Mein Vater / Kinders Opa wandert aus

Liebe Urbiagemeinde
Ich zerbreche mir gerade den Kopf und bin sehr traurig, irgendwie komme ich mit meinen Emotionen grade nicht klar.

Ich bin 29, habe einen wunderbaren Mann, uwei wundervolle Kinder und mit dem 3. frisch in erwartung. Meine Eltern sind, seit ich 22 bin, geschieden. Leider. Die Situationen zu Hause waren oft sehr schwer, Streit, häusliche Gewalt. Die Scheidung hat vieles noch schlimmer gemacht. Meine Mutter lebt in einer neuen Partnerschaft, mein Vater alleine. Ich habe einen sehr guten Draht zu meinem Vater, wir denken ähnlich, fühlen ähnlich. Mit meiner Mama ist das leider schwieriger. Wir verstehen uns gut, aber doch besteht so eine kalte Beziehung. Irgendwie kann ich das nicht durbrechen, wir sind sehr verschieden.

Mein Vater fühlt sich in unserem Heimatland nicht so wohl, er kommt ursprünglich woanders her. Nun kommt er dieses Jahr in die Pension und hat sich entschieden, in sein Heimatland zurück auszuwandern. Einerseits kann ich ihn gut verstehen, er hat dort auch seine Familie, hier sind „bloss“ mein Mann, die Kids und ich. Doch andererseits schmerzt es mich so sehr, dass er geht. Mir ist bewusst, dass wir uns nicht mehr so oft sehen werden. Meine Kinder ihren Opa nicht mehr so oft sehen werden. Vielleicht ja auch der Kontakt durch die Distanz abnimmt. Zudem ist er Gesundheitlich nicht mehr ganz fit, ich hab einfach angst, dass ich ihn vielleicht nur noch einzelne Male sehen werde. Keine Ahnung, ob mich da jemand versteht.
Ich bin einfach grade totat traurig und „vermisse“ ihn jetzt schon.

Ich weiss, es ist seine Entscheidung.
Und er kann ja auch zu uns zu Besuch kommen oder wir fahren hin, wobei das mit 3 Kleinkindern auf die Distanz momentan für uns kaum machbar wäre. Und dass er wirklich regelmässig kommt, glaube ich irgendwie nicht. Er will oft nicht „zur Last“ fallen.

Ja, ich weiss nicht, vielleicht hat jemand ähnliche Situationen erlebt und möchte berichten, wie ihr damit umgegangen seid?

Ich steck irgendwie grad emotional auch in einem Loch, mach mir Vorwürfe, dass er vielleicht hier geblieben wäre, wenn wir uns mehr Zeit genommen hätten für ihn. Ich lade ihn regelmässig ein, oft sagt dann auch er ab, weil es ihm zu viel ist.

Danke fürs Lesen, ich freue mich auf Inputs.

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"mach mir Vorwürfe, dass er vielleicht hier geblieben wäre,"

Wieso denn Vorwürfe? Er ist ein erwachsener Mann, er kann seine eigenen Entscheidungen treffen. Ich finde es absolut verständlich, was er macht. Es hält in hier nichts mehr. Er ist solange geblieben, wie er kann, du hast jetzt deine eigene Familie, lass ihn gehen. Im Gegenteil, freu dich sogar für ihn. Er kann endlich wieder zurück wo er sich wohl fühlt, wo er noch (mehr) Familie hat. Er wird dort gut aufgehoben sein und vermutlich sogar nochmal richtig aufblühen. Wer weiss, vielleicht findet er sogar noch eine Partnerin dort.

Und reisen geht auch mit 3 Kindern ;-)

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wahrscheinlich kann er mit seiner Rente in seinem Heimatland viel besser leben! Ganz viele Rentner wanderen aus, auch Deutsche

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Ich wünschte, mein Vater hätte es rechtzeitig getan. Jetzt kommt er fast nicht vom Fleck, da seine Mobilität eingeschränkt ist und lamentiert die ganze Zeit darüber, wie es dort wäre. Ihm fehlen zudem die alten Kontakte. Klar ist er zerrissen. Hier fühlt er sich im Gesundheitswesen sicherer aufgehoben.

Meine Mutter ist wieder zurück in die Heimat, und ich sehe, dass sie förmlich aufgeblüht ist. Die Jahrzehnte, die sie zuvor hier verbrachte, waren einfach nicht das Wahre für sie.

