Autismus beim Kleinkind

Hallo Forumgemeinde.
Ich weiß mein Beitrag gehört hier vermutlich nicht hin, aber ich möchte anonym bleiben.
Ich habe 2 Kinder, 3&1. Mittlerweile sehe ich immer mehr Unterschiede und entdecke Verhaltensweisen, die mir immer mehr Sorgen machen beim jüngeren Kind - K2.
K2 ist 16 Monate alt und läuft noch nicht. Soweit erstmal nichts ungewöhnliches.
Allerdings guckt er einem nicht in die Augen, wenn man ihn auf den Arm nimmt und vor sich hin hält.
Am meisten fällt auch auf, dass er ständig mit den Beinen und Armen strampelt - Stimming genannt-. Er macht es wirklich sehr oft und bei allen möglichen Dingen. Manchmal setzt er sich vor ein Buch und tut dies - daher auch der Gedanke Autismus, da dies als erstes kam als ich ein wenig das Internet durchforstet habe.

Er sagt auch nicht wirklich Mama. Klar kam mal ein ma ma aber ich habe nicht das Gefühl, dass es bewusst war.
Er kann das Wort nein sagen und Papa. Ballons nannte er eine Zeit lang Be. Mehr "Worte" kann er nicht.
Er kann einige Tierlaute wie Wuf oder Mäh. Aber auch das ist eher selten.
Ansonsten kann er ein paar Rollenspiele, wie sein Kuscheltier füttern oder so tun als ob er telefoniert.
Er brabbelt vor sich her, wenn man ihn anlächelt (bekannte Personen) lächelte er zurück.
Ansonsten ist er sehr aufgeweckt und ein fröhliches Kind. Er spielt und krabbelt gerne. Er spielt verstecken mit K1 und Kuckuck mit mir.

Andererseits reagiert er nicht immer sofort auf seinen Namen, aber meistens schon.
Er liebt es mit Schatten zu spielen und war als Baby fasziniert von seinen Händen.

Ich kann seit Monaten nicht richtig schlafen, weil ich mir Gedanken mache. Und je älter wird, desto größer wächst natürlich die Sorge.

Einen Termin beim Kinderarzt habe ich bereits nächste Woche gemacht.
Es ist nicht notwendig zu erwähnen, dass ich meine Kinder liebe, egal wie oder wer sie sind.
Aber natürlich möchte ich sofern er tatsächlich eine Autismus Spektrum Störung hat so viel wie möglich so früh wie möglich unterstützen.

Daher hoffe ich, dass einige Mamas mit autistischen Kindern ihre Erfahrungen teilen bzw gibt es eventuell Mamas deren Kinder auch extrem mit Beinen und Armen gestrampelt haben und am Ende hatte es gar keine Bedeutung?

Ich bin über jede Meinung und jeden Rat dankbar.

Besorgte Mama

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Also das mit dem Stimming kann ich ohne weitere Details zu den Situationen und der Häufigkeit nicht beurteilen. Aufgeregt herumwedeln, wenn das Kind das Buch mag, finde ich aber normal.
Alles andere klingt definitiv unauffällig. Nicht laufen, erzwungenen Augenkontakt vermeiden, den Namen öfter ignorieren.. alles normal. Unser Sohn hat in dem Alter auch nur (falsch ausgesprochen) danke, Auto und Nein sowie viele Tierlaute gesagt. Mama kam viel viel später. Unsere Tochter (16 Monate) sagt zu allem und jedem Mama und sonst quasi nichts, das ist ja auch nicht sinnvoller. Die Rollenspiele und das verstecken sind für mich Zeichen, dass es kein Autismus ist.

Meiner Meinung nach (und ich habe Psychologie studiert und war in einer Arbeitsgruppe im Bereich Entwicklungspsychologie mit Fokus auf Theory of mind und Autismus angestellt), steigerst du dich völlig unnötig in etwas rein. Sprich mit dem Kinderarzt, der wird dir das gleiche sagen.

