Großeltern rauben Selbstbewusstsein - wie dagegen steuern???

Hallo!

Ich bin alleinerziehende Mama von 2 kleinen Mädchen (4 Jahre). Ich sage meinen Kindern täglich, dass ich sie lieb habe, umarme sie und gebe Gute-Nacht-Küsschen, lobe sie (wenn es etwas zu loben gibt *g* Also nicht einfach so sondern schon wenn sie etwas gut gemacht haben) und sage ihnen dann auch, dass ich stolz auf sie bin. Mir ist das sehr wichtig, denn selber hatte ich gar nichts in dieser Hinsicht - Nähe/Zuneigung gab es von meinen Eltern oder unter den Geschwistern gar nicht. Wenn man z.B. eine gute Note hatte oder mal was tolles geleistet hat dann hieß es nur "nächstes Mal wird es hoffentlich noch besser", "der Test war wohl recht leicht" oder "hoffentlich bleibt das auch so und wird nicht wieder schlechter" - und das war schon das Höchste der Gefühle.

Meine Eltern waren bzw. sind auch sehr "devot" wenn man das sagen darf ;-) Sie tun immer total bescheiden, treten zurück damit andere vor können, reden anderen nach dem Mund, reden eigene Leistung und die von uns Kindern gegenüber anderen klein und geben direkt nach wenn das Gegenüber bei irgendwas etwas anderes möchte. Kurz gesagt: die anderen gehen immer vor, sind besser, haben immer recht und wichtig ist nur dass die anderen zufrieden sind und Vorteile haben, selbst wenn man selber dann nur Nachteile hat.
Das führte dazu, dass meine Geschwister und ich allesamt total wenig Selbstbewusstsein haben und wir natürlich immer den Gedanken hatten "wir sind totalen Nullen, die anderen sind die Macher und supertoll". Ich habe das Spiel ja mittlerweile durchschaut, aber dennoch kann ich nicht ganz aus meiner Haut - oftmals kommt bei Aufgaben oder Herausforderungen im Job immernoch direkt das "Versagergefühl" in mir hoch und dieses "die anderen sind besser, die anderen können es bestimmt besser"-Gefühl. Ich habe quasi das Gefühl komplett inkompetent zu sein, obwohl das natürlich nicht so ist.

Nun ist es so, dass ich langsam aber sicher merke, dass meine Eltern gegenüber meinen Kindern sich auch so verhalten wie bei uns immer - die Leistung wird klein geredet, die der anderen Kinder - selbst wenn sie viel geringer ist - wird in den Himmel gelobt. Mit meinen Eltern zu reden hilft da nichts. Sie sehen gar nicht wie ihr Verhalten wirkt und sagen nur "das bildest du dir ein". Auch bei Geschichten aus der Vergangenheit, Gesprächsinhalte und Kommentare die GESAGT wurden wird immer gesagt "bildest du dir ein" - als ob ich so Sachen komplett geträumt habe und es nie passiert ist.

Ich will meine Kinder davor schützen und weiß jetzt nicht so ganz was ich tun soll. Meine Kinder lieben ihre Großeltern, aber ich bemerke halt auch schon erste Ansätze von diesem "devoten" Verhalten.

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Ich verstehe dich und finde das auch sehr schlimm. Auch die UNfähigkeit, zu sehen, welche Folgen diese Aussagen haben können, finde ich doof.

Ich würde in den jeweiligen Situationen dann ins Gespräch mit dem Kind gehen.
Beispiel: Deine Mädels kommen mit guten Noten heim. Großeltern "Das nächste Mal wird es hoffentlich noch besser.."
Dein Part, den Kindern zugewandt: "Ach die Großeltern wieder *lach. Die können sich einfach nicht freuen. ICH finde, ihr könnt sehr stolz auf eure Leistung sein und freue mich mit euch!"

So würde ich das dann immer handhaben. Nicht bei den Großeltern viel erklären, da stößt du ja auf taube Ohren. Sondern direkt und unmittelbar den Kindern zuwenden, das Verhalten der Großeltern revidieren und den Stolz der Kinder wecken. :)

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Und vielleicht noch: vielleicht schaffen es die Grosseltern das nächste Mal besser. Stichwort: Selbstbewusstsein Enkelkinder fördern.