Ich kann deine Trauer nachfühlen, aber möchte dir trotzdem „zureden“, dass du glücklich für deinen Papa sein solltest. Für die Kinder wird das alles normal, wenn du selbst damit umgehen kannst.
Ich denke aber eh, er ist ja nicht von der Welt, und von einer weiteren Entfernung steht auch nichts in deinem Post. Ich bin zuversichtlich, dass alles halb so dramatisch wird, wie es sich gerade anfühlt.
Und es könnte auch sein, dass er sich einfach ausprobieren will und nach einigen Monaten oder Jahren wieder zurück ist 🤷🏻‍♀️.

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Ich finde es schade, das du seinen Neustart irgendwie auf dich beziehst.

Ja, ihr werdet euch nicht mehr so oft sehen können, aber die Masse macht doch keine gute Beziehung aus, die Zeit die man dann miteinander verbringt ist viel kostbarer..eben weil sie nicht selbstverständlich ist.

Dein Vater möchte einen Neustart in seiner Heimat, ich vermute diesen Wunsch hat er schon lange. Er hat den Mut das zu wagen, das finde ich toll. Und das solltest du auch. Denn hier ist er anscheinend unglücklich...wäre es dir also lieber einen unglücklichen Vater/Opa um die Ecke zu haben, als einen glücklichen mit Distanz?

Ein neuer Lebensabschnitt beginnt, natürlich darf man dann auch der alten Zeit etwas hinterhertrauern. Das Leben geht trotzdem für alle weiter udn auch die Kinder werden nicht lange so klein bleiben, so das Reisen "anstrengend" sind.
Aktuell möchtest du an etwas Gewohntem festhalten, das ist menschlich. Aber eine Person in diesem Konstrukt ist unglücklich, nämlich dein Vater. Willst du denn gar nicht, das er wieder glücklich sein kann? Du mußt Loslassen lernen, fühlen, begreifen und wenn du das geschafft hast, dann bist du selber auch nicht mehr unglücklich über seine Entscheidung.


Ach so, ich selber habe meine Oma nur einmal im Jahr gesehen....ich hatte trotzdem eine wahnsinnig enge Bindung zu ihr. Sie war/ist mein Vorbild. Ich habe an sie wahnsinnig tolle Erinnerungen. Mit der anderen Oma "um die Ecke" verbindet mich gar nichts, keine schönen Erinnerungen, nichts....obwohl ich sie wesentlich öfter gesehen habe.

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Ich kann dich verstehen. Meine Schwiegereltern sind zurück in ihr Heimatland und haben hier 3 Kinder und 7 Enkelkinder zurückgelassen. Im Heimatland gibt es noch die Geschwister meiner Schwiegermutter.
Man hat halt dadurch das Gefühl, dass wir als Kinder und Enkelkinder weniger wert sind als die Geschwister. Das ist einfach so.
Dazu kommt dieses ständige schlechte Gewissen, da ja doch von uns erwartet wird, dass man sie besucht oder einlädt. Das ist aber auch nicht so einfach.
Mein Schwiegervater ist vor einigen Jahren dann verstorben und es haben gerade mal die Söhne geschafft, zur Beerdigung zu gehen, da im Heimatland schnell bestattet wird. Kein Enkelkind oder Schwiegerkind konnte Abschied nehmen. Meine Tochter (war damals 9 Jahre) hatte sehr daran zu klappern.
An Weihnachten sitzt meine Schwiegermutter, wenn sie nicht nach D kommt, jetzt alleine zuhause, weil ihre Geschwister ja mit der eigenen Kernfamilie feiern. Das ist auch etwas, was ich nicht verstehen kann, denn das war eigentlich absehbar.
Tatsache ist halt auch, dass die Oma am unserem Leben und ihrer Enkelkinder nicht wirklich Teil hat und eine Menge verpasst. Das wird im Vorfeld meist unterschätzt.
Ich fühle mit dir und wünsche euch alles Gute. Ändern wird man seinen Wunsch nicht wahrscheinlich leider nicht können.

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Was erwartest du denn? Dass sich die Großeltern mit ihren Wünschen einschränken und sich für euch und eure Kinder aufopfern und in eurem Umkreis leben bleiben müssen um bloß keine Fortschritte eurer Kinder zu verpassen? Und dieses „weniger wert“ sein, ist doch total übertrieben. Familie bedeutet nicht, sich bis ans Lebensende aneinander festzuketten. Grad in der Rente, nach jahrzehntelanger Arbeit, hat man doch nochmal die Möglichkeit sich seine Wünsche zu erfüllen, solange man noch körperlich fit ist. Ob es das auswandern, die Weltreise oder ein Hobby vor Ort und Stelle ist.