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Hallo. Danke für die Antwort. Ich habe sowas bereits vermutet.
Also es geschieht schon mehrmals am Tag, manchmal mehrmals in der Stunde und geht dann so lange bis K2 total durchgeschwitzt und nass ist. Es sind verschiedene Situationen. Manchmal vor einem Spielzeug, dass Musik macht, manchmal vor einem Kuscheltier, dass K2 immer wieder vor sich hersetzt. Und dann mit den Beinen und Armen wie verrückt wedelt, also Stimming wie man es aus Videos bei Autisten kennt.

Ich habe das Rollenspiel und Kuckuck Spiel bewusst erwähnt, weil es eigentlich dagegen spricht. Aber dieses exzessive Beine strampeln (wenn K2 barfuß ist ist, entstehen sogar Wunden/ Blasen vom strampeln).
Es ist sowohl strampeln als auch die Bewegung mit den Händen zugleich. Manchmal ist es ein Kamin, da setzt sich K2 davor und macht auch Stimming.

Die Kinder haben eine Spielküche. Da nimmt k2 den Topf macht etwas rein und dreht sich dann auf dem Hintern minutenlang im Kreis. Das sind die Dinge die mich besorgen, da es oft Anzeichen sein können.

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Ja dieser Aspekt mit den Bewegungen ist wirklich schwer zu beurteilen, ohne es selbst beobachtet zu haben. Ich vermute weiterhin, dass es harmlos ist. Kleinkinder haben manchmal einfach auffällige Eigenarten und die restliche Beschreibung passt für mich nicht zu Autismus. Da du dir aber Sorgen machst, würde ich diese Situationen mal protokollieren und auf Video aufzeichnen, damit der Kinderarzt sich auch wirklich ein Bild machen und dir dann hoffentlich deine Sorgen etwas nehmen kann.

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Was sagte der Arzt denn bei den bisherigen U-Untersuchungen?

Noch könnte man Autismus gar nicht diagnostizieren, dafür ist das Kind zu klein. Viele Kinder haben Verhaltensweisen, die auch Autisten haben, das verwächst sich dann aber.

Grundsätzlich ist der Arzt auf jeden Fall erstmal der richtige Ansprechpartner. Ich wäre jetzt nicht überbesorgt, so ungewöhnlich klingt das alles jetzt nicht.

Ich würde eher Ohren abchecken lassen (zwecks sprechen) und fragen wegen dem laufen, aber auch da ist es jetzt nicht zwingend Zeit. Also da könnte man ohne Druck mal langsam schauen…

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Hi, danke für die Antwort. Bei der U war alles i. O.. motorisch war k2 immer etwas spät dran, waren damals auch bei der Krankengymnastik. Hören tut K2 definitiv gut. Es reagiert auch auf leise Geräusche und dreht den Kopf in die Richtige Richtung wenn eine Tür aufgeht oder jemand eine Tür öffnet. Manche Geräusche ahmt es auch nach. Also zumindest die Laute wie Danke oder peekaboo. Aber es ist ein nachahmen der Laute, kein Sprechen.

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Ich finde, du machst dich unnötig selber fertig.
Dein Sohn scheint ein völlig normales Kleinkind zu sein. Mein Gott, manche sprechen in dem Alter halt noch nicht mehr - ist doch nicht tragisch.

Mach dich nicht so verrückt.

LG

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Hi. Tatsächlich geht es mir so gar nicht um das Sprechen, sondern um das Stimming. Denn das kenne ich von anderen Kleinkindern tatsächlich nicht. Das es Kinder gibt, die mit 16 Monaten noch nicht sprechen ist mir bewusst und ich wäre echt entspannt, wenn die anderen Dinge nicht wären.

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Beobachten und ggf dokumentieren!

Momentan ist dein Sohn einfach noch zu jung zum Testen, aber irgendwann wird es evtl. untersucht und da wollen sie wirklich alles wissen.

Bei meinem Sohn (fast 11) wurde erst vor wenigen Wochen Asperger (ASS) diagnostiziert und ich wurde überwiegend zum Alter 4-5 Jahre befragt. Aber sie wollten auch ganz viel übers Babyalter wissen und das war schon sehr schwer sich daran zu erinnern.