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Ich weiß gar nicht, ob man da so sehr gegensteuern muss.

Für deinen Kinder bist doch du der wichtigste Orientierungspunkt, und du wirst sie in den entsprechenden Situationen ausreichend beachten und loben und somit ihr Selbstbewusstsein aufbauen.
Wenn du deiner Linie treu bleibst, werden deine Eltern mit ihrem, wie du es nennst, "devoten" Verhalten, deine Kinder gar nicht so weit beeinflussen können, dass es ihren Charakter nachhaltig prägt.
Außerdem denke ich, dass es auch für Kinder wichtig ist zu lernen, dass nicht jede Leistung immer und überall uneingeschränktes Lob und Bewunderung auslöst und man manchmal auch ungerechtfertigte Dämpfer einstecken muss.

Un solltest du ein unpassendes Kommentar deiner Elter hören, kannst du ja direkt eingreifen und es entsprechend abmildern.

Bearbeitet von njeri
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"Wenn du deiner Linie treu bleibst, werden deine Eltern mit ihrem, wie du es nennst, "devoten" Verhalten, deinen Kinder gar nicht so weit beeinflussen können, dass es ihren Charakter nachhaltig prägt."

Das würde ich so nicht 100&ig garantieren. Auch die Großeltern können je nach Familiendynamik sehr wichtige Bezugspersonen sein und daher kann ihr Verhalten auch weitreichende Folgen haben. Positiv wie negativ.

Deswegen ja, würde ich da sehr wohl immer und immer wieder gegensteuern. Kostet nix, tut nicht weh, dauert nicht lang.

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Hey!

Welches Verhalten siehst du denn bei ihnen?
Je nachdem, wie deine Kinder "kuschen", würde ich ansetzen.

Meine Eltern waren leider genau so wie deine und haben mir so ein ganz schreckliches Selbstbild mitgegeben.

Vielleicht hilft es, mit den Kindern abends gemeinsam zu reflektieren, wie sie etwas angegangen sind, welches Ergebnis sie sich gewünscht haben und was sie erreicht haben. Wenn sie vor einer Arbeit Angst haben, dürfen sie es benennen und sagen, dass sie sich über eine 2 oder 3 freuen würden. Wenn sie dann eine 2 geschafft haben, ist es wichtig, dass sie das so erkennen und sich wirklich darüber freuen.
Lob ist für kleinere Kinder wichtig.

Wie oft sehen sie ihre Großeltern denn?

Liebe Grüße
Schoko

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Du kannst zwei Ansätze fahren. Du reduzierst die Präsenz deiner Eltern und damit den Effekt ihres Umgangs. Oder du gehst in der Situation konsequent dazwischen und brichst die Kette so. Beispiel „Was Oma sagen möchte ist dass du das super gemacht hast.“ Konsequent jedes kleinreden überschreiben. Du kannst das ihnen ggü erklären: mir ist es wichtig die Kinder positiv zu verstärken. Ich werde da intervenieren wenn mir das bei euch fehlt. (Info an sie, keine Aufforderung, ich sehe es wie du, wir ändern sich nicht).

Werden sie ggf blöd finden. Aber wenn du verhindern willst dass sie deinen Kindern einpflanzen was man euch eingepflanzt hat wirst du aktiv werden müssen.

Bearbeitet von Butterfee
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Hallo!
Ich muss mal gerade nachfragen, wie du das mit mit dem "devot" nach außen genau meinst. Ich vermute nämlich, dass ich das ähnlich mache. Jedenfalls bin ich keine, die anderen gegenüber nach dem Motto auftritt "Schaut mal alle her, ich habe das tollste Kind der Welt!" Und auch wenn mein Kind etwas besser als andere macht, halte ich mich mit der Glorifizierung nach außen zurück. Und wenn mehrere Kinder Mist machen, nehme ich auch nur mein Kind aus der Situation und kläre die Sache mit ihm. Für die anderen Kinder bin ich ja nicht zuständig. Mein Kind hat mir deshalb auch schon mal gesagt, dass es das ungerecht findet, dass es immer alleine den Ärger kriegt. Da habe ich ihm das genauso erklärt, dass die anderen Eltern das selbst mit ihren Kindern klären müssen.

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Natürlich bin ich nur für meine Kinder verantwortlich und ich bringe meinen Kindern auch bei, dass nur weil andere Kinder sich schlecht verhalten es nicht in Ordnung ist dass sie es denen gleich tun. Und ich sage ihnen auch, dass deren Eltern mit Sicherheit auch mit ihren Kindern darüber sprechen und es nicht gut finden.

Es geht auch nicht darum, dass meine Eltern sich hinstellen und ihre Enkel in den Himmel loben sollen. Als ich ein Kind war, kam es aber sehr oft vor, dass ich regelrecht von meinen Eltern abgewertet wurde. Als ich ein Teenager war und meinen Vater von der Arbeit abholte sagte mal einer seiner Kollegen zu ihm bzw. mir "Mensch ist Ihre Tochter groß geworden. So eine hübsche junge Dame ist sie nun schon". Reaktion meines Vaters war ein entschuldigendes "Naja...hübsch...es geht schon. Kann man ja so auch nicht beeinflussen". Das Gefühl bei so einem Kommentar war nicht gerade besonders toll...

Und in Gesprächen mit anderen Eltern wurde oft über uns Kinder gesprochen. Die Kinder der anderen wurden immer unglaublich gelobt und wie toll sie wären - selbst wenn sie ein richtig mieses Verhalten an den Tag gelegt haben (vor meinen Eltern). Bei uns wurde dagegen gesagt "och, die xyz - sie tut sich beim lernen ja soooo schwer und Mathe/Chemie/Englisch sind nun wirklich alles andere als ihre Stärke" (in den besagten Fächern hatte ich am Gymnasium immer eine 2...).
Krass war es in der Grundschule: meine Mutter holte mich ab und ich sagte ihr, dass ich eine 1 im Diktat habe. Sie: "Naja, hoffentlich ist das das nächste Mal dann auch so, du musst mehr üben". Sie kam dann direkt auch mit der Mutter eines Klassenkameraden ins Gepräch, der etliche Fehler im Diktat hatte und sie sagte wirklich "Mensch, er macht das ja prima in der Schule, die paar Fehler sind ja nicht schlimm. Ich wünschte meine Tochter würde so eine gute Schülerin sein". Ich war damals noch klein, aber klug genug um zu kapieren dass das völlig verquer ist...

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Ok, das klingt natürlich etwas strange, wenn diese Äußerungen genauso gefallen sind. Wenn mir eine Mutter erzählt, dass ihr Kind mehrere Fehler im Diktat hat und das für das Kind dennoch eine gute Leistung ist, hätte ich es allerdings auch lobend angesprochen und ihr natürlich nicht dabei unter die Nase gerieben, dass mein Kind aber 0 Fehler hat. Sich allerdings zu wünschen, dass das eigene Kind genauso gut wäre, ist natürlich in diesem konkreten Zusammenhang Quatsch.

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"Nein, ich bilde es mir nicht ein, es war so."
Es wird Zeit deinen Eltern über die Zunge zu fahren.
Dazu reicht einfach Ehrlichkeit.
Ob es ihnen gefällt oder nicht, wäre mir egal. Du bist jetzt kein kleines Kind mehr.
Sprich für dich selbst und greif ein, wenn sie deine Kinder negieren.

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Ich bin ähnlich aufgewachsen und bemerke bei meinen Eltern auch wiederkehrende Verhaltensweisen gegenüber meinen Kindern. Ich korrigiere ihre Äußerungen direkt in dem Moment und nehme meine Mutter daraufhin oft zur Seite und bitte sie erklärend darum, solche Bemerkungen zu unterlassen. Mir ist vollkommen egal, ob sie mich verstehen oder es nachvollziehen können. Ich bestimme an diesen Punkten und lasse nicht mit mir diskutieren.

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Wenn ich das lese, tust mir du und deine Geschwister richtig leid. Mein mann hat ähnliche Eltern.
Sie haben beinahe jegliches Selbstbewusstsein von ihm zerstört. Mit dem Unterschied zu deinen Eltern, dass nur die Kinder nix können, die beiden sind allwissend, ja fast gottähnlich #aerger
Mein mann hat jahre gebraucht, um das aus seinem kopf zu bekommen. Und das obwohl er wirklich ein sehr schlaues Köpfchen ist. Und bei seinen Eltern oftmals eher leerer Hohlraum sache ist.
Schütze deine Kinder!
Wenn sie dieses Verhalten bei deinen Kindern weiterführen, würde ich extrem hart durchgreifen! KEINER hat das Recht, deine Kinder oder deren Leistungen abzuwarten!

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Solche Eltern fühlen sich anderen Personen wohl prinzipiell unterlegen und "weniger wert" - dazu passt ja auch, dass in ihren Augen die anderen alles besser können, immer recht haben etc. Andererseits genießen es solche Eltern aber auch, wenn Kinder im Haus sind, weil sie sich denen dann körperlich und geistig überlegen fühlen und dieses Gefühl möchte man - je größer die Kinder werden - natürlich ungern aufgeben. Deshalb werden die Kinder weiter runtergemacht und denen das Selbstbewusstsein geraubt, damit sie weiter klein gehalten werden können und sich die Eltern dadurch "stärker" und weiterhin als die "Chefs im Haus" fühlen. Die wenigsten Eltern handeln so aus einer boshaften Absicht, sondern ganz viel läuft da unterbewusst und weil sie vielleicht auch selber so aufgewachsen sind.

Ich bin selber so aufgewachsen und ja, obwohl ich das ungesunde Verhalten meiner Eltern erkenne, fühle ich mich dennoch anderen Erwachsenen gegenüber erst einmal "unterlegen". Oft habe ich von vornherein das Gefühl "ich bin nicht gut genug, ich bin nicht hübsch genug, die anderen sind bestimmt nur nett zu mir weil sie mich in irgendeiner Weise reinlegen möchten - sie meinen es bestimmt nicht ernst". Ich muss mir dann oft bewusst sagen, dsas auch die anderen Menschen Fehler haben und vorallem machen, dass sie keine "Götter" sind, die alles haben/kriegen/können und ich dagegen eine Totalversagerin.

Ich habe auch Kinder und mir ist sehr, sehr wichtig, dass ich diese ungesunde Denkweise nicht an meine Kinder weitergebe.

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Das Ergebnis ist egal. Wichtig ist das Bemühen bzw. dessen Fehlen beim Kind. Entsprechend sollte verstärkt/gefördert werden. Wenn Oma sagt, "hoffentlich bleibt das auch so", würde ich nicht dem Kind vorlügen, Oma meine das eigentlich ganz anders und auch nicht die Note (das Ergebnis) sonstwohin bejubeln als Kontrast. Stattdessen "Ich finde toll, dass du dich bemüht und fleißig gelernt hast. Welche Note dabei rauskommt, ist doch nicht so wichtig." Immer und immer wieder.

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Auch auf die Gefahr hin, dass ich hier jetzt enorm kritisiert werde, aber ich finde es falsch den Kindern zu signalisieren "ist egal welche Note zu in der Schule bekommst". Noten sind wichtig, sie ebnen den Weg in weiterführende Schulen, zu einem Bildungsabschluss, zur Berufswahl - das würde ich nicht als "nicht wichtig bezeichnen".

Ich glaube jedes Schulkind kassiert früher oder später mal die ein oder andere schlechte Note und in dem Fall würde ich mein Kind trösten, es wieder aufbauen und ggf. zusammen mit ihm lernen. Wenn sich die schlechten Noten häufen eventuell Nachhilfe organisieren, überlegen ob eine andere Schule besser wäre. Ich würde ein Kind nicht wegen einer schlechten Note ausschimpfen, aber ich würde schon appellieren zu lernen (wenn es da nur wenig oder gar nicht macht) oder irgendwie versuchen zu helfen oder Hilfe organisieren. So ganz nach dem Motto "der Test war jetzt nicht so gut. Komm, wir üben das Diktat gemeinsam, dann wird es das nächste Mal bestimmt besser". Ich fand damals in der Schule eh, dass die größte Motivation für ein Kind die guten Noten sind - ich habe mich jedenfalls immer sehr gefreut, wenn ich eine gute Note hatte und täglich mit einem guten Gefühl in die Schule und aus der Schule gegangen bin und mir nicht wie manch andere um die Versetzung Sorgen machen musste ;-)