Deine Schwiegerfamilie hat ihr Kind, deinen Mann, (hoffentlich) bereits großgezogen und ist für ihn und eure Kinder nicht mehr verantwortlich. Ihr seid jetzt für euch und eure Kinder verantwortlich. Und ich hoffe nicht, dass du deinen Schwiegereltern (und deinen Kindern, wenn sie später ihre eigenen Wege gehen wollen. Was machst du wenn eins deiner Kinder im Ausland z. B. einen Beruf nachgeht? Hinterherziehen?) ein schlechtes Gewissen eingeredet hast, weil du sie für egoistisch hältst, weil sie ihr eigenes Leben führen wollen.

Und was das alleine sein an Weihnachten angeht glaube ich dir nicht wirklich. Grad in den europäischen Südländern (habe meinen Ursprung aus drei europäischen Südländern) ist man nie alleine. Dort gibt es so was wie Kernfamilie nicht. Dort ist schon der Cousin 56. Grades ein fester Bestandteil der Familie und wird nicht außen vor gelassen. Und wenn deine Schwiegermutter an Weihnachten in D (wieso eigentlich D? Ich dachte sie wäre in ihrer Heimat) alleine sitzt, wieso lädt ihr sie dann nicht ein? Ist das jetzt deine/eure Retourkutsche weil sie euch „verlassen“ hat?

P. S. Ist nicht böse gemeint. Aber ich bezweifle dass euer Leben so interessant ist, dass es da groß was zu verpassen gibt. Ich denke du nimmst dich und deine Kinder viel zu wichtig.

Bearbeitet von WasErwarten
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Ich erwarte nichts. Ich bin nur der Meinung, dass es sich viele zu schön ausmalen, mit dem wieder in der Heimst sein.
Ich hatte geschrieben, dass meine Schwiegermutter, wenn sie nicht zu Besuch in D ist über Weihnachten, alleine zuhause sitzt. Das war schon mehrfach so. Grund ist einfach, dass ihre Geschwister da eben mit der eigenen Kernfamilie feiern. Da gehört sie halt nicht dazu.
Sie war auch dieses Jahr nach D eingeladen, will aber halt nicht immer kommen, weil sie dann ja auch immer nur zu Besuch ist. Es ist schon etwas anderes, ob jeder seine Wohnung hat und man sich gegenseitig besucht oder ob man über einen längeren Zeitraum bei einem Kind im Gästezimmer wohnt. Das ist dann genau das Thema, dass sie dann auch niemandem zur Last fallen wollen.
Mir persönlich macht das am allerwenigsten aus, aber es ist schwierig für die Enkelkinder und meinen Mann. Wenn die Schwiegermutter nämlich krank ist oder im
Krankenhaus kann man nicht schnell hin und sich kümmern. Das ist schon auch mitunter belastend.
Auch die Tatsache, dass sie einfach bei vielen Sachen der Kinder nicht dabei sein kann, ist immer für beide Seiten schwierig. Da geht es auch nicht um wichtig nehmen, aber sie war z.B. bei keiner Einschulung oder Abschlussfeier ihrer Enkelkinder dabei, während die jeweils anderen Großeltern dabei waren. Alle Enkelkinder haben zu den in D lebenden Grosselternteilen eine bessere Bindung. Kann mir natürlich egal sein, dass meine Kinder auch die bessere Bindung zu meinen Eltern haben, es tut mir aber trotzdem sowohl für die Schwiegermutter und die Kinder leid, denn das liegt wirklich nur an der Entfernung.

Bearbeitet von chica97
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hallo

ich kann dich verstehen. aaaaaber meine eltern kommen aus dem balkan, ich bin in der schweiz geboren, habe hier alle meine schulabschlüsse gemacht. mein mann ist achweizer, wor haben drei kinder. mich hat es auch traurig gemacht als mein vater pensionoert wurde und sie sich entschieden zurück in ihr heimmatdorf auszuwandern. aber meine mutter hat dort drei schwestern, mein vater hat seiner brüder dort. sie haben ein haus dass ihnen gehört, mot riesigem garten, wo sie sich austoben können. sie können da tun und lassen was sie wollen. sprachlich sind sie dort freier. mein vater kann deutsch aber nicht super. meine mitter kann nur das nötigste, hat hier nie gearbeitet. mein vater hat hier viele bekannte und trotzdem hat er dort seine wurzeln. das einzige ws sie gehalten hätte währen meine zwei geschwister und ich und unsere familien. aber dort haben sie alles. erinnerungen, familienmitglieder auf die sie jahrelang verzichtet haben. als sie gingen waren sie auch traurig wegen uns aber ich sah auch die freude in ihren augen, zurück zu ihren wurzeln zu können, sich um das haus und den garten zu kümmern, das sie mit viel mühe aufgebaut haben. mit viel sparen und verzichten, damit sie im alter etwas haben.
manchmal mache ich mir auch sorgen, meine mama hat diabetes, dann frage ich mich ob dort genau so gut auf sie geschaut wird wie hier, durch ärzte. aber hey sie ist erwachsen und kann sich dort bestens verständigen und äussern wenn was ist. hier bräuchte sie immer jemanden der mitgeht und übersetzt. sie sind erwachsen, und wenn es mal nicht mehr gehen sollte dann sind wir kinder noch da, hoffendlich, und werden dann wegen lösungen suchen.
versuch es deinem vater zu gönnen. weil auch wenn du versuchst mehr zeit für ihn zu haben, wenn deine kinder dich gleichzeitig brauchen, wirst du zuerst auf deine kinder schauen und dann auf deinen papa. wenn er sowieso eher niemandem zur last fallen will, dann wird er sowieso nur im äussersten notfall auf dich zukommen. also lass ihm diese entscheidung. du darfst traurig sein und du darfst es ihm auch sagen, aber sage ihm auch dass es dich freud für ihn. dass du es für ihn schön findest dass er endlich das tun kann was er sich vielleicht schon seit jahren wünscht.