LG und alles Gute

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Hi danke für die Antwort. Welche Symptome hatte dein Kind damals? Und wir ist es heute im Alltag?

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Puh schwierig. Er braucht generell einen sehr strukturierten Tag. Alles muss immer gleich ablaufen. Mit Veränderungen kommt er nicht gut klar. Mit großen Menschenansammlungen ebenfalls nicht. Alles über 8 Leute stresst ihn, also auch und vor allem die Schule. Er ist sehr unsozial und vor allem unempathisch.

Mir fiel das früher nicht so auf. Er ist halt so, aber meine Tochter (6) wird nun älter und die Unterschiede zwischen beiden sind so massiv, das kann man nicht mehr ignorieren.

Ich hatte vor einem knappen Dreiviertel Jahr die Vermutung, die sich nun im KJP (mit Autismus Ambulanz) bestätigt hat. Es erklärt so viel. Es tut gut die Gewissheit endlich zu haben.

Ansonsten wirkt er nach außen aber völlig „normal“. Stimming hat er nie gemacht, er hält Augenkontakt, spricht ganz normal, läuft normal usw. Er hat einen sehr großen Wortschatz, besondere Interessengebiete usw. und hat sogar einen Freund, aber halt nur einen einzigen. Mehr möchte er auch nicht. Er sucht keinen Kontakt zu seinen Mitschülern bzw. generell zu anderen Menschen. So ist er halt, aber er ist zufrieden damit.

Bearbeitet von asl80
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Hallo, ich denke ansprechen beim Kinderarzt ist nicht verkehrt, denn hier sind hauptsächlich nur Laien unterwegs. Autismus ist sehr breit gefächert, nicht umsonst heißt es Autismusspektrum.
Bei uns ist ein Kind im sehr nahen Umfeld, bei dem Autismus vermutet wird. Vermutet, weil der Junge erst 2,5 Jahre ist und eine feste Diagnostik erst später erfolgt.
Besagter Junge lief erst mit über 2, ist bis dato völlig non-verbal und reagiert nicht auf Menschen. Er lächelt nicht zurück, reagiert nicht auf seinen Namen oder sonstige Ansprachen, lächelt aber, wenn man Töne macht, die er mag. Das ist jetzt ein Fall, ob dir das aber hilft es bei deinem Sohn besser einzuschätzen, weiß ich nicht

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„Es ist nicht notwendig zu erwähnen, dass ich meine Kinder liebe, egal wie oder wer sie sind.“

Dann mach dich doch nicht fertig damit. Hör auf dein Kind zu analysieren und nimm es an, wie es ist. Egal, was herauskommt, das Leben geht weiter. Du liebst deine Kinder, egal was. Sorry, wenn ich empathielos klinge - so ist es nicht gemeint. Ich denke nur, wenn nicht akut etwas vorgefallen ist (von irgendwoher fallen und Gehirnerschütterung oä), dann einfach einmal gemütlich abklären lassen, ohne zuvor monatelang darunter zu leiden. Und sich denken, dass im „worst case“ eben das Leben genauso liebevoll weitergehen wird wie heute. Oder nicht?

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Hallo,
die „typischen Autismusanzeichen“, die man im Internet findet, gelten für ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Das taktile ausprobieren und auch unwillkürliche Bewegungen gehören zur ganz normalen Entwicklung im Baby- und Kleinkindalter dazu.
Stimming bei Autisten ist unheimlich komplex. Das ist nicht nur wildes strampeln. Das ist eine Schutzfunktion des Körpers vor einem Meltdown. Eigentlich muß ein Autist sowas auch erstmal lernen. Eigentlich würde ich die Bewegung der Arme/Hände eher als Flattern bezeichnen (das findet man aber auch in der Literatur unter dem Begriff … es sieht wirklich so aus, als ob das Kind abheben will mit den Händen - wie ein Vogel), nicht als Strampeln…, dazu kommt das Springen und das Summen. Das passiert nur bei extremen Gefühlslagen.

