Eltern schüchterner Kinder- Wie geht es euch und euren Kindern?

Hallo in die Runde,
ich poste hier, weil ich einerseits anonym bleiben will und es andererseits schön wäre Erfahrungen verschiedener Altersklassen zu haben.

Meine Tochter, um die es geht, ist 7 Jahre alt. Sie geht seit letztem Jahr in die erste Klasse.
Mittlerweile geht es ihr zum Glück gut in der Schule. Sie hat einige Freundinnen gefunden, aber das hat auch einige Zeit gedauert und bedurfte viel Zuspruch meinerseits. Wir haben immer wieder Kinder eingeladen, überlegt, wen sie wegen der Pause fragen könnte etc. Ich bin sehr froh, dass es mittlerweile klappt, denn die erste Zeit in der Schule war sie sehr unglücklich. Sie wirkt leider sehr gehemmt, wenn sie in Gruppen unterwegs ist. Zu Hause ist sie eine kleine, fröhliche Quatschnudel, aber in Gruppen schafft sie es nicht recht aus sich raus zu kommen. Sie muss die anderen schon sehr gut kennen, würde nie einfach so wo hin gehen und drauf los quatschen oder mitspielen. Allgemein, ist sie sehr nachdenklich und hat oft Angst vor Ablehnung, obwohl ich dies bisher noch nie so wirklich mitbekommen habe.
So weit, so gut.
Nun geht sie seit ein paar Wochen ins Turnen. Der Kurs wird am Nachmittag von ihrem Sportlehrer angeboten und es sind einige andere Kinder, die sie kennt, dort . Teils aus ihrer Klasse, teils aus der Parallelklasse, teils aus der Nachmittagsbetreuung. Sie war jetzt schon zwei Mal sehr traurig beim abholen, weil sie meinte Kinder hätten ihr verboten zu bestimmten Stationen zu gehen.
Was mir aber auch auffällt, obwohl sie so viele dort kennt, ist sie immer allein im Turnen unterwegs, während die anderen sich in Gruppen tummeln. Mir fällt es so schwer das zu sehen und es tut mir total Leid. Ich merke auch, dass sie es sich anders wünschen würde.
Kennt das jemand so auch von den eigenen Kids? Wie gehts euch damit, wie euren Kindern und vor allem habt ihr Tipps aller Art für solche Situationen? Kann man Kinder das irgendwie „üben“ lassen? Oder wie habt ihr eure Kids ermutigt oder sollen wir es einfach laufen lassen?

Vielen Dank für euren Input!

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Ich war als Kind und Jugendliche auch sehr schüchtern. Ich hatte den Spitznamen “Die Stumme”. Ich hatte immer nur wenige Freunde und fand Schulpausen unangenehm, obwohl ich nicht geärgert wurde. Erst ab der Oberstufe hatte ich einen größeren Freundeskreis und war selbstbewusst. An der Uni hätte niemand mehr angenommen, dass ich mal ein schüchternes Kind war.

Rückblickend würde ich sagen, was mir sehr geschadet hat, war die starke Kritik meines Vaters. Er hat mich oft imitiert und ist sehr übertrieben auf kleinen Makeln rumgeritten. Das hat sehr lange meine innere Stimme geprägt.

Dann habe ich viel Zeit mit einem Hobby verbracht, das ich nicht mochte und in dem ich nicht besonders gut war. Ich durfte aber nicht aufhören, obwohl ich mich ständig wie eine Versagerin gefühlt habe.

Helft eurer Tochter, ihre Stärken kennenzulernen. Bestärkt sie und geht liebevoll auf sie ein.

Was mir geholfen hat, war üben. Situationen zuhause mit meiner Mutter durchgehen. Mich dazu überwinden, andere anzusprechen. Am Anfang war es schwer, aber es wurde immer leichter.

Und noch etwas: Es ist okay, schüchtern zu sein (solange es keinen Leidensdruck gibt). Kontraproduktiv und unangenehm ist es, immer wieder vor dem Kind darauf hinzuweisen, wie schüchtern es ist. Das fühlt sich nämlich so an, als sei irgendwas falsch mit einem.

Bearbeitet von Inaktiv
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Ich war selbst so ein Kind, auch sehr sehr schüchtern.
Ich erinnere mich, wie ich in der Grundschule oft alleine am Pausenhof stand, öfters von Spielen ausgeschlossen wurde und es mir auch immer anders wünschte.
Dafür hatte ich meine Cousine, die wie meine beste Freundin war.
Im Gymnasium wurde es dann besser und als ich in die Pubertät kam, schaffte ich es, sehr viele Freunde zu finden.
Ich hab mich sehr bemüht, aus mir raus zu kommen und Freundschaften zu knüpfen, was mir mit der Zeit immer besser gelang.
Heute kann ich gar nicht mehr glauben, dass ich einmal so schüchtern war und hab überhaupt keine Probleme mehr.
Ich denke, es gibt nicht so viel, was du tun kannst.
Wenn du ihr ein liebevolles Zuhause und ihr das Gefühl gibst, für sie da zu sein, ist alles ok.
Ich würde schon mal mit ihr darüber sprechen, es aber auch nicht zu oft thematisieren.
Bei Mobbing solltest du natürlich einschreiten, aber ansonsten müssen wir alle irgendwie lernen, uns „da draußen“ zurecht zu finden.
Sie wird das bestimmt schaffen!