alles liebe und gute wünsche ich euch

und übrigens die bindung wird nicht schlechter. bei uns ist es so dass die bindung nur noch enger geworden ist durch die distanz. meine kinder freuen sich wirklich sehr wenn meine mama zu uns zu besuch kommt oder wir sie in den ferien besuchen. sie hocken den ganzen tag bei ihr.

ich hatte übrigens eine sehr enge beziehung zu meiner grossmutter obwohl ich sie mein leben lang immer nur vier wochen im jahr gesehen habe. ich hatte zu niemandem sonst eine so schöne beziehung wie zu ihr.

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Danke euch für eure lieben Antworten!
Ihr habt mir grad echt geholfen und es hat mir gutgetan, meine Gefühle hier niederzuschreiben und eure Gedanken und Erfahrungen zu lesen.

Es ist schon so, da ich ja sehe, wie es ihm hier geht, und ich auch sehe, dass er viel vitaler wirkt, wenn er über nen Urlaub dort ist, dass ich mich für ihn wirklich freuen kann, dass sein neuer Lebensabschnitt bald beginnt und er dort hin zurück kann. Wirklich, und eben im Grunde genommen möchte ich ja vor allem, dass er auch glücklich ist.

Doch andererseits denke ich dann wieder, er wird wahrscheinlich nicht bei einer Einschulung dabei sein können. Oder bei Geburtstagen, mal mit ins Kinderturnen kommen, sehen, wie sich die Enkel entwickeln. Und natürllch ist das alles nicht soo wichtig, eben, gerade die Zeit, die wir dann zusammen haben - vielleicht ja auch im Ausland - wird sicher ganz anders wertvoll sein. Doch wie auch geantwortet wurde von jemandem von euch, ist auch er einer, der eben hier dann keine Wohnung, sondern nur ein Zimmer hat. Nicht zur Last fallen winm. Ich glaube nicht, dass er häufig kommen wird. Aber eben, ihr habt Recht und dem muss ich mir bewusst bleiben,m: Er ist erwachsen und kann ganz gut auf sich aufpassen und seine Entscheidungen fällen.

Danke vielmals für eure lieben Antworten!

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Hallo, du hast ja schon tolles gelesen.
Ich wollte nur erzählen: bei uns sind meine Seite Eltern 800km entfernt im anderen Land. Ich war ausgewandert. Mit Sehen ist es nicht so oft, aber mit Opa habe ich schon in der SS telefoniert- im Auto auf Freisprech immer kurz oder lang, wie es grad beiden gepasst hat. Bei Kind1 war er schon der Geheimtipp beim Autofahren-offensichtlich kannte das Kind die Stimme schon aus dem Bauch und hat immer selig zugehört oder ist gemütlich eingeschlafen.
Als sie sich Corona sei Dank dann erst deutlich nach dem ersten Geburtstag getroffen haben war das Kind das jeden anderen immer angefremdelt hat sofort auf seinem Schoss am kuscheln. Die beiden hatten eine ganz innige Telefonfreundschaft und das Kind erzählt auch Jahre nach seinem Tod noch immer, was es gerne Opa erzählen möchte und wir ‚telefonieren‘ ohne die Freisprechanlage mit ihm.
Es waren und sind auch kurze Telefonate, einfach wie es gepasst hat im Auto. Schnell auf dem Weg zum einkaufen oder wenn das Kind was erzählen wollte. Wenn er Alltag ist für euch wird er auch Alltag bleiben. ☺️

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2. Mal das selbe sorry!#winke

Bearbeitet von Inaktiv
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Irgendwie hats das jetzt grad 3x gepostet sorry :-D

Bearbeitet von Inaktiv