„Typische Autismusanzeichen“ in dem Alter sind dermaßen autismusuntypisch, dass immer kein Mensch daran denkt. Typisch für Autismus in dem Alter wäre:
- Schlafstörungen extremen Ausmaßes
- extreme Essstörungen
- Kind hört nicht auf Worte/ Kind reagiert nicht auf den eigenen Namen
- Kind wehrt sich gegen die eigenen Eltern
- Kind weint nicht bei starken Schmerzen

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Das, was du als "Flattern" bezeichnest, hatte mein Sohn auch im Kleinkindalter. Er wurde dann plötzlich ganz aufgeregt (wenn er z.B. während des Autofahrens etwas für ihn spannendes gesehen hatte) und begann mit Armen und Beinen zu wedeln und zu flattern und versteifte dazu im Wechsel seine gesamte Muskulatur. Ich verstehe absolut, dass das fremd und auch besorgniserregend aussieht! Wir waren damals sehr besorgt, wurden auch von der Kita auf ähnliches Verhalten hingewiesen und gingen zum SPZ wegen Verdacht auf Epilepsie. Nach ein paar Wochen und Tests konnte das zum Glück ausgeschlossen werden und der Kinderpsychologe sagte, dieses Flattern und Wedeln wäre die spezifische Art meines Kindes, seine Gefühle in bestimmten Momenten auszudrücken. Eine Eigenart. Eine liebenswerte Eigenart, die sich dann "verwachsen hat". Alles Gute!

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Das sage ich doch…bei Autisten beginnt das später. Die „typischen“ autistischen Verhaltensweisen beginnen nicht im Baby- und Kleinkindalter. Da verhalten sich Autisten zwar auch anders, aber da sind Autisten in ganz anderen Bereichen auffällig.

Meine Söhne sind Autisten. Die hatten das Flattern NICHT (!) im Kleinkindalter. Das kam im Kindergarten-, bzw. Grundschulalter. Das Flattern ist bis heute nicht weggegangen. Das machen die Jungs im Grunde täglich, manchmal mehrfach in einer Stunde. Der Große ist heute 17 und der Kleine 15 Jahre.

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Wäre ich Elternteil eines autistischen Kindes und würde hier ständig die 500 Posts lesen, in denen weit unter 2 Jährigen Diagnosen angedichtet werden aufgrund irgendwelcher Internetrecherchen...
Dazu kann dir niemand etwas sagen. Nicht zuletzt auch deswegen, weil man mindestens genauso häufig hier zu lesen bekommt, dass Autismus in diesem Alter noch gar nicht feststellbar ist.
Der sinnvollste Hinweis lautet, nicht immer gleich an solche Szenarien zu denken und erstmal das Naheliegendste anzunehmen, nämlich dass dein Kind kein Autist ist und du dich nur verrückt machst, weil dein 2. Kind einfach anders ist als dein 1.
0,6-1% ist der Prozentsatz autistischer Menschen in Deutschland.

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Eine Freundin von mir , hat gerade die Diagnose frühkindlicher Autismus erhalten. Ihre Tochter wird demnächst 3 Jahre alt.
Sie spricht nicht . Also überhaupt nicht , gibt auch keine Töne von sich. Es muss noch untersucht werden, ob sie überhaupt sprechen wird.
Sie reagiert auch auf nichts . Läuft den ganzen Tag von A nach B. Sitzt oft und gerne am Fenster und schaut raus , einfach in die Ferne. Wenn man sie in irgendeiner Weise auf etwas aufmerksam machen möchte, muss man sie an die Schulter fassen.
Sie schaut einen auch nicht an , als wenn sie in einen hin durch sehen würde. Sie ist völlig abwesend in einer komplett anderen Welt.

Das was du beschreibst, hört sich für mich völlig normal an.

Hinzu kommt noch, das die kleine tierische Schlafstörungen entwickelt hat .
Essstörung kommt ebenfalls dazu.

Und das mit den Armen und Beinen flattern z.B hatte sie überhaupt nicht gemacht.
Auch nicht im Kreis gedreht oder ähnliches.
Hüpfen tut sie und das könnte sie auch manchmal stunden lang ohne Unterbrechung.

Bearbeitet von FreundinVonMir