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Hallo,

ich kann dir gut nachempfinden, wie es dir geht. So war es mit meiner Tochter auch. Wir haben außerhalb der Schule etwas gesucht, wo sie ermutigt wird und ihre Persönlichkeit entwickeln kann. Dann kamen wir auf Selbstverteidigung. Dort hat sie in einer kleinen Gruppe Selbstverteidigung gelernt und wurde immer wieder aufgebaut. Der Zusammenhalt mit der Gruppe ist unfassbar! Sie hat gelernt zu akzeptieren, dass sie schüchtern ist, jedoch ihre Meinung zu vertreten und Grenzen aufzuziehen. Dadurch hat sie ebenfalls Mut entwickelt, auf andere zu zu gehen. Ich kann wirklich sagen, dass ihr das enorm geholfen hat.

Vielleicht gibt es sowas in eurer Nähe und sie bekommt die Möglichkeit ebenfalls solch eine Erfahrung zu machen.

Ich drück euch die Daumen ❤️

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Danke für deinen tollen Beitrag. Ich habe tatsächlich noch nie drüber nachgedacht, aber ich könnte mir vorstellen, dass da auch zwei Fliegen mit einer Klappen geschlagen werden: Es ist eine kleine Gruppe, was ihr mit Sicherheit hilft und sie bekommt konkret Tipps, um ein besseres Selbstbewusstsein zu bekommen

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Meiner Tochter geht es super, denn sie darf ihren Weg selber finden, im Gegensatz zu mir damals. Von meinen Eltern wurde ich auch als "schüchtern" abgestempelt und dementsprechend bearbeitet. Das war der eigentliche Horrortrip an der Sache, nicht das ich still war und mich halt vieles nicht sofort(!) getraut habe.

Meine Tochter ist wie ich, sie kommt neu irgendwo dazu und beobachtet erstmal.....sehr lange und sehr intensiv. Meine Eltern hat das immer gestört, ihr einwirken auf mich hat mich massiv gestresst und total verunsichert. Dabei hatte ich immer einen Plan, wie ich vorgehen wollte, genau wie meine Tochter. Und bei uns beiden hat das immer funktioniert.

Wennn ich ehrlich bin, dann kam bei mir endlich Ruhe rein, als meine Eltern nicht mehr ständig dabei waren und nicht mehr so viel Einblick in mein Leben hatten. Meinem Mann ging es auch so. Von daher waren wir uns einig, das wir auf jedenfall anders handeln als unsere Eltern udn haben uns einfach rausgehalten. Wollte sie sich verabreden, dann habe ich am Anfang noch das "Date" abgesprochen, während die anderen hier schon selber anriefen. Wir haben auf ihren Startschuß gewartet und nicht auf sie eingeredet.

Und ja, sie hat heute viele Freunde und durch die traut sie sich natürlich auch mehr zu, lernt noch andere Kidner kennen und sie beschützen sie auch oft. Einfach nur die Tatsache, das man in einer Klasse ist oder zur selben Gruppe gehört, macht eben noch keine Freundschaft aus. Und das macht mich bei euch etwas stutzig. Meine Tochter hat noch so kurzer Zeit noch niemanden als Freund bezeichnet. Nur weil man sich mal verabredet hat besteht noch lange keine Freundschaft, auch bei Kindern nicht.
Und ich vermute, das kommt jetzt beim Turnen zum Vorschein, denn ansonsten hätte sie ihre Freunde dort an ihrer Seite. Für mich klingt das, als wenn deine Tochter zwar die Dates als ihre Freunde bezeichnet, das aber nicht auf Gegenseitigkeit ruht. Und das kann daran liegen, das du bisher zu sehr aktiv involviert warst.
Bedenke immer, das dein Kind auch dir gefallen will, das hört ja nicht auf.

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Meine Tochter darf auf jeden Fall ihren Weg selbst finden. Ich denke es ist ein Unterschied, ob jemand total fein mit der Situation ist oder ob das Kind traurig zurückkommt. Ich teile ihr natürlich nicht meine Gefühle mit, wenn ich sehe, dass sie alleine unterwegs ist.
Zum anderen Punkt: Es handelt sich um einen Nachmittagssportkurs, der hier als Hobby angeboten wird. Ihre Freunde oder Kinder mit denen sie gerne spielt, sind dort aber nicht, sondern einfach ein paar andere Kinder aus der Klasse. Das ist ja auch das eigentliche „Problem“. Mit ihren Freundinnen hätte sie dort mit Sicherheit Spaß, aber zu den anderen Kindern, die sie kennt, traut sie sich nicht hin und ist dann lieber allein unterwegs.

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Dann habe ich das mit dem Kurs falsch verstanden, ich dachte da wären auch ihre Freunde. So ist das dann natürlich klar, wie es aktuell läuft, also das sie da erstmal alleine mitläuft.

Vielleicht solltest du da mal den Trainer mit ins Boot holen, diese nervigen "Bestimmerkinder" gibt es ja überall. Es ist sein Job, das sowas unterbunden wird...egal wie schüchtern oder selbstbewußt ein Kind nun ist. Vielleicht ist aber grundsätzlich ein Sport, wo viele Kinder anwesend sind, unpassend. Das kann zu viel Konfrontation sein und vermiest dann denn Spaß am Sport.

Grundsätzlich gibt es wahnsinnig viele Facetten einer Schüchternheit, nicht nur fein und unfein. Mitleid bringt euch beide nicht weiter, wichtiger ist zu verstehen, welche Facetten auf dein eigenes Kind zutreffen. Und ich schwöre dir, Kinder haben sehr feine Antennen und vieles muß gar nicht ausgesprochen werden....sie spüren es trotzdem.

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Danke, allgemein fürs Mut machen. Es tut auf jeden Fall gut zu hören, dass es anderen auch so geht/ ging und dass es oft von selbst besser wird :)