Bundesland. Fragte in der Schule nach, wegen einer Beurlaubung, aber wurde zu dem Zeitpunkt nicht genehmigt von der Schule.

Somit hatte ich keine Möglichkeit zur Hochzeit zu fahren. Ich finde es heute noch schlimm, das ich nicht dabei sein konnte, aber ich hatte dort auch niemanden für mein Kind, also ging es nicht. Aber das ging nur von ihr aus, meinem Vater war es egal, wann er heiratet und er hätte mich und seine Enkelin sehr gerne dabei gehabt.

Nun zum wesentlichen. Mein Papa ist sehr krank. Er hat Diabetes und einiges anderes. Auch schon zwei Herzinfarkte. Und seit Jahren höre ich mir von ihr an, das sie nicht mehr kann und keinen Bock mehr auf meinen Vater hat. Was erwartet sie? Das ich ihr beistehe und meinem Vater in den Rücken falle? Sie redet schon seit Jahren immer wieder darüber, daß sie meinen Vater verlassen will. Dann nörgelt sie ständig an meinem Kind rum. Da sagte sie einmal zu mir "Kinder brauchen Führung, aber das interessiert dich ja nicht". Dies sagte sie letztes Jahr, weil mein Kind noch keine Ausbildung anfangen kann. Mein Kind hat psychische Probleme und ist in Behandlung (schlimmes Mobbing in der Schulzeit). Und dann werde ich so angegriffen. Ich bin immer für mein Kind da, und es hatte mit Sicherheit Führung, nur wenn etwas nicht geht, dann geht es nun mal nicht. Das wird sich alles bessern, wir sind auf einem guten Weg, aber sowas dauert halt auch. Sie war jedenfalls nie eine Oma für mein Kind.

Aber wieder zum Thema: seit letztem Jahr geht es meinem Papa wirklich nicht so gut. Er lag fast 9 Monate in Krankenhäusern. Darauf hatte sie schon keinen Bock. Hat sie auch so gesagt. Und jetzt will sie sich von ihm trennen, weil sie keine Lust mehr hat auf seine Launen. Man muß erwähnen, daß mein Papa immer sehr freiheitsliebend war, aber seit letztem Jahr ist er an die Wohnung mehr oder weniger gefesselt, braucht Hilfe bei einigen Dingen. Und das ist ihr alles zu viel. Ich denke halt, das er damit nicht zurecht kommt und deshalb so launisch ist. Und wenn sie ihn verlässt, wird ihm das Herz brechen. Er liebt sie und will nicht ohne sie sein. Das weiß ich. Es belastet mich sehr und auch meine Schwester und mein Kind sind sehr belastet durch ihre Aussagen. Sie weiß, das er Hilfe braucht und nicht gut laufen kann, fährt aber für Tage zu ihrer Freundin und lässt den Hund dort bei ihm. Dann muß er mit dem Hund Gassi gehen, obwohl er es nicht wirklich soll und kann und sie macht sich ein schönes Leben. Ich finde sie einfach egoistisch und unmöglich im Benehmen. Nun bin ich gespannt, wie ihr das seht hier im Forum. Sorry nochmal für den ellenlangen Text 🙈

1

Für mich klingt die Frau auch total unsympathisch, aber dein Vater muss selbst wissen auf was er sich einlässt.
Ich würde mich raushalten was die beiden betrifft.
Bei Kritik dir gegenüber sieht es schon anders aus. Wenn sie meint sich einmischen zu müssen, muss sie mit Gegenwind rechnen.

3

Schließe mich zu 100 Prozent an. Du sagst, du seist aus einem älteren Semester - entsprechend muss auch dein Vater schon "groß" sein. In die Beziehung der beiden würde ich mich nicht einmischen, würde mir meinen Teil denken und meine Rückschlüsse daraus für mein eigenes Verhältnis zu ihr ziehen. Wenn du darüber hinaus der Ansicht bist, dass dein Vater mehr Unterstützung braucht, würde ich mich an deiner Stelle anbieten, ihm bei der Findung anderer Versorgungsmöglichkeiten zu unterstützen.

2

Die Frau klingt ja wirklich… sympathisch. Nicht.

Aber dein Vater ist erwachsen. Er hat sie gewählt, aus welchen Gründen auch immer. Er hätte ihr Grenzen setzen können, tat er aber nicht.

Es tut weh, das zu akzeptieren. Aber dein Vater hat sich da nicht eingesetzt, z.B. bei der Hochzeit. War ihm anscheinend doch nicht wichtig genug, dass ihr kommt.

Diese Frau hat NICHT alleine schuld. Es gibt immer einen, ders macht und einen, ders machen lässt!

Ich an deiner Stelle würde mit ihr gar nicht so groß diskutieren, ihr sagen, dass ich ihre Aussagen unmöglich finde und nicht hören will und sonst nur mit deinem Vater kommunizieren. :)

4

Wenn dein Vater nun viel Pflege benötigt, wäre es eventuell ratsam, einen Pflegegrad zu beantragen. Dafür muss man sich an den MDK wenden und einen Termin vereinbaren.
Man kann nicht verlangen, dass seine Frau alles übernimmt und nicht mehr zu ihren Freundinnen fahren kann.
Was du von der Frau deines Vaters erwartest, ist zum einen die völlige Aufopferung für ihn und im Grunde wirkt es auch so, als würdest du wollen, dass sie ihn bemuttert.
Es sind einige Dinge dabei, die du ihr allein ankreidest, die du genauso deinem Vater ankreiden könntest, wie den Hochzeitstermin. Er ist doch kein Kleinkind dass sich dem beugen muss, was seine Verlobte sagt?
Du beschreibst ihn wie ein armes, hilfloses Kind was unter dieser schrecklichen Frau zu leiden hat.
Er ist erwachsen, ein Mann! Er muss seine Dinge auch selbst regeln können.
Und wenn sie sich trennen will, dann ist das natürlich traurig für deinen Vater aber nochmal: er ist ein erwachsener Mann und es wird Gründe für diese Trennung geben, die weit darüber hinausgehen, was du über die Beziehung weißt. Du denkst es geht hier nur um ihren Egoismus aber du kennst doch gar nicht alle Gründe, weißt nicht welche Probleme es hinter geschlossenen Türen gab und gibt.
Du mochtest sie nie und verurteilst sie sehr. Ich würde zu gern mal ihre Seite der Geschichte hören...

5

Wenn sie ihn wirklich verlässt, dann solltest du deinem Vater siganalisieren,dass du immer für ihn da bist. vielleicht gibt es ja eine Möglichkeit; ihn zu ech in den Ort zu holen. dann hätte er Familienanschluss und seine Lieben um sich.

6

Hallo Seralinche!
Ich kann dich und deine Angst gut verstehen. Gefühlsmässig habe ich ähnliches Erlebt - meine Eltern sind geschieden, mein Vater leidet sehr unter der Trennung und das alles zieht so viele unschöne Dinge nach sich. Auch er hatte einen Herzinfarkt, lebt ziemlich ungesund, und ich mach mir meine Sorgen um ihn und um die ganze familiäre Sitation.

Aber in der vergangenen Zeit musste und durfte ich lernen, dass nicht ICH die Verantwortung für meine Eltern habe. Das ist „ihr Leben“ und letztendlich sind es auch ihre Entscheidungen, und somit dann auch ihre Konsequenzen daraus.

Ich bin einfach da für meinen Vater. Das muss ich ihm auch immer wieder sagen. Heisst konkret, wir laden ihn ein / wenn wir in den Zoo fahren fragen wir ihn, ob er mit möchte / ect. Er weiss auch, dass er kommen kann, wenn er Hilfe braucht. Z.B.bei formellen Dingen oder so.

Aber letztendlich, mehr als ihm zu verstehen geben, dass wir an ihrer Seite stehen und da sind für sie - auch in so einer schwierigen Situation - können wir wohl kaum. Und:

Schau, dass du selbst nich an dieser „Verantwortung und Last“ zerbrichst. Deine Aufgabe ist jetzt deine Familie, dein Kind, dein Partner. Und deine Aufgabe ist, seine Tochter zu sein. Sei da für ihn, du kannst ihm helfen, indem du ihm zuhörst, Zuspruch schenkst, eben wenn es geht ihn mal zu dir einlädst, oder du ihm hilfst, jemanden zu suchen, der im Haushalt oder in der Pflege mithilft. Aber übernimm nicht seine Verantwortung, das muss er selbst tun.

Alles